Ausgabe 
10.2.1916 Erstes Blatt
Seite
33
 
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Nr. 54

Der Sietzener Anzekß«

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Erstes Blatt

M. Jahrgang

Donnerstag, (0. Zebruar Mb

SemM-MMM für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: §chulstr.7.

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monatl. 85 Pf., viertel- jährl. Btt. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Alk. 2.30 viertel- jährl. auLschl. Besletlq. Zeilenpreis: lokallöPs., ausw. 20 Pf. Haupt­schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Fr.R.Zenz; für den Airzeigeutett: H. Beck, sämtlrch m Gießen.

Erfolgreicher Liurmangriss beiviKH.VerVsrmarsch inAlbanien. Honig zerdinand im deutschen Hauptquartier.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 9.Februar. (Amtlich.)

We st licherKriegsschau platz.

Westlich von Vimy stürmten unsere Truppen die erste französische Linie in achthundert Meter Ausdehnung, mach­ten über hundert Gefangene und erbeuteten fünf Ma­schinengewehre.

Südlich der Somme sind die Franzosen abends wieder in ein kleines deutsches Grabenstück eingedrungen.

Am Priesterwalde wurde von unserer Infanterie ein feindliches Flugzeug abgeschossen. Es stürzte brennend ab. Bride Insassen sind tot.

OestlicherKriegssch an platz.

Kleinere russische Angriffe in der Gegend von Jllurt (rwrdwestlich von Dünaburg) sowie gegen die am 6. Februar von uns genommene Feldwachtstellung an der Bahn Bara- nowitschiLjachowitschi wurden abgcwiesen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Man kann nach den letzten Vorkommnissen auf dem westlichen Kriegsschauplatz noch nicht sagen, ob dort dem­nächst eine große Offensive einsetzen wird. Der heute im amtlichen Bericht gemeldete Teilerfolg westlich von Vimy (Vimy liegt 10 Kilometer nördlich von Arras) kündigt in dieser Beziehung ebensowenig etwas an wie die aus fran­zösischer Quelle gemeldete Beschießung der Festung Belfort aus schweren deutschen Geschützen. Der militärische Betrachter im BernerBund" urteilt über die kommenden Ereignisse des Frühjahrs in folgenden Sätzen:

Wer die Betrachtungen der Militärkritiker in den verschie­denen Lagern verfolgt, ftrmt feststellen, daß in der letzten Zeit beim Gegner bestimmte Ossensivabsichlten gesucht werden. Diese Erscheinung läßt sich zum Teil auf die lange Dauer der schein­baren Pause im krwgerischen Akt zurückführen, wird zum Teil aber auch durch die starke Zurückhaltung bedingt, die seit einiger Zeit im offtziellen Nachrichchenverkehr der Heeresleitungen geübt wird. Nach meiner Auffassung weisen diese und andere Anzeichen darauf hin, daß die Vorbereitungen zu den zu erwar­tenden großen Operationen mit gesteigerter Sorgfalt getroffen werden, da man sich auf allen Seiten bennißt ist, daß nun, im EntscheLungsjahr, mit dem Einsatz der vollen und zugleich der äußersten Kraft gekämpft werden muß. Dabei werden alle technischen Errungenschaften und alle taktischen Ersahrimgen dieses Riesenkrieges zur Anwendung gelangen. Falsch wäre es, nur Kn glauben, daß wir es mit einer Verschlep­pung M tun haben, und daß die allgemeine Kttegslage räumlich und zeitlich in eine gewftse feste Form gebracht worden sei, die uns gestatten würde, das Ganze zu übersehen. Wir sind vielmehr keinen Tag vor überraschenden Wendungen und einer strategischen Neuorientierung sicher.

«Noch viel AuftwerksMnkeit und Spannung erfordert die Lage lauf dem Balkan. Wie von berufener Stelle im feind­lichen Lager immer wieder erklärt wird, soll die Stellung in Saloniki dauernd gehalten iverden, um einen deutschen Vorstoß Liber Konstantinopel hinaus LU gefährden und un­möglich KU machen. Das sind die bekannten englischen Erwägungen, die ihren Ausdruck schon vor Monaten von den Londoner Ministertischen aus gesunden haben. Auf der anderen Seite verzeichnen wir heute eine halbamtliche Erklä- rung aus Sofia, wonach die dortigen maßgebenden Kreise, bei voller Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Griechen­land, gewillt sind, die Feinde von der Treppe zum eignen .Hause unter allem Umständen Ku verjagen. Der Berner Bund" meint: Es sei nicht begannt, ob die englisch-franzö­sischen Streitkräfte int Raume Saloniki auf wesentlich mehr als 200 000 Mann verstärkt worden find:

