nHonbicuhräbiacn und die Arbeitsverwendungsfähigen bei be* Erfatzbatrullonen möglichst entlasten werden, können rmr nur zu- Wir haben gar kein Jnterege daran, daß mehr Leute sichert befinden, als Ar die Ausbildung, dre Detmrchung der f^-genen ober als Aufsichtspersonal notwendig sind WaA tovt vertreten den Gesichtspunkt, möglichst wemg Leute der Vm Wirtschaft zu entziehen. Es ist Anordnung getrofs worden. Leute, dienurarberts-o der g ar n ij o n ö> t en \U fähig sind. und die in der Truppe nicht notwendig sind nach und nach zu entlassen. Das Heer ist nicht Selbstzwck. sondern muß in allen Beziehungen die Interessen der Allgemein heit möglichst fördern. (Beifall.)
Abg. Vogt (Kons.):
Sie werden mir beistimmen, wenn ich auf Grund von Erfahrungen sage, dass alle Mannschaften, die von der ^ronl zuruck- aekehrt sind, mit besonderer Hochachtung von ihren a fit den Offizieren sprechen. Bei den Reserveoffizieren hat sich, her- vorgerufen durch den plötzlichen Wechsel der LebenSverhaltnipe. bei einzelnen oft eine gewisse Nervosität gezeigt Tie Ehrenbezeugungen sollen dazu führen, datz der Soldat auch aus der -traste
die Augen offen halten soll. Bei der Behandlung der Mannschaften nwchte ich auch um eine mildere Behandlung bitten, da es sich hier oft um Veteranen der Arbeit handelt. Ter Redner be- faßt sich eingehend mit der Verpflegung und der Bcotra.wnen der Gefangenen und bittet um Aenderungen. soweit sie von Landwirten beschäftigt werden. Urlaub mutz ausreichend erteilt wer- den, es darf nicht Vorkommen, datz semandem ein Urlaub versagt wird, nachdem er schon ein Jahr bei-MunUmnstransporten be- schäftigt ist und sich tadellos geführt hat. Viele Betriebe gehen dttekt zugrunde, wenn der Besitzer nicht von Zeit zu Zeit nach ihnen sehen kann.
Abg. Davrdsohn (Soz.):
Wir können auf diese Erörterungen nicht verzichten im Interesse der Soldaten. TaS Wichtigste ist für ihn immer der richtige Urlaub, dann nimmt «r vieles nicht so tragisch. Mit der Entlassung der Ueberzähligen zu Hause mutzte zunächst etwas geschehen, namentlich finden sich zahllose Unterofsiziere hinter der ffront. Tausende in der Front haben aber noch keinen ur- laub nach der teuren Heimat erhalten. Mit der Ernennung von Oberfeldwebeln wird man die Beförderungsverhalmisse nicht verbessern, man ernenne eben einfach die tüchtigen .Unteroffiziere zu Offizieren. Was die Disziplin betrifft, so wissen -re sa, datz meine Freunde darin sachverständig sind. (Heiterkeit.) Di' Disziplin beruht oft auf subjektivem Ermessen der Borge- ätzten; was der Major nicht sieht. Herr van Calker sieht manchmal der Feldwebel und der General gibt gelegentlich oem Masor einen Anschnauzer, für das. waL er eben be: seinen Mannschaften anbefohlen hat. (Heiterkeit.) Redner ftihrt einen Kommon- danturbefehl aus Thorn an, nach dem Soldaten dort nicht auf dem Bürgersteig gehen dürfen. Das ist eine lieber,pannung des Bogens. Es könnte eine passive Resistenz emtreten. bic man beim Militär Dickfelligkeit nennt. Redner zitiert einen weiteren Er- laß des Generalmajors v. K (HI. Armeekorps), nach dem ’u wenig Bestrafungen erfolgen. Der Unterschied zwischen Liebesgaben und Leistungen an Geld der Armee ,st kaum noch fest- zusrcllen
Ein Schlutzantrag wird angenommen.
Mg. Liebknecht (SBtlb), der noch zum Worte gemeldet Aar, schreit: Vergewaltigung! Schämen Sie sicht PsuU ^niti Pfui! (Große Heiterkeit.)
