Ausgabe 
9.2.1916 Erstes Blatt
Seite
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eine Zunahme der Einfuhr um 7 701 850 Md der Ausfuhr um 8509 575 Pfund Sterling.

Die Beeinträchtigung des englischen Wirtschaftslebens.

London, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter melden, daß Frauen- und Männerkleider um 20 bis 30 Prozent im Preise steigen und wahrscheinlich weiter steigen. Ferner wird der Bezug von Petroleum für pri­vate Automobile künftig sehr eingeschränkt werden.

Kritik in derDaily Mail".

London, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Lovat Fraser schreibt in derD a i l y Mail": Wenn in der nächsten Woche die neue Parlaments-Session beginnt, wird der Regierung die Not­wendigkeit einer neuen Luftpolitik dringend nahe gelegt werden. Ter Zeppelinangrisf auf die Midlande bildet noch immer den Hauptgesprächsstoff. Tie Nation ist nicht beunruhigt, aber sehr empört, weil Zeppeline in das bisher unverletzte England eindringen durften, ohne daß anscheinend mich nur der Versuch eines Widerstandes gemacht worden ist. Das Land ist empört über die schwächliche, unklare und ungenügende Vorbereitung für den Luftkrieg und verlangt eine Politik, die nicht länger auf einer schlecht geleiteten Defensive beruht, sondern die große Bedeutung des Luftkrieges erkennt und die Schläge energisch erwidert. Kein Flugzeug soll von der Front weggenommen werden; die Front muß zuerst versorgt werden: aber es muß mehr geschehen. Die Regierung hat überhaupt keine Politik, weil sie glaubt, daß sie damit Zeit bis nach dem Kttege hat, und weil es die verhängnis­volle und lähmende Tradition der englischen Armee Md Flotte ist, auf ireue Erfindungen zu warten, bis andere Nationen sie ent­wickelten. Aber in diesem Kriege können wir nicht warten. Tie Nation muh ein träges Ministerium zur Tat zwin­gen und muß ihn: sagen, daß diese alte mächtige Nation die Schande nicht ertragen will, harte Schläge zu erhalten, ohne zu versuchen, sie zu erwidern.

Eine Finanzberatung in London.

Paris, 7. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Ribot ist heute vormittag in London zur Beratung mit dem Schatzkanzler Mac Ken na eingetroffen.

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Der Angriff auf Albanien.

Berlin, 8. Febr. (Privattelegramnt.) DerBert. Lok.- Anz." meldet aus Rotterdam: Eine Exchange-Depesche aus Athen meldet, daß nach dort eingetroffenen Meldungen zwischen den Italienern und Serben einerseits und den österreichi- s ch e n und bulgarischen Truppen andererseits in der Nähe von A l e f s i o scharfe Kämpfe stattfinden. Wegen der nu­merischen Ueberlcg'nh'it der lezteren mußten sich die Serben und Italiener aus Fieris zurückziehen. Die Bulgaren sollen Elbassan besetzt haben.

Bern, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mittei­lung derIdea Nazionale" aus Dnrazzo wird die Vorhut des österreichisch-ungarischen Heeres in Albanien von katholischen Nordalbaniern gebildet.

Berlin, 9. Febr. Der Vormarsch der österreichisch-unga­rischen Truppen in Albanien macht langsame Fortschritte. Die Blätter heben hervor, daß die Geländeschwierigkeiten in dem an Hilfsquellen armen Lande lein rasches Vorgehen der Offensive gestatten.

Berlin, 9. Febr. Tie aus unkontrollierbarer Quelle, an­geblich aus Athen eingetroffene Meldung, daß die österrei­chisch-ungarischen und die bulgarischen Streit­kräfte in Albanien die Verbindung miteinander her- gestellt hätten, muß vorläufig als unbestättgt angesehen werde::.

Die Italiener in Balona.

Berlin, 8. Febr. (Priv-Del.) DieB. Z. a. M." mel­det aus Konstantinopel: Tie ZeitungTürk-Sedassi" meldet: Tie Italiener haben alle Truppen aus ganz Al­banien in Balona zusammengeKogen.