* ,Zu einer Offensive großen Stils sind sie indes wohl noch nicht befähigt, und z-war um so weniger, als über die Verhältnisse weiter östlich bei Kavalla Und in Albanien noch keine Sicherheit besteht und das griechische Problem noch unge­löst ist. Eine kombinierte Offensive der Minetten, die auf die Rückeroberung Serbiens und die Durchschneidnng der zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn aus der euren Seite und Bul­garien und Türkei auf der anderen Seite hergestellten Verbindung ausgeht, ist zurzeit aussichtslos. Ob eine Offensive zur Wegnahme der D>e fen siv ba sis Sal oniki im Gange ist, wird sich nun bald entscheiden. Die Mittelmächte besitzen jetzt auf mindestens drei Frontet: Bewegungsfreiheit: es läßt sich! daher nicht sagen, wo sie diese zu nützen ttachteii. Das war anders, als man ihnen die Operationsfreiheit und Opera- tionsnotwendigkeit nur in einer ganz bestimmten Richtung zu­erkennen komite. Und zwar war das nach dem Durchbruch von Gorllce, dem Durchbruch bei Przasnysz und dem Einbruch in das polnische Festungssyftem im Sommer 1915 der Fall Da wurde die Notwendigkeit und neben dieser auch dre Möglichkeit ächtbar, daß die Mittelnrächte nun den Uebergang über die ^ Donau erzwingen nnd im konzentrischen Vorgehen mit den Bul­garen die Verbindung mit der Türkei und Asten fteilegen würden. Welche Ausgaben den Heeresleitungen der Mittelmächte und ihrer Verbündeten heute als die dringlichste und erfolgreichste er­scheint, b*e yu «ttschsiben muß der Zukuuft überlassen bteiben."

Der Widerstand in Albanien scheint ebenso schnell zu erlahmen wie in Montenegro, wo nach dem neuesten Wiener Bericht die Entwaffnung bereits abgeschlossen ist. Die Vor­truppen der österreichisch-ungarischen Streitkcäfte haben den Jsmi-Wuß überschritten und den Ort Preza genom­men, der nur etwa 20 Kilometer nordöstlich von Durazzo liegt. Werter südöstlich liegt jener im Wiener Tagesbericht ßöietiniic Ort Bctljas (8 Moimeter. vpzHweMch von Tirana),

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Die Front im Westen

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wo es zu einem kurzen Gefecht gekommen ist, in dem der Gegner geworfen wurde. Dieser setzt sich aus Resten serbi­scher Verbände, italienischen Abteilungen und Söldnern Essad Paschas zusammen, die sich jedoch zum weitaus größ­ten Teil kampflos zurückgezogen haben. Aus französischen Zeitungen erfahren wir, daß Essad Pascha mit seinen Kämp­fern sowie serbische Mteilungen ans Korfu untergebracht werden sollen. Nach demPetit Parisien" hat eine franzö­sische Mteilung die griechische Insel Fano, nördlich von Korsir, besetzt. Die italienischen Aussichten in der Mria werden auch durch das Eintteffen Briands, des französi­schen Ministers des Auswärttgen, in Rom nicht verbessert werden. Enttäuschungen gibt es genug, die beide Län­der ausbauschen könnten. Nicht nur das Ministerium Sa- landra ist müde und mürbe, sondern auch in den obersten Stellen der französischen Republik krachen die Balken. Ein Beweis dafür ist der Rücktritt des Unterstaatssekretärs für das Flugwesen, Besnard, der wohl zu den Opfern unserer Zeppelin-Angriffe gehört oder, wie man es auch ausdrücken kann, zu den Opfern, die der Enttäuschung des französischen Volles freiwillig dar gebracht werden mußten.

Der Sfterrelchisch-uugarischc Tagesbericht.

Wien, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amttich wird verlimlbarl: 9. Februar 1916.