Die Entschließungen des Ausschusses werden angenommen. '
Abg. Ledebour (Soz.) zur Geschäftsordnung:
Mein Freund Liebknecht ist aus seiner Tätigkeit als Armierungssoldat im Felde hierhergekommen, um bei der Milltardebatte aus Grund persönlicher Erfahrungen die Aufträge, die ihm von feinen Kameraden, deren Vertrauen er gewonnen hat. mitgegeben wurden, hier zur Sprache zu bringen. Tie Mundtot, machung von Abgeordneten ist eme üble Gewohnheit des Hauses. (Präsident Dr. Kacmpf: Dieser Ausdruck ist unzu- lässig.) Dann ist es eine wenig erfreuliche Gewohnheit, -er ■ Reichstag beschränkt seine parlamentarische Tätigkeit unglaublich. (Zuruf des Abg. Hautzmann: Zur Sache!) Wenn in dieser Zeit einem Abgeordneten das Wort abgeschnitten wird, so ist das wider die Empfindung weiter Volkskreise (Zurufe) und von Tausenden von Kameraden Liebknechts. (Erneute Zurufe.) Sie haben ]ü keine Ahnung. (Präsident Dr. Kaempf: Ihre Ausfuhrungen
überschreiten den Rahmen einer Wortmeldung zur Geschaftsord- nung.) Mit derartigen Einschränkungen der Redefreiheit schlagen Sie sich selbst ins Gesicht.
Abg. Dr. Neumann-Hoser (F. Vp.):
Das Haus hat sich bei seinem Entschluß doch irgend etwas ge- Lacht. Ob' das wünschenswert oder nötig war, darüber kann man sich mit dem Abgeordneten Ledebour nicht einigen.
Abg.. Liebknecht (Wild):
Datz ich von der Zensur geächtet worden bin. ist Ihnen ja be- farmt. (3utufe rartjtS: Von Jh»r Partei,, Merne Partei ist nicht meine Fraktion mehr. (Heiterkeit.)
Präsident Dr. Kaempf:
Sie dürfen lediglich zur Geschäftsordnung sprechen.
Abg. Liebknecht:
Man läßt mich auch mchr zu Anfragen kommen.
Präsident Dr. Kaempf:
Das gehört nicht zur Geschäftsordnung. Ich mutz Sie bitten, sich danach zu richten.
Abg. Liebknecht:
Man hat mich mehrmals nicht zur Geschäftsordnung sprechen lassen und schneidet mir 0 aS Wort ab, das ir.it der Präsident heute ebenfalls zur Geschäftsordnung nicht hat geben wollen.
Präsident Dr. Kaempf:
Ich habe daS Recht, das Wort zur Geschäftsordnung zu geben oder nicht. Daran lasse ich absolut nicht rütteln. (Lebhafte Zustimmung rechts.)
Abg. Liebknecht:
Sie haben sich damit demaskiert.
Präsident Dr. Kaempf:
Derartige Angriffe gehören nicht in eine Nede zur Geschäfts ordnung Wenn Sie sich nicht streng daran halten, kann ich Ihnen da§ Wort nicht weiter geben.
Abg. Liebknecht:
Der Abgeordnete Tr. Neumann-Hofer bat dunkle^ Andeu- tungen gemacht über den Grund, der zu dem Beschluß des Hau 1 ^ geführt habe Ich kann mir ja wohl denken, welcherlei Grunds es sind, die den Schlutzantrag herbergefuhrt haben. Es ist eben das böse Gewissen. (Große Heiterkeit und Widerspruch.)
Präsident Dr. Kaempf: >.
rufe Sie zur Ordnung und gebe Ihnen das Wort zur ^Geschäftsordnung nicht weiter. (Lebhafter Beifall und Zwischenrufe rechts.)
Abg. Ledebour (Soz.) zur Geschäftsordnung:
Man ergreift das Wort, nicht um zu überzeugen, sondern um seine Ueberzeugung und sein Recht auszudrücken, sonst konnte )a ede Minderheit ihre Tätigkeit ausgeben. Der Abgeordnete Neu- inann-Hofer scheint üben den Sinn des Parlamentarismus noch üicht ins klare gekommen zu sein. Es ist die Pflicht sedes Mit- gliedes, jedes andere Mitglied, dessen Rechte angegriffen werden, zu verteidigen. Ich beantrage Wiederaufnahme der Aussprache.
