UeVerstE: KS^efntcr SToHtnterj^it von FeSedlSnver-Fuld (Vsr- Ün): Dr. Phil. Karl von Martins, Berlin; Kommerzienrat Sprin- gvrum, Dortmund.
A,,s Stadt und Land.
Gießen, 31. Januar 1916.
** Auszeichnungen. Gefreiter Heinrich Schwarz ans Gießen, im aktiven Garde-Schützm-Bataillon, Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, wurde jetzt auch mit der hessischen Tapferkeits-Medaille ausgezeichnet. — Kriegsfreiw illiger Leonhard Eck, Leutnant d. Res., erhielt das Eiserne Kreuz. — Der Unteroffizier Julius Kann von hier, Dolmetscher bei einem Armee-O der komm andv, rvurde mit dem Bayrischen Militär- verdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet.
J ** Goldsammlung. Ein erfreuliches Ergebnis der Gokdscmnnlung hat wiederum das Gießener Landgraf- Ludwig-Gymnasium zu verzeichnen. Nachdem allein im Monat Januar d. I. 7426 Mck. in Gold durch die Gymnasiasten an die hiesige Reichsbank abgeliefert worden sind, beträgt das Gesamtergebnis dieser Anstalt zurzeit 82648 Mark. Hoffentlich gelingt es den wackeren Sammlern, noch die „100000" zu erreichen.
** Silberne Hochzeit feiert am 1. Februar das Ehepaar Heinrich Wagner, Wetzsteingasse 20.
** Münchhausen. In unserer Besprechung der Münchhausen-Aufführung in der letzten Samstagnummer ist ein Satz durch mehrere Druckfehler zu einer Sinnlosigkeit geworden. Der zweite Satz des dritten Absatzes mach richtig lauten: „Dahinten verschanzt sich manches Theater, das Fritz Lienhard nicht für „bühnenwirksam" erklärt imd ihn, der glaubte, es genüge, deutsch und Dichter zu sein, um ein deutscher Dichter zu sein, mit seinem „Lutheck' ernst nach — Rußland gehn hieß."
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 29. Jan. Gerichtsassessor Günther aus Mainz, vor Kriegsausbruch am hiesigen Amtsgericht tätig, zurzeit Oberleutnant und Batte riesührer in einem Artillerie-Regiment im Westen, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse.
§ Aus dem oberen Voqelsbera, 28. Jan. Durch das herrliche, einem mehr Frühling ähnlichen Wetter ist in der Natur bei manchen Pflanzen und Slräuchern schon jetzt ein Keimen und Emporsprießen zu erkennen. Das Schneeglöckchen wächst in den Gärten ganz bedeutend und öffnet in absehbarer Zeit seine Blüten; das des Waldes wird es bald auch tun. An den Weidensträuchern sind die sogenannten „Weidenkätzchen* * in schönstem Wachstum begriffen. Die nahen Bergwiesen und Grasgärten sind schon mit einem recht anmutenden Grün bekleidet. Allem Anschein nach ist ein baldiger Frühling zu erwarten.
Starkenburg und Nheinbessen.
m. O ffe n ba ch a. M., 31. Jan. Festgmommm und dem Gericht zugeführt wurde der Schweizer Ater ander Füchslein aus Müllingen. Ter Verbaftete steht in dem Verdacht, im August vorigen Jahres sich in Müllingen an einem 13 jährigen schwachsinnigen Mädchen vergangen zu haben. — Dem Journalisten Kurt Mähler. der als Landsturmmann im Reserve-Jnfanterie-Regi- ment Nr. 253 im Osten verwundet worden ist, wurde das Eiserne Kreuz zwecker Klasse verliehen.
F. C. Don d e r Bergstraße, 30. Jan. In Heppenheim und Laudenbach stehen seit dem 26. Januar die M a n d e l b ä u m e schon allgemein in voller Blüte. Dieser frühe Blütenichmuck ist zum letzten Male 1866 beobachtet worden.
ö. Mainz, 31. Jan. Die Frau des Milchhändlers Franz Klein in Mombach ist schon wiederholt wegen Milchsä l s chn n g vorbestraft. Da sie wiederum Milch mit 55 Prozent Wasserzusatz gefälscht, wurde sie zu 14 Tagen Gefängnis und ihr Dienstmädchen wegen fahrlässigen Verkaufs gefälschter Milch zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt.
Kreis Wetzlar.
