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9.2.1916 Erstes Blatt
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Kr. 33

Der Gketz««er A«zeißer

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Erstes Blatt

lbb. Jahrgang

AMWoch. 9. Februar 19(6

Gietzener Anzeigen

General-Anzeiger sür Oherheßen

»«tattonrdruck und Verlag Ser vrühl'schen Umv.-Vuch- un» Strindruckerei B. Lange. Schristleitung. SeschSstsftelle und Druckerei: §chulstr.7. Nömmchms^ß-n:

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Neue Angriffe der Knffen nordwestlich von Carnopo! abgewiesen.

(WTB.) Vrotzes Hauptquartier. 8.Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südlich der Somme herrschte lebhafte Kampftätig- keit. In der Nacht vom 6. zmn 7. Februar war ein kleines Grabenstück unserer neuen Stellung verloren gegangen. Ein gestern mittag durch starkes Feuer vorbereiteter französischer Angriff wurde abgewiesen. Am Abend brachte uns ein Gegen angriff wieder in den vollen Besitz unserer Stellung.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahn­anlagen von Poperinghe und englische Truppen lager zwischen Poperinghe und Dixmuiden an. Es kehrte nach mehrfachen Kümpfen mit dem zur Abwehr aufgeftiegenen Gegner ohne Verluste zurück.

OeftlicherundBalkankriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Der russische Kriegsminister Poliwwrww, als Nachfolger Suchomlinows ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, hat, wie aus einer der nachstehenden Meldungen ersichtliche ist, all- genveine Erklärungen über die Lage der russischen Wehr­macht abgegeben. Der Zweck dieser Erklärungen? Zunächst soll die Zuversicht int Lcmde neu gestärkt werden. Daun aber ist es der Petersburger Politik sicherlich vor allem auch darum M tun, fm Rate der eigenen Ännpfgenvfsen ein gleichberechtigter Faktor zu bleiben und zu betonen, daß Rußland nicht etwa für endgültige Niederlagen der Entente die Schuld auf sich nehmen will Poliwanow erklärt, Muni- tüonsnurngel bestehe heute in Rußland nicht mehr, aber was er über die neue Industrialisierung des Reiches gesagt hat, klingt doch im «l^iemeinen nicht gerade erhebend für die russischen Aussichten.Alles mußte um gearbei­tet werden." Man 8cmn nicht aunehnren, daß gerade in Rußland eine so unendlich schwere Arbeit, die viel Geld und Orgauisationstalerrt erfordert, iglänzend gelöst worden sei. Mindestens hat dabei das Wirtschaftsleben unheilbare Schaden erlitten, denn es ist be&nmi, daß die Regelung der Ernahrungsvethälchrisse und des Verbrauchs wichtiger all­gemeiner Bedürfnisse im Zarenreiche nicht minder schwierig

C en ist als in Deutschland. Der Raubbau, der durch die tionsberstellung in Rußland jgetrieben worden sein mag, wird sich schwer geltend gemacht haben. Ist es denn aber mit Munition Und derRekrutenzahl, die Poliwanow nannte, schon getan? InStresfleurs Militärbt." wird, wie wir imBert. Tagebl." lesen, für Rußland, unter Anrechnung aller Ver­luste, für die Frühjahrszeit ein Heer von höchstens drei Millionen angesetzt. Die Hälfte davon ist der Restbestand des ehemaligen Feld- und Reserveheeres, die andere Hälfte die neu ausgehobene Mannschaft. An Infanterie wäre Ruß­land somit in einiger Zeit ziemlich stark. Aber viel schlechter, so urteilt Major Morath imBerl. Tagebl.", sieht es aus mit seinem Ofsiziermaterial, mit seiner Munition und mit seinen Geschützen. Eine schlecht geführte, mäßig bewaffnete, von vielen Niederlagen ungünstig beeinflußte Armee aus unbeholfenem Material vermag die Defensive nicht in den Angriff zu verkehren. Einen Beweis für diese Unfähigkeit hat der kürzlich gescheiterte Versuch an der galizischen und Aukowinafront erbracht.