Abg. Dr. Neumann-Hoser (F. Vp.):
Mit meiner Bemerkung wollte ich nur erklären, warum ich darauf verzichte, gegenüber dem Abgeordneten Ledebour über die Zweckmäßigkeit des Schlutzantrags zu rechten.
Der Antrag auf Wiederaufnahme der Aussprache wird ab- g e l e h u t.
Unter lebhafter freudiger Bewegung des ganzen HauseS teilte dann der Präsident mit, datz Graf Tisza im ungarischen Ab- geordnetenhause berichtet habe, datz M o n t e n c g r o um .Einleitung von Friedensverhandlungen beten habe. (Stürmischer Beifall.)
Abg. Hoch (Soz.)
berichtet über Petitionen und erklärt: Ich freue mich, datz jetzt der Anfang mit Friedensverhandlungen gemacht wird.
Die Soldatenpakete.
Eine Entschließung des Ausschusses verlangt Erwägungen, ob nicht die P o st b < sörderungsgcbühren für Soldatenpakete in die Operations- und Etappengebiete bis zu 500 Gramm h e r,- ab ge seht oder aber bei Velasfung der bisherigen Besorderung-- gebuhren die Gebieisgrenze für diese Pakete erhöht werden können.
Abg. Fischer-Hannover (Soz.) empfiehlt, Pakete bis 250 Gramm fteizulassen.
Abg. Schirmer (Ztr.)
empfiehlt die Einführung von I-Pfennig-Postkarten ins Feld. Die Entschließung wird angenommen.
Die Handhabung der Zensur.
Der Ausschuß schlägt folgend- Entschließung vor:
1. den Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen:
a) datz unter dem E'nflutz der jetzt, geltenden AuSnahmebe- stimmunaen keine Einrichtungen geschaffen werden, die geeignet sind, auch in Fiieoenszeiten die Preßfreiheit und die Freiheit der öffentlichen Meinung zu beschranken;
b) datz beim Kriegspresseamt und bei allen Generalkommandos Presseabteilungen aus V e r t r e t e r n d e r Militärbehörde und sachverständigen Z'vit. Personen gebildet werden, damit die Härten der Zensur vc- festigt oder gemildert werden;
e) daß jedem Z eitun g s o er b o te Zunächst ei« Begründung versehene Warnung an den -er ag
gehen mu^ ^ Verbot einer Zeitung nur mit Zustimmung des Reichskanzlers erfolgen darf. _
2. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, daftir s-rge 3^
fuir.'ss n: ’ 6 Ve»v t n p 0 !üu u
PretzzeHsur nicht unterworfen werden.
Abg. Tr. Stresemann
bericbtet über die Verhandlungen des Ausschusses. EmZei- tung-verbot hat außerordentlich große wtrtschafüiche Schadi- aunaen zur Folge. Daber ist möglichere Rucknchtncchme geboten. Ter" Gefahr einer Verletzung des Burgfr-ed-ns will dre R-gi-- runz mit allen Mitteln begegnen. Die Wumch -.am 8-«’- gäbe der Erörterung der Kriegsziele sollen vo der Regierung berücksichtigt werden.
Das Haus vertagt sich. ._
Nächste Sitzung Dienstag vorm. 10 Uhr: Weiterberatung.
Schluß: 4% Uhr. _ -
2fu$ Stöfct witö Cöttö.
Gießen. 18. Januar 1916.
Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe.
Nack Mitteiluna des Kreistzrmitces sind in der Zeit ojm.
11 Au^st bis 10. Dezember 1915 ans folgenden die SWcn Beträge an den st abgeliefert und von diesem an den Landes ve 1 Mlen-
Kreuz in Tarmstadt übernneien wordm: I. <L -SSr
-äs ,
a ^Ät dem 11. Stuguft 1915 geliefert «wrönt:
A. An dos Bankhaus S. BletAöber rn B-rlm für crblrn^ detc Krieger: 1. von der Ktrche Annewd 10 Mk., 2 aus «m
ksv #mttt WifUttfStnRSJk
«Rrntf -Tr Voi'iius 150 Mk, FrauleiN Noelttng 34 Mk.,
|tnr Kom—at v-y-
UnS B° «n Me 9 3 £ ent?a n i|u STwÄ-SiKT^SftaueR^be:
auä der G^de^ungen 439
WerLgobe far M
?:««« M.-
2 ' ^ r/ÄÄÄV Gtetzen auf das Konw M Kt «atetoe*:
Kirchengemeinden tn Alleickorf a. d. Lda. MO Ml., D) von vate 5 Mk., insgesamt 205 Mk.
