,’tmfereit Derschanzungen Arrück. General Ahlmer meldet, ba% die Lage der Entsatz trappen unverändert ist.
Der griechische Gesandte beim Sultan.
Kvnstantinopel, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der -griechische Gesandte Kallerghis ist heute nachmittag vom Su U 'tan zur Ueberreichung seines Beglmrbigungsschreibens in feierlicher Audienz empsangerr morden. In einer Ansprache sagte der Gesandte, er sei Beauftragt, beim Sultan der Dolmetsch der Gefühle hoher Wertschätzung und tiefer Freundschaft zu lein, inelche sein Herrscher persönlich dem Sultan zolle, und der Wünsche, welche er sür das Gedeihen des osmanischen Reiches hege. Er, der Gesandte, werde alles, was an ihn: liege, sür.die Erhaltung des Freundschaftsbande s tun, welches in so erfreulicherWÄse .zwischen den beiden Ländern bestehe. Er hoffe, bei der Erfüllung dieser seiner Absichten und der des Königs sowie der den Instruktionen seiner Regierung entsprechenden Ausgabe durch das hohe Wohlwollen des Sultans ermutigt und durch die wertvolle Unterstützung der osmanischen Regierung gefördert zu inerden.
In seiner Antwort erklärte der Sultan, er sei sehr gerührt von den freundschaftlichen Gefühlen, welche der König der Griechen ihm bezeige, rmd bitte, an Seine Majestät mit dem Ausdruck des besten Dankes die Versicherung der gleichen Gefühle gelangen zu lassen. Der Sultan fügte hinzu, daß die Tätigkeit des Gesandten, die zwischen den beiden Ländern bestehenden Bande der Freundschaft noch enger zu kniipsen, seine kräftigste Ermunterung und die eifrigste Unterstützung der osmanischen Regierung finde.
Die Zuspitzung der Lage in Rumänien.
Berlin, 29. Jan. Im „Berliner Tageblatt" wird von .einem Berichterstatter in Sofia die Zuspitzung der Lage in Rumänien behandelt und 'besonders über den verstärkten Druck der Entente, die gestörten Getrcideexporte und die Truppenansanrmlnngen an der österreichisch-nngari- schen utld bulgarischen Grenze berichtet. Obwohl Rumänien >bisher die allgemeine Mobilisierung nicht ungeordnet habe, -ständen doch achit Zehntel des rumänischen Heeres, wie es sin dem.Bericht herßt, unter den Waffen, und der größte Teil dreier Truppen sei an der bulgarisch-rumänischen und ungarisch-rumänischen Grenze konzentriert. Der Vierver- üand mache auch kein Hehl daraus, daß er in dem Augenblick, wo die allgemeine große Offensive auf allen Fronten beginnen solle, Rumänien ebenso wie Griechenland zum Anschluß an diese Aktion zu zwingen hoffe.
Der Schluß der englischen Parlamentssession.
London, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Parlamentssession ist geschlossen roorden. In der Thronrede wird gesagt: „Ach^ehn Monate laug stehen meine Flotte und meine Armee zusammen mit den tapferen Verbündeten Englands im Kamps um die gemeinsame Freiheit und das öffentliche Recht Europas gegen die unmotivierten Angriffe des Feindes. Ich unterstütze die Entschlossenheit meines Volkes daheim und über See, unsere Flagge zum schließlichen entscheidenden Siege zu führen. Ich danke Ihnen für die willige Freigebigkeit, mit der Sie für die schweren Anforderungen des Krieges Vorsorge getroffen haben in diesem Kampfe, der uns ausgezwungen wurde von jenen, welche die Freiheit und, die Verträge, die wir heilig halten, leicht nehmen. Wir werden unsere Waffen nicht niederlegen, bis wir der Sache, die die Zukunft und die Zivilisation aus ihrer Seite hat, zurtt 'Triumph verholsen haben. Ich verlasse mich voller Vertrauen aus vre loyalen vereinigten Anstrengungen aller meiner Untertanen, die mich niemals im Stiche gelassen haben. Ich bete, daß der allmächtige Gott uns seinen Segen gebe."