— Wetzlar, 31. Jän. Aus dem Stahl- und Eisenwerke Aßlar erhielt der jugendliche Arbeiter Werner Schneider aus Niederweimar beim Befestigen einer Krankette von der Hochspannungsleitung einen elektrischen Schlag und stürzte aus beträchtiicher Hohe ab. Der dem Sturz zog sich der junge Mann einen Schadelbruch zu, an dessen Folgen er nach kurzen Augenblicken verstarb.
denn ich bekomme doch so bald keine. Leben Sie nur wohl: so soll alles gut seyn. Empfehlen Sie nach allen Ihren Freunden und Gönnern."
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— Der Gründer der Stadt Lille. Ein Mitarbeiter schreibt uns aus Lille: Die letzten Gewalttaten der Engländer gegen die von uns schon seit über Jahresfrist besetzt gehaltene Stadt Lille haben gerade nicht dazu beigetragen. die Liller freundlicher gegen ihre englischen Bundesgenossen zu. stimmen, die ungeachtet der Zwecklosigkeit dieses Verfahrens, das höchstens nur den Franzosen selbst Schaden bringen kann, die Stadt bereits mehrfach mit Bomben belegten. Bei der Gelegenheit ist es nicht ohne Interesse, auf die in Lille allgemein verbreitete und auch in den Schulen gelehrte Sage von der Gründung der Stadt hinzuweifen, eine sehr romantische Sage, die den engen Zusammenhang zwischen der Stadt Lille imd den englischen Freunden bis in die grau« Vorzeit der Stadt zurückverfolgt. Danach ist der Gründer der Stadt der Sohn eines Fürsten von Dijon geivesen, der gegen das Jahr 620 Burgund verließ, um sich nach England zu begeben, aber auf der Reise in der Nähe des heutigen Lille von einem Raubritter erschlagen wurde. Die Frau des Erschlagener, die sich ein: Zeitlang verstecken konnte, gebar einen Sohn, den sie auf jeden Fall vor den Verfolgern reiten wollte, weil die Jurrgfrau Maria ihr im Traume verkündet hatte, das Kind werde später den Vater rächen und das Land von dem beutegierigen Tyrannen befreien. Der Knabe, unter einer Hecke verborgen, wrrrde von einem Einsiedler gefunden und erzogen. Die Sage erwähnt dabei, daß ein« Hirschkuh dem Knaben die stärkende Milch lieferte. Der Einsiedler vergaß aber nicht, den Knaben immer wieder auf seine Pflicht, den Vater zu rächen, hinzuweisen. In England, am Hofe des Königs, zum Manne herangewachsen, begab er sich nach Frankreich zurück, erbob beim Könige Lothar II. Klage gegen den Raubritter und erhielt die Erlaubnis zu einem Zweikampf mit ihm. Die Entscheidung schwankte lange, denn der Ritter galt als eurer der stärksten Recken des Königreiches. Schließlich behielt der Rächer — er war vom Einsiedler auf den Namen Lyderio getauft — die Oberhand. Der König schenkte ihm als Belohnung für die mutige Tat den großen Besitz des Ritters und übertrug ihm die Verwaltung ganz Flanderns. Lyderio — so schließt die Sage — regierte gerecht und weise, und 'viele Leute suchten unter den Mauern seiner Burg Schutz. Allmählich entstand hier so eine Stadt, Lille genannt, abgeleitet vom lateinischen Märte Insular« später zu Jsler zusammen gezogen. Der Gründer der Stadt aber NTurde zum Stammvater der Grafen von Flandern. Das ist in kurzen Umrissen die bekannteste Sage von der Gründung LilleH die sich wohl zuerst in einem 1571 zu Antwerpen gedruckten (S*J schichlswerk von Peter von Ondegherst „Chroniken und Annalen von Flandern von 620—1476" vorfindet.
Brüssel, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Das Großherzogliche Hvftheater Darmstadt begann gestern abend mit Beethovens „Fidel io" unter Leitung des Intendanten Dr. Eg er ein auf vier Abende berechnetes Gastspiel. Tie abgerundete Ausführung erntete den lebhaften Beifall des bis aus den letzten Platz besetzten Hauses.
Hessen-Nassau.
Zu Georg Längs 80. Geburtstag.