*
** Auszeichnung. Sauvtm. und Battertef Sch wieder
... m r-'.
ftcltunc uewn Bindegarns. Die infolge des Krreges unter- bnndene Einfuhr von Jute und anderen Faserstoffen laßt es geboten erscheinen mit diesen Stoffen muglrchst fparsam ru verfahren Es ist daher angeregt worden, t>az öct oer ßTtttf ttl^en landmirtschaftlichen BetriÄen verwendete Bindeaarn auf das sorgfältigste beim Dreschen zu sammeln Ä zur Verarbeitung von brauckcharmr Btndeaamr iZffita. Die für die Verarbertung hwcht- sächlich in Frage kommenden Fabriketr sind folgende: ».
ttiwt 8 &s >?Ä";
sckaft für Seil-Industrie vorm. ^Ferdinand Wolfs rn Manri beün-Neckarauputsche Internationale Harvester Company
Rriegsschmuck.
Uns wird geschrieben: ^ t ... ....
Die Schmucksammlnng, die der „Vaterlandsdank gLgenwärttg im Lichchof des Königlichen Kunstgewerbe-Museums in Berlin m Rahmen einer VerkEssansstellrmg zur <Sfam ffcctft, yagt jbie chrarl- kenlose, jeden Egoisnius bare Gebefreudigkett d«S Bottes m der schönsten und feinsinnigsten Weise. Dre Summen, du durch Ge d- sammlungen aller Art zur Steigerrmg der Frumtzkrast, rur Gründung wohltätiger Einrichttnrgen für unsere Soldaten imd ihre Angehörigen in allen Provinzen des RerckeS einkommerr, durch Sammlung von imgemünztem Gold und Srlber rn Gestalt von Schmuck und Hausgerät zu ergänzen, war dre Au gäbe, dre der Vaterlaudsdmrk" sich setzte und mrt unenvartet verä-em Gewrnn durchzuführen vermochte. Man ging, ldierber von dcnr Gedanken aus, das; fast in jeder Bürgerfamilre Golo oder Srlber rn rrgmd erner eutbehrlick^en Gestalt zu fürden ist. Mel bausgerät aus gerade jetzt besonders wertvollenr Metall finden sich m Kasten, Laden, rn Glasschränken, ja sogar in verborgenen Winkeln und unbeachteten Speichern. Mancherlei findet infolge irgendeiner Beschädigung keine Verwendung mehr, oder cs wurde beiseite qdtqt, weil eme neue Mode cs verdrängte. Ml diese Gegenstände, die terls zu Gebrauchszwecken, teils als Schmuck geschaffen imd erworben waren und aus dem einen oder anderen Grilnde eiitbehrt werden können, babeii dem .Vaterlandsdank" Werte gebracht, die — rn gemünztes Geld umgesetzt — nicht zum Wenigsten zur Linderung der Werden
beizu^ageu^geeicmet^find.^ Opferwilligkeit aber wird
durch die gegcnwärttge Ausstellung aufgedeckt: Sie zeigt m blinkenden fvrgfani nebeneinander gereihten und nach ttmstlerrsä-en L-tand punkten angeordneteii Glaskästen all jene Schmuchachen und kunst polten Gebrauchsstücke airs edlem oder halbedlenr Material, die eine über dm objektiven Materiallvert weit hmmrSgeherrde, subjektive Bedeuttmg haben. Es sind Tinge, bei denen dre künstlerrsäie Äus- süt^ng den Metallgehalt oft hundertfach übertrifft, Gegenstände v o nku l t u rhi st o ri s ch enr oder sonstigem Seltenheitswert Famitten- geaenstände, Erbstticke, Ueberlieferungm usiv. Und das; auch diese Gegenstände in so reicher Fülle gespendet wurden, beweist stärker als Zahlen und Listen die Opferfreickigkert rm edelsten Smne. Doch diese Werte, die dnrch Einschmelzen nur verringert würden, sollen als Kunst- imd Bergangeriheitsbefitz erkalten werden. Darum hat der ' Vaterlandsdank" sie zum, Verkauf zur Schau gestellt. So werden die alten, künstlerisch reuvollen.Sachcm in die Hände verständiger Sammler übergehen, und zugleich wird der Erlös rn toeitgehendem Maße gesteigert.
