Ausgabe 
21.1.1916 Zweites Blatt
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schweren Geschützen, in ihren Sprenggranaten, in ihren Gewehren limb in ihren Maschinengeweh-ren bemerkbar. Die Deutschen haben ohne Zweifel, wie keine andere Macht, den Charakter des Krieges vorausgefehen. Sie wußten, daß er ein Schützengrubenkrieg werden würde, und sie hatten eine genügende Menge der dazu nötigen Maschinen vorgesehen. Die Deutschen waren vollkommen aus­gerüstet, um die tiefsten Gräben mit schweren Geschützen und Spreuggranaten zu zerstören und ihre eigenen Gräben mit Ma­schinengewehren zu verteidigen. Das ist die Geschichte des zehn Monate langen Kriegs. Warum' haben die Deutschen nicht mehr Verluste erlitten, als sie sie in Rußland erlitten haben? Warum? Weil die deutschen Arbeiter sie mit schweren Geschützen, Granaten, Sprenggeschossen versahen, die die russischen Gräben vollkommen zu Staub zerstampften. Tcr Krieg hat sich zu einem Streit zwischen der Technik Deutschlands und Oesterreichs auf der einen Seite und der Technik Englands und Frankreick-s aus der anderen Seite ent­wickelt. Unser Land leistet nicht sein Bestes, nicht sein Aeußer- steZ! . .

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crwancn unsere Ungehörigen ücn regelmäßigen clngang üc5 licimak- blallcx. Um eine Unkcriircchnng in lier ZuskcUung M vcrmctlicn, woilc man

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Au§ dem Reiche.

Ueber die neueDeutsche ®

Äußert sich in derPost" der freikonservative Abgeordnete Frhr. v. Zedlitz wie folgt: Schließlich mag noch erwähnt werden, daß in diesem Abschnitt der Session die Reichs- Partei'mit den kleineren Gruppen der Rechten sich zu einer neuen Fraktion, derDeutschen Fraktion", zu­sammen c^es chlossen hat. Es geschah dies, um den Mitgliedern dieser sämtlichen Gruppen, welche etwa den dreizehntem Teil der Gesamtzahl der Abgeordneten ausmachen, die Möglichkeit zu bieten, an den Ausschnßberatungen mitzn- wirden. Dies war um so notwendiger, als durch den Aus- schluß dieser Mitglieder des Reichstages von den Aus­schüssen die Mehrheitsverhältnisse in diesen sich wesentlich anders, und zwar zu ungutsten der Rechten, gestalteten als in den Vollsitzunben. Das trat besonders deutlich bei der Beteiligung des wirtschaftlichen Beirats bei dem Reichs­amt des Innern in Erscheinung. Von diesen wurden die kleineren Gruppen nicht nur von vornherein ausgeschlossen, sondern auch eine Anregung der Reichsregiernng, durch Vermehrung der Zahl der Mitglieder nach den: Beispiel der Verstärkung des Reichshaus'haltsausschusses eine Ver­tretung der kleineren Gruppen zu ermöglichen, stieß auf Ab­lehnung wenigstens eines großen Teils der größeren Reichs- tagssrattionen. Diesen Mißständen ist durch die Bildung der neuen Fraktion ein Ende bereitet worden. Das ist an­gesichts der Tatsache, daß die neue Fraktion sich wesentlich aus Gruppen der rechten Seite des Reichstags zusammen­setzt, auch vorteilhaft vom konservativeil Standpunkte ans.

