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31.1.1916 Erstes Blatt
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, Südöstlicher zkriegsjcyan platz.

Nsstre Truppen haben Alessio uird den Adriahafen San Giovanni di Medua besetzt-, es wurden viele Vorräte erbeutet.

In Montenegro ist dir Lage unverändert ruhig. Aus verschiedenen Orten des Landes kommt die Meldung, daß die Bevölkerung unseren einrückenden Truppen einen feierlichen Empfang bereitet hat. An Waffen wurden bis jetzt, die Lovecnbeute mit eingerechnet, bei den Hauptfammel- ftcllen eingebracht: dreihundertvierzehn Geschütze, fünfzig­tausend Gewehre und fiinfzig Maschinengewehre. Die Zäh­lung ist noch nicht abgeschlossen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschallcutnant.

Wien. 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart: 30. Januar 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Der Gegner wiederholte gestern tagsüber seine An­griffe gegen die Brückenschanze nordwestlich von 11 s c i e s z k o. Alle Versuche, sich ihrer zu bemächtigen, scheiterten an der Tapferkeit der Verteidiger. Fast an allen Teilen der Nord­ostfront trat die russische Artillerie zeitweilig stark in Tätig­keit; auch schweres Geschütz wirkte an verschiedenen Stel­len mit.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

In Montenegro ist Ruhe. In San Giovanni bi Medua wurden zwei Geschütze, sehr viel Artilleriemuni­tion und beträchtliche Vorräte an Kaffee und Brotfrucht erbeutet.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs v. Hofer, Feldmarschallcutnant

Ein Zeppelinangriff auf Paris.

Paris, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Während des Lichten Nebels erschien Samstag abend gegen 11 Uhr ein Zeppelin und warf über Paris mehrere Bomben ab, denen ziemlich viele Personen zum Opfer fielen. An einem Punkte wurden 15 Personen getötet, an einem anderen ein Mann und drei Frauen. Ein Haus wurde zerstört. Auch sonst ist vielfach Materialschaden an­gerichtet. Die Jagd der Flugzeuge aus den Zeppelin blieb vergeblich. Bis 1 Uhr lag Paris völlig dunkel.

Paris, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Ueber den in der Nacht zum Sonntag erfolgten Zeppelin-Angriff auf Paris verbreitet die Agence Havas folgende Darstellung: Die Pariser Polizei ergriff am Sonnabend um 9.45 abends alle im Falle von Zeppelinangriffen vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnah­men. In einigen Minuten war die Stadt in völlige Dunkelheit gehüllt.

Eine zweite Depesche besagt: Um 9 Uhr abends wurde ein Zeppelin gemeldet, der die Richtung auf Paris hatte. Sogleich wurde Alarm geschlagen und Vorkehrungsmaßnahmen getroffen. Scheinwerfer leuchteten den Himmel ab. Der Unterstaatssekrctär für Flugwesen und Oberst Mayer, sein Kabinettschef. begaben sich nach Bourget. Feuerwehrleute durcheilten die Hauptstraßen und gaben- Hornsignale. Man erkannte über der dunklen Stadt die Bewegung der Flugzeug« des mit dem Schutze von Paris beauf­tragten Geschwaders: die Scheinwerfer leuchteten noch immer den Himmel ab. Die sehr zahlreichen Spaziergänger auf den Boule­vards verfolgten mit den Augen die Lichtstrahlen: überall bildeten sich Ansammlungen: besonders lebhaft wurde die Bewegung beim Schluß der Theater, denn nirgends war infolge des Alarms die Vorstellung unterbrochen worden. In den Straßen hörte man sehr deutlich das Surren der Flugzeugmotore. Die Menge be­wahrte völlige Ruhe und schien mehr interessiert als erregt. Gegen 11 Uhr nachts hörte man mehrere Explosionen, die von abgeworfcnen Bomben herrührten. Einige Personen fielen dem Angriff zum Opfer: auch Materialschaden wurde angerichtet.

Paris, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Der Zeppelin warf während seines Flu­ges über Paris nnchrere Bomben ab, denen ziemlich viele Personen zum Opfer fielen; an einem Punkt wurden fünfzehn Personen getötet, an einem anderen ein Mann und drei Frauen. An'einer anderen Stelle zerstörte eine Bombe ein Haus; auch fielen ihr mehrere Personen zum Opfer; wieder an anderen Stellen verursachten die Bomben Materialschaden, oder riefen nur einfache Aushöhlungen hervor, ohne Personen zu verletzen. Dichter Nebel bedeckte die Stadt bis zu einer Höhe von 700 bis £00 Metern, schwächte die Wirkung der Sckieinwerfer und behinderte das Feuer der Abwchrka nonen. Mehrere Flug­zeuge machten Jagd auf den Zeppelin, der in großer Höhe flog, und schossen auf ihn in dem Augenblick, wo er sich entfernte. Um 1 Uhr 30 Minuten war die Beleuchtung in Paris wiederhergestellt, und das Ende des Alarms wurde durch die Hornsignale der Feuerwehr angekündigt.

