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Erstes Blatt
M. Jahrgang
Der Sletzever A«;el-er
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SiehenerKamllienblätter;
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Samstag, 15. Januar 1916
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger sür Oberhessen
Rotattons-ruck miü Verlag der vrühl'schen Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, SeschSstrstelle und Druckerei: §chulstr.7. Anzeigen,-ii: p.
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Beck, sämtlich in Gießen.
Die Eroberung der montenegrinischen Hauptstadt. Der Baiser über seinen bevorstehenden Geburtstag.
(MTV.) Großes Hauptquartier, 14.Januar. (Amtlich.)
We st lich ^Kriegsschauplatz.
Bei Sturm und Regen blieb die Gefcchtstätigkeit aus vereinzelte Artillerie-, Handgranaten- und Minenkämpfe beschränkt.
Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
O b e r st e Heeresleitung.
Mit raschen Schlügen haben unsere öst e rr eichischl-ungarö- schen Verbündeten sich auch die Tore der Hauptstadt Montenegros geöffnet, und alle, die ettva. noch Hilfe sür Königs Mkita und sein Volk erhofft hatten, müssen sich jetzt sagen: zu spät! Das neue Ergebnis ist danach angetan, die Zuversicht und das Selbstgefühl unserer nächsten Verbündeten neu zu beleben; die alten Widersacher sind gründlich zu Baden geworfen worden, und Oesterreich-Ungarn, dessen Verfall von vielen prophezeit worden war, hat eine vortreffliche Schlagkraft bewiesen. Es freut uns, wenn eine sachverständige Feder in der amtlichen „Nordd. Allgem. Ztg." die Kriegsleistungen in den montenegrinischen Bergen mit rühmenden Worten feiert:
„Was die österreichisch-ungarischen Truppen in dem überaus schwierigen Gelände geleistet haben, gehört zu den herrlichsten Taten dieses Krieges und der Kriege aller Zeiten. Weder steile, schneebedeckte Höhen, noch die Unwegsamkeit der Straßen uud Pfade konnten ein unüberwindliches Hindernis abgcben, jede Aufgabe, die den tapferen Truppen gestellt wurde, lösten sie, mochten die Anstrengungen und Entbehrungen noch so groß sein. Während die öfter- ■ TCi<b\)d)'migan[<fcn Truppen an der italienischen Grenze und in Wvlhymen m Unermüdlicher Hingebung einen unerschütterlich«! Wall gegen alle mit noch so großer zahlenmäßiger Ueber- macht geführten Angriffe bilden, dringen ihre Kameraden in das „imbestegbare" Montenegro mit jedem Tage tiefer ein und bereiten den Endgültigen Sturz auch dieser Säule des Vierver- baudes vor. Das deutsche Volk beglückwünscht den treuen Bundesgenossen von ganzem Herzen zu den neuen großen Erfolgen, die weitere Schritte zu dem gemeinsamen Ziele des Vierverbandcs >reurichland, Oefterrcich-Ungarn, Türkei und Bulgarien, bedeuten."
Htalren macht, wie aus einzelnen Zeitungsstimmen hervor Fe ht, wie man sich aber auch -ohnedies vorstellen kann, ein melancholisches Gesicht zu der Ueberwältigung Montenegros, des „schwiegerväterlichen" Staates. Den übrigen Feinden aber steigen Tränen der Wut in die Angen ob der phlegmatischen Rnhe des jonft so temperamentvollen südländischen Volkes. Die französischen Blätter sind zurzeit wieder voll von Bitterkeit über Italien. Man beachte den nachstehenden Klageruf Herves, der; etwas offenherziger als seine anderen Landsleute zu sagen pflegt, wo Frankreich vom Schuh gedrückt trieb, und man sehe daraus die Zerknirschung und Hoffnungslosigkeit über das Fehl-en eines „Operationsheeres", tvie es die Deutschen besitzen! Immer blickt man dabei nach Rom hinüber, wo große Heere an einer Mauer kampfesmüde liegen bleiben. „Wir können uns," so sagt der „Temps", keinen rechten Begriff wachen von den Gründen, die Italien an der „Hilfeleistung" (für Montenegro) gehindert haben sollten. Selbst unter Nichtachtung der Gründe des Gefühls, bie dies ihnen fast zur Pflicht hätten machen sollen, wäre es in ihrem eigensten Interesse gewesen, die Oester- rercher Ach nicht an der Adria ausbreiten zu lassen." Im ,,E ch o d e P a r i s" weist Marcel H u t i n daraus hin, daß jetzt auch die L-erben in Albanien sehr bedroht seien; die Alliiertenchatten in dieser Lage eine schwere Verantwortung. Ganz besonders sei das italienische Ansehen in der Adrra betroffen, denn die drohenden' Angriffe der Mittelmachte würden besonders auf die Besitzergreifung von Du- razzo, San Giovanni di Medua und Skutari zielen. Man mußte schon ein außerordentlicher Optimist sein, um sich • cn ' daß die Alliierten für Montenegro und Albanien tun könnten, was ihnen nicht rechtzeitig bei Serbien gelungen sei.