--- Frankfurt a. M., 31. Jan. Im Hotel Monopol- Metropole fand gestern nachmittag eine vom Deutschen Schriftteller-Verband und vom Frankfurter Journalisten- und Schrifttellerverein veranstaltete Feier zu Ehren des Rektors a. D. Georg Lang statt, der am 1. Februar sein 80. Lebensjahr vollendet. Dem greisen Poeten, der noch heute die Feder so gewandt zu führen weiß wie vor einem Menschenalter, wurden aus berufenen! Munde Worte hoher Anerkennung für sein vielseitiges Wirken zuteil, für die er schlichten bescheidenen Dank allen Freunden, Mitarbeitern und Rednern aussprach. — Georg Lang ist ein Kind Ob er Hessens. Geboren am 1. Februar 1836 zu F r i e d b e r g , wirkte er nach Vollendung seiner Ausbildung zunächst als Lehrer in Michelstadt und dann seit 1865 in Frankfurt. Hier war er später von 1878 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1899 Rektor. Ms Schulmann und Erzieher hat er sich bei tausenden seiner Schüler ein unvergeßliches Denkmal gesetzt. Weit über Frankfurts Mauern hinaus ist'Lang als vielseitiger Schriftsteller und Dichter bekannt. Seine sinnigen herzigen Kinderlieder ind Gemeingut des deutschen Hauses geworden. Für den Schutz der Tiere ist er seit Jahrzehnten in Wort imd Schrift unermüdlich tätig. In seinem vielverbreiteten Werke „Mit Ränzck und Wanderstab" spiegelt sich Längs Eigenart wohl am trefflichsten wider. Seiner hessischen Heimat, der er noch heute in glühender Liebe zugetan ist, widmete er vor zwei Jahren das Buch „Aus dem Volksleben in Hessen vor 100 Jah-- r en". Und seit der Weltkrieg tobt, eilt der greise Volksbckdner täglich von Lazarett zu Lazarett und hält den jungen Kriegern Vorträge über des Vaterlandes Größe oder liest ihnen Dichtungen eigner oder fremder Muse vor. — Rüstig wie ein Fünfziger schreitet der Achtzigjährige noch heute täglich durch .Frankfurts- Straßen, sein Geist ist unvermindert frisch und klar geblieben.
X H a n a u , 30. Jan. Die 83 Jahre alle Privatiere Christine Weiß, die etwas abseits des Ortes R e tz b a ch ein kleines Haus allein bewohnt, wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag in ihrer Wohnung ermordet aufyefunden. Der Täter hat der betagten Frau Hiebe mit einer Axt auf den Kopf und mehrere Messerstiche beigebracht. Die Schädeldecke war ein- geschlagen. Bevor der Mörder flüchtete, zündete er das Haus an zwei Stellen an. Nachbarsleute bemerkten alsbald das Feuer und löschten es. Als Mörder kommt ein gewisser Joseph G. in Betracht, der am Freitag aus dem Gefängnis in Bayreuth, wo er 14 Monate verbüßt hatte, entlassen worden war. Die Strafe erhielt er seinerzeit in Würzburg, weil er einen Fuhrmann überfallen und schwer verletzt hatte. G. konnte bereits verhaftet werden. Er scheint die Tat begangen zu haben in der Meinung, bei der alten Frau Geld zu finden.
? E s ch w e g e (Werra), 29. Jan. In dem benachbarten Dorfe Marth wurde an dem diesjährigen Kaisergeburtslage die Ehefrau des Landwirts Bode von drei gesunden Knaben entbunden.
F. C. Diez (Lahn), 31. Jan. Das Bergwerkseigentum in dem in den Gemeinden Hahnstätten, Allendori, Katzenelnbogen und Mudershausen gelegenen Felde, das einen Flächeninhalt von 2 199 994 Qnadratineter saßt, ist der Gewerkschaft „Nette Hoffnung" zu Hamborn unter dein Namen Hinterwald I zur Gewinnung von Schwefelerzen verliehen worden.
Gießener Strafkammer.
ch. Gießen, 28. Januar.
Gestern verhandelte die Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Wiener zuerst in drei Anklagesachen gegen einen
gemeingefährlichen Mens che n.