Daß auch bei ihren letzten Bemülstmgen, nordwestlich 7wn Daropol vorzudringen, die Russen nur Mißerfolg hackten, entnehmen wir heute dem Wiener Tagesbericht. Liest -mau die russischen amtlichen Berichte, so findet man die alten Wahrnehmungen bestätigt: viel Worte, viel unwesent­liche Einzelheiten, aber nichts für den Fortschritt des Krie­ges Greifbares. Im neuesten Petersburger Bericht ist jedoch die Hervorhebung eines Geschehnisses bemerkenswert, das ganz allgemein ein rein menschliches Interesse be­anspruchen darf. Die russische Heeresleitung scheint nämlich stolz darauf zu sein, daß unter ihren Truppen ein Heldenmädchen kämpft und leidet, das ähnlich wie Eleonore Prohaska und Friederike Krüger in den Annalen der Ge­schichte verewigt sein wird. Im amtlichen Bericht vom 8. Februar heißt es:In der nämlichen Gegend schlich sich Korporal Glutscheko, der in Wirklichkeit ein iun- ges Mädchen namens Tscherniaska ist, das auf Erkun­dung ausgesandt zu werden verlangt hatte, in die feind­lichen Drahtverhaue ein und erfüllte trotz' einer schweren Wunde am Schenkel und einem Bruche die ihm zugewiesene Aufgabe. Sie kehrte kriechend in unsere Schützengräben zurück." Das klingt wenigstens besser als das bekannte fran­zösische Trinnrphges-chrei über ein Heldenmädck-en, das aus der Zivilbevölkerung sich hervvrfchlich, um in feiger Weise, jaus dem Hinterhalt, mehrere deutsche Soldaten zu erschießen. Wer auch der im russischen Bericht erwähnte weibliche Korporal ist lediglich rultilrhistorisch interessant: wenn er in einem späteren russischen Generalstabswerk genannt würde, wäre nichts dagegen einzuwenden. In der Aufzäh­lung der Heeres-vcholge hätte der weibliche Held ruhig fort­bleiben können.

Der Ssterreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 8.Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Februar 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Durch helleres Wetter begünstigt, herrschte gestern an der ganzen Nordoftfront lebhaftere Geschütztätigkeit vor.

Nordwestlich von Tarnopol griffen die Russen in der Nacht von gestern auf heute einen unserer vorgeschobe

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Zeit wieder hinausgeworfen.

Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

-N Infanterie-Stützpunkte wiederholt an. Es gelang ihnen, irübergehend einzudringen, jedoch wurden sie nach kurzer

Der russische Kriegsminifter über die Lage des russischen Heeres.

Paris, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der russische Kriegs­minister Poliwanow erklärte einem Vertreter desJournal", die Knappheit an Munition, welche Ende 1914 sich be­merkbar machte, im Dezember bereits einen beunruhigenden Grad erreicht hatte, sei gerade vor einem Jahre auf ihren Höhepunkt gelangt und im Mai und Jnnr 1915 verhängirisvoll gewesen.

Durch den Mangel an Geschossen wurde die russische Armee un­bedingt zuin Rückzüge gezwungen, während sie wegen ihrer Tapfer­keit und Kampfswerse den Si-eg verdient hätte. Dadurch gelühtnt, sagte der Minister, mußten wir dem Gegner allerdings Ge­lände, aber nicht den Sieg überlassen. Durch unseren lang-^ samen Rückzug gewannen wir Zeit, uns ans neue, entschei­dende Kämpfe vorzubereiten. Jetzt, erklärte der Bttnister ganz bestimmt, bestehe die Munitions krisis nur noch in der Erinnerung. Vom September 1915 an hätten die Be­mühungen um ihre Behebung Erfolge gezeigt. Die russischen Batterien, mit denen der Gegner zu rechnen nicht mehr gewöhnt gewesen sei, hätten sich ihm wieder fühlbar gemacht. Dazu hättest ungeheure Anstrengungen und strenge Maßregeln gehört. Bei­nahealles wäre neu zu schaffen gewesen, da Rußland bis dahin an große Bezüge vom Auslande, besonders ans Deutsch­land, gewöhnt gewesen sei. Das Ziel sei erreicht, aber das bedeute eine völlige Umwälzung und Unrformnng der ganzen industriellen Tätigkeit, ja beinahe der Lebensgewohnheiten in Rußland. Tep Minister zeigte Tabellen für die fabelhafte Entwickelung der für die Landesverteidigung arbeitender! industriellen Anlagen und erklärte, mit dieser Produktion des Lastdes trnd mit Hilfe des großen Marktes im Auslande könne man hinsichtlich der Munition ver- ttanensvoll in die Zukunst blicken. Die größten Lücken seien aus­gefüllt. Die Stimmung der Truppen sei vorzüglich, und dank des vor einigen Monaten angeordneten Massenaufgebotes und der Verdoppelung der Retrutendepots habe jetzt Itußland dauernd einen Bestand von l 1 /* Millionen junger Rekruten, aus welchen man die Truppenteile ausfüllen könne, ohne auf ungenügend aus- ^

gebildete Mannschaften Mrückgreifen zu müssen. Wese wichtige Zn? Begleich zu'dem"Jarmar des' vorige 5

Hauptsache, die Truppenteile vollzählig zu erhalten, sei somit < ^Eurz, mit der Verlängerung des Krieges seien die Kräfte der Alluerten gewachsen.

