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5.2.1916 Erstes Blatt
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^,Abschiedes gingen: man spreche auch von Rück- rrrttsabsrchten des Oberprokurators des Heiligen Synod 2~. > xU 1 ' dessen Nachfolger Lurjanow genannt

wird. Sturmer erklärte, der Krieg müsse bis zu. dem voll pandigen Siege fortgesetzt werdeu Man müsse die Reichs duma ernberufen.

Deutscher Besitz in Rußland beschlagnahmt.

Kopenhagen, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die ,,^attcmal Trdeude" meldet: Die Petersburger Regierung oes chl agn ahm te laut amtlicher Statistik neunhundert Besitzungen, darunter 37 Handelshäuser, 80 Stadtgrundstücke und 25 große und 71 kleinere 2anb* guter; der Betrieb der ineisten Besitzungen ist bereits an ore Regierung übergegaugen, welche die Einnahmen für ihre Zwecke verwendet.

Wirtschaftliche Maßnahmen Norwegens.

. Kristiania, 4. Febr. (WTB. Nichtamtl.) Der Finanz- minrster brachte imStorting einenGesetzentwurs betr. die zeit- werlrge Aufhebung d es Z o l l es a u f Ge t r e i d e, alle > M e h l s o r t e n jund Kartoffeln für den Rest des Budg et- Whres 1915/16 ein. Die Mindereinnahme infolge Aufhebung des Zolles wird auf 2 200 000 Kronen jährlich veranschlagt.

Eine französische Anleihe in Amerika.

. New York, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Durch 7 zunk»pruch von dem Vertreter des Wölfischen Telegraphen- Bureaus. Morgan ist nach Europa abgereist, wie es heißt, ?* m 25? W^n e französische Anleihe im Betrage 250 Mrllvonen Dollar abzuschließen. Die Laufzeit der Anleihe soll drei bis fünf Jahre betragen und durch Unter­lagen von Wertpapieren gesichert sein. Dem Vernehmen nach wird der ganze Erlös der Anleihe zu Zahlungen in Verwendung finden. Unterlagen süv die Anleihe wurden wahrscheinlich amerikanische Wertpapiere und Obligationen anderer Regierungen, die die fran­zösische Regierung zu diesem Zwecke erworben hat.

Wilsons Politik.

London, 4. Febr. (WTB. Nichtamtl.) DieTime weiden aus Washington vom 3. Februar: Wilson sagte rn emer Rede in Kansas, die Welt habe Getreide von Kansas und anderen großen Ackerbaudistrikten der Vereinigten Staaten nötig. Die Amerikaner hätten das Recht, d^: friedlichen Bevölkerung Lebensmittel zu 'wlcken wann und wo der Kriegszustand dies nach den gewöhnlichen Bestimmungen des Völkerrechts gestatte. Der Präsident fuhr fort: Wir haben das Recht, sie mit Baum­wolle zu versehen, damit sie sich kleiden können, wir haben auch das Recht, ihnen unsere Fabrikate zuzuführen. Der Korrespondent derTime s" bemerkt, diese Worte klängen angesichts der mit England schwebenden Meinungsverschie- denheiten sehr ernst. Man müsse aber die Aeußerungen des m hauptsächlich von dem Standpunkt der inneren

r °J « ^^achten. Deshalb brauche man die Reden nicht als Vorboten eines Krieges mit England auszufassen, ebenso- .wemg wie die auffehenerregenden Bemerkungen über die nwgliche Entwicklung der internationalen Lage notwendig auf eine bevorstehende Krise mit Deutschland Hinweisen.

Arrsrirhr in Portugal.