Der wiederholt vorbestrafte Korbmacher Ludw. P. III. von Großew- Linden verfolgte Berufung gegen ein Urteil der Schöffen, die ihn wegen Mundraub, er hatte Eier gestohlen, zu einer Geldstrafe in Höhe von 20 Mk., hilfsweise 4 Tage Gefängnis verurteilt hatten. P. erklärte vor Einttitt in die Verhandlung, er wolle seine Berufung zurückziehen und das Urteil anerkennen, womit auch der Staatsanwalt sich einverstanden erklärte. Eine zweite Anklage gegen P. lautete auf Erpressung, begangen gegen einen Landwirt in Lang-Göns, bei denr er vorübergehend als Aushilfskraft angenommen war. Er ist gegen den früheren Arbeit- geber in melieren Fällen brieflich vorgegangen um erst 3 Mk., dann 42,30 Mk.. ferner 150 Mk. zu erpressen. Der Landwirt, ein ängstlicher Mensch, der nie etwas mtt dem Gericht zu tun gehabt, hat die Beträge nacheinander bezahlt, um, wie er glaubt«, den gefährlichen Menschen abzuschütteln. Der Angeklagte präsentierte schließlich seinem Opfer einen Schuldschein in Höh« von 550 Mk. und drohte, daß ein anderer Anzeige wegen des Dickwurz-diebstahls erheben würde, wenn der Schuldschein nicht bezahlt würde. Daraufhin erhob der Landwirt Anzeige lvegen Erpressung. In der Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß nicht der als Zeuge vernommene Landwirt, sondern der Angeklagte, den er einmal unterwegs aus seinem Fuhrwerk mitgenommen hatte, vom Felde 15 bis 20 Stück Dickwurzköpfe mitgenommen hat. Als dritte Anklagesache gegen P. wurde eine Urkundenfälschung verhandelt. Er hat einen Holzabfuhrschein derart gefälscht, daß ihm nicht 1 Welle, worüber der Schein richtig gelautet hat, 3 Wellen Holz zustanden. Der Gerichtshof erklärte, daß die Handlungsweise des Angeklagten gegen den Landwirt gemeingefährlich sei und eine strenge Ahndung verdiene. Es liege Erpressung vor. Die Angelegenheit mit dem Holz-Abfuhrschein stelle sich als Urkundenfälschung und Betrugsversuch dar. Für beide Straftaten wurde auf 1 Jahr 7 Monate Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren erkannt. Der Angeklagte habe dem Landwirt gegenüber eine ehrlose Gesinnung an den Tag gelegt und habe vorgehabt, ihn noch weiter erpresserisch auszubeuten, deshalb habe der Gerichtshof die Aberkennung der Ehrenrechte ausgesprochen. P. wurde sofort in Haft genommen.
Gegen das Backverbot,
welches das Kreisamt Schotten für April, Mai und Juni v. I. erlassen hatte, soll der Kaufmann Ad. H. in Schotten verstoßen! haben. Er ist dieserhalb, obgleich in der betreffenden Verhandlung Freisprechung wegen Mangel eines Beweises beantragt war, vom Schöffengericht Schotten zu 20 Mk. Geldstrafe, Hilfsweise 4 Tagen Gefängnis, verurteilt worden. Hiergegen verfolgte der Mann Berufung vor der Strafkammer. In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Angeklagte, als die Mehl- und Getreidevorräte beschlagnahmt wurden, noch im Besitz von einem Zentner Weizenmehl sich befand. Von seinem Vorrat wurden ihm etwa 45 Pfund belassen, wogegen ihm alle 14 Tage ein entsprechender Abzug au Brot gemacht wurde. Im Laubacher Anzeiger wurde eines Tages darauf hingewiesen, daß es am Himmelsahrtstage im Jägerhaus bei Kaffee und Kuchen hoch heryegangen sei. Auf Veranlassung des Kreisamtes ließ die Gendarmerie in Schotten Nachforschungen anstellen. Es stellte sich heraus, daß zwei Familien aus' Schotten, und zwar die des Angeklagten und eine Beamtenfanrilie im Jägerhaus Zwetscheutorte zum Kaffee gegessen haben, die von der Frau des Beamten hergestellt, mit zur Stelle gebracht wurde. Tie betreffende Frau wurde freigesprochen, weil das Backen von Torten nicht unter Verbot gestanden hat. Tie Gendarmerie in Schotten aber verhandelte in der Angelegenheit auch mit dem Angeklagten 5). Seine Frau hat den Mehlvorrat im Haushalt verbraucht, Teitscher und Kuchen daraus hergeftellt, aber nur in einer vom Gesetz nicht verbotenen Art und Mischung. Tie Strafkammer hob das Schöffengerichtsurteil auf. Das im Jägerhaus am Himmelfahrttag zum Kaffee genossene Gebäck sei zweifelsfrei Kirsch.mtorte gewesen und falle nicht unter die Strafbestimmung. Aus diesem Grunde wurde auf Freisprechung erkannt.
