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14.1.1916 Erstes Blatt
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Festsetzung der Einzelheiten halte die endgültige Beilegung des Lrisi1ani<r"-->Streitfalles auf. Mährend die Ber­einigten Staaten und Deutschland tatsächlich in den wesentlichsten Grundsätzen überein stimmen, heißt es, daß die Ankündigung der Beilegung des Streits zurückgehalten werden soll, bis ein Ver­fahren gefunden worden ist, um diese Grundsätze für beide Teile befriedigend Kum Ausdruck zu bringen.

Chicago, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)Tribüne" er­fährt aus Washington, daß dreißig Senatoren für ein Vor­gehen seien, das die Amerikaner zwingen solle, die Schiffe der Kriegführenden nicht zu benutze::.

Washington, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk- sprrvch von dein Vertreter des Wolffbureaus: Hier herrscht allge­mein der Eindruck, daß die rasche Beilegung desLusila- nia"-Falles mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage irrt Kongreß ein geschickter Schachzug sein werde. Zehn der einfluß­reichsten demokratischen Senatoren haben dem Vertreter eines New Yorker Blattes erklärt, sie wünschten,, daß Deutschland die Kriegsführung unter See einstelltc, um Amerika Gelegenheit zu geben, gegen England vorzugchen. Jedesmal, wenn für ein kräfti­ges Vorgehen gegen England freie Bahn gemacht worden sei, fliege ein Schiss auf und mache ein solches Vorgehen unmöglich.

Eine -Lttseittandersetzuttg im ungarischen Abgeordnetenhaus.

B u d a p e st, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Abgeord- Aetenha u s. Geza P o l o n v i (Wilder) interpellierte wegen der in einem militärischen Fachblatt erschienenen Aeußerung des Generalstabschefs Freiherr von Conrad, daß die Tradition des Heeres mehr gelte, als die Auspeitschung der nationalen Gefühle. Sodann brachte Polonyi eine Klage über die Zu­rücksetzung der Ungarn in der Armee und die vorzugs- roeise Verwendung der ungarischen Truppen in besonders gefähr­lichen Stellungen vor.

Der Ministerpräsident antwortete, er möchte vor allem an das Abgeordnetenhaus die Frage richten, ob diese Interpellation und die vorgebrachten ^Beanstandungen würdig sind der großen ge­schichtlichen Zeit, in der l wir leben und ob diese Rede über Han Pt der ungarischen Nation würdig und dem nationalen Interesse förderlich ist.' Ich frage, sagte Tisza, ist dieser Augenblick, in dem wir allesamt und jeder Einzelne in der Monarchie den letzten Nerv gegen den dräuenden Feind anspannen, wohl dazu geeignet, daß wir hier, wie Polonyi es getan hat, von der österreichi­schen Soldadeska als einem Feinde Ungarns sprechen? (Allgemeine lebhafte Zustinnnung.) Daß nrcm von den Deutsck?en Oesterreichs, mit denen rvir Schulter an Schulter als treue Ka­meraden für unsere Lebensinteressen kämpfen, wie es Polonyi ge­tan, gehässig als von unseren Feinden spricht? (Allgemeine leb­hafte Zustimmung.) Es ist unmöglich, sich in den: Wirrsal von allerlei Behauptungen zurechtzufinden. Ich will mich daher bloß mit den tatsächlichen Behauptungen befassen. Der Ministerpräsi- dent widerlegte nun durch bestimmte _ Angaben die vor- gebrachten Behauptungen von der Zurücksetzung der Un­garn :md der überwiegenden Verwendung ungarischer Truppen in gefährlichen Stellungen. Er wies insbesondere nach, daß die Behauptung Volonyis, die Tiroler Mcnrnschaftcn ivürden be- besonders bevorzugt, indenr man sie zumeist für Brückenbewachung im ungarischen Tiefland benutze, absolut falsch ist. Das dritte und vierzehnte Armeekorps, sagte Tisza mit erhobener Stimme, denen die Tiroler augehören, haben in der Verteidigung der Kar­pathen mit so heldenmütiger Bravour gefochten, daß ich gegen derartige Unterstellungen entschieden protestieren und die öffentliche Meinimg davor warnen niuß, solchen giftigen Ausstreuungen irgendrvelchen Glauben zu schenken.