Die agrarischeDeutsche Tageszeitung" schreibt zu der Gründung:Wre wir gestern berichteten, ist eine neue Frak­tion gebildet worden und zwar aus der bisherigen Freikon­servativen Partei, ans der Wirtschaftlichen Vereinigung, aus den Deutsch-Hannoveranern, den Bayerischen Banern- bündlern und einigen Mitgliedern, die keiner Fraktion an­gehörten. Das neue Parteigebilde hat den NamenDeutsche Fraktion" angenommen. Bei der Verschiedenheit der Anschauungen der Mitglieder in einzelnen politischen Fragen mag es schwer geworden sein, einen zusammen­fassenden Namen zu finden. Man wird also an der Farb­losigkeit der Bezeichnung keinen Anstoß nehmen können. Ob es in Zukunft immer und dauernd möglich sein werde, ein einheitliches Vorgehen der neuen Fraktion zu sichern, wird abzuwarten sein. Jedenfalls walten in ihr erhebliche Mei­nungsverschiedenheiten und in manchen Fragen vielleicht sogar Gegensätze ob, deren Ueberbrückung nicht leicht sein dürfte. Vielleicht ist es nicht zu kühn, die Hoffnung zu hegen, daß über kurz oder lang in irgendwelcher Form der Neubildung ein wenn auch loser Zusammenschluß der ge­samten Rechten folgen werde."

Eine Kundgebung in der bayrischen Kammer.

München, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten kani es zu einer Kundgebung für das verbündete Oester­reich-Ungarn. Präsident Dr. v. Oe r t er e r erinnerte daran, daß sich die Erfolge der ruhmreichen Armeen immer mehr erweitern und der Waffenruhm sich von Woche zu Woche erhöht. Als erste Frucht des siegreichen Ringens ist vor einigen Tagen dys Friedensangebot Montenegros eingegan« gen. Es ist ein erster bedeutsamer Schritt in der großen mU Wicklung der Dinge, die wir, so Gott will, in diesem Jahre zu einckn glücklichen Abschluß gelangen sehen. Im ganzen Deutschen Reiche und den verbündeten Staaten wird über das Ereignis lebhafte Freude herrschen, das der tapferen Österreich Uch-ungarischen Armee zu danken ist. (Lebhaftes Bravo!) Wir verbinden damit die Hoffnung, daß dem ersten Schritt in absehbarer Zeit weitere folgen, vielleicht auch der eine oder andere unserer nachbarlichen Vettern. Unserer ruhmreichen Armee und der ruhmgekrönten öster­

reichisch-ungarischen Armee zollen wir Dankbarkeit und Be­wunderung. (Lebhaftes Bravo!)

Verkehrsförderung.

Leipzig, 20. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Hier fanden vorgestern und gestern vertrauliche Besprechungen statt, t>ie sich mit der Möglichkeit der gemeinsamen Vorarbeit auf dem Gebiete der B er k ehr s f ö r d e r u n g, Ausgestaltung und Verbesserung des Eisenbahn- und Grenzverkehrs, Auf- cnLhall.es usw. beschäftigten. An den eingehenden Beratun­gen unter dem Vorsitz des Präsidenten des Bundes Deut­scher Verkehrs vereine Gvntard-Leipzig nahmen Vertreter ver- kehrsförderndcr Körperschaften Deutschlands und Oester­reich-Ungarns teil. Ferner waren anwesend Vertreter der Cisenbahummisterien der verbündeten Länder. Die Verhand­lungen führten zu einer Einigung über die Richtlinien, die als Grundlage für das allseitig als notwendig erachtete Zusammenarbeiten dienen sollen. Das Ergebnis wurde an einen Ausschuß, bestehend aus Vertretern der drei verbün­deten Länder, überwiesen, die vorbereitenden Arbeiten dem Bund Deutscher Verkehrsvereine Leipzig übertragen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. Januar 1916.

Belgien.

Auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins und des Orts- gewcrbevereins hielt gestern abend Schriftsteller Tr. Herwarth von Bittenseld, Wiesbaden, einen Vortrag über Belgiens Geschuhte bis zur Gegenwart. Der Redner legte in großen Zügen nut reichem Wissen die Geschichte dieses merkwürdigen Staats- gebildes dar, dessen Name seit Casars Zeiten bis zur Erschaffung des selbständigen Königreiches im Jahre 1830 nur ein geographi- wwr Begriff war, so daß sich Leopold I. bei seiner Thron- boilelgung ins Gesicht sagen lassen mußte: Sire, es gibt keine Belgier", es gibt nur Vlamen und Wallonen! Vom Anfang seiner Geschichte war Belgien der Schauplatz europäischer Kämpfe. Das erste Auftreten der Belgier war gleichbedeutend mit ihrer Unterjochung rmter die römische Herrschaft. Hiernach kam es unter die Herrschaft der Franken, die ihm nach dem Zeugnis ihres Geschichtsschreibers Cvn s e i c n c.e , den der Redner viellach heran­zog, sein bleibendes Gepräge aufdrückten. Belgiens Bedeutung stieg noch unter dem Geschlechte der Karolinger, so daß es unter Karl dem Großen gleichsam den Mittelpunkt des deutschen Welt­reiches bildete. Mit der Teilung dieses Weltreiches erwuchs für Belgien ein Zustand, der einen inneren Zwiespalt in sich barg und der Grund svgrd für Kämpfe, Aufstände und Greueltaten eines halben Jahrhunderts. In den Streitigkeiten der deutschen und französischen Herren wucherte der Feudalismus stark empor. Das Lehnswesen war der Anlaß zu immerwährenden Kämpfen und diese geirrannen neuen Grund, als die erstarkten Städte sich gegen die Fürsten wandten, die sich zu dieser Zeit Frankreich zu nähern begannen. Unter dem Zeichen des flandrischen Löwens zog das deutsche Volk, der Vlamen, gegen Frankreich und die eigenen ab­trünnigen Fürsten, besiegte die Liliaerts unb gewann unter dem Ruse: Vlandern den Leeuw! Wat Walsch is. vaksch is! Slaet al doov! die Schlacht der güldenen Sporen (1302). in der 20 000 Franzoseil getötet wurden und 700 vergoldete Rittersporen das Schsachtield bedeckten. Dennoch hörten die Kämpfe gegen die eigenen Fürsten nicht auf und führten schließlich zum Kampfe aller gegen^ alle, wobei die bestialischsten Greueltaten verübt wurden. Der Redner glaubt . die Erinnerung an diese Zeit habe sich zweifel­los noch heute dumpf im belgischen Volke erhalten. Es be­trachte daher wohl derartige Schandtaten als etwas Notwendiges und beinahe Selbstverständliches beim Ausbruch von Feindselig­keiten.

Eine harte Zeit erlebte Belgien unter Karl dem .Kühnen von Burgund, der durch Erbrecht in seinen Besitz gelangt war und mit eiserner Faust Ordnung schaffen wollte. Erst seit seiner Vereini­gung mit dem Hanse Habsburg, die über 300 Jahre lang bestehen blieb, konnte das geprüfte Land wieder aufattnen und sich zu einer ungeahnten Blüte entwickeln. Nach dem Tode Maria Theresias verscherzte sich Belgien selbst sein Glück, indem es sich den gut­gemeinten Reformen Josefs II. widersetzte und nach einem Auf­stande 1790 die Unabhängigkeit Belgiens als vereinigte belgische Staaten Proklamierte. Vier Jahre später unterlag es der fran­zösischen Republik, unter deren Herrschaft es fast vollständig ver­wüstet wurde, um erst im Wiener Kongreß mit Holland zu einem willkürlichen Staatengevilde verschmolzen zu werden. Dieser Zu- 'tand dauerte wiederum nur 15 Jahre und ließ denn endlich 1830 nach einem neuerlichen Aufstande in Brüssel jenes Königreich Belgien 'entstehen, dessen Neutralität nur ein leeres Wort lvar.

Aus der Vergangenheit des Landes, dessen Volk immer den Franzosen als schlimmsten Feind empfand, zog der Redner vor- ichtige Schlüsse auf seine Zukunft und ließ in manchem Wortspiel msere heimlicl-en Wünsche erraten. Reiches Bildmaterial unter­stützte den Vortrag, der dem Redner dankbaren Beifall eintrug.

*

** Verein für Bevölkerungspolitik. Die Grün- dungsversammlnng dieses Vereines findet morgen, Sainstag, in Frankfurt statt. Wir werden über diese Versammlung aus­führlicher berichten.