W ir haben Svldätchen gespielt, so erklärte der 14jährige Mb. Aug. Bs. von Bad-Manheim, der wegen schweren Diebstahls unter Anklage stand und neben dem sein Vater, der Malermeister B. wegen Hehlerei auf der Anklage
bank saß. Der Bub war geständig, als Hauptmcmn drei Kameraden in eine unbewohnte Villa geführt zu haben und nach Entfernung) des Kellerfensterschutzes und Zertrümmerung der Scheibe in den Keller zu wiederholten Malen mit den Genossen eingestiegen zu sein. Man öffnete mit einem falschen Schlüssel den Weinkeller^ nahm etwa 50 Flaschen Wein, Sekt, Himbeersaft usw., sowie eine Reche von Gegenständen aus den Wohnräumen des Hauses. Die Flaschen mit dem trinkbaren Inhalt wurden von den vier Buben im Parke der Villa geleert. Ein weiterer Einbruch wurde im Keller des Oberlehrers Strecker ausgeführt, wobei ein Vorrat von Würsten im Werte von 30 Mark von den Plünderung spielenden jungen Soldaten mit Beschlag belegt und ohne Reguisitionsschein mitgenommen wurde. — Der Angeklagte hat von dem Diebstahl in der Villa dem Vater ein Tranchiermesser und ein Taschenmesser ausgehändigt: er hat dabei angegeben, das große Messer, welches verrostet war, auf einer Wiese gefunden zu haben, das Taschenmesser wollte er gegen drei Birnen von einem Schulkameraden erhalten! haben. Eine Flasche Salatöl hat der Junge mit ins Haus gebracht unter der Angabe, eine Verwandte schicke dem Vater das trüb gewordene Oel znm Schmieren von Rädern usw. Die Bewnsauf- nahme ergab, daß der Vater des Angeklagten einen tadellosen Ruf in Bad-Nauheim genießt, es wurde auch testgestellt, daß das große Messer tatsächlich das Aussehen hatte, als ob es schon längere Zeit im Schutt gelegen habe. Nach der ganzen Darlegung des in Ehren grau gewordenen 64jährigen Mannes, der von 13 Kindern vier Söhne cm Felde stehen hat, und die der angeklagte Sohn durch seine Angaben bekräftigte, konnte dieser nicht ahnen, daß die Sachen, die man in seinem Besitz gefunden hatte, auf unehrliche Weise von seinem Sprossen erlangt 'waren. Die Kammer verurteilte daher nur den jugendlichen Sohn zu vier Wochen Gefängnis wegen Einbruchdiebstahl, sprach aber den Vater wegen Hehlerei von Sttafe und Kosten frei. '
vermischter.
Ein Eisenbahnunglück.
Ealcum, 29. Jan. (W. T. B. Nichtamtlich.) Heute Otto mittag geaen 10 Uhr fuhr bet dichtem Nebel Eilzug Nr. 2 3, der anscheinend das Haltesigital überfahren hatte, auf den in der Einfahrt in dem Ueberholungsglets 3 in Calcum begriffenen L a z a r e t t z u g V 2. Hierbei wurden nach den bisherigen Feststellungen von dem Eilzug 23 ein Reisender getötet, der Lokomotivführer erheblicher, der Lokontotivheizer und vier Reisende leichter verletzt. Ans dem beschädigten Wagen des Lazarettzuges wurden ein Toter und 47 Verwundete herausgeschafft. Wie viele hiervon schwer oder leicht verwundet wurden und wie weit die Verletzungen aus den Zusammenstoß oder frühere. Verletzttngen im Felde zurück- zuführen sind, muß näher sestgestellt werden.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 1. Febr. 1916: Meist heuer, trocken, kalt, Nachtfrost.
Letzte Nachrichten.
Durazzo ober Valona?
