Icmge Beratung mit Hem König', Um ihn besonders ein gehend Wer die italienischen Mtionen zur Unterstützung Serbiens limd Montenegros zu unterrichten. Anschließend empfing Sonnin-. den serbischen Gesandten und hatte mit ihm eine längere Unter- rednng, in der der Gesandte wichtige Mitteilungen gemacht haben soll. In Rom sei natürlich das allgemeine Augenmerk auf die Operationen gegen Montenegro gerichtet. Mein in den serbischen und montenegrinischen Kreisen Roms sei man seit zwei Tagen ohne, direkte Nachrichten aus Montenegro. Man hege nur geringe Hoffnungen. Glücklicherweise erkennen die betreffenden Kreise die guten Llbsichten der Entente, die seit dem vergangenen Dezember Maßnahmen getroffen habe, um die ersehnten schweren Geschütze samt Munition nach Montenegro zu schaffen Mein die guten Absichten seien nicht von den nötigen Vorsichtsmaßnahmen begleitet gewesein Infolgedessen sei unter anderen der Dampfer „T y ra", der sehr bedeutendes Kriegsmaterial an Bord hatte, torpediert worden. In Rom täusche man sich nicht über die schweren Folgen des Falles vom Lowtschen, von wo aus Cetinje, Budua, der Nordteil des Skutari-Sees und das .Riekatal beherrscht werden. Die Verteidigung Cetinjes sei schwierig. Man müsse ferner die Besorgnis hegen, daß die Oefter- ' reicher auch den Rückzug nach Skutari abschneiden, wo sie eine neue Etappe, für weitere Operationen in Albanien errichten würden, wo gao zu viele seien, welche die Möglichkeit herbeiwünschten, an der Seite der Oesterreicher zu kämpfen.
Ein Klageruf Herv^S.
Paris, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der „Victoire" tust H e r v 6 nach .Hilfe für Montenegro. „Ich weiß nicht," schreibt Hervö, „wie es die Oesterreicher und Deutschen machen, aber sie haben immer Leute, um die Offensive zu ergreifen, oder vielmehr ich weiß es doch: sie graben sich gegenüber unseren Linien ein und spicken ihre Gräben mit tausenden .Maschinengewehren, wodurch sie trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit immer ein Operationsheer haben, das sie bald g^egen uns, bald gegen Rußland, gestern gegen Serbien, h»eute gegen Montenegro, ansetzen. Herrscht denn bei uns Mangel an Einheitlichkeit der Anstrengungen und Mangel an Verständigung zwischen den Generalstäben oder behalten wir die Truppen in den Gräben? Niemals haben wir da, wo es zur Stunde nötig ist, ein Operationsheer, um gegen den Feind Schläge zu führen. Wir hatten nicht genug Truppen, um die Dardanellen zu bezwingen, wir konnten nicht rechtzeitig ein paar Hunderttausend Mann finden, um Serbien zu retten. Heute sind wir aus Mangel an 20 000 Mann auf dem Wege, die Montenegriner vernichten zu lassen. Wann endlich werden wir aus diesen grausamen Lektionen lernen. Heda, Ihr Freunde in Italien, schlaft Ihr?"
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Kaiser Wilhelm und der Sultan.
Konstantinopel, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) dem Antworttelegramm auf die Glückwunschdepesche des deutschen Kaisers zu dem Siege auf Gallipoli fbringt der Sultan seinen Dank sowie seine lebhafte Be- .friedignng darüber zum Ausdruck, Zeinen Ehrensäbel zu empfangen, der ein glänzendes Symbol der Waffen brüderschaft sein werde, die ftets die beiden tapferen Ar meen verbünden werde. Der Sultan bitte Gott, den Ver bündeten auch weiterhin großartige Erfolge und in naher Zukunft auf allen Schlachtfeldern den endgültigen Sieg zu .gewähren.
Der Kaiser an Lima» v. Sanders.