Der Ministerpräsident befaßte sich dann eingehend mit der Aeußerung des General stabsch es s und sagte: Dieser steht als Soldat jeder Politik durchaus fern. Man kann an­derer Meinung sein und das Nattonalgefühl höher stellen als die militärische Tradftion. Aber es ist unmöglich, diese Aeußerung des Generalstabschefs so aufzusassen, als hätte sie eine Spitze gegen das ungarische Nationalgcfühl. Auf den ironischen Zwischenruf: Somit ist alles in schönster Ordnung! sagte Tisza: Gott sei dank ist alles in schönster Ordnung: alles gehr gut, und der Löwen­anteil daran, daß alles gut geht, gebührt jedenfalls den ans dem Schlachtselde känrpfenden Soldaten: eine sehr große Rolle spielen hierbei jene hervorragenden militärischen Eigenschaften, die in diesem Krieg Freiherr von Conrad bewährte. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen rechts.)

Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde vom Abge- ordnetenhause zur Kenntnis genommen.

Die Rede Enver Paschas in der türkischen Kammer.

Konstantinopel, 11. Jan. Die Agentur Milli meldet: Die Erklärung, die der .Kriegsminister und Vizegeneralissimus Enver Pascha gestern in der K a m m e r abgab, hatte fol­genden Wortlaut: Sie müssen wissen, meine Heroen, daß die große Schlacht auf G a l l i p o l i, welche seit dem 18. 3. gedauert hat, gestern zum Abschluß gekommen ist. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Die Schlacht endete so, wie ich vorhergesehen und wie ich Ihnen meines Erinnerns seinerzeit angekündigt hatte. Ich glarcke, daß ich von den Streitkräften, welche unser erlauchter oberster Kriegsherr mir anvertraut hatte, nützlichen Gebrauch gemacht habe, und das erzielte Ergebnis gibt mir die Ueber- zeugung, daß ich diese Streitkräfte in Zukunft mit noch größerer Sicherheit und Zuversicht verwenden werde. (Beifall.) Als unsere Feinde unsere Batterien von Sedd ül Bahr und Kum-Kale beschießen begannen, befand ich mich zufällig in jenen Gebieten. Zu Beginn des dortigen Unternehmens hatte sich Europas und selbst unserer Bundesgenossen ziemlich große Aufregung bemäch­tigt. Da ich aber die Dardanellen gründlich kenne, hatte ich die feste Zuversicht, daß der Feind weder in seinen: Seeunternchmen noch in seinen Landoperationen Erfolg haben könne. Bei Er­klärung des europäischen Krieges war es natürlich, daß die von uns eingenommene neutrale Haltung mit Rücksicht aufuuseregeographischeLagenichtgeduldetwer- den würde, denn Rußland, ein wesentliches Element der Entente, konnte nur stark werden, falls die Meerengen frei ge­worden wären, so daß wir bei denk ersten in Europa abgegebenen Kanonenschuß gezwungen waren, die Meerengen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu befestige::. Es wäre unrichtig, wenn man behaupten wollte, daß diese Mittel zahlreich waren und den letzten Anforderungen der Kriegskunst entsprachen. Das ist die WLkchftt, die verhehlen zu wollen, ein eitles Bemühen wäre. Noch :::elr: Dank der weitgehenden Unter st ützung des Deutschen Reiches hatten wir zwei große Fahrzeuge erworben und batten unserer Flotte wenigstens in der inneren Meer­enge die Ueberlegcnheit gegenüber derjenigen der Feinde verschafft. Nach meiner Ueberzeugung war es dem Feinde unmöglich, mit sei­ner Flotte die Meerein;en zu erzwingen, was ich übrigens immer erklärt habe. Die Torpedolinien und maskierten Batterien der Meerenge Hütten immer ihre Wirksamkeit bewahrt. Wohl war es möglich, daß der Feind durch Beschießung aus ungeheurer Ent­fernung unsere hauptsächlichsten Forts daselbst zerstören kvmtte, aber das hätte nicht genügt. Er hätte sich bis zur Minenlime vorwagen müssen, um unsere Batterien zerstören zu können. Für dieses Unternehmen hätten aber seim kleinen Einheiten nicht ge­nügt. denn sie wären leicht durch das Feuer unserer maskierten Batterien zerstört worden. Es blieb also dem Feinde nichts an­deres übrig, als das Abenteuer mit den Dreadnoughts. Diese großen Einheiten gegen die Torpedolinie vorzutreiben, bedeutete, sie in intim Sicht zu bringen, denn jedes Schiss, welches sich bis dorthin vorgervagt hätte, wäre unfehlbar versenkt worden und der Feind hätte eine große Anzahl von Fahrzeugen verlöre::. Wenn die feindliche Flotte selbst Tschanak Kale und Nagara zu passieren vermocht und den Versuch gemacht hätte, ins Marmarameer ein­zubrechen. so wären auch dort die mächtigsten Dreadnoughts dem sicheren Untergang durch unser Geschützteuer auf eine Entfernung von 5 Kilometer verfallen gewesen. Die Ereignisse gaben mir recht. Was die Landoperativnen betrifft, so machten sie den Ein­