Uebergriffe in Saloniki.

Wien, 8. Febr. (Priv-Del.) DieSüdslaw. Korresp." meldet aus Athen vom 6. Februar: Nach einer authenti­schen Mitteilung wurde in Saloniki das Privateigen­tum der Konsuln Oesterreich-Ungarns, Deutschlands, Bulgariens und der Türkei auf Befehl des Kommandos der Entente truppen öffentlich versteigert. Gleichzeitig wurden auch die Effekten des Personals der vier Konsulate verauktioniert. Der Erlös aus diesen Versteigerungen wurde als Kriegsbeute den an den seinerzeitig-en Verhaftungen hervorragend Beteiligten zugewiesen. (Das Wolff-BureaU darf bei dieser Meldung nicht zitiert werde,:.)

Tapfere österreichische Marineflieger.

Berlin, 9. Febr. Wie demBerliner Tageblatt" be­richtet wird, flogen am 7. Februar österreichische Marine­flieger bei Sonnenaufgang über das bereits hell beleuchtete Meer nach Gorgo bei Grado und richteten in dem dort befindlichen italienischen Fliegerpark großes Unheil an. Um =7*6 Uhr schwammen drei Wasserflugzeuge zuerst einen Teil des Weges auf der Adria, um sich plötzlich wie die Möven vom Meer emporzuheben, bis zu einer Höhe von 1200 Metern. Die Hydroplane manövrierten oberhalb Gorgo knapp über den italienischen Fliegerschuppen und einer nach dem andern warfen sie ihre wohlgezielten Bomben ab. Noch bevor die italienischen Abwehrkanonen ihre Tätigkeit be­gannen, brannten die Schuppen lichterloh.

Die Reise des Königs Ferdinand nach Deutschland.

Sofia, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bul­garischen Telegraphen-Agentur. Der König reifte gestern abend in Begleitung des Ministerpräsidenten Radoslawvw, des Genera- lisfinms Schehow, des Hofmarschalls General Sawow und eines kleinen militärischen Gefolges nach dem deutschen Großen Haupt­quartier ab, um Kaiser Wilhelm einen Besuch abzustatten. Vvn dort tvird der König den ArmeMberSornMandanten des öster­reichisch-ungarischen Heeres, Erzherzog Friedrich, besuchen. Dar­aus kehren Radoslawow und Scheüow Nach Bulgarien tzürüch, während der König sich nrit Gefolge nach Ko bürg begibt. In ,Abwesenheit des Königs Wird die Regentschaft durch, den Ministerrat ausgeübt.

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Von der Irak front ist nichts Be­sonderes $u berichten. An der Kaukasusfront erneuerte der Feind <rm 6. Februar wiederum seine Angriffe in verschiedenen Abschnitten gegen unsere Stellungen und vorgeschobenen Posten, erzielte aber keinerlei Erchlg. Im Zentrum unternahmen unsere vorgeschobenen Abteilungen Zeinen Gegenangriff, tüteten mehr als 300 Russen und nahmen ettoa 40, darunter zwei Offiziere, ge­fangen. An der Dardanellen front beschoß am 7. Februar ein feindlicher Torpedobootszerstörer Tekke Burnu; er wurde durch das Gegenfeuer unserer Batterien verjagt.

Die erste deutsche Oper in Konstantinopel.

Konstantinopel, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Am Montag abend wurde KienzlsEvangelimann" auf geführt, die erste deutsche Oper, d:e in Kon­st an tinopel auf die Bühne gebr acht w orden ist. Die Leitung hatte der frühere Wer selber Opernsänger Ernest und der hiesige Theaterfachmann Röreman. Das Orchester war 40 Mann stark, der Chor aus DttleLanten

geSrldeL. Die Aufführung erzielte einen starken Gesamtein­oruck, der zur Fortsetzung der Besttedungen auf diesem Gebiete ermutigt.

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Die deutsch-amerikanischen Verhandlungen.