9fr (WTB. Nichtamtlich.)Jmparcial

erhalt Nachrichten, die besagen, daß die Unruhen in. Lissabon andauern. In der Tobac-Straße tötete eine Bombe ernen Wachtmeister und zwei republikanische Gar- visten. Die Angreifer würben durch Revolverschüsse ver trieben. In anderen Vierteln explodierten mehrere Bom- ben die Sachschaden anrichteten. Die Behörden ergriffen Vorsichtsmaßregeln. Das Palais des Gouverneurs wird von Milrtar bewacht. Die Sitze der Arbeitssyndikate sind von Truppenketten umgeben. Die Ausständigen suchen den Gene- h^zuführen. Der Verkehr der Straßenbahnen ist eingestellt. Alle Verhafteten sind auf Kriegsschiffen inter­niert worben. Die Agitation nahm in Settuba, San Petro, Portern, Redundo urib Montemar zu, wo die Bürger­meister gefoltert und dann hingemordet wur­den; ferner in Aguarantes, Pedro, Folgario und an anderen Orten, wo die Menge in die Kornmagazine der Landwirte eindrang und bas Getreide fortschleppte. Truppen sind nach diesen Orten gesandt worden.

, sprechmig dieses Falles versichette der französische Admiral L a ca.se dem Korrespondenten desPetit Jvirrnal", daß die frau- zoffjchnr Handelsschiffe ausdrücklich den Befehl hätten, auch wenn ue map angegriffen seien, auf jedes feindliche Unterseeboot das r^euer zu eröffnen oder e£ zu rammen. / .

B erlin, 5. Febr. Aus Genua wird lautBossischer Zeitung" berichtet,^ daß jetzt 18 große italienische H an dels dampfe r mit Kanonen ausgerüstet serefi. Die Dampfer hätten zum Teil mobile Deckpanzerung erhalten. Die Armierung sei neu und dürfte nur defensiv gebraucht werden

London, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) In Plymouth ttasen^ der Kapitän und 25 Manu von dem englischen DampferWoodfield", der am 3. November 40 Meilen von Gibraltar von einem deutschen Unterseeboot Mrgegriffen wurde, ein. Nach einem zweistündigen Kampfe, währenddessen die arabischeil Heizer des englischen Damp­fers streikten, ging die Bemannung in die Rettungsboote. Ter Dampfer wurde torpediert.

Amsterdam, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Wie hier angekommene amerikanische Blätter berichten, soll der Dampfer der LeylandlinieHuronian" am 29. De­zember in der Nähe der irischen Küste torpediert wor­den sein. Der Dampfer wurde schwer beschädigt in den Hafen geschleppt.

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Ans Stadt itttfcanb>

Gießen, 5. Februar 1916.

Uriegsarbeit in Gießen.

XIV.

Die evangelische Gemeinde.

Wenn man die Anteilnahme am Gottesdienste als Grad­messer des kirchlichen und religiösen Lebens ansieht, so kann man sagen, daß das kirchliche und religiöse Leben der evangelischen Gemeinde Gießen sich seit Beginn des Krieges aus^rordentlick gehoben hat. Am 1. August 1914, abends zwischen 5 und 6 Uhr, wurde überall in Deutschland der Befehl zur Mobilmachung bekannt gegeben, am nächsten ^age, Sonntag, den 2. August, wiesen unsere beiden Kirchen in allen Gottesdiensten die doppette Anzahl von Besuchern aus als sonst. Obwohl vorher über die Art dieser Gottes- drenste nichts bekannt gegeben werden konnte, so fanden sich doch Hunderte von Gemeindegliedern, namentlich solche, die in den nächsten Tagen sich zu ihren Truppenteilen zu be­geben hatten, in den Kirchen ein. Ein solcher Zustrom zum Gottesdienste hat wohl in Gießen noch nie stattae- sunden als am 9. August 1914, dem für Hessen bestimmten Krregsbettage. Für die Einrückenden und ihre Familien­angehörigen wurden in der Stadtkirche am Abend des 4. und 5. August, in der Johanneskirche am Abend des 3. und 4. August besondere Abendmahlsgottesdienste ab-ge- halten, die stark besucht waren und sich durch die Wucht und Bedeutung des Augenblickes zu ergreifenden Feiern gestalteten. Seit dieser Zeit sind die Gottesdienste, nainent- lrch die Hauptgottesdienste um V 2 IO Uhr und die Abend- ^ttesdrenste rm Winter fast immer überfüllt, so daß viele ülnehmer auf Klappstühlen und oft in der Vorhalle Platz nehmen müssen. Seht häufig finden sich über 1000 Per­sonen zusammen, bei besonderen Gelegenheiten wie an Festtagen sind unsere Kirchen von 1500 Personen besucht Zur Verabschiedung ausrückender Krieger wurden

Der 5eekrieg.