druck, daß die Engländer und Franzosen, selbst wenn sie 500 000 Mann heranführen würden, sie nicht weit von der Meerenge hätten entfernen können, denn da der Feind weder über eine Eisenbahn­linie noch üÄer ein anderes natürliches Verkehrsmittel ver­fügte, so konnte er nicht eine so gewaltige Armee unterhalten um in einer Landschlacht den Sieg davonzutragen. Deswegen, hatten wir begriffen, daß die Angreifer nur auf der Halbinsel Gallipoli Landungen vornehmen können. Wir hatten demgen:äß unsere Vorbereitungen getroffen. Am 18. 3. begann der Feind mit der Landung seiner Truppen, und :rnsere Streitkräfte vom höchsten Offizier bis zum jüngsten Soldaten erfüllten ihre Pflicht in mustergültiger Weise, wessen wir übrigens auch ganz sicher waren. Die feindlichen Kriegs­fahrzeuge nahmen ruhig Kamvfstellung und beschossen uns nur in Entfernung außerhalb der Tragweite unserer Kanonen. Es ist selbstverständlich, daß angesichts des höllischen F e u e r s v o n 6 0 0 Kanonen, die Geschosse von 7,5 bis zu 38 Zentimeter schleuderten, unsere Truppen gezwungen waren, sich ein wenig zurückzuziehcn und daß dem Feinde die erste Landung gelang. Aber wie der Feind es selbst anerkannt hat, kam ihm dieser Erfolg zu teuer zu stehen. Nach diesem Unternehmen versuchten die Engländer und Franzosen durch einen Handstreich sich der die Meerengen be­herrschenden Punkte Kvdza, Tschimen, Tagh und Altschi Tepe zu bemächtigen. Nachdem dieser Versuch gescheitert war, zog sich der Kampf in die Länge. Anfangs unternahmen wir mehrere Stürme, um den Feind ins Meer zu werfen, und wir trieben' ihn bis zum Ufer zurück. Statt jedoch diese Sturm­angriffe fortzusetzcn, hielten wir es für nützlicher, den Feind an uns herankommen zu lassen: auf diese Weise hofften wir, während sich die große:: Kämpfe in de:: Karpathen abfpieltcn und während die große englisch-französische Offensive an der französischen Grenze gegen die Deutschen im Gange war, einen Teil der feindlichen Kräfte auf uns zu ziehen, um so unsere Verbündete:: zu entlasten. Unsere Hoffnungen gingen in Erfüllung, und wir gaben unserer Armee Gelegenheit, unseren Freunden zu Hilfe zu kommen,: n d e m wir nach und nach eine englisch-französisch« Streitmacht von 500 000 Mann an die Darda­nellen zogen. Wir danken aufrichttg den Engländern, > die uns Gelegenheit geboten haben, unseren Verbündeten in dieser Weise Hilfe zu leisten. Ich finde es für unnötig, auf den Verlauf dieser Kämpfe zurückzukommen und möchte bloß hervorhebcn: Wir waren anfänglich auf uns selbst