L 0 n d 0 n, 8. Febr. (WTB. Nichtamtl.) DieTime s" melden aus New Jork, man könne noch nicht sagen, ob der Optimismus der amerikanischen Presse über die bevorstehende Lösung derL u s i t a n i a"-F r a g e be­rechtigt sei. Selbst der Präsident habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Man könne aber darauf rechnen, daß selbst, wenn Wilson sich außerstande sehen sollte, die deut­schen Zugeständnisse anzunehmen, seine Weigerung in sol­cher Form geschehen würde, daß eine Möglichkeit für weitere Verhandlungen offen bleibe.

Amerikanische Flottenvorbercitungen.

Washington, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Mel- düng des Reut-erschen Bureaus. Auf einen Anttag des Staatssekretärs für die Marine bewilligte das Reprä­sentantenhaus 500 000 Dollars, um die Reparatur- werft der Kriegsmarine auf Mare Island bei San Fran­cisco für den Bau von Schlachtschiffen einzurich- ten uno die New Jorker Werft so auszubauen, daß ihr Pro- duktionsvernrögen verdoppelt wird. Es liegt in der Absicht der Regierung, fünf Werften für den Bau von Schlacht­schiffen verfügbar zu haben.

Die in Spanien internierten Deutschen.

Madrid, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Tele­gramm aus Cadiz hat der DampferC a t a l 0 n i a" den Auftrag erhalten, nach Muni zu fahren, und dott 1000 deutsche Soldaten einzu schiffen, welche über die Grenze von Kamerun auf spanisches Gebiet übergingen. Die Deutsche:: wer­den in Spanien interniert werden.

Der Seekrieg.

Ein englisches Dementi.

London, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Ad­miralität veröffentlicht folgendes: Nach dem heutigen deutschen drahtlosen Bericht meldet dieKölnische Zeitung", daß sie von der holländischen Grenze die Nachricht erhielt, es sei beim letzten Luftangriff auf England auf dem Humber das britische KriegsschiffCaro­line" von einer Bombe getroffen worden und mit großen Verlusten an Menschenleben gesunken. Weder dieCaro­line" noch irgend ein anderes britisches Kriegsschiff oder Handelsschiff, ob groß oder klein, ist auf dem Humber oder in irgend einem anderen Hafen getroffen worden.

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Berlin, 8 Febr. (WTB. Nichtamtlich.) In der Nacht vom 1. zum 2. Februar wurde das MotorschiffArtemis" der Niederländisch-Indischen Tank-Dampfergesellschaft von einem deutschen Torpedoboot angegriffen und durch einen Torpedoschuß beschädigt. Dem Schiff war es möglich, in hava­riertem Zustande einen Hafen zu erreichen. Nach den bisher über den Fall vorliegenden Nachrichten glaubte der Kommandant des Unterseebootes, daß dieArtemis" dem Befehl, ihm zur Untersuchung zu folgen, Widerstand entgegensetzte. Um diesen zu brechen, griff er dieAttemis" an. Die Untersuchung über diesen Fall, in dem bedauerlicherweise ein neutrales Schiss durch den Krieg beschädigt wurde, ist noch nicht abgeschlossen.

L 0 nd 0 n, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der britische DampferA r g 0 " ist g e s u n k t n.

Aus dem Reiche.

Berlin, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der letzte Teil der Beratungen des Staatshaushaltsaus­schusses des Abgeordnetenhauses über wirt- schastlicheKriegssragen bezog sich <mf die Lage des Handwerks, worüber Dr. Bönisch einen längeren Be­richt erstattete. Der Landelsminister erklärte, daß die Heranziehung des Handwerks zu. Kriegslieserungen eine recht erfreuliche gewesen sei. So habe allein die Feldz-eug- meisterei durch Vermittlung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages für rund 37 Millionen Mark Auf­träge dem Handwerk zugewandt. Eine umfassende Organi­sation sei auf Anregung des Handwerks- iml> Gewerbe- kcnnmertages im Werke. Die Staatsregierung bringe den Bestrebungen teilnehmendes Interesse entgegen, das auch gelegentlich durch Gewährung von Beihilfen zum Ausdruck komme.