Die englischen Arbeiter und die Militärdienstpflicht.
London, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung !he% Reuterschen Bureaus. Auf der Arbeiterkonferenz ?nt Bristol ist gestern eine Entschließung gegen die Dienstpflicht mit 1 796 000 gegen 219 000 Stimmen ausgenommen worden. Man kam: unmöglich sagen, was die -Folge dieser Abstimmung sein wird, die mit dem Geiste der gestern angenommenen Entschließung wenig übereinstimmt, aber den Rücktritt der drei Arbeiterminister Hen- derson, Roberts und Brace zur Folge haben wird, und nach Ansicht einiger Kreise zu allgemeinen Wahlen ..führen kann, deren Ergebnis eine überwältigende Mehrheit zugunsten der militärischen Maßregeln der Regierung sein würde.
Im Lause der weiteren Verhandlung stimmte die Konferenz über folgende Entschließung ab: Die Konferenz beschließt, für die Verwerfung hex Militärdien st- -b il l zu agitieren. Diese Resolutton wurde mit 649000 gegen 614 000 Stimmen abgelehnt. Die Lage scheint deshalb so zu sein, daß die Konferenz zwar ihrer Mißbilligung des Zwangprinzips noch einmal Ausdruck gibt, aber bereit ist, sich mit der gegenwärtigen Lage abzusinden. Ein Mitglied der Arbeiterpartei erklärte, er sei zwar gegen die dauernde Dienstpflicht, unterstütze aber die jetzige zeitweilige Bill als 'Zweckmäß igkeitsm a ßregel.
Amerikas Auseinandersetzung mit England.
New York, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Ein Telegramm der „Evening Post" aus Washington besagt: England hat auf Amerikas Protest gegen die Beschlagnahme der Brief - und Kartenpost mit der Erklärung geantwortet, daß es augenblicklich mit den Alliierten über diese Frage verhandle. Es ist keine Antwort auf die von Amerika hervorgehobenen Rechtsgründe gegeben worden, die rücksichtslos verletzt zu haben England beschuldigt wird. Die britische Regierung sagte nur, sie würde die Frage bespreck)en und ihre Antwort recht- zeittg erteiten. Zu gleicher Zeit bestätigt die Regierung, daß die amerikanische Post Verspätungen und Launen des Zensors unterworfen sein wird. Der Zwischenfall trug dazu bei, die hier herrschende Erregung über die britische Gleichgültigkeit gegenüber den früher erkannten Regeln des internationalen Rechtes zu steigern.
„Associated Preß" berichtet aus Washington: Heute wurde bekannt gegeben, daß Protest dagegen eingereicht worden ist, daß die aus neutralen Ländern des Kontinents stammende. nach den Vereinigten Staaten gesandte Post, sogar verschlossene Briefe, beschlagnahmt wurde. — „Sun" berichtet aus Washington: Der schwedische Gesandte konfetterte mit Lanfing über die Frage der Beschlagnahme der Post.
Berlin, 28. Jan. (Priv.-Tel.) Die „B. Z. a. M." meldet aus Rotterdam: Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Der amerikanische Senat überivies eine Petition des Vereins amerikanischer Frauen, in der die unbedingte Neuttalität Amerikas und ein Ausfuhrverbot sür Munition befürwortet wird, der Kommission für Auswärtige Angelegenheiten. Zahlreiche Senatoren haben eine baldige Behandlung dieser Angelegenheit verlangt.
Die Verletzung der deutschen Konsulatssahne in Lausanne.
Berlin, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt zn der Ausschreitung in Lausanne- Wie wir' hären, erschien der schweizerische Gesandte in Berlin gestern im Auswärtigen Amt, um der Kaiserlichen Negierung über die Verletzung der Fahne des deutschen Konsulats in Lausanne durch eine Schar von Arbeitern, Schülern und Studenten Mitteilung zu machen und daran den Ausdruck des lebhaften Bedauerns über-den Vorfall zu knüpfen. Der Gesandte fügte hinzu, daß drei Personen verhaftet wurden und ihrer strafgerichtlichen Verfolgung entaegensähen. Der Bnndesrat hat die für die Wieder- aufhissung der Fahne und ihren Schutz erforderlichen Vor
kehrungen gettoffen. Die Kaiserliche Regierung sprach den: Gesandten hieraus ihre dankbare Anerkennung für die prompte Erledigung des bedauerlichen Vorfalls durch den eidgenössischen Bundesrat aus.