Paris, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. DasJournal" veröffentlicht eine Unter­redung mit einem der Flieger, die an der Jagd auf denZeppelin" teilnahmen, welche in Le Bourget durch den Unterstaatssekretär für die Luftschiffahrt organisiert war. Der Flieger erklärte, daß von den 30 Apparaten, die 20 Mi­nuten nach dem Alarmsignal aufstiegcn, fünf demZeppe­lin" begegneten. Eineinzigerkonntenäher heran­kommen und einen Kampf liefern. Der Flieger ist davon überzeugt, daß die Unternehmung des Geschwaders denZeppelin" an der Erfüllung seines Verbrechens störte.

Die englisch-französische Herrschaft in Saloniki.

Konstantinopel, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der -Dänin" veröffentlicht einen Brief aus Salonik, der eine Schil­derung der englisch-französischen Schreckensherr­schaft in Salonik gibt. Die Presse, heißt es in diesem Briefe, ist gänzlich geknebelt: die ententefeindlichen Athener Zeitungen sind' verboten. Das Publikum erfährt nur der Entente günstige Nachrichten. Auf den geringsten Verdacht hin werden ehrenhafte Einwohner der Stadt verhaftet und nach Malta gebracht. Dre griechischen Behörden sind ohnmächtig. Die Venr- selisten gehen in ihrer Kühnheit so weit, behördliche Organe öf­fentlich zu schlagen. Die englischer und französischen Soldaten geben sich allnächtlich dem Trünke hin; alles, was ihnen in die Hände fällt, verwenden sie als Heizmaterial, selbst Heiligen­bilder, sowie Dor Und Dächer der Kirchen. Tie Engländer setzen die Befestigungsarbeiten fort: aber die griechischen Offi­ziere sind überzeugt, daß diese Befestigungen der deutschen und österreichisch-ungarffchen Artillerie keineswegs werden wider­stehen können. Tie Engländer und Franzosen, die dies gleichfalls erkennen, bereiten alles für eine eventuelle Flucht nach der Halb­insel Chalkidike vor. Flugzeuge belegen tägliche Lager und Um­gebung der Stadt mit Bomben. Täglich sieht man Verwundete nach Salonik bringen. Der Geist der englischen und ftanzösischen Truppen ist vollkommen gefunken.

TaS beginnende Zerwürfnis zwischen Italien und England.

Bern, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Ter römische Korre­spondent derJtalia" erklärt, das; die Unterredung des engliscken Hand-lsmwistprs mit dem Mitarbeiter desSeccolo", in der der Mm.cßer &gtc, eH. AHN, NMlig Hoffnung fitr Herabsetzung der

mn ge heue r hohen Frachtsätze, in Rom einen wenig günstigen Eindruck gemacht habe. Man sei der Meinung, Italien müsse als Verbündeter und nicht anders behandelt werden. Eng­land habe seine Pflichten gegenüber den Alliierten immer noch nicht begriffen. Alle römischen Zeitungen seien einig in dem entschiede­nen aber vernünftigen P r o t e st g e g e n die Haltung Englands gegenüber Italien.Jtalia" gibt sodann einen Protest herJdea Nazionale" wieder und bemerkt dazu, man habe auch in Frank­reich ebenfalls solche Proteste gegen England losgelassen, aller­dings auch ohne Erfolg. Italien hat Unrecht bannt g^tan, seine Intervention nicht an gebülwende Bedingungen zn knüpfen. Italien sowie andere Alliierte zahlten >an England einen Trübut, der dessen Kosten für die Flotte teilweise ausgleiche. Das Platt sucht nachzuweisen, daß England das Meer nur beherrsche/ weil die Alliierten Deutschland zu Lande eingekreist hätten. -Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte Deutschland England zur See angegriffen und dessen Weltherrschaft einen fürchterlichen Schlag versetzt. Das Blatt fügt hinzu, es wolle nur diese Feststellung machen, nicht aber die Hypothese besprochen, was aus England geworden wäre, wenn die Kräfte Europas sich anders verteilt hätten. 1

Bern, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)Tribuns" schreibt, von der Fortdauer der N o t l a g e I i a l i e n s hänge seine Kriegs- koaft ab urw damit auch die Interessen Englands ftlbst, welche höher anzuschlagen seien als die Gewinnsucht eines Dutzends Reeder.