DieAppam" als Prise zu betrachten.

Washington, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung des Reuterschen Bureaus. Lansing hat entschie den, daß dieApp am" als Prise zu betrachten ist.

tt f * in gto n, 4. Febr, (WTB. Nichtamtlich.) Die '^Uociated Preß meldet: Staatssekretär Lansing hat festgestellt, daß keine Frage darüber sein kann, daß die A p p a m als P r i s e zu betrachten sei, daß aber die Frage ihrer weiteren Behandlung noch weiterer Erwägungen der tzaager Konvention und des preußisch-amerikanischen Ver­trages bedarf Die Weigerung des Leutnants Berg, die brrtchchen Seeleute, die auf britischen Sandelsschiffen Ka- noniere gewesen sind, von Bord gehen zu lassen, werde den Gegenstand weiterer Erwägungen bilden.

Newport News, 4. Febr. (WTB, Nichtamtlich,) Mel­dung des Reuterschen Bureaus, Alle britischen Un­tertanen haben gestern spät abends dieAppam" ver lassen. Es blieben nur Deutsche an Bord,

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Die heimtückische Kampsesweise England» und Frankreichs.

Berlin, 4. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Hon zuständiger Stelle erfahren imx über den Angriff eines unter h?l ländischer Flagge fahrenden englischen Hil'fs ct ^h, u f * e , s Unterseeboot mxl) fot 0 <mbe Emzelhnten: Das Unterseeboot prbcrte den unter hollän- di,cher Flagge fahrenden Dampfer durch ein Signal aus zur Vrü- snng der Schiffspap-icwe ein Boot zu sckstcken. Dies geschah nach ernrger Zeit. Srcherheitsl-alber tmrchte das Uwerseeboot nnd^e Nchtigte durch das Schro.hr den Dampfer. Es ivar ein etwa ^000 ^ns großer normaler Frachtdampfer mit glattem Deck, er­höhter Back mw eurer Hütte. Nichts Verdächtiges war zu sehen. Der NameMelanie" am Bug war deutlich lesbar. ATs das Unterseeboot neben dem Schiffsboot in etwa 1000 Meter Enb- serming vmi dem Dampfer auftaiichte, eröffnete dieser' unter hol­ländischer Flagge aus ^wei Geschützen mittleren Kalibers imd Maschinmgewehren ein heftiges Feuer. Das U-Boot konnte sich gerade noch durch schnelles Tauchen retten. Ter Damp­fer versuchte noch zweimal, das Unterseeboot zu rammen. Wah­rend der ganzen Aktion führte das Schiff die hol­la n d i s ch e F l a g g e. Ern holländrscher DampferMelanie" ist unbekannt. Dagegen findtt sich in Lloyds Register ein englischer Damp'er dieses Namens von ' 002 Bnittoregiftertonnen. Ju diesem Zusammenhang ist auch eine Meldung der Agence Havas vom 28. Januar interessant, derzufolge der bewaffnete französische Post- dampserPlate", ohne angegriffen zu sein, das Feuer aus ein Unterjeeboot eröffnete und es versenkt haben will, einer Bp-

gvttesdreustliche Feiern, zum Teil verbünden mit der Feier des. Herligen Abendmahls, veranstaltet, zumeist von der Militärge-meinde:. An diesen Feiern Uahmen stets Angehörrae der Ausrückenden in großer Zahl teil. Am 6. August, vor dem Ausmarsch des lüesigen Regimentes, fand ein Feld­gottesdienst im .Hofe der neuen Kaserne statt.