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Während im Reichstag die Besprechung der Ernäh^- rungssragen und anderer Dinge der Kriegsfürsorge fortgesetzt wurde, hat der Kaiser mit einem Erlaß sich direkt an das Volk gewendet. Selten hat der Monarch so ganz ans dem Herzen des Volkes gesprochen als in dieser • Kundgebung. Sie ist so schlicht in ihrem Hinblick ans die ; siegverheißende Lage, so voll von verhaltener Wehmut ■ über die schweren Opfer des Krieges, so entschlossen und tatenmntig in bezug auf die noch bevorstehenden Aufgaben und so frei von Ansprüchen für die eigene Persönlichkeit.
- Der Kaiser, der seine Krieger auch im kommenden Frieden 'in Feldgrau kleiden will, findet für die harte Zeit einen
eigenen Stil. Er wünscht jetzt keine rauschenden Festlich^ keiten, sondern zieht „stilles Gedenken" und „treue Für- bitte" vor. Er wünscht sich zu seinem Geburtstag nichts anderes als daß er znm Anlaß sür. reiche „Gaben der Liebe" benutzt werde.
Heute können wir uns an der obersten Spitze der so rege waltenden und kämpfenden Staatsorgane keinen besseren Geist denken als diesen. Und glücklicherweise stehen ihm
- Männer und Kräfte zur Seite, die ihr eisernes'Pflichtgebot wit höchstem Ernste und nicht versagender Energie auffassen.
Da darf es keine Sentimentalitäten geben. Nicht ohne Erschütterung lesen wir heute die neue deutsche Regierungsant- wort aus die englische Darlegung in Sachen der „Baralong". Deutschland kündigt.darin auf die inhaltlosen Ansflüchte Greys, ans die Uebernahme der jSelb st Verantwortung des Kabinetts Asquith sür die traurigen Mordtaten aii unseren Seeleuten unbekrgsamen Willens die „entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen" an. D-as ist die richtige Antwort für das schmähliche Verhalten der Engländer, die durch Worte und Beweise nicht belehrt werden können. Der übrigen Welt aber hat die neue Antwort mit deutscher Genauigkeit'die Augcn geöf n:t. D i ts laud ist in die P-.üf nsier gegen seine Kämpfer erhobenen Anschuldigungen eingetreteu, England weigert sich dessen! Das ist der Kernpunkt. Zn den drei von Grey angeführten Fällen bedurfte es einer Untersuchung, da Beweise fehlten, im Baralong-Falle sind die Beweise der neutralen Zeugen vorhanden. Wir sind überzeugt, daß auch das englaudfreundliche Amerika in diesem Falle von dem Znselreich mißbilligend abrücken wird.
Cetinje genommen.
Wien. 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart; 14. Januar 1916. Die Hauptstadt Montenegros ist in unserer Hand. Den geschlagenen Feind verfolgend, sind unsere Truppen gestern nachmittag in Cetinje, der Residenz des montenegrinischen Königs, eingerückt. Die Stadt ist unversehrt, die Bevölkerung ruhig.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleulnant (In einem Teil der Auflage wiederholt.)
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 14. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 14. Januar 1916.
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Feind versuchte seit gestern früh neuerlich, unsere b c s s a r a b i s ch c F r o n t bei T o p o r o u tz und östlich von
Rarancze zu durchbrechen. Er unternahm fünf große Angriffe, deren letzter in die heutigen Morgenstunden fiel. Er mußte aber jedesmal unter den schwersten Verlusten znrückgehen. Hervorragenden Anteil an der Abwehr der Russen hatte abermals das vorzüglich geleitete überwältigende Feuer unserer Artillerie. Seit Beginn der Schlacht in Ostgalizien und an der bessarabischen Front wurden bei der Armee des Generals Frcihcrrn von Pflanzer-Baltiv und bei den österreichisch-ungarischen Truppen des Gene, rals Grasen Bothmcr über 5160 Gefangene, darunter 30 Offiziere und Fähnriche, eingebracht. Bei Kor- pilowka in Wolhynien zersprengten unsere Streifkomman- dos einige russische Feldwachen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Südwestsront ereignete sich nichts von Bedeutung. Einzelne Punkte bei Malborghet und Raibl standen unter feindlichem Geschützseuer. Die Tätigkeit de^ italienischen Flieger erstreckte sich auch aus den Raum von Triest. Eine auf S p i r a n o abgeworfene Bombe verursachte keinen Schaden.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Montenegriner haben unter Preisgabe ihrer Hauptstadt an allen Punkten ihrer Süd- und Westfront den Rückzugan getreten. Unsere Truppen sind in der Verfolgung über die Linie Budua —Cetinje —Gräbst ra ho vo hinausgerückt und dringen auch östlich von Bileca und bei Aptovac ins montenegrinische Gebiet ein. Bei Grahovo sielen drei Geschütze samt Bedienung, 500 Gewehre, ein Maschinengewehr, viel Munition und anderes Kriegsgerät in unsere Hand. Bei Berane und westlich von Jpek nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnant
Kaiser Wilhelm an Kaiser Franz Fosef.
W ie n, 14; Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Kaiser Franz Jos es sind am 11. Januar von dem Deutschen Kaiser und vom König von Sachsen Telegramme zugegangen.
Trübe Stimmung in Italien.
Bern, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Secolo" meldet, der gestrige Tag sei in Rom in diplomatischer Beziehung sehr bewegt gewesen. Sonnino hatte, schreibt „Secolo", ehre