Gionale d'Jtalia" schreibt in einem Rückblick auf die Lage Italiens, das italienische Volk sei bereits zu der Zeit, als es seinen jetzigen Alliierten durch seine Neutralität einen großen Dienst erwiesen habe, von der E n t e n t e p r e s s e immerfort be­schimpft worden. Leider habe sich nach der Eingehung des Bündnisses die Lage nicht gebessert. Die Politik der Alliierten hätte besonders in den Balkanangelegenheiteu deir Eindruck gemacht, als hätten die Alliierten die Absicht, Italien cntgegenzu- ar beiten. Das italienische Volk habe schon oft gefragt, ob es überhaupt in der Entente gemeinsame Interessen gebe. Die Entente habe die Interessen Italiens in der Adria anderweitigen Inter­essen nachgestellt: trotzdem sei, wenn die Dinge in Bulgarien, Serbien, Montenegro und Griechenland schlecht, gingen, von der Ententepresse immer behauptet worden, Italien sei Schuld daran. Mehr wie einer in Italien ftage sich, ob der Einttitt Italiens in die Entente aus Liebe oder nur aus Verärgerung erfolgt sei.

Die KrrcgsariSgaben Italiens.

Bern, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Mai­länderCorriere della Sera" betrugen nach der Ausstellung des italienischen Schatzamtes die Ausgaben für das Kriegs- und M a r i n e m i n i ste r iu m von Ausbruch des Weltkrieges bis Ende Dezember 1915 6416,9 Millionen, wovon 913,8 Millionen aus die Marine entfallen. Die Mehrbelastung gegenüber dem gleichen Zeitraum während des Friedens beträgt über 4,9 Milliarden. Die eigent­lichen Kriegsausgaben belaufen sich auf 3744,7 Millionen: die übrige Summe ist für Kriegsrüstungen während der Neutralität verbraucht worden.

Ernennung Baudervcldcs zum Minister.

Brüssel, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der jetzt zum Minister ohne Portefeuille ernannte belgische Sozialistensührer Van der Velde war in den letzten Wochen außerordentlich be­schäftigt. Er richtete im Haag das Internationale Sozialistische Bureau ein und benutzte seine Anwesenheit im neutralen Holland, sich fast ein dutzendmak interviewen zu lassen. Dann reiste er rasch nach der Schweiz, um dort öffentlich zu reden, und zwar in den verschiedensten Städten der Westschweiz. Dieser Politiker will be­kanntlich seit Beginn des Krieges Deutschland zerschmettern und den preußischen Militarismus, etwa wie Winston Churchill, ver­nichten. Er nennt Deutschland das Land der Unkultur, das die Welt unterjochen wolle. Er will die Neutralen ernstlich glauben machen, daß Belgiens Verbündete, namentlich England, nur für das Recht und die Freiheit der kleinen Völker kämpfen. Vandervel.de heißt alle Eroberungsgelüfte seiner Landsleute, auch die der Franzosen, gut und verzeiht den englischen, französischen und belgischen Sozia­listen sogar die Bewilligung des Kriegskredits. Nur die deutschen Sozialisten überliefert er dem Scheiterhaufen, weil sie das gleiche getan haben, und er geht sogar soweit, daß er ausdrücklich erklärt, er werde sich nicht mehr mit deutschen Sozialisten an einen Tisch setzen. Er dient der Politik der Phrase, die früher keiner mit besse­rem Erfolge bekämpft hat als er, und gibt durch den Uebei'gang in das Lager der Unversöhnlichen seine ganze politische Vergangen­heit Preis.

Die Entente besetzte Karaburun.

Saloniki, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter scheu Bureaus.- Die Landung auf der .Halb­insel Karaburun hat unter dem Schutze der Schiffs­geschütze stattgefundeu. Der griechische Kommandant prvf testierte. Zugleich mit der Landung der Marinesoldateu umzingelte die französische Infanterie das Fort und die umliegenden Wohnungen auf der Landfeite und befahl die Entfernung der Bewohner. Die Verbündeten gingen so vor, da es als unerwünscht erachtet wurde, daß das Fort sich in anderen Händen befinde als den ihrigen und weil man glaubt, daß deutsche U-Boote in der Nachbarschaft Vorräte ernnehuren würden. - «

Der Feldzug gegen Albanien.

Genf, 29. Jan. (WDB. Nichtamtlich.) DerMatin" meldet aus Rom: Unzweifelhaft haben sich die Ita­liener und E s s a d Pascha vereinigt. Sie befestigen Valona und andere Punkte Südatbaniens, um den Fcrnd wirksam anfzühalten.