Gleich nach Ausbruch des Krieges wurde am Mittwoch­abend einer jeden Woche abwechselnd in einer der beiden Kirchen eine Kriegsbetstunde eingerichtet, eine Ein- rrchtung, die sich außerordentlich bewährt hat. Nvch setzt sind diese Wochengottesdienste sehr gut besucht.

Besondere Gottesdienste zum Gedächtnis Gefallener wurden nicht abgehalten, dagegen wurde der Gefallenen am Totensonntage 1914 und 1915 gedacht. Außer den regel­mäßigen Gottesdiensten wurden an diesen Tagen noch Gottesdienste in der alten und der neuen Friedhofskapelle veranstaltet. Die dabei erhobenen Kollekten wurdefr zur Urrterstützung solcher Familien bestimmt, deren Ernährer sür das Vaterland gestorben ist. Die GedenMätter für die Angehörigen Gefallener werden durch das Großherzogliche Krersamt den Pfarrern zugeftellt, die sie persönlich den Angehorrgen übermitteln. Daß die Geisttichen in dieser Zeit der allgemeinen Trauer ihren leidtragenden Geineinde- glredern seelsorgerlich beistehen, versteht sich von selbst Regelmäßig besuchen die Geistlichen die in den hiesigen Lazaretten suntergebrachten Verwundeten. Die vier Ge­meind epsarver teilen sich in diese Arbeit mit Pfarrer Adolph dem hiesigen Anstaltsgeistlichen, mit Professor v. Dr. Schran und Pfarrassistent Ho f sman n. Sie ver­teilen daber Schrrsten religiösen und vaterländischen In­haltes und halten nach Möglichkeit kurze Lazarettandachten.

allen Lazaretten wurden Weihnachtsfeiern abgehülten rm Beisein der Aerzte, Schwestern und Pflegerinnen Die beiden Cborschulen unter der Leitung der Organisten Gör­lach und Habicht trugen dabei Weihnachtslieder vor Bon Anfang an ließen sich die Genreindepfarrer an­gelegen sein, mit ihren im Felde stehenden Gemeinde- gnedern rn Verbindung zu bleiben, namentlich dadurch, daß sie ihnen Schriften religiöser und attgemeiner, beson­ders auch vaterländischer Art, zusandten. Die Matthäus­gemeinde ließ den im Felde stehenden Gliedern ihrer Kon- sirmandenvereinigung und anderen wöchentlich 40 bis 50 Schriften zukommen. Die M arkus ge mein d e sandte einen Weihnachtsfeldbrief hinaus, übermittelte ihren Glie­dern Bücher und Blätter und sandte 100 Weihnachtsvakete Die Sttümpfe, die diesen Paketen beigegeben waren, waren an besonderen Versammlungsabenden von der Vereinigung der konftrmierten Mädchen gesttickt worden. Die Lukas­gemeinde hat unter Beihilfe ihres Gemeindefrauen- vererns an ihre im Felde stehenden Glieder, soweit deren Adressen ermittelt werden konnten, je ein Pfundpaket im ganzen 350 Pakete, geschickt. Junge Mädchen aus der^Ge- mernde schrreben die Adressen, Konfirmaudenknaben brachten die Sendungen zur Post. Das GemeindeblattSonntaas- gruß" wird sett Weihnachten 1915 von der LuSasgemeinde regelmäßig an 320 Feldadressen gesandt, Frauen und^ Mäd­chen aus der Gemeinde unterstützen den Pfarrer beim Adressenschreiben, Wonfirmanden helfen beim Verpacken Tie Johannes gemein de sandte 200 Weihnachtspack- chen in das Feld und verschickt wöchentlich etwa 50 Pre­digten. Die am Resonnationsfest 1914 gehaltene Predigt des Pfarrerß Bechtolsheimer wurde auf Kosten bc§ Vereins ehemaliger 116 er" gedruckt und an das Regiment 116, baß Reserveregiment 116, das Landwchrregiment 116, das Landsturmbataillon Gießen und an einzelne Heeres­

angehörige gesandt. In gleicher Weise wurde die Predigt die Pfarrer Schwabe am Jahrestage der Schlacht bei Anlvy (22. August) gehalten hat, gedruckt und an das Regi­ment 116 gesandt. Infolge dieser Sendungen hat sich ein lebhafter Brief ver kehr der Pfarrer mit ihren im Felde stehenden Gemeinde gliedern entwickelt; jeder Psarrer besitzt^ Hunderte von Briefen, die zum Teil in sehr anschaulicher p^orm Feldzugserlebnisse schildern und später ihren Platz im Pfarrarchiv finden dürften.