Und M.- auf so Ijinntbrnbc Wets« errichte Wrstellung tm Kunst-ietoerbe-Museum ist tatsächlich «ich und M-sßittg gmug, um auch vom rcin künstlerischcu SammlcrsMndMnkt eine basondcrc Schätzung w orrbimen. Ta gibt rt alte Trmlbccher-us schwerem iübrr, nach altem Brauch innen vergoldet, imi den Wein m doppeltem Licht funkeln zu lassen; Becher in allen Formen, aus verschiedc-
nen ^abrzebnlen, ja selbst Jahrhiliiderten. Leichter, die auf Groß- vaters Tisch gestanden haben mögen und Auch' Schmuck der F-aMilrm- bibel gehörten profane Leuchter mit biedermeierarttgem schmuck, %k WrawwtB «i bie nrhig^,. ^mitmacn a6« «u* sickeren Tage vergangener Zeiten wach t vor den laßt. Fast UN Uder fehbar ist die Vielgestaltigkeit dieses Familiensilber-, das von seinem alten Glanz und seiner alten Schöiil-cft nichts emgebüßt hat.
Da gibt es Uhren in goldenen Kapseln, mit örerlr^ Schlüsseln, die das alte Werk tüten lassen; Armspan gen. mtt l-ochgefaßten ?mlbedelsteinen, in dunklein Rot oder hrmmelremem Griln, ein ftcher SchMlck nach einer längst vergessenen Sitte aus Haar g^ flochten mit Goldfäden und Steinen veriÄungen und geziert, Che- riuat' versckiedcnster Gestalt und verschiedensten Datmns, zurück- Xblfin bS Anfang des 18 ^ JahrhimdertsKannen und Silberwagen, Tassen, kristallklare Bernstemketten, rm Lauft der ^abre gedunkelte Korallen, Medaillons aus Elfenbein, deren Kunst- wert die Bedeuttmg der schmalen Go-ldeinfassung vielfach überttisst. ^Ein girier Glasschrank birgt die Steme, du aus emyo- schmolzenen Schmuckstückeii enfternt
(SUaiu ihrer tiefen Farben werter zu bestehen, ^n ll^fienden, vunren Haufen sind diese Schätze arrfgeschichtet: violette A^ddste mrs G^stmutterzeit, Topase, Berylle, Granaten wv: schtvere Bluts- tropfeii, frühlingsheller Roseiiguarz, feingeschiitttene Gemmen m «uJrffimilffW nff klassischer Zeichnung. Auf besonderem Platze, in stolzer Einsamkeit, liegen Brillaiiten^iainanten uudmilchtmiße Perlm. Und zwischeir all diesen mit Freude und Opfermut, Ber- 'tcindnis und Kunstsinn gefüllten Schränken erheben^ sich zwei Stapel ans Holz ivid Farbe uachgebildeter Gold- und Silberbarren, die den Wert des kunstlosen bisher cingeschmolzeiien Materials, das allefii in Berlin, Preiißen und deir angrenzcncken ^ltenden ge- ftim-mpft tnhtrhp veransckaulicken sollen. Die wirklicksen, der Reichs-
1500 Kilogramm, im Wert von 200 000 Mark, die Goldbarren, einGewicht von 150 Kilogramm im Werte von aiinähernd einer l-alben Miltton.
fam gehüteten Schreinen gewandert, selbst die Kinder (aus 11500 Schulen» wirkteu mit, um diesen Kriegsschmuck zusammenzutrag-m der der: doppelten Wlert v!ou Geld sund Gemüts hat.