** Entwendet wurde in der Nacht zum 20. Jammr in stesiger Stadt ein Stallhase (deutscher Riesenscheck) im Werte von 10 Mk. Am 21. Dez. 1915 erschien in einem hiesigen Geschäft ein 1112 Jahre alter Schüler mit 10 Mk. und wollte ein Luft­gewehr kaufen. Ta dem Verkäufer die Sache nicht rein schien, wies er den jungen mit dem Bemerken ab, zuerst eine schriftliche Genehmigung seines Vaters beiz u bringen. woraus er sich unter Zurücklassung des Geldes entfernte und bis heute nicht wieder zurückgekehrt ist, ein Beweis, daß das Geld offenbar von einem Diebstahl herrührt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** Pferdever st eigerungen. Montag, den 24. und evtl. Dienstag, den 25. Januar, von vormittags 10 Uhr ab, kommen auf dem städtischen Schlachthofe in Darmstadt 100 Stück B e u t e f o I> i e n französischen Typs, im Alter von 23 Jahren, zur Versteigerung. An den Versteigerungen können nur hes­sische Landwirte teil nehmen.

Landkreis Gießen.

Watzenborn ^Steinberg, 21. Jan. Reservist Moritz Katz, Sohn des Ferdinand Katz in Watzenborn, der am I I. August

1915 bei Przemysl schwer verwundet wurde und am 21. August feinen Wunden erlag, wurde dieser Tage nachträglich durch Ver­leihung der Hessischen Tapfe rkeits Medaille ausgezeichnet.

CI La na-Göns. 21. Jan. Der hiesige Ziegenzucht­verein hielt seine diesjährige Hauptversannnlung in der Gast­wirtschaft von Will), Ebel ab. Die Abrechnung ergab einen schölten Uoberfchuß.

Kreis Büdingen.

ho. Nidda, 21. Jan. Dem leitenben Arzte des Vereins­lazaretts Nidda, Sanitätsrat Dr. N. Koch, wurde am 1. Januar

1916 die Rote-Kreuz-Medaitle 3. Klasse verliehen.

Kreis Laulerbach.

Ll. E n g e l r o d, 20. Jan. Trotz der fortwährenden Auf, klärungen der Landbevölkerung über den Umtausch von G o l d - m ü uzen und die daraufhin durch Schulkinder wiederholt ver­anstaltete Einsainmlnng des Goldes können sich immer noch viele Leute nicht entschließen, sich von ihrem Goldschätze zu trennen. So wurde,» auch in vergangener Woche in unserer Geineinde wieder 930 Mk. in Gold durch die Schulkinder eingebracht, denen darauf hin ein schulfreier Tag versprochen wurde.

Kreis Yriedberg.

chst Rendel, 21. Jan. Das Eiserne Kreuz erhielt der Reservist H o o s.

G R e i ch e l s h e i m , 21. Jan. Die Hessische Tapfer­keit S m e b a i 11 e erhielt der Unteroffizier H o r a ck.

Starkenburg und Rheinhessen.

ö Mainz. 21. Jan. Bor einigen Tagen kgm in das Bank­haus von Kronenberger aus der Großen Bleiche ein gut gekleidetes

Mädchen rmd wollte ein Frankfurter Wertpapier m Höhe von 2000 Mark verkaufen. Als sie die bedenklichen Gelichter der Angestellten gesehen, ließ sie das Wertpapier im Such und verließ eiligst .das Bankhaus. Das Wertpapier war im August v. Is einem Franffw-tcr Rentner gestohlen worden.

Hessen-Nassau.

0 Marburg, 21. Jan. Wie nt der letzten Stadt- v e r o r d n e t e tt i i 13 n n g niitgeteilt wurde, sind bei der städtischen Sparkasse ans die drei Kriegsanleihen insgesamt 3 745 900 Mark gezeichnet morde.a. Es wurde beschlossen, von den Vergütungen der Reichsbank im Betrage von 13110,6s Pik. je ein Drittel der Kriegsfürsorge, de.m Fonds für Kriegsbeschädigte und für besondere Zwecke vorzubehalOen. Der Akademischen Lesehalle, die durch den Krieg eine Minderer'n nähme von 3000 Alk. hat, wurde eine Bechilfe von 1000 Alk. beivit-Ngt.