Berlin, 9. Febr. Zum heuttgen 70. Geburtstage des Prinzen Leopold von Bayern heißt es in derVossischen Zeitung": Zn ganz Deutschland hat es leb­haften Widerhall gefunden, daß dem nunmehr 70jährigen Bruder des Königs von Bayer:: Gelegenhett gegeben war, sein Feldherrntalent im Ernstfall zu beweisen. Fast sein ganzes Leben hat Prinz Leopold dem aktiven Heeresdienst gewidmet. Stets kam bei ihm der Dienst in erster Linie und gewissenhaft und freudig versah er ihn von früher Jugend bis zum späten .Alter. Die Last der 70 Fahre hat den Prinzen nicht gebeugt. Noch heute ist er rüstig und lebens­frisch. Die scharfen Bersolgungskämpie des August und September 1915 erforderten wie für die Mannschaften so auch für den höchsten Führer große Anstrengungen. Der Prinz überwand sie leicht und war so ein leuchtendes Bei­spiel für seine Truppen, die er zu immer neuen Leistungen cuMspornen verstand.

Aus Hessen.

Die Haushaltsberatung in beiden Finanzausschüssen.

rb. T a r m st a d t, 8. Febr. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer ttat heute vormittag zu einer Sitzung zuscunmen, in der unter dem Vorsitz des Präsidenten, Grafen Erbach-Für­stenau, eine längere Aussprache über die gegenwärtige Finanz­lage des Großhevzogtums und den neuen Staatsvoranschlag für 1916 stattfand. Tie Erörterung beschränkte sich auf die allge­meinen Grundtzüge des neuen Voranschlags und die von der Großh. Regierung vorgeschlagenen Mittel zur Deckung des vorhandenen Fehlbettags.

Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute vormittag die Beratung des Voranschlags unter Vorsitz des Abg. Tr. Osann sott und beschäftigte sich hauptsächlich mit den An- slorderungen Wer das Braunkohlenbergwerk und das Kraftwerk Ludwigs Hoffnung, das für die Grube und die Preßsteinfabrik einer Einnahme von 252 425 Mark und einer Ausgabe von 231842 Mark und für das Kraftwerk mit 239 800 Mark Einnahme und 201018 Mark Ausgabe abschließt, so daß sich eine Gesamteinnahme von 492 225 Mark und erne Ge­samtausgabe von 432 860 Mark und ein Ueberschuß von 59 365 Mark (mehr gegen das Vorjahr 11834 Mark) ergibt. Bei der Beratung kam auch die.Regierungsvorlage, betreffend den Erwerb der Fürstlich Solms-Braunfels scheu Braunkohlen­grube n in der Wetterau zur Sprache, sowie die Verttags Verhält­nisse mit der Provinz Obecheffen. Ter Finanzausschuß steht auf dem Standpunkt, daß die gedeihliche Entwickelung des staatlichen Betriebes Nur in Verbindung der Provinz Oberhesse:: mög­lich sei und diese auf längere Zeit hinaus gewährleistet tverdenj müsse. Ueber diese Berhcmdtturgen soll be: der Beratung :mt der