Aus Rußland.

Petersburg, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Petersbrrrger Telegraphenagentur meldet: Durch Kaiser­lichen Erlaß werden die Duma und der Reichs rat für den 9. (22.) Februar ein berufen.

Die LeöerrSmittelfrage in Polen.

ory , Berlin, 7. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zur Lebens mittel ftage in Polen u.a: 'i/cr englische Ministerpräsident hat den amerikanischen Polen gegenüber die Genehmigung der Einfuhr amerikanischer Lebens- mittel nach Polen abgelehnt, mit der Begründung, daß, wenn Teupchland und Oejterreich-Ungarn aufhörten, Nahrungsmittel aus Polen für dre eigenen Zwecke zu exportieren, alle Hungers- gesahr beseitigt ser. Die zuerst genannte Auffassung, daß das Land, ^nnes auf sich selbst angewiesen ist, ausreichend Lebensmittel hat. ist tatiachlitt) nicht zutteffend. In dem Kampfgebiet ist die Ernte soweit überhaupt ein Acker bestellt war, größtenteils vernichtet, in SS 1 ^Msgebret haben bie Stoffen in\x$ ihre Brandkommandos 'h^matisch fast alle Gettudestaken und größeren Güter in Brand gesteckt und dadurch eine Notlage geschaffen. Die besteheiiden Schwimgkeiten und also ausschließlich der russischen Armee zu verdanken, wahrend die deutsche Verwaltung tat, was sie konnte und noch alles tut, um der Bevölkerung über die schwere Zeit hinwegzicheifen. Die geschilderten Tatsachen führen aber dazu, daß die Bevölkerung der großen Städte, wenn sie bis zur nächsten Eritte ve^mgt werden ,oll, nur sehr geringe Melstraten erhalten orwü ^ te!e Krügen bisher täglich 143 Gramm Getreideme^ und 35 Gramm Kartoffelmehl und sind nunmehr mit Wirkung vom 15. Februar, um Mit Sicherheit bis zur nächsten Eritte auszu- reichen, auf 115 Gramm Getteiüemehl and 35 Gramm Kartoffel- mehl also 150 Gramm Brotmehl täglich, herabgesetzt worden. Es kann ^derzeit der urkundlick)e Beweis erbracht werden, daß mast mehr Getreide in den deutschen Grenznrühlen ausgeßlhrt wurde, afö m Form von Mehl wieder nach Polen zurückgefühtk wurde. Leu. dem 1. September, denr Beginn der neuen Ernte, wurden aus Polen misgeführt rund 65 000 Tonnen Roggen, Weizen und Gerste. Nach Polen wieder einqeführt in Mehl form smd in fünf Monaten fünfnial U 000 Tonnm für zwei Millionen Menjchen,^ in Summe also 55 000 Tonnen, toeiter als eiserner Aorvat strr die Großstädte 5000 Tonnen. Schließlich wurden oOO'0 Tonnen Gerste als Saatgut aufgespeichert für die großen Flachen, me im Herbst aus Manges an Pferden rricht haben bestellt wnd^r können. Hieraus ergibt sich, daß Deutschland eine wirk­liche Ausfuhr aus Polen überhaiipt nicht vorgerrommen hat.

Die Zuckerversorgung in der Schweiz.

Bern, 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Wvgen der schwieri­gen Gestaltung der Znckereinfuhr hat der Bmrdesrat die Errichtung eures Zuckermouvpols unter Festfetzimg neuer Höchst­preise beschlossen. Der Beschluß tritt sofort in Kraft.

Die englische Handelsftatistik.

London, 8. Febr. (WTB. Nichtamttich.) Im Monat Januar dwjes Jahres bettug der Wert der Einfuhr 74928241 Pfund Sterling, der Wert der Ausfuhr 36 757167 Pfund Sterling

Jabres bedeutet da-