angewiesen, auch waren wir gezwungen, mit unserer Munition zu sparen und konnten nicht zum Gegenanarifr übergehen. Nachdem wir den feindlichen Sturmangriff zum Stehen gebracht hatten, warteten wir auf die Eröffnung der Ver­bindungswege mit den Mittelmächten, als die Engländer weitere Anstrengungen machten und eine neue Armee von 100 0 0 0 Ma:: n bei Anaforta ans Land setzte::. Wenn man sich jedoch an ihr eigenes Geständnis halten soll, so haben sie bei dieser letzten Unternehmung einen vollstän­digen Mangel an Geschicklichkeit bewiesen. Diese Unternehmung ist denn auch gleichfalls gescheitert, und die Engländer waren ge­zwungen, dort zu bleiben, wo sie gelandet waren. feie waren, wie sie selbst zugebeu mußten, dort zu einer Stellung verurteilt, die für eine Armee keineswegs sehr erwünscht ist. Inzwischen begannen die Operationen gegen Serbien und der Versuch, die Verbindung mit der Türkei herzustellen, um uns Rdunition zu verschaffen. Der Redner verweist auf den Eintritt Bulgariens in den Kan:ps, dessen aufrichtiger u:ck> weiser Haltung er hohes Lob zollt, ferner auf die Aktion gegen Serbien und fährt sodann fort: Tie Engländer, durch die bevorstehende Herstellung der Verbindung zwischen uns und den Mittelmächten beunruhigt, versuchten eiligst noch vorher den Serben zu Hilfe tzu komme::. Sie hatten aber schon ihre Landm:g in Saloniki bewerkstelligt, und um sich nicht zu desavouieren, versuchten sie von dort aus Serbien zu Hilfe zu eile::. Als die serbische Armee geschlagen war, sahen sich die Eng­länder ge:ftitigt, ihre Unternehmung 'aufzugeben. Angesichts dieses Ergebnisses blieb ihnen nur zweierlei übrig: entweder an den Dardanellen zu verharren oder auf die Saloniki-Expedffion zu verzichte::. Das Verbleiben an den Dardanellen war jedoch un­möglich, und nach Versetzung Hamiltons, der trotz seines- erfvlges für die Fortsetzung der Dardanellenaktion war, sowie aus Grund des Besuches Kitcheners wurde von den Engländern der entsprechende Entschluß gefaßt. Sie wußten nur z-u gut, daß unsere Infanterie der ihrigen überlegen i st, und daß :vir mach Eröffrnmg der Verbindungen, die unsere Bedürfnisse sichern, sie schließlich ins Meer werfen würden. Nachdem sie auf diese Weise den allerschwersten Mißerfolg er­litten hatten, mußten sie also die Halbinsel^ Gallipoli Preisgeben, auf der sie solange ihr Blut vergossen und die sie mit den Leichnamen ihrer farbenbunten Soldaten bedeckt hatten. Indessen muß man den Engländern die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie bei diesen: Rückzuge von den Umständen in außer­gewöhnlicher Weise begünstigt worden sind. Es steht ihnen frei, sich in ihrem Parlament zu diesem Rückzüge zu beglückwünschen und sich desselben zu rühmen. Er verliert desivegen nicht im min­desten seinen Charakter als erzwungener Rückzug und überstürzte Flucht. Wir hatten die Absicht, zur Offensive überzugehen, nachdem wir unsere Truppen vollständig mit Muni­tion versorgt hatten. Unsere Feinde haben sich aber beeilt. So sage ich denn dem Allmächtigen Dank, daß die Zeit und die Ereignisse meine Erwartungen bestätigen. (Beifall.) Jetzt, da wir mit der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee in direkter Ver­bindung stehen, können nur dank der Mitwirkung unserer Ver­bündeten unsere Armee auf besseren Stand setzen, und ich kann Ihnen mit größtem Nachdruck und vollster Zufriedenheit die Ver­jagen werden ja, wir werden imstande sein, ihn daran zu ver­jagen rverden ja. wir werden' imstttnde sein, ihn daran zu ver­hindern, die uns von ihm entrissenen Gebiete zu besudetn. (Lang- anhaltender Beifall.) Bevor ich schließe, uriU ich das Andenken unserer erhabenen Helden rühmen, die an unseren Grenzen schlum­mern. nachdem sie uns die Kraft verliehen haben, den Kopf so hoch zu tragen und nachdem sie unserem teueren Vaterlande die Sicherheit verschafft haben, deren es sich heute erfreut. Das Vater­land :oird die von seinen Helden gebrachten Opfer nie vergessen und seine Dankbarkeit dadurch beweise, daß es für ihre Familien Sorge tragen wird.