Der beekrieg.
Ein überfälliger Dampfer.
London, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Dampser der Elder Demster- linie „Appem" (7781 Bruttotonnen) ist aus Dekar mit einer großen Zahl Passagiere elf Tage überfällig. Es herrscht seinetwegen große Besorgnis.
Lloyds meldet: Der Dampfer „T re gen tle", der in Hüll angekommen ist, meldet, daß er am 15. Januar zwischen Madeira und der marokkanischen Küste ein Rettungsboot mit der Aufschrift „Appem" passiert habe, dessen Bug beschädigt war.
London, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Als der überfällige Dampfer der „Elder Demsterlinie" „Appem" am 11.Januar Dekar verließ, hatte er 200 Passagiere an Bord.
AnegZhriefe am dem Westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Kaisers Geburtstag im Großen Hauptquartier.
Großes Hauptquartier, 27. Januar.
Zur Feier von Kaisers Geburtstag fand im Großen Hauptquartier, nachdem am Morgen die Militärmusik zum Wecken die Straßen des noch schlafeirden Städtchens durchzogen hatte, ein großer Fcldgottesdinst statt. Es nahmen daran die Spitzen aller Formationen des Hauptquartiers und in gewaltigem Andrange die sämtlichen dieristsreien Mannschaften teil. In tief ergreifenden Wörter: wies der Oberseldprediger des Wcstheeres aus die Bedeutung des zweiten Kriegsgeburtstages nuferes geliebten Kaisers hin, der ein Friedens kaffer sein wollte, bis ihn die Feinde deutscher Arbeit und Tüchtigkeit zwangen, das Schwert zu ziehen, das zu unseres Vaterlandes Ruhm und Ruhe der Herr der Heerscharen so sichtbarlich mit Sieg in West und Ost und Südost gesegnet hat. Mittags spielte eine Landsturmkapelle aus dem größten öffentlichen Platze deutsche Weisen, wobei sich entgegen ihrem früheren demonstrativen Fernbleiben auch zahlreiche französische Landeseiuwohncr unter den Zuhörern zeigten. Das Schließen aller in deutscher Verwaltung befindlichen Betriebe gab dem Straßenleben in den von mildem Frühlingswetter begünstigten Nachmittagsstünden einen sonntäglichen Anstrich. Für die Offiziere und Mannschaften der einzelnen Truppenteile fanden besondere Feiern in verschiedenen würdig geschmückten Sälen statt. Zu einer großartigen Feier hatten die gesamten Eisenbahner der hiesigen Orts Unterkunft eingeladen, die durch künstlerische, musikalische und gesangliche Darbietungen verschönt wurde. Die Festrede hielt hier ein Hauptmann der bayerischen Eisen bahntruppen aus das zu so schöner Wirklichkeit-in diesem Kriege gewordene Wort: Ein Gott, ein 'SSolf, ein Kaiser, das jeder Deutsche als unvergänglichen Gewinn mit heimnehmen werde.
Sehr fröhlich verlies die Feier bei einem Truppenteile, der die siegreiche Vollendung des serbischen Feldzuges miterlebt hat und der mit dem Kaisergeburtstag gleichzeitig eine nachträgliche Wcih- nachtserinnerung verband, da er während des heiligen Abends gerade unterwegs auf reisiger Kriegssahrt gewesen war. Ein Chor saug die „aus Serbien gewohnten Siegeslieder", Lichtbilder führten di« gemeinsamen Erlebnisse aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen vor, wo die versammelten Waffenbruder die deutsche Fahne ruhmreich vorwärtsgettagen hatten. Der Kommandeur gab in seiner Ansprache dar Dankbarkeit gegen den obersten Kriegsherrn Ausdruck, die jeden deutschen Kämpfer erfüllt. Alle Borträge rmd Vorführirngen ließen in diesem Krttse von Mitkämpfern erkennen, ivelchcn erweiterten Horizont auch der schlichteste unter diesen Männern auf der Kriegssahrt durch halb Europa gewonnen hat, und die allgemeine Stimmung ließ sich in die Worte fassen: Wohin uns unser Kaiser ruft: vorwärts zu neuen Siegeck!