Lugano, 31. Jan. Das Organ Sonninos, bas „Gior- nale d'Jtalia" erklärt, Essad Pascha halte eine Verteidigung Turazzos für aussichtslos. Vermutlich wird von den italienischen Truppen ein .anderes Verteidigungs gebiet bezöget werden. Man ist der Meinung, daß die Italiener auf den Rat Essads Durazzo kampftos aufgeben, dagegen aus Valona mit Hilfe der Entente ein zweites Saloniki machen. Die Verteidigung Südalbaniens habe für Jtalieit tzientger ein militärisches als ein politisches Interesse. Es wäre aber besser, durch sichere Erfolge auf den Hauptkriegsschauplätzen das italienische Prestige zu festigen, als durch riskante Diversionen, die dem Feind weit entscheidendere Schläge ermöglichen könnten. Die Presse nimmt an, daß der Ministerrat die Ausgabe Turazzos' und die Festhalttmg Valonas beschlossen hat. In verschiedenen italienischen Müttern wird die Erwartung ausgesprochen, daß zur Behauptung Mbaniens, di« nicht nur im italienischen Interesse sei, auch die anderen! Vierverbandsmächte beitragen werden. — Auch „L'Jtalia" meint, daß Durazzo als unhaltbar aufgegeben und nur Valona verteidigt werden wird.
Der Handstreich von Karaburun.
Lugano, 31. Jan. Nach einer Meldung des „Corriere della Sera" aus Saloniki ist die Besetzung des die Hafeneinfahrt von Saloniki beherrschenden Vorgebirges von Karaburnu durch den Umstand veranlaßt worden, daß sich am 22. d. Mts. ein deutsches U-Boot im Hafen aufhielt.
Ein englischer General über die Aussichten des Krieges.
Haag. 31. Jan. In einer in Cheretsey gehaltenen Rede sagt General Hutton, daß die von Kitchener veranschlagte Zeit von drei Jahren, um Deutschland zu vernichten, zur Erreichung dieses Zreles viel zu kurz sei. Mehrere Generäle dächten so wie er. Erstaunliche Verluste zu Lande und, wie er meine, auch zur See, hingen noch immer drohend über Englands Haupt.
Pessimismus in Paris.
Genf, 31. Jan. Ter „Temps" erklärt: Trotzdem man oft behauptete, daß die Kräfte der Zentralmächte sich ihrem Ende zuneigten, halten sie die besetzten Gebiete Frankreichs fest. In Galizien vereitelten sie die russische Offensive. Am Jsonzo gehen die Oesterreicher zum Angriff vor. Auch für die Verbündeten in Saloniki wird die Stunde der Verteüstgung kommen.
Krisenstimmung in Moskau und Petersburg.
Stockholm, 31. Jan. In den russischen Städten ist infolge Lebensmittelmangels die revolutionäre Bewegung im Steigen begriffen. In Moskau umzingelte ein starkes Gvr- darmeriekontmando das Börsenviertel und das sogen, chinensche Viertel und ve rhafteteallejüdi schaussehe ndenPer-
sonen, etwas über 1000. Auch in dm Hotels fanden Haussuchungen und Verhaftungen statt. Der Stadthauptmann ließ zahlreiche Verhaftungen wegen Lebensmittelwuchers vornehmen; die Mehrzahl der Verhafteten wurde jedoch innerhalb 24 Stunden wieder sreigelassen. Der Zweck der Verhaftungm ist ausschließlich, in der Bevölkerung die Hoffnung zu erweckm, daß die Lebens- mittclnot bald vorüber sei. Am 23. Januar war die ganze Stadt durch Polizei und Gendarmerie belagert, weil eine Dmunziation eingelaufen war. Es herrscht drückende Schüle. Die Petersburger Armeeversorgungsfabriken stellten wegen Holzmangels die Arbeit ein.
Englische Kriegsschiffe vor der norwegischen Küste.
Kopenhagen, 31. Jan. „Kristtania Morgenbladet" meldet, daß'n dm letztm Tagen an der norwegischen Südküste und am Skagerag eine große Airzahl englischer Kriegsschtffe beobachtet wordm sei. Englische .Kreuzer hätten norwegische und schwedische Schiffe angehalten und durchsucht.
Flugzeug gegen Dampfer.
Amsterdam, 31. Jan. Der Wilsondampfer „11m o- l o", der Freitag in Hmnber eintraf, berichtet, daß er am Montag nach der Uebe-rnahme des Lotsen von Rotterdam von einem deutschen Flugzeug angegriffen wurde, das sich direkt über dem Dampfer bewegte und sechs schwere Bomben auf ihn abwarf, die alle in einem Umkreise von 25 Meter explodierten imb riesige Wassermengen über den Dampfer hinjagten. Der Kapitän ließ sofort im Zickzackkurs fahren. Das Flugzeug ver- schwand und warf noch vier Bomben auf Schiffe ab, die in Downs verankert lagen, ohne jedoch Schaden anLuricbten.