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Eine Auseinandersetzung Amerikas mit Mexiko.

New York, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Renterschen Bureaus. Aus Nachrichten aus El Paso geht her­vor, daß der einzige Amerikaner, der dem Ueb erfüll der mexikanischen Räuber zu entrinnen verrnochte, ein gewisser Holmes ist, der die telegraphisckien Berichte bestätigt. Die aus ungefähr 200 Mann bestehende Räuber­bande befahl den Amerikanern, aus denk Zeuge zu steigen, sich längs des Bahndammes aufzustellen und sich zu entkleiden. Holmes, der ahnte, was folgen würde, ergriff mit an­deren Gefangenen schleunigst die Flucht. Seim Begleiter wurden niedergeschossen, er selbst verwundet. Nach wei­teren Meldungen aus Chihuahua sind dort 19 Leichname der er­mordeten Amerikaner angekommen. In Washington hat die Er­mordung der Amerikaner große Entrüstung hervorgerufen. Im Senat beantragte der Republikaner Sherman eine sofortige Intervention, außer, wenn Carranza die Beschützung des Lebens und Eigentums der Auslä:ü)er auf sich nimmt. Auch im Re­präsentantenhaus wurde beantragt, daß die Vereinigten Staaten die Polittk des wachsamen Abwartens aufgeben sotten. Staatssekretär Lansing erklärt, das Staatsdepartement habe im Oktober die amerikanischen Untertanen in Chihuahua und den anderen Nordstaaten Mexikos ersucht, das Land zu verlasse::. Es wurden alle :rötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Er versprach ferner, alles zu tun, um die Missetäter ihrer Bestrafung zuzu­führen. In der Erklärung wird angedeutet, daß wahrscheinlich auch ein getvffser Keane, der britischer Untertan sein soll, ermordet worden ist. In der Note an die mexikanische Regie­rung bezeichnet Lansing die Ermordung der Amerikaner als eine feige Missetat und erwähnt ferner, daß die Amerikaner unter freiem Geleit reiste:: und wahrscheinlich mit umyebracht wurden, weil sie Amerikaner waren.

Ein Anschlag auf den japanischen Ministerpräsidenten.

Tokio, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Renterschen Bureaus. Ein Individuum warf zwei Bomben auf das Automobil des Ministerpräsidenten Okum a, dieser blieb unverletzt._ _ _

Ans Stadt nird Land.

Gießen, 14. Januar 1916.

Amgsmbeit in Gießen.

VIII.

Die Kriegstätigkeit der Landes-Universität Gießen.

Von Prof. Dr. Sommer. Geh. Med.-Rat.