Konstantinopel, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) /Der deutsche Kaiser hat an Marschall Lim an von Sanders folgende Depesche gerichtet: Mit der endgültigen Vertreibung der Feinde von der Halbinsel Gallipoli hat ein Kriegsabschnitt sein Ende gefunden, in dem Sie an lder Spitze der anderen nach der Türkei entsandten deutschen Offiziere und der Ihnen von Seiner Majestät dem Sultan anvertrauten tapferen vsmanischen Armee unvergäny- licke Lorbeeren errungen haben. Ich und das Vaterland danken es Ihnen, daß Sie mit eiserner nie ermüdender Tatkraft die Wacht an den Dardanellen hielten und alle Anschläge der Gegner zunichte machten. Ms Zeichen meiner Anerkennung verleihe ich Jhüen das Eichenlaub zum Orden Pour le rnßrite.
Der türkische Berichte
Konstantinopel, 13.Jan., abends. (WTB. Nicht amtlich.) Das Hauptquartier teilt mit:
An der K a u k a s u s f r o n t griff der Feind südlich des Arasslusses zwischen Tahir und Mali Baba und nördlich des Aras zwischen Keutek und dem Harman- Engpaß in der Nacht vom 11. zum 12. Januar mit einer bedeutenden Streitmacht heftig unsere vorgeschobenen Stel lungen im Zentrum an, erlitt aber infolge unseres Gegenangriffs einen vollständigen M i ß e r f o l g. Der Feind ließ zahlreiche Tote und Gefangene, eine Menge Waffen und zwei Maschinengewehre zurück und wurde in feine alten Stellungen, zurückgeworfen. Westlich von O l t y, in der Zone Arak— Geudyi, wurden zwei Angriffe des Feindes in derselben Nacht leicht zurückgewiesen.
Dardanellen front: Am 12. Januar eröffneten eru Kreuzer, neun Torpedoboote und ein Monitor vor den Meerengen ein zeitweilig aussetzendes Feuer gegen Tekke Burnu und Sedd-ül-Bahr. Ein Monitor feuerte ebenfalls erfolglos in der Richtung auf Relid el Bahr, als einer unserer Flieger Bomben auf ihn warf und ihn nötigte, fich in Flammen gehüllt, zurückzuziehen. Am Nachmittag des 12. Januar griff das von B o d d i ck e geführte Flugzeug das fünfte feindlicheFlugzeug vom Farman-Typ an und brachte es in der Umgebung von Sedd-ül-Bahr zum Absturz. Wrr fanden den Führer tot, den Beobachter verwundet. Das Flugzeug wird nach kleinen Verbesserungen von uns benutzt werden können. Ein anderer Flieger von uns griff einen englischen Flieger an, der Saros überflog, verfolgte ihn und nötigte ihn, auf Jmbros niederzugehen.
Die Engländer veröffentlichen noch immer amtliche Berichte, m denen sie glauben machen wollen, daß der Rückzug bei Anaforta und Ari Burnu freiwillig und in voller Ruhe erfolgte. Unsere bisher festgestellte Beute, die die wirklich vorhandene noch nicht vollständig angibt, beweist klar, daß der Rückzug außerordentlich üb erstürzt war. Die bisher festgest-ellte Beute umfaßt 10 Kanonen, 2000 Gewehre und Bajonette, 8750 Granaten, 4500 Munitionskisten, 13 Bombenwerfer, 45 000 Bomben, 160 Munitionswagen, 61 leichte Wagen mit Zubehör, 67 Leichter und Pontons, 2850 Zelte, 1650 Tragbahren, eine Menge Benzin und Petroleum, Decken und Kleidungsstücke, 120000 Konservenbüchsen, 5000 Sack Getreide, 125 000 Schippen und Hacken. Unter dieser Zahl sind Wasserbehälter und Sterili- sier-Maschinen nicht enthalten.
Sonst ist nichts zu melden.
Bon der persisch-indischen Grenze.
London, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Im Unter- hause erklärte der Minister für Indien, Chamber- tain, die Nachricht eines russischen Blattes von einem persischen Einfall in Belutschistan sei nickst zutreffend. Der Minister gab folgende Darstellung: Der persische Häuptling Bahram Khan drang Ende September- mit dreihundert seiner Stammesleuten in Mekran ein und griff die befestigten Plätze Mand und Tu mp an. 'Die
Plätze liegen 10 Meilen bezw. 30 Meilen von der Grenze, Mekran etwa 300 Meilen von der indischen Grenze. Bahram Khan konnte die Plätze nicht nehmen und ging mit reicher Beute auf persisches Gebiet zurück. Seine Leute waren ungewöhnlich gut bewaffnet, was auf die Anwesenheit von Deutschen mit großen Vorräten in Kerman zurückzw sühren ist. Seit September fanden keine Angriffe mehr statt.
Ein türkischer Botschaftsbeamter verhaftet.
Paris, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der türkische Beamte Satin Bey, dessen Obhut das Archiv der türkischen Botschaft in Paris anvertraut worden war, fit gestern samt Gattin und Tochter verhaftet worden. Die Verhaftung ist als Vergeltungsmaßregel bezeichnet worden.
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Das Ergebnis der französischen Kriegsanleihe.
Paris, 14. Jan. (WTB Nichtamtlich.) Der Finanz- minister hat in der Kammer einen Gesetzentwurf betreffend Eröffnung eines Kredits zur Bezahlung der rückständig e n Zinsen des ersten Quartals der neuen f ü n f- prozentigen Anleihe eingebracht. Der Motiven- bericht des Gesetzentwurfs gibt auch die endgültigen Ergebnisse der Anleihe bekannt. Darnach sind 15139 Millionen gezeichnet worden. Das eingezahlte oder noch einzuzahlende Bargeld beläuft sich auf 6368 Millionen. Das Ausland hat eine Milliarde gezeichnet, wovon 602 Millionen auf England entfallen. Ein zweiter von Ribot ein gebrachter Gesetzentwurf betrifft die Einführung einer außerordentlichen Steuer auf die während des Krieges erzielten besonderen Gewinne.
Die Abstimmung der Bcrgarbeiterverbände in England.
L o n d o n, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) „Daily Telegraph" meldet: Die Abstimmung der Bergarbeiter verbau de über die Dienstpflichtbill ergab 220 000 Stimmen dagegen und 40000 Stimmen dafür. Der ausführende Ausschuß beschloß demgemäß in der heute zusammentretenden Nationalkonferenz der Bergleute eine Entschließung vorzulegen, die den schärfsten Widerstand gegen die Bill und jede Form des Staatszwanges ankündigt.
Die Kataoausfuhr Englands.
London, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Im Oberhau s e lenkte Lord Sydenham die Aufmerksamkeit auf die ungeheure Steigeruug der Kakao aus fuhr nach den neutralen Ländern. Lord Lansdowne gab Ziffern an, aus denen- hervorgeht, daß die Ausfuhr sich sehr verringert hat, seitdem sie an besondere Erlaubnisscheine gebunden ist. Er sei sehr weit entfernt zu behaupten, daß nicht mehr getan werden könne. Zweifellos erreichten ansehnliche Mengen von Kakao den Feind. Die Angelegenheit werde vom Staatsdepartement, das mit dem Kriegshandel beschäftigt ist, aufmerksam verfolgt. Die Regierung glaube, daß die bereits getroffenen Maßregeln verschärft werpen könnten.
gieruug in dem Baralong-Fall nicht gestalt, wie sie denn keinen Augenblick zweifelt, daß ein aus britischen See Offizieren zusammengesetztes Kriegsgericht den feigen und heimtückischen Mord gebührend ahnden würde. Dieses Verlangen war aber umso berechtigter, als die der Britischen Regierung vorgelegten eidlichen Aussagen amerikanischer, also neutralerZeugen, die Schuld des Kommandanten und Her Mannschaft der Baralong so gut wie außer Frage stellen.