Der türkische Bericht.

Kon stau tinopel, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) .Amt­licher Beruht. An der Jrakfront keine Verändenmg.

An der Kaukasus front griff das Zentrum unsere Vor­postenstellungen an, wurde aber mit Erfolg zurückgeschlagen und ließ einige hundert Gefangene in unserer Hand.

An der Dardanellenfront trafen drei von unseren Flugzeugen am 27. Januar auf einen Monitor geworfene Bomben, der erfolglos in der Richtung auf Akbach feuerte, die hintere! Brücke des Schiffes und riefen eine Feuersbrunst hervor. Der in Flammen stehende Monitor konnte mit Mühe in die Bai von Kephalos auf der Insel Jmbvos flüchten. Unsere Flugzeuge ver­folgten ein feindliches Kriegsschiff und drei feindliche Torpedo- bootszerstöre r, die dem Monitor zu Hilft gekommen waren und trafen dabei einmal einen Torpedobootszerstörer. Eins unserer Flugzeuge warf mehrere Bomben auf einen großen feindlichen Transport in der Bai von Kephalos.

Erfolge türkischer Flugzeuge.

Konstantinopel, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Agentur Milli meldet: Flieger-Oberleutnant Bud­de ck e hat mehrere feindliche Flugzeuge an den Darda­nellen zum Absturz gebracht. Ein von dem Leutnant Ali Riza Bey geführtes Flugzeug, Beobachter Orkhan Bey, brachte an einem Tage zwei feindliche Flugzeuge beiSedd- ül-Bahr zum Absturz.

Eine Reise des Reichsschatzsekretärs nach Wien.

Wien, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zufolge wird Michsschatzsekretär Helfferich am 31. Ja­nuar in Wien eintvefsen und mit österreichischen und un­arischen Ministern wirtschaftliche und finanzielle Fragen esprechen.

Deutsche Fürsten beim stouig von Bulgarien.

Sofia, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur. ^Vorgestern nacht be­gaben sich der König und die König,in in Begleitung des Ministerpräsidenten Radoslawow, des Generalteutncutts Grewel, des deutschen Militärattachös in Sofia, Oberstleut­nants von Massow, nach Nisch. Gestern um 10 1/2 Uhr be­suchte der König den Herzog Johann Al brecht zu Mecklenburg und begab sich danach mit der Königin in die königliche Residenz, wo er mittags den Besuch des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg- Schwerin empfing. In Gegenwart des Ministerpräsiden­ten ernannte der König den Großherzog zum Ritter des Nationalordens der bulgarischen Apostel St. K'yrill und Methodi.

Die Kämpfe in Mesopotamien.

London, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: General Lake, der die britischen Truppen in Mesopotamien befehligt, hat sich mit General A y l m e r vereinigt. Es wird berichtet, daß das Wetter immer noch sehr schlecht und die Wege grundlos sind, was die Bewegun­gen der Truppen sehr erschwert.

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Eine Note Amerikas an die kriegführenden Mächte.

New York, 29. Jan. '(WDB. Nichtamtlich.) Der Washingtoner Korrespondent derAssociated Preß" meldet, daß Lansings Note an die kriegführenden Mächte die An­nahme der folgenden Formel vorschlägt:

1. Der Nichtkämpfer hat das Recht, an Bord eines unter der Flagge einer kriegführenden Macht fahrenden Handelsschiffes über den Ozean zu fahren und zu seinem Schutz auf die Bestimmungen des Völkerrechts und der Vienschlichkeit zu rechnen.

2. Ein 5)andelsschiff, was immer für Nationalität'es ist, darf nicht ohne vorherige Warnung angegriffen werden.

3. Ein Handelsschiff einer kriegführenden Macht Muß dem Befehl, beizudrehen, sofort Folge leisten.

4. Auf ein Handelsschiff darf nicht gefeuert werden, außer wenn das Schiff Widerstand zu leisten versucht. Selbst in diesem Falle muß der Angriff sogleich ans hören, sobald Flucht oder Wider­stand aushören.

5. Nur wenn es unmöglich ist, das Prisenschiff mit einer Be­satzung versehen aufzubringen, ist seine Zerstörung gerechtfertigt, in welchem Falle die an Bord befindlichen Personen in Sicherheit gebracht werden.

Nach einer Meldung des Washingtoner Korrespondenten derAssociated Preß" teilte Lansing den kriegführenden Mächten außerdem mit, daß bewaffneten Handelsschiffen, nur wenn sie bestimmte, von Amerika vorgeschlagene Be­dingungen unterschreiben, der Zugang in amerikanische Häfen gestattet werden kann, andernfalls würde dies nur unter den für Kriegsschiffe geltenden Bestimmungen zu­gelassen werden.