Tie konfirmierte Jugend der Gemeinden wurde von dem ersten Kriegsmonate an wie in jedem Winterhalbjahre' rn den Konfirmandenvereinigungen gesamnrelt. Daß der Krieg im Mittelpunkte der Borttäge und Besprechungen begreiflich. Der Wartburg verein, früher ^unglingsverein genannt, bot seinen Mttgliedern stets er­neute Besprechung der durch den Krieg aggeregten Fragen, ^as unter der Leitung des Pfarrers Ausfetd steherche B ibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten" hatte tm Anfang des Krieges, so lange die Ferien währten, abwechselnd mit der Jugendwehr Dienst bei der Er- irischupgsstatton auf dem Bahrchofe und half auch beim Roten Kreuz in der Alten Klinik.

Eine besondere Tättgkeit entfalteten in der Kriegszeit die vier Gemeindesrauenvereine. Sofort mit der Mobilmachung begann.eu sie ihre Tättgkeit damtt, daß sie jur die hiesigen Lazarette arbeiteten. Diese Arbeit geschah in den Gemeindesälen, viele Frauen und Mädchen' betei­ligten sich daran. Me Stoffe, die man verarbettete, wurden aus Geldern angeschafft, die von Gemein de gliedern ge­schenkt worden waren. Eine große Anzahl von Wäschestücken konnte an die hiesigen Lazarette überwiesen werden. Als diese Arbeit beendet war, wurde für die Notleidenden in Ostpreußen gesammelt und gearbeitet, wobei sich besonders das rm Marz 1915 verstorbene Fräirlein Mathilde Strack hervortat. Neu setzte die Tätigkeit der kirchlichen Frauen­vereine ein, als es galt, den hessischen Lazarettzug auszustatten. Vom Umfang der Leistungen für diesen Zweck gibt der Umstand Künde, daß nach Tarmstadt gesandt wer- >en konnten.- 114 Bettücher, 18 wollene Kolter, 28 Kolter- bAuge, 25 Federkissen, 130 Kissenbezüge, 74 Unterlagen, 40o Handtticher, 26 Aerztehandtücher, 24 Tellertücher, 18 Kuchenhandtücher, 24 Messertücher, 72 Mundtücher, 124 Verbandtücher, 150 Taschentücher, 4 Wolldecken, 7 große und 88 kleine Spreukissen, 5 Ersatzlufttissen, 120 ^züge für tterne Kissen, 20 Kopsrollen mit 40 Bezügen, 3 lange Kapokklssen mit 6 Bezügen, 12 Operationsmäntel für Aerzte, 64 Hemden, 13 Unterhosen, 19 Unterjacken, 79 Paar Filz­schuhe, 32 Paar Strüinpfe, 14 Leibbinden, 2 Paar Stau- chen 14 Paar gestrickte Bettschuhe, 9 Scheuertücher, 150 Waschlappen, 18 Topflappen, dazu ein Wäschesack mit altent Leinen.

Aber auch die Kir che n g e meind e selbst beteiligte sich an der Ausstattung des Lazarettzuges, indem sie 4290 Mark in bar ablieferte. Mese Summe seht sich aus Kirchen­kollekten zusammen, die Weihnachten 1914 und Neujahr 1915 erhoben wurden, aus Gaben, die bei den vier Gemeinde­pfarrern einliefen und einem Zuschuß, den die Kttchcukasse leistete.

An den Kriegsanleihen beteiligte sich die evan­gelische Gemeinde Gießen mit insgesamt 45 000 Mark.