Die Art, wie die Britische Regierung die deutsche Denkschrift beantwortet hat, entspricht mach Form und Inhalt nicht dem Ernst der Sachlage und macht es der Deutschen Regierung unmöglich, werter mit ihr in dieser Angelegenheit zu verhandeln. Die Deutsche Regierung ftcttt daher als Endergebnis der Verhandlungen fest, datz die Britische Negierung das berechtigte Verlangen auf Untersuchung des Baralvng-F alles unter nichtigen Borwänden unerfüllt gelassen und 'sich damit für das dem Völkerrecht wie der Menschlichkeit hohnsprechende Verbrechen selb st verantwortlich gemacht hat. Offenbar will sie den deutschen Unterseebooten gegenüber eine der ersten Regeln des Kriegsrechts, nämlich außer Gefecht gesetzte Feinde zu schonen, nicht mehr innehalten, um ire so an der Führung des völkerrechtlich anerkannten Kreuzer- krregs zu verhindern.
Nachdem die Britische Regierung eine Sühnung des empörenden Vorfalls abgelehnt hat, sieht sich die Deutsche Regie- r' u7 Jr genötiot, die Ahndung des ungesühnten Verbrechens selb st tn d i e Hand zu nehmen und die der Herausfordc- ^^^^kfprechenden Vergeltungsmaßnahmen zu txeffen.
Berlm, den 10. Januar 1916.
Die deutsche Antwort über den Zoll Varalong
^ an - Kaiserliche Regierung hat am' 12. d. Mts. dem amerikanischen Botschafter in Berlin folgende Erwiderung zur Uebermittllung an die Britische Regierung übergeben:
Die Britische Regierung hat die deutsche Denkschrift über den Baralong-Fall dahin beantwortet, daß sie einerseits die Richtigkeit der ihr von der Deutschen Regierung nritgeteilten Tatsachen rn Zweifel zieht, andererseits gegen die deutschen Streitkräste zu Qinde und zu Wasser den Vorwurf erhebt, vorsätzlich ungezählte Verbrechen wider das Völkerrecht und die Menschlichkeit begangen zu haben, die keine Sühne erfahren hätten und denen gegen- iiber die angebliche Straftat des Kommandanten und der Mannschaft der Baralong völlig zurücktrete. Für diesen Vorwurf hat die Britische Regierung keinerlei Beweise beigebracht, sondern sich darauf beschränkt, ohne Mitteilung irgendwelcher Belege drei im Seekrieg vorgekommene Einzelfälle anzuführen, wo deutsche Offiziere völkerrechtswidrige Grausamkeiten verübt haben sollen Die Britische Regierung schlägt vor, diese Fälle durch einen aus amerikanischen Marineoffizieren bestehenden Gerichtshof untersuchen zu lassen, und ist unter dieser Voraussetzung bereit, dem bezeichnten Gerichtshof auch den Baralong-Fall zu unterbreiten.
Die Deutsche Regierung legt die schärfste Verwahrung ein gegen die unerhö^en und durch nichts erwiesenen Anschuldigungen der Britischen Regierung gegen die deutsche Armee und die deutsche Marine sowie gegen die Unterstellung, als ob die deutschen Behörden etwaige zu ihrer Kenntnis gelangenden Straft taten solcher Art unverfolgt lassen. Die deutsche Armee und die deutsche Marine beobachten auch im gegenwärtigen Kriege die Grundsätze des Völkerrechts und der Menschlichkeit, und die leitenden Stellen halten streng darauf, daß alle dagegen etwa vorkom-' mcndcn Verstöße genau untersucht und nachdrücklich geahndet werden.