Holländisches Einfuhrverbot für Obst.

Haag, 29. Jam (WTB. Nichtamtlich.) Es ist ein V e t» bot für die Einfuhr von Obst erlassen worden, nach welchem keine Aepfel, Apfelsinen und Trauben mehr ein­geführt werden dürfen. »

Papiermangel in England.

Haag, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DerNieuw^ Courant" erfährt aus London, daß dieDaily News" an- kündiat, die Abendblätter würden zukünftig wahr­scheinlich nicht mehr als acht Seiten haben. Die meisten Zeitungen besitzey große Papiervorräte, um für die Zeiten der Not gedeckt zu sein. Das Blatt fordert das Publikum auf, künftig Zeitungen nicht mehr auf der Straße zu kaufen, sondern nach Hause besorgen zu lassen, weil dadurcb Papier gespart würde.

Der beektteg.

Englische Schiffsverluste.

Haag, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DerNieuwe Courant" meldet aus London: Das Handelsamt gibt be­kannt, daß in der Zeit vom 4. August 1914 bis 31. Ok­tober 1915 274 britische Dcnnpf-er mit einem Gesamtinhalt von 542 648 Tonnen durch Englands Feinde zum Sinken gebracht worden sind, ferner 19 Segelschiffe mit ins­gesamt 15 542 Tonnen-und 227 Fischerfahrzeuge mit 14104 Tonnen.

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London, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)Daily Ex­preß" meldet, daß der DampferAppen", dessen Ver­lust sicher erscheine, deutsche Kriegsgefangene aus Kamerun nach Europa gebracht hat.

Havre, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Wie verlautet, ist ein holländische r Schoner am 21. Januar im Minen­feld e von Träger mit Mann und Maus untergegangen.

Ymniden, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Man glaubt, daß der FischdampferPlejaden", der vermißt wird, auf eine Mine gelaufen und mit der Besatzung gesunken ist.

Vigo, 30. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Spanische Schifft melden, daß sich im Golfe von Biskaya unterseeische Minen befinden: z-wei spa­nische Fahrzeuge seien neuerlich durch Minen versenkt worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 31. Januar 1916.

Der Hornung.

Karl der Große hat dem zweiteir Monat des Jahres, dem Februar, den deutschen Name::Hornung gegeben. Man be­zieht diesen Namen gewöhnlich darauf, daß gegen Ende dieses Monats der Hirsch das Horn (Geweih) abzuwersen pstegt. Diese Auslegung kann schon aus dem Grunde nicht richtig sein, weil uns der NameHorn" in altdeutscher Zeit mehrfach als Bezeichnung für den Januar begegnet. Nun trifft man noch heute in manchen Gegeirden Deutschlands, beispielsweise im Oberharz, die Bezeich­nunggroßer Horn" für den Januar undDeiner Horn" für den Februar- an; ferner wurde der Januar früher vielfach einfach Horn" oderHormnonat "genannt. Es liegt also sehr nahe cm- z unehmen, daß der ddcrmeHornung" eine altertümliche Ver­kleinerungsform vonHorn" darstellt: nach Weinholds trefflicher Vermutung bezieht sich das WortHorn" auf den hornharten Frost. Danach wi'irde also der Horn, der Januar, der große Horn soviel bebeuten ttne der große Frvstmonat rnrd der Hornung, der Februar, oder der kleine .Horn soviel wie der Deine Frvstmonat. Für gewöhnlich Pflegt ja bei uns der Winter in den beiden ersten Monaten des Jahres am kältesten zu sein. In der Beziehung des Monatsnamens Hornung auf das Abwerfen des Gehörns seitens des Hirsches hat man also einen späteren Deutungsversuch zu er­blicken. Der Februar mit seinen 28 Tagen ist ja tatsächlich immer kleiner als der Januar, der 31 Tage hat. .In diesem Jahre, das ein Schaltjahr ist, hat der Februar 29 Tage; die Schaltjahre und Schalttage waren aber zu der 'Zeit, als oer zweite Monat des Jahres den deutschen NamenHornung" erhielt, noch unbekannt; sie gelangten erst im Jahre 1582 ntit der Reform des Gregoria­nischen Kalenders zur Einführung.. . Den NamenHornung" trifft man mich heute vielfach in deutschen Mundarten, namentlich in der alemannischen, als Bezeichnung für den Februar an: als das Elsaß noch unter französischer Herrschaft stand, gebrauchte die damalige ftanzösische Regierung dcs Landes in ihren in deutscher