Großh. Regierung noch nähere Aufklärung gegeben werden, be­vor die Bewilligung erfolgt, und insbesondere auch der Regie­rungsvorlage über den Ankauf der Solms-Braunfels'schen Koh­lengruben näher getreten wird. Sodann verhandelte der Finanz­ausschuß über das Kapitel Salzwerk, Badeanstalt und Tiesbauamt Bad Nauheim und Badeanstalt Bad-Salzhausen. Ties Kapüel schließt für Bad Nauheim einer Einnahme von 1 133 000 Mark und einer Ausgabe von 1083 096 Mark und für Bad Salzhausen mit 71 710 Mark Ausgabe und 21 806 Mark Einnahme ab. Beim Etat für Bad-Nauheim wurde vom Aus­schuß beanstandet, daß die Einnahmen aus den Badegeldern viel zu niedrig angesetzt feien (450000 Mark gegen 910 000 Mark im Vorjahr), ebenso die Einnahme aus Kur- und Eintrittsgeldern (260 000 Mk. gegen 470 000 Mk. im Vorjahr). Es lvurde ber diesen Postei: die Ansicht vertreten, daß Einnahmeänderung in diesem Umfang nutzt gerechtfertigt sei. Andererseüs wurde der den Ausgabe:: besonders beanstandet, daß für Werbetätigkeit, Drucksachen und Einrückungsgebühren ein Posten von 80 000 Mark angesetzt und für die KUrmusik 20 000 Mk. mehr, statt 68 000 Mk. im Vorjahre jetzt 88 000 Mk., angefordert rverden. Diese, wie andere Ausgabeposten sollten noch eine Nachprüfung erfahren. Tie Verhandlungen des Ausschusses hierüber mußten abgebrochen werden, weil der Finanzausschuß der Ersten Kammer zu einer gemeinsamen vertraulichen Besprechung erschien, die etwa zwei Stunden andauerte. Tie Verhandlungen des Aus­schusses der Zweiten Kammer werden Mittwoch vormittag fort­gesetzt.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 9. Februar 1916. Mehr Achtung vor der BrotversorgungSregelung.

Bei gelegentlichen Besuchen auf dem Lande kann man. wie wir von unterrichteter Stelle hören, dort auch an an­deren Tage::, als an Samstagen, feststellen, daß noch flott Kuchen gebacken wird. Stellt man die Trägerin eines Kuchens zur Rede, so kann man mit Bestimmtheit die Antwort erwarten, daß andere Frauen ja auch Kuchen backen. Man sollte nicht glauben, daß die Gewissenlosigkeit oft so weit geht, daß das Knchenbacken an den verbotenen Tagen in voller Öffentlichkeit geschieht, insofern, als die Kuchen ganz offen im Dorfe gettagen werden. Es wird wohl nicht ansoleiben, daß diese Berächterinnen der ge­setzlichen Vorschriften, die lediglich deshalb geschaffen wor­den sind, um mit unserem Getreide durchzuhalten, mit abschreckenden Strafen belegt werden müssen, um hier Wandel zu schaffen. Ebenso hört man, daß die länd­liche Bevölkerung vielfach mehr Brotgetreide ver­mahlen läßt, als ihr laut Verordirung vom 27^ August 1915 zusteht, und sich der Verantwortung dadurch zu ent­ziehe:: sucht, daß die zuviel vermahlene Mehlmenge im Mahlschein einfach wieder ausradiert wird. Die Leute scheinen nicht zu wissen, daß sie sich dadurch einer Ur­kundenfälschung schuldig machen und strenge Sttafen zu gewärtigen haben.

* Amtliche Personalnachrichten. Der Groß» Herzog hat den Kammerjunter und Kaiserlichen Regierungsrat

Karl von Werner in Berlin zum Kammerherrn, und den Hofjunker und Ministerial-Sekretär Robert Freiherrn L ö w von und zu Steinfurth in Darmstadt zum Kammerjunker er­nannt. In den Ruhestand wurde versetzt: am 12. Januar der Lehrer Friedrich Bayer zu Hechtsheim, Kreis Mainz, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkling vom 1. April 1916 an. Der Großherzog hat am 12. Janliar dem Lehrer Friedrich Bayer zu Hechtsheim, Kreis Mainz, anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großinütigen verliehen.