Russischer und italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Vortruppen der in Albanien operierenden und k. Streitkräfte haben den Jsmi-Fluß überschritten u den Ort Preza und die Höhen nordwestlich davon best Der Feind, aus Resten serbischer Verbände, italienisch Abteilungen und Söldnern Essad Paschas bestehend, verm den Kampf und wich gegen Süden und Südosten zurr Nur bei der Besetzung des Ortes V a l j a s (8 Kilome iwrdweftlich von Tirana) kam es zu einem kurzen Gefec in dem derGegner geworfen wurde. Unsere Fliec bewarfen in der letzten Zeit wiederholt die Truppenlac bei Durazzo und die im Hafen liegenden italienisch Dampier erfolgreich mit Bomben.

In Montenegro ist die Lage unverändert ruh Die Entwaffnung ist abgeschlossen.

Der Stellvertreter des Ehefs des Generolstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Die Lage auf dem Battanc

Sofia, 9. Febr. (WTB. Achtauttttch.) Meldung der Bul­garischen Telegraphcn-Agei:tut. Auf Gnnw der militäriscl-enLam- die jüngsten Ereignisse geschaffen, erachteten cS die griechische und die rumänische Regrenmg in Uebevem,nm.mung mit den bul ­

garischen Militärbehörden für angemessen, ihre Konsuln tfnS Mo­na st i r (Bitolia) abzuberufen.

Sofia, 9. Febr. MTB. Nichtamtlich.) DaS Rvgieruugs- ovganNarodne Prawa" schreibt:

Wir stehen Ijeute gemeinsam mit (imseren großen Verbündeten cnr der griechischen Grenze, nicht als Feinde, sondern mit der Hofstrung, ante Nachbarn Griechenlands zu werden. Auch sind wir nicht schuld daran, daß unsere Feinde Griechenlands Neu- ttalität verletzen und auf griechischem Boden stehen. Unsere Fteiude dürfen dort nicht bleiben, wo sie sind. Wir haben das Recht, unseren Feind dort zu suchen und zu ver­nichten, damit er uns nicht bedrohe. Es nmg für Griecheiüand schwer sein, fremde Truppen auf seinen: Boden zu sehen, aber wir können uns davon nicht labhalten lassen, .uns zu wehren., Obgleich es den griechischen Staatsmännern schwer fallen mag, sich zu eittscheiden, so hoffen wir doch, daß sie schließlich erkenne:, tverden, wo die wahren Freunde 'sind und daß dann ein dauerndes Freundschaftsbaud ztvischen Griechenland und Bulgarien geknüpft wird. Jedenfalls muß gesagt werden, daß wir unmöglich unseren Feind in der Nähe imferer Grenze stehen lassen köstnen. Dieser F'eind muß verttteben tverden. Wir sind bereit, allen Möglich- leiten zu begegnen im vollsten Bettrauen auf unsere Kraft und auf den Endsieg."

Der Bormarsch in Albanien.

Bern, 9. J^br. (WTB. Nichtamllich.) Wie derlLvrriere della Sera" aus Paris meldet, sollen die Bulgaren aus dem Wege nach Durazzo bereits Tirana besetzt habeil.

Ans dem feindlichen Lager in Saloniki.

Berlin, 9. Febr. (Pi'iv.-Tel.) DieB. Z. a. M." berichtet: Aus Saloniki wird gemeldckk: Der englische Ge­neral erklärte dem griechischen General Mouscopulus bei Besichtigung der englisch-französischen Beststigimgen: Wir werden Saloniki als ständige Basis besetzen, um einen deutschen Vorstoß über Konstantinopel hinaus verhindern zu können. Wir können Salmnki nicht aufgeben, solange unser Ziel nicht erreicht ist.

*

König Zerdilmnö im deutschen Hauptquartier.

Berlin, 9. Febr. (WTB. Amtlich.) Seirre Majestät der König der Bulgaren ist zu eine,« inehttägigen Aufenthalt'im Großen Hauptquartier eingetroff«i. Irr seiner Begleitung befinden sich Ministerpräsident Radoslawow lind der Oberbefehlshaber der bulgarisä)en Armee, Oieneral I e k o w. Zu den Besprechungen haben sich auch der Reich s- kanzler und der Staatssekretär des Auswär­tigen Amtes in das Kaiserliche Hauptquartier begeben.

Ein Trinkspruch des Kaisers.

Berlin, 9. Febr. (WTB. Amtlich.) Im Großen Hauptquartier fand heute zu Ehren des Königs der Bul-