W. Scheuermann, Kttegsbcrichterstatter.
Aus dem Reiche.
Die Besteuerung der Kriegsgewinne.
Berlin, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der Bundesrat stimmte in seiner Sitzung vom 27. Januar dem! Entwurf von Aussührungsbestimmuirgen zum Gesetz über vorbereitende Maßnahmen zur Besteuerung der K r r e g s g e w r n n e vom 24. Dezember 1915 zu. Die AussührUngsbcst.immiungen werden alsbald für das Deutsche Reich veröffentlicht werden. Der Bundesvat hat davon abgesehen, die Vorschriften des Sicherungsgesetzes allgemein auf andere Arten von juristischen Personen aus Grund des Paragraphen 10 Absatz 1 des Gesetzes auszudehnen: er wird vielmehr im einzelnen bestimmen, ob und in welchem Umsang er sonstige juristische Personen des bürgerlichen Rechtes, die eine aus Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, den Vorschriften des Gesetzes unterstellen will (Paragraph 1). Tie pflichtigen Gesellscl-asten haben ihre Geschästsbettchte und Jahresabschlüsse nebst Gewinn- und Verlustrechnungen der Friedensge- schästsjahre und Kriegsgeschäftsjahre, sowie die daraus bezüglichen Beschlüsse der Generalversammlungen der von der obersten Landessinanzbehörde bestimmten Behörde zu dem von ihr sestzu- setzendcn Zeitpunkt einzureichen und dabei die Bildung der gesetzlichen Sonderrücklage, soweit sie nicht ohne weiteres aus den eingereichten Bilanzen urrd- Jahresabschlüssen ersichtlich ist,' unter Beifügung einer Berechnung des Mehrgewinns nachKuweisen. Für Gesellschaften mit beschränkter Haftung und eingetragene Genossenschaften, die ausschließlich der gemeinschaftlichen Verwertung von Erzeugnissen der Gesellschafter oder Genossen oder dem gemeinschaftlichen Emkaus von Waren für die Gesellschafter oder Genossen dienen, ist bestimmt, daß als Geschästsgewinn im Sinne des Gesetzes nicht derjenige Teil des Reingewinnes angerechnet wird, der als Entgelt sür die von Gesellschaftern oder Genossen eingelieserten Er- zerrgnisse oder als Rückvergütung auf Kaufpreise für von Gesellschaftern oder Genossen bezogene Waren anzusehen ist. Ebenso soll bei den Versicherungsgesellschaften sür die Feststellung des Geschästsgewinnes derjenige Teil des Reingewinnes ausscherden, der aus die den Versicherten selbst als sogenannte Dividende zurückzugewährenden Prämienüberschüsse entfällt. Paragraph 9 enthält sodann noch ergänzende Besttmmungen über die Feststellung des durchschnittlichen Friedens ge, vinnes sür den Fall der Umwandlung der pflichtigen Gesellschaft in eine andere Gesellschaftsform sowie sür die Fälle von Fusionen. Werter wird der Reichskanzler ermächtigt, vorbehaltlich einer späteren Beschlußfassung des Bmrdesrats eine andcrweite Feststellung des durchschnittlichen ftüheren Geschäftsgennnnes aus Antrag der pflichtigen Gesellschaft vorläufig zu genehmigen, wenn die Anwendung der Vorschttften des Paragrapherr 5 des Gesetzes in einem anderen Falle zu einer besonderen Härte führen würde.
Eine Bestandsaufnahme für Rohzucker.