die drei von der Britischen Regierung aufgeführten Fälle sind seinerzeit durch die zuständigen deutschen Behörden einer eingehenden Untersuchung unterzogen worden. Dabei hat sich zunächst in dem Falle :er iVmcnkung des britischen Danrpfers Arabic durch ein deut- ches Unterseeboot ergeben, daß der Konrmandant des Unterseeboots nach! Lage der Umstände die Ueberzeugung gewinnen mußte, der Dampfer sei im Begriff, sein Fahrzeug zu rammen: er glaubte daher m berechtigter Notwehr zu handeln, als er seinerseits zunk Angriff auf das Schiff überging. Der weiter aufgesührte Fall des Angriffs ernes deutschen Torpedobootszerstörers auf ein britisches Unterseeboot in den dänischen Hoheitsgewässern hat sich in der Werse abgespielt, daß es in diesen Gewässern zwischen den beiden Kriegsschiffen zum Kampfe gekommien ist, und daß sich dabei das Unterseeboot durch Geschützfeuer gewehrt hat: daß bei dem deutschen Angfiff die dänische Neutralität verletzt worden ist, ivird von der britischen Regierung umsoweniger gelteiid gemacht werden können, als die britischen Seestreitkräfte in einer Reihe von Fällen deutsche Schiffe in neutralen Gewässern angegriffen haben. In dem Falle der Vernichtung des britischen Dampfers Ruel endlich hat das deutsche Unterseeboot lediglich die von der Deutschen Regierung im Februar 1915 angekündigten Vergeltungsmaßnahmen zur Anwendung gebracht: dies? Maßnahinen entsprechen dem Völkerrecht, da England bemüht ist, durch die völkerrechtswidrige LalMlegung des legitimen Seehandels der Neutralen mit Deutschland diesem jede Zufuhr abzuschneiden und damit das deutsche Volk der Aushungerung preiszugeben, gegenüber völkerrechtswidrigen Handlungen aber angemessene Vergeltung geübt werden darf. In allen drei Fällen hatten es die deutschen Soestreitkräfte nur auf die Zerstörung der feindlichen Schiffe, keineswegs aber auf die Vernichtung der sich rettenden wehrlosen Personen abgesehen: die entgegenstehenden Behauptungen der Britischen Regierung müssen init aller Entschiedenheit als unwahr zurückgewiesen werden.
Ansinnen der 'Britischen Negierung, die erwähnten drei Fälle gemeinsam mit dem Baralong-Fall durch einen aus amerikanischen Marineoffizieren gebildeten 'Gerichtshof untersuchen zu lassen, glaubt die Deutsch? Regierung als u n a n n e h m da r ab - lehnen zu sollen. Sie steht auf dem Standpunkt, daß die gegen Angehörige der deutschen Streitmacht erhobenen Beschuldigungen von den eigenen zuständiger Behörden untersucht tverden müssen, imd daß diese jede Gewähr für eine unparteiische Beurteilung und .gegebenen Falles auch für eine -gerechte Bestrafung bieten, anderes Verlangen hat sich auch gegenüber der Britischen Re-»
Aus dem Reiche.
Ein Erlaß des Kaisers.
Berlin, 15. Jan. (WTB. NickMmtlich.) Der „Reichs anzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß des' Kaisers an den Reichskanzler:
Zum zweiten Male werde ich meinen Geburtstag im Waffenlärm des Krieges begehen. Trotz der heldenmütigen Taten und der ruhmvollen Erfolge der deutschen und verbündeten Streitkräste ist der schwere Daseinskampf iuxf)i nicht beendet, den der Neid und Haß. feindlicher Großmächte uns aufgezwungen haben. Noch müssen Herz, Sinn und Kraft des deutschen Volkes im Felde und daheim auf das eine große Ziel gerichtet sein, einen endgültigen Sieg und einen ehrend'ollen Frieden zu erringen, der das' Vaterland gegen eine Wiederholung feindlicher Ueberfälle nach menschlichem Ermessen dauernd zu sichmm verbürgt. Ich bitte daher auch in diesem Jahve anläßlich meines Geburtstages von den sonst zu meiner Freude üblichen!
festlichen Veranstaltungen und glückwünschenden Kundgebungen abzusehen und es bei stillem Gedenken und treuer Fürbitte bewenden zu lassen. Wer seiner freundlichen Gesinnung an diesem Tage noch einen besonderen Ausdruck zu geben sich gezwungen fühlt, möge es durch Gaben der Liebe zur Linderung der durch den Krieg geschlagenen Wunden oder durch erhöhte Teilnahme an der Kriegsfürsorge tun. Meines wärmsten Dankes können alle gewiß sein. Gott der Herr aber sei auch ferner mit uns und unseren Waffen. Er weihe die schweren Opfer, die freudig auf den: Mtar des Vaterlandes dargebracht werden, zu einem weiteren Grundstein zu dem festen Bau des Reiches und eine glückliche Zukunft ,des deutschen Volkes. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntnis zrc bringen. Großes Hauptauartrer, dien 12. Januar 1916. Mlhelm I. R.