Wm. 91 e u st « ö ,fc , 21. Jan. Bei dem gestrigen ersten Holz- verkaufe ans dem Einschläge von Brennholz in den städtischen Waldungen wurden Preise erzielt, wie sie in den städtischen Ver­kaufsprotokollen bisher nicht gu verzeichnen sind. Es kostete» durch- schni.'llich 4 Ratunmeter Buchenscheikholz 46 - 48.50 Mk.. 4 Raum­meter Buchenknüppel 4c.45,50 Mk.; 4 Raummeter Eicheuscheit 28-31 Mk., 4 Raummet er Eichenkiiüppel 2729 ML.-; 4 Raum­meter Nadelknüvvel 18.5021,50 Mk.; 20 Raummeter Buchenrech 30-35 Mk. und -0 Raum nteter Eichenreis 10-12 Mark.

Wm. 9t eil ft et bt, Jan. Immer mehr macht sich her Mangel an Schlachtvieh fühlbar; es ist deit Atetzgern kan:n noch möglich, ihren Bedarf ( sy. decken. Die Viehprerfe find infolge- dessen auch int stätidigen Steinen. Ter TurchschnUtspreis fi'ir den Zentner Lebeitdge,vicht, Mittelstvare. beträgt 67 Mk. Infolgedessen sind auch die Fleischpreise seit d ieser Woche auf 1,20 Mk. das Pfund gestiegen.

-- F r a n k s u r t a. M., 20. Jan. Die Kansmannslehrlinge Karl Müller und Wilhelm .fp ahn, die nach Unterschlagurtg von 6000 Mark flüchtig tzegang^m waren, wurden in Stralsund verhaftet.

= Limburg, 21. Jan. Fj'pr bewiesene besondere Tapferkeit wurde der hier wohnhafte Arbeiter Fritz Barth mit dem Ei fer­ne n K r c u z r r st e r K l a s s e ausneickmet und zum Unteryffizier befördert. Barth liegt gegenwärtig ivi einem Lazarett zu Kreuznach.

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verniUchter.

* Ein Momentbild von inr Flucht König Pe­ters. Der folgende Ausschinitt von der Flpcht König Peters über die albanischen Berge findet sich imPetit Parisien":Äe kleine Kvlo-nne blieb ermüdet stehen, und langsam schritt ein Mann an ^ Reihe der Leute entlang. Er ging mühsam, blieb von Zeit zu Zeit stehen und murmelte Worte, die niemand ver­stand. Jeder der Begleitmannschaft richtete sich bei seinem Vor­überkommen auf, um dann gleich wieder in die gebückte Haltung zurückzusiilken. Schließlich kam der alte Mann ganz nach vorn: es war Peter, der König von Serbien. Er trug seine serbische Generals-Uniform, eine mit verblaßten goldepen Schnüren ge­schmückte Mütze, einen breiten braungrauen K'ragenmantel. Ueber seine Stiefel hatte er grobe Bauernstrümpfe ans schwarz- und rotgewürfelter Wolle gezogen, nm auf dem kalten schilüpfrigen Boden nicht yusz.ngleiteii. Er stützte sich schwer auf einen kurzen Stock. Hinter ihm schritten sein Adjutant nüd ein Diener. Er sprach mit mir, dem einzigen Pressevertreter, der in dieser rauhen verlassenen Gegend anwesend war:Man sagte uns, wartet mxfy acht Tage. Und wir' kämpften weiter und warteten auf die ver­sprochene Hilfe. Dann sagte man uns: harret noch vierzehrr Tage ans: dann: noch drei Wochen. Und das Ende war, daß niemand erschien, daß keinerlei .Hülfe kam. Schließlich konnten wir nicht mehr. Und doch sind meiu^ Soldaten besser, als die Soldaten ,die kommen sollten . . Lcurgsam ging er weiter. Und bald setzte er sich wieder auf ein Felsstück, indem er seufzte:Ne mogon viche .... ne mogon viche (ich kann nicht mehr) . . Und wieder erhob er sich. Nach weiteven. drei Stunden aber hatte, er keing Kraft mehr. Man mußte ein Pferd herbeischaffen, und drei Männer hoben ihn in den Sattel . .