Alle Genreinden haben an Weihnachten eine große Zahl von bedürfttgen Familien bedacht, wobei besonders die Fanrilien der im Felde Stehenden berücksichttgt wurden. Da dre Gemeindeschwestern zum weitaus größten Teile im Felde stehen und für die Gemeindepflege nur wenig Kräfte vorhanden sind in der Johannes gemeinde haben sich junge Mädchen dieser Arbeit angenommen so haben die Frauenvereine die Weihnachtsbescherung in die Wege ge­leitet, indem sie Geld sannnelten, die bedürfttgen Frauen besuchten und nach ihren Wünschen fragten und schließlich dre Verteilung der Geschenke Vornahmen. Me von den Franenvereinen der Lukas- rmd Johannes gemeinde ein­gerichteten Strickschulen wurden während des Krieges wertergeführt und namentlich von solchen Kindern besucht, deren Vater im Felde steht. Besonderer Wert wurde auf das Sttrcken von Strümpfen für Krieger gelegt.

Me bereits bestehende Krippe desAllgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege"^ owre die beiden Klein kin d er schülen nahmen in er- höhter Zahl Kinder von Kriegsteilnehmern auf. Neu in das Leben gerufen wurde von dem genannten Verein eine Volksküche, welche täglich an Fanrilien von Kriegs­teilnehmern, später auch an andere Familien Essen abgab und zwar durchschnittlich täglich 500 Portiorren.

Alle Frauenvereine vermittetten Näh- und Strick­arbeiten an bedürftiae Frauen, die sich gern etwas verdienen wollten, ohne dabei ihr Hauswesen verlassen zu nttrssen.

Vielf ach tvaren die Psarrer ihren Gemein de gliedern bei der Abfassung von Gesuchen an nrilitärische Behörden, namenttich, wenn es sich um die Verlegung Verwurrdeter in die hiesigen Lazarette handelte, auch bei dem Brieswechsel mit Kriegsgefangenen behilflich

Pfarrer Bechtolsheimer

Sonntagsgedanken.

Auf zwei Hauptarten nimmt das Leben die Menschen in die Lehre. Das eine Mal gibt e3 uns den Reichtum seiner Güter, um zu sehen, was wir damit anfangen werdeu Uns allen war ja solcher Reichtum gegeben worden. Aber wir wußten es vielfach gar nicht, was wir l-atten. Erst als der Krieg gekonnnen loar, lernten wir den Frieden recht schätzen. Achtlos lebten wir au vielem Glück vorbei, das uns ge­schenkt war. Wir haben nichts ausgerichtet mit unserem Reichtum, weil wir ihn als etwas Selbstverständliches, alsi das uns gebührende Mindestmaß bettachteten. Oder wenn wir uns wttklich bewußt Mrrden, was das Leben uns Gutes erwies, so haben wir vielfach dennoch keinen ganzen Gewinn von seinen Glücksgüterli gehabt. Weil dann unser Geist träge wurde und dabei verharrte, anstatt zu erkennen, daß wir rms dadurch aus dgs höchste uub ewige Gut sollten Hinweisen lassen.

Mer wir haben jetzt wen es etwa nicht angehen sollte, ist nicht hier einbLgriffen> wir haben jetzt auch die andere Hauptart reichlich kennen gelernt, wie das Leben uns lehren will. Es hat uns Krieg, Leiden, Not und Trauer gebracht. Hätten wir die Glücksguter vielleicht für immer < an uns fesseln mögen, wenn es nur möglich wäre; hier ist es unigekehrt. Aber auch hier soll unser Geist nicht träge und müde werde?!. Sondern er soll auch hier sich zu dem hohen Ziele führen lassen. Wenn wir gelernt haben, das Vergäng­liche auch als vergänglich anzusehen, und hierüber kein Zetergeschrei rnehr anzuheben, sondern stille dazu zu sein, damr werden wir frei sein, das zu sehen, was das Leben uns zu erstteben lehren will: das höchste und ewige Gut.& !