Berlin, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Bestandsaufnahme des Rohzuckers ist vom Reichskanzler (Nerchs- amt des Innern) durch Bekanntmachung vom 25. Januar 1916 (Reichsanzeiger Nr. 21 vom 26. Januar 1916 abends) für den 1. Februar 1916 angeordnet worden. Hiernach hat derjenige, welcher Rohzucker (Erstpvodukt) am 1. Februar 1916 in Gewahrsam hat, die vorhandenen Mengen getrerrut nach den Eigentümern unter Nennung der Eigentümer und unter Angabe des Betricbs- jahres, aus dem der Rohzucker stammt, der Zentralem kauss-Ge- sellschast m. b. H. in Berlin anzuzeigen. Die Anzeigen sind zum
3. Februar abzuscnven. Die Auzergevftrchi erstreckt sich nrchk aus Mengen, die insgesamt ivenrger als 100 Doppelzentner bettagen, und nicht aus solche, die sich im Gewahrsam einer Rohzuckersabrik oder einer Verbrauchszuckersabttk befinden. Die Anzeigen sollen auf einem Formblatt erfolgen, das die Zenttälernkaufs-Gesell-- schaft, Warenabterlung 2 Zucker in Berlin SW 68, Zimmerstr.34 den Anzeigepflichtigen aus Verlangen kostenfrer übersendet.
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Berlin, 28. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der langjährige Leitartikler der „Leipziger Neuesten Nachrichten" Dr. Paul Lim an ist im Atter von 56 Fahren an den Folgen einer Gallensteinoperation gestorben.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 29. Januar 1916.
Sonntagsgedankeu.
Der Krieg hat viele Menschen erkennen lassen, was sie aneinander haben. So ist es in vielen Familien, wo dusih die notwendige Trennung vielen bewußt geworden ist, was sie an dem in die Ferne Gezogenen haben, und wie schwer es ist, ihn entbehren zu müssen. Und umgekehrt ist unserer: braven Kämpfern draußen der Wert von Heimat und Familie viel deutlicher geworden, als er es ihnen früher war. Gar oft und gar sehnsüchtig denken sie an das alles, wie wir immer wieder in ihren Briefen lesen. Unausgesprochen und.anch ausdrücklich ist rnanche Abbitte geleistet worden. Festere Bande sind geknüpft.
Als wir in der vergangenen Woche Kaisers Geburtstag feierten, da hat wohl auch mancher wieder Abbitte geleistet, unserem Kaiser. Denn wer hätte jetzt nicht erkannt, welch ein Glück es für uns ist, daß ein echter, treuer, deutscher, frommer Mann an der Spitze unseres Volkes steht? Denn die Geschichte dieses Krieges hat uns auf der anderen Seite ja auch jammervolle, unredliche und nrchtswürdige Regenten gezeigt, und daß das, was ihren Völkern daraus entspringt, dem entspricht, was diese Fürsten in ihrem Inneren sind. Aber unser Volk empfängt Gutes von seinem Kaiser und kann Gutes von ihm lernen. Durch den Krieg ist auch hier das gegenseitige Verstehen größer geworden.
Ebenso ist es aber zwischen allen Deutschen. Es ist klar geworden, daß, wenn es überhaupt Parteien gibt, es im Grunde nur zwei gibt. Aber wir wollen jetzt nicht von der andern Partei, die den Sieg und die den Frieden zu Verbindern trachtet, reden, sondern von den Parteien und Feindschaften, die kein Recht mehr unter uns haben sollten, die Feindschaften zwischen den Berufs ständen. Diese können nicht, wie sie alle meinen, auf dem Rechtswege beseittgt werden, sondern sie stammen, wie viele Prozesse, ans dem gegenseitigen Unverstand. Vielmehr muß jeder Stand für sich sehen, wie er bei sich selbst, was nicht in Ordnung ist, beseitigt und die falschen Anschauungen verbessert. Wenn man dann vor den Richter kommt, wird ein Vergleich schon abgeschlossen fein.. Also auch hier mehr sich selbst richten. Nur so können wir ganz einig bleiben. Und wenn wir einig sind, kann niemand uns überwinden! —ck.