** Die Ablieferung der Metalle muß nach Anordnung des Reichsmilitärfiskus für Gießen bis zum 31. März d. I. in der Turnhalle der Oberrealschule, Bis- marckstraße, erfolgt sein. Es handelt sich in der Hauptsache um kupferne Kessel, kupferne und messingene Küchen- und Wirtschastsgegenstände und um Neinnickelsachen. Bei der Be­standsaufnahme ergab es sich, daß rund 1800 Eigentümer von der freiwilligen Ablieferung der Metallgegenstände aus irgend einem Grunde abgesehen haben. Vielfach setzte man voraus, daß es zu einer zwangsweisen Ablieferung der Metallsachen nicht kommen werde, und hat darum besonders mit der Herausgabe der kupfernen Waschkessel bisher zurück­gehalten. Um die Ablieferung der beschlagnahmten Sachen in geregelter Weise vornehmen zu können und um ein über­langes Warten der Ablieferer zu vermeiden, hat der Ober­bürgermeister die Anordnung getroffen, daß nach der alpha­betischen Reihenfolge eine beschränkte Anzahl Bürger für jeden zur Ablieferung bestimmten Tag ausgefordert wird, die Herausgabe der Sachen zu bewirken. Leider hat sich er­geben, daß zahlreiche Eigentümer in der Ablieferung sich säumig zeigen. Als Grund dafür wird angeführt, daß diese Säumigen immer noch des Glaubens sind, man werde gegen sie nicht zwangsweise Vorgehen. Man rechnet auch törichter­weise damit, daß bis zum 31. März d. I. der Friede ge- schlv^'-n sein könne und die Metalle dann zur Landesver­teidigung nicht mehr gebraucht würden. Es sei darauf hin­gewiesen, daß nach dem Formulare, worin die Eigentums­übertragung ausgesprochen worden ist, und das jeder, der einen Gegenstand abzuliefern hat, erhielt, bei Nichtabliese- rung der Gegenstände erstens Bestrasungeintritt und zweitens aus Kosten der Säumigen die zwangsweise Abholung erfolgt. Ilm solches zu vermeiden, möge ein jeder gutwillig der Aufforderung Nachkommen und um an der Ablieferungsstelle jeden Andrang zu vermeiden, pünktlich an dem ihm bestimmten Termin die Gegenstände abliefern.

** Baltenvortrag. Man schrnbt uns: Während im Deutschen Reich vordem der Staatsbürger in der Regel nur eifrig seinen Geschäften und seinem Berus nachging, und nur die wenigen im Alldeutschen Verband, im Verein für das Deutschtum im Aus­lande und einigen völkischen Landesvereinen zusammengeschlossenen Männer ihre Blicke aufmerksam und tätiger Teilnahme auf die Geschichte der Ausländsdeutschen gerichtet hielten, zwang die wachsende Not die außerhalb oer Neichsgrenzen um ihr Volkstum kämpfenden Deutschen, sich selbst zu geschlossener Kanrpfreihe zu­sammen zu scharen. In geradezu mustergültiger Weise ging hierin das baltische Deutschtum vor. das sich nickst darauf be­schränkte, den deutschen Bestand zu erhalten, sondern seine Stellung durch opferfreudige und zielbewußte Heranziehung von neuen deutschen Siedlern zu stärken wußte. Es gelang z. B. dieser Be­wegung, in verhältnismäßig wenigen Jahren in Kurland 13 000 bis 14 000, in Livland etwa 7 000 Dentschrussen anzusredeln, die auf ihren ursprünglichen Besitzungen in Rußland und Polen dank der Rusfifizieruugsmaßregeln der Regierung dm: Deutschtum ver­loren gegangen wären. Einer der kurländischen Hauptfühver dieser Bestrebungen der Balten, Silvia Br 0 edrich, Ritter­gutsbesitzer in Kurmahlen, wird uns morgen, Donnerstag, in seinem Vorttag über die Leiden und Erfolge seiner Volksgenossen berichten, denen nun hoffentlich eine bessere Zukunft erwachsest wird.

** Verwundeten-Unterricht. Am Freitag, den 18. l. Mts., abends 7y 4 Uhr beginnt im Soldaten heim der 4. Unterrichtskursus für soziale Gesetzgebung. Außer der reichs- gesetzlichen Kranken-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung werden die Kursusteilnehmer den wichtigsten Bestimmungen der Kriegsversorgung, Kriegswochen Hilfe usw. ver­traut gemacht. An die Erläuterungen des Unterrichtsleiters schließe:: sich jedesmal eingehende Aussprachen der Kursusteü-