Zur Maßregelung Liebknechts.
Berlin, 15. Jan. Der „Vorwärts" veröffentlicht ernc Erklärung der Minderheit der sozial, demokratischen Fraktion, der Liebknecht angehört. Darrn tvird der Fraktiorr die Befugnis abgesprochen, einem Mitgliede die Rechte, die aus der Fraktionszugehörigkeit entspringen, abzuerkennen.
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Stuttgart, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der König hat, wie der Staatsanzeiger meldet, zu Ehren ferner Gemahlin ein Kreuz gestiftet, das den Namen „Charlottenkreuz" führen soll. Das Charlottenkreuz wird vor allem an solche Personen ohne Unterschied des Stmides und des Geschlechtes verliehen werden, die im Felde oder in der Heimat besondere Verdienste um die Pflege der Verwundeten und Erkrankten oder auf dein Gebiet der allgemeinen Kriegsfürsorge erworben haben.
Stuttgart, 14. Jan. (WM. Nichtamtlich.) Nach einer Mitteilung der Generaldirektion der Staatseisenbahnen wurden vom 15. Januar ab für den Verkehr nach und von dem Orient Schnellzüge (Balkanzüge) zwischen Straßburg und K on st a n t i n o p e l über Stuttgart, München, Wien zweimal wöchentlich ausgeführt und zwar ab Straßburg Mittwochs und Samstags, erstmals Samstag, den 15. Januar, und ab Konstantinopel Dienstags Und Sainstags, erstmals Dienstag, den 18. Januar. Die Züge ftihren nur 1. und 2. Klasse, und zwar einen Schlaftvagen 1. Klasse zwischen Straßburg und Konstantinopel, je einen Wagen 1. und 2. Klasse zlvischen Straßburg Und Belgrad und Straßburg und Salzburg, und einen Speisewagen zwischen München und Wien.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. Januar 1916.
Sonntagsgedanken.
Draußen stürmt es. Regen peitscht die Fensterscheiben Jin Schornstein heult der Wird. Aber wir friercnr nicht und werden nicht naß. Wir sind im Schutze des Hanfes, sitzen bei der Lampe am Ofen, sprechen von dem Bruder, der draußen im Feindesland wacht, Und von manchem seiner Kameraden, und von dem, was sonst die Zeit für Gedanken bringt.
Ja, die draußen — sie sind uns auch, wie die festen Wände eines Hauses'. Da kommt der Sturm des französischen Hasses, die Regenflut der russischen Heere, der verwirrende Wirbel der enalischeir Lüge und der amerikanischen Heuchelei. Mauset, ihr Stürme, tobet, ihv Sturmwcllen. Mr sind im sicheren Schutze unserer Tapferen. Wenn eure Macht gebrochen ist, werden sie heimkehren zu uns. Dann toerden sie wieder mit uns auf der Ofenbank sitzen im Muter. Und wenn es draußen stürmt, werden sie erzählen von den Stürmen in der Champagne, um Wilna, an der Donau.
Aber wenn es auch noch so furchtbare Stürme waren — so ffoimm sie erzählen —, so sind wir dennoch nnerschüttert geblreben. Deutsches Herz, verzage nicht. Fest steht und treu. Haltet aus, hallet aus, im Sturmgebraus. So ist es gewesen. So stehen sie aegenwärtig, im Innern unerschütterk von dem Toben der ferndlichen Möchte.
Go aber mirssen wir alle stehen. Mönche fallen schon kleinen Stürmen znm Opfer. Da ist es dann erst recht nicht zu verwundern bei solchen, die in ein schweres Weiter ac- ratc». Da ist es gut, wenn mir in das H-aus gehen das allein uns Schutz vor allen Stürmen gewährt. Dieses LauZ ist Mut, innere Festigkeit, Glauben. ck.