** A n sz e ichn u ir g. %xau Fehn Witwe, Schwester im Lazarett Kaufmännisches Vereinshaus und Turnhalle, erhielt die Role-Kreuz-Medaitte.
** Preisprüfungsstelle für die Provinz Oberhessen. Die Preisprüfungsstelle hat in ihrer am 28. Januar abgehaltenen Vollversammlung unter dem Vorsitz des Geheimerats Dr. U sing er eine Reihe wichtiger wirtschaftlicher Fragen eingehend behandelt und Beschlüsse gefaßt, von denen Nachstehendes von allgemeinem Interesse ist. Die Vorarbeiten der Ausschüsse über die Regelung des Vieh-Handels in der Provinz hatten zu Anträgen an die Behörden über eine Syndizierung des gesamten Viehhandels in Oberhessen und über ein Ausfuhrverbot für Vieh geführt. Die Versammlung nahm mit Genugtuung davor: Kenntnis, daß die hessische Regierung durch Berovdmrng vorn 24. Januar eine allgemeine Regelung der Beschaffung, des Absatzes und der Preise von lebendem Vieh von: 15. Februar ab einführen wird. Jede Provinz bildet hiernach einen rechtsfähigen Verband, dem alle Viehhändler, alle Metzger und alle landwirtschaftlichen Absatzgenossenschajten angehören müssen. Ebenso hat die hessische Regierung durch Verordnung vom 25. Januar den Gedanken eines beschränkten Ausfuhr- und Schlachtverbotes für Vieh verwirklicht. Das Schlachten von Milchkühen und von Rinden: unter einem bestttnmten Alter ist verboten. Die Ausfuhr von lebendem und von geschlachtetem Vieh aus Hessen wird von einer behördlichen Erlaubnis abhängig gemacht. Diese Vorschriften entsprechen im wesentlichen den Anregungen der Preis'prüfimgsstelle. In der .Hauptversammlung war von Verttetern aller Kreise festgestellt worden, daß der Viehbestand unserer Provinz durch das übermäßige Abschlachten noch nicht schlachtreifen Viehes und durch das wilde Aufkäufen von Vieh durch auswärtige Händler und Agenten schwer gefährdet war. Dem ist künftig ein Riegel vorgeschoben. Auch die Verhältnisse auf dem Schweinemarkt wurden eingehend besprochen. Die Einführung von Stall- Höchstpreisen wurde dringend befürwortet: zur Sicherung unserer Schweinezucht wurden beachtenswerte Vorschläge gemacht, die geeignet sind, dem Mängel an Schlachtschweinen und ungerechtfertigt hohen Fleischpreisen entgegenzuwirken. Für Fleischwaren, Geflügel, Wild und Fische wurden Erhebungen mitgeteilt, die zu einer Preisfestsetzung führen sollen. Derartige Preisfestsetzungen werden erst durchführbar sein, wenn die wichtige Aufgabe der Einteilung der Provinz in verschiedene Wirtschaftsgebiete gelöst ist; die Vorbereitungen hierzu sind im Gange.
** Die Weihnachtsleistungen des Gießener Roten Kreuzes. Die nach Eingang aller Rechnungen und Belege jetzt serttggesteltte Abrechnung über die an die Truppen im Felde und in die hiesigen Lazarette abgegebenen Weihnachtsliebesgaben ergibt eine Einnahme von 6968,20 AM. und eine Änsgabe von 11141,14 ME. Dazu kommen noch zahlreiche teils aus den Liebes gaben bestünderr des Roten .Kreuzes entnommene, teils von Privatpersonen und Vereinen sür Weihnachten gespendete Geschenke, deren Wert mindestens 3800 ,MI. beträgt. Besonders hervorzu- heben ist die Freigiebigkeit der Firmen der Zigarren- und Tabakindustrie. An die Truppen im Felde wurden in 53 .Asten abgeschickt: 209 Hemden, 190 Unterhosen, 195 Paar Handschuhe, 201 Paar Socken, 487 Taschentücher, 76 Fuß- schlüpfer, 203 Paar .Hosenträger, 256 Paar Fußlappen,