— Die Quelle von Tischbeins Go et he b il d n is npnpsftn Heft der Zeftschrift für bildende Kunst" veroffent fickt Friedrich Rintelen die interessante Entdeckung daß Wilhelm Tischbeins berühmtes, im'Städelschen Museum zu Frankfurt a M aufbewahrtes Goethebildnis, das wohl als das befieb teste und volkstümlichste aller.^ethchortrats beMchnet werdw darf, in seiner Komposition auf em holländisches Vorbild zuruck zuführen ist. Zum Verständnisse die,er Tatsache muß man sich die Entstehungsgeschichte des Werkes verge^nwarti^. TischbeiN hatte den Gedanken dieses Bildnisses gefaßt und war selbst schon I ein gutes Stück in seiner Arbeit fortgeschritten, ohne dem Dichter
von seinem Vorhaben etwas zu sagen. Selbst nachdem er ihn mit seiner Absicht bekannt gemacht hatte, scheint Goethe kaum ge- ftssen zu haben. Tischbein hat eine Skizze für dre geplante Haltung La Dichters mnnadit und nach dieser von einem Bildhauer ein kleines Modell anferfigen lassen. Aus diesen Nachrichten laßt fick so viel entnehmen, daß das Porträt von Anfang bis zu Ende in einem lockeren Verhälttiisft zu dem Dargestellten entstan- ig Tischbein bat sich alles ganz allein aiisgedacht, uiid auck über der Ausführung scheint bie Anteilnahme Goethes an bcr Arbeit nicht inniger geworden zu sein. Andererseits Horen wir auch nichts davon, daß die Idee dk^ Bildes m einem starken augenblicklichen Erlebnis wurzelte, daß es etwa den Maler eines Tages da er mit Goethe in der Campagna weilte, uberfallen hätte und er in den Ruf ausgebrochen wäre: Bleiben Sie, letzt
l!abe ich Fbr Bild!" Tischbein ist von einem allgemeinen Begriff ausgegangen welche Form das Bild haben rnüfie, das dieses aroßen Dichters würdig wäre. Wie er uun zu seinem allgemeinen Begriff gelangte, darüber gibt Rintelens hübsche Entdeckung überzeugenden Aufschluß. Er bediente sich als Vorbildes emes Sttches des holländischen Tiermalers Nikolaus Berghem, Mit dem er enge Gemeinschaft hatte. Das Titelblatt der zweiten ^olge von Berg- bems Animalia ad vivum defineata^ ist durch erneu fitzenden Hirten geschmückt, der zum Reizvollste zählt, was dieser Tieruiaftr aus der menschlichen Gestalt zu machen wußte Man sieht einen jungen .Hirten da mit seinem Hunde auf einer Jnschrfitenplatte 'itzen, die den Titel der Folge zeigt: munter laßt der Knabe ern Bein über sie herabhänaen und sein Arm^ werft den Betrachter lel- hast in den äirßersten Winkel des Titels, wo rn winziger Schrift der Name des Amsterdamer Stechers Matham zu lesen ist. Die Uebereinstimmung in der Lagerung und ^^umanordnung! dieser Gestalt mit der Art. wie Tischbein ^en Goethe dargestellt und aufgefaßt hat. macht es allerdings
seine Komposition dem Bergyemschen Blatte entlehnt hat. >;m einzelnen hat er eine förmlictse Umdichtung seiner Vorlage, eme Uebertragung der Motive aus der euren Sphäre rn dre andere vorgenommen. Wo bei Berghem der Hund zu seiten ftinev Herrn sitzt', da ist auf dem Bildnisse das antike Relief an Platz getreten: und wenn im .Hintergründe auf Berghem^ Blatt em zweiter Hirt schreitet, so hat Tischbein ihn m dre Dogen einer antiken Wasserleitung umgeschaffen, weil er den Akzent dieses Umrisses gegen den verdämmernden Horizont brauchte. ^ Besonders merkwürdig ist, wie er sich mit dem auf die Inschrift hmabweisen- den Arme seines Vorbildes abgesunden hat, In der Skizze zu dem Porträt hat er sich an das Originalmotiv des Holländers noch näher angeschlossen, im Porträt selbst laßt er Goethe die finke Hand ans den rechten Oberschenkel legen. Gerade durch d,ese Veränderung ist eine gewifie harte Wirkung, eme scharf die G^ statt durchschneidende Diagonale in das Bild gekommen wo durch Goethes reife Gestalt scharf von der zunglingshaft-sorglosen Hirtcn- sigur der Vorlage unterschieden wird,