Als der große Krieg Anfang! August 1914 ausbrach, wurde das Leben der Universität durch die Mobilmachung sofort in stärkster Weise beeinflußt. Nicht nur die Studenten­schaft eilte in außerordentlich großer Zahl sogleich zu den Waffen, sondern auch aus dem Kreise der Dozenten und! Beamten, der Assistenten sowie der Angestellten an den Instituten wurden außerordentlich viele einaezvgen. Schon diese plötzliche Umformung des ganzen Universitätsbetriebes, sowie des Dienstganges an den Instituten hat eine bedeu­tende Organisationstätigkeit bedingt. Im Gesamtsenat der Universität wurde unter Anpassung an die besonderen, durch den Krieg bedingten Aufgaben eine besondere Kriegs- K o m m i s s: o n eingesetzt, welche aus dem damaligen Rek­tor, dem Exrektor und drei Mitgliedern des Gesamtsenates bestand, und die unter Ergänzung! durch die seitdem neu ins Amt getretenen Rektoren bis Ende 1915 in Kraft ge­blieben ist. Diese Kriegskommission hatte einerseits die Aufgaben des engeren Senates übernommen, andererseits hatte sie von dem Gesamtsenat Vollmacht erhalten, über den Quästur-Reserve-Fonds im Interesse besonderer, durch den Krieg bedingter Anforderungen zu verfügen. Die ziu solchen Zwecken gemachten Ausgaben, die größtenteils den in den Kliniken untergebrachtcn Bereinslazaretten zugute gekommen sind, betrugen ungefähr 3000 Mark.

Neben dieser Umgestaltung der Gesamtorganisation der Universität mußten innerhalb der einzelnen Institute viel­fach Aenderungen geschehen, die durch die plötzliche Ein­ziehung einer Reihe von Angestellten bedingt waren. Die dadurch veranlaßte Arbeit kann hier nicht im einzelnen dargestellt werden. Man vergegenwärtige sich jedoch als Beispiel die Sachlage, die in einer Klinik entsteht, wenn plötzlich die Hälfte des ntännlichen Personals bei der Mobil­machung ausscheidet. Wenn gerade diese erste relativ stärkste Aenderung des Gesamtbetriebcs der Institute ohne Schwie­rigkeit vonstatten gegangen ist, so darf dies wohl als ein gutes Zeichen für die innere Festigkeit der Organisation der Institute aufgesaßt werden. Selbstverständlich hat dieses plötzliche Ausscheiden einer Reihe von Dozenten, Beamten und An gestellten für die in dem Betriebe Zurückgebliebenen eine sehr beträchtliche Mehrleistung bedingt. Man kann die ganzen Vorgänge dieser Art unter dem Begriff einer! inneren Mobilmachung der Landes-Univer­sität zusam mensassen.

Im Laufe des Krieges hat diese infolge fortschreitender Einziehung immer größeren Umfang «angenommen, so daß jedenfalls auch die Zurückgebliebenen in hohem Grade an der durch den Krieg bedingten Arbeit teilgenommen haben. In besonderem Maße gilt dies für die Tätigkeit an tat Kliniken der Landes-Universität, die in außerordentlicher Meise für die Behandlung von verroundeten und kranken Soldaten in Anspruch genommen worden sind. Ursprünglich bestand nur bei drei Kliniken, nämlich der Chirurgischen, der Inneren und der Augenklinik ein Vertrag mit dem Roten Kreuz in bezug auf die Berwendurrg als Vereinslazarett; die sehr starke Inanspruchnahme der Lazarett-Einrichtungen in den Kliniken durch Verwundete hat jedoch schon in der ersten Zeit der Kämpfe in Südbelgien zu einer nicht vorher­gesehenen E r w e i t e ^ u n g in der Verwendung der Kliniken geführt. Nicht nur die genannten drei Kliniken, sondern auch sämtliche andere mit Ausnahme der Kinderklinik, näm­lich die Frauenklinik, die Ohrenklinik, die .Hautklinik und die Klinik für psychische und nervöse Krankheiten wurden in ausgedehntem Maße in Anspruch genommen, was zum Teil durch die Augliederung dieser Institute an diejenigen Klini­ken, für welche Vertrage mit dem Roten Kreuz Vorlagen, zum Teil durch die vorhandenen Regulative ohne weiteres möglich war.

Dabei ist zu bemerken, daß am