* D i e ü b e r l i st e t e n I a p s. In Jena wenigstens er­zählt man sich das Geschlchtchen dort so besuchten, so schreibt uns ein Mitarbeiter, zwei höhere Vertreter der japanischen Ne­gierung, natürlich vor Kriegsausbruch, die weltbekannten Zeiß- werke. Für alles hatten die Herren lebhaftes Jnteresie, sie ließen sich jede Kleinigkeit zeigen, aber das Betrachten allein schien ihnen iiicht zti genügen, da sie, wie ein 9lit^estellter der Werke bemerkte, unter ihrer Kleidung photographische Apparate verborgen trugen und alles besonders Beachtenswerte verstohlert atlsnahmen. Der Mattn machte von feiner Wahrnehmung einem höheren Geschäfts­leiter Mitteilung, und der übernahm daratifhtii die Führung der Freindlmge utid zeigte ihnen beinahe alles noch gettauer, als es sein Vorgäitger getatt. Endlich war die ganze Fabrjk durchschritten uiid inan war vor einer Tür, die schoit dttrch ihre Aufschrift ver­riet, daß sie den Raum für die Durchleuchtung mit Röiitgen- st r a h l e n verschloß, aitgelangt. Hier nun tvollten die Japaner ltatürlich unter taufend liebenswürdigen Worten des Dankes, da sie genügeiid gesehen und die Besichtigung all des vielen Hoch» iiiteressaiiteit sie ermüdet habe, sich von ihrem Begleiter verab­schieden. Aber der ließ nicht locker und nötigte so schön unb blumenreich, wie es eigetitlich nur in der Heimat der Besucher üblich ist, zinn Eintritt in den verschlosseiten Raum. Und da nun die scholi an und für sich schier unwiderstehliche Einladung durch das wohl zufällige Erscheinen mehrerer ansgesucht kräftiger An­gestellter der Werke gewissermaßen unterstützt wttrde, blieb den Beiden itichts übrig, als ihr Folge zu leisten. Jii der Kammer nun fetzte der Führer, natürlich mir, nm besser erklären zu können, alle Röntgennvvarate in Tätigkeit, richtete die Strahlen auf sich und seine Begleiter, verdarb dadurch deven photographische Platten, da Röntgenstrahlen diese Wirkung haben, vollständig und entließ dann lächelnd, aber äußerst liebenswürdig die bitter enttäuschte»! Besucher.

* W i e m a n k ö n i g l i ch e i n e S ch u l d b e z a h l t. Als nach der Schlacht bei Groß-Görfchen am 13. Mat 1813 ein Feld­gottesdienst abgehalten wurde, hatte der Kronprinz von Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., kein Gesangbuch bei sich und entlieh sich eins vorn Unteroffizier Teltow vom I. Garde- Regiment, vergaß es aber abzugeben. Als er 36 Jahre später, am Jahrestage der Schlacht, das Jnvalidenhaus besuchte und sich alle diejenigen vorführett ließ, welche jene Schlacht mitgentacht hatten, erinnerte er sich sofort bei Nennung des Namens Teltoiv jenes Vorganges und fragte den Invaliden, ob er der Darleiher des Gesangbuches gewesen u»id ob er es wieder zurückerhalten habe. Während der greise Krieger das erste bestätigte, mußte er die zweite Frage verneinen, und ein paar Tage später erhielt er vorn König ein neues Gesangbuch, worin ein Hunderttalerschein lag. Auf bem Vorsatzblatt aber befanden sich die vom König geschriebenen Worte: Dem Unteroffizier Teltoiv als Ersatz für dessen Gesangbuch, das er mir beim Gottesdienst, den 13. Mai 1813, zivischen Wursche» und Hochkirch in der Oberlausitz geliehen und nicht zurückeihallen hat. Sanssouci, 22. Juni 1849. Friedrich Wilhelm."

Meteoro!ogische Beobachtungen der Station Gietzen.

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Höchste Teniperatur am 19. bis 20. Jan. 1916 = + 8,8 6. Niedrigste 19. 20. 1916 == 4* 4,3° 6.

Niederschlag: 7,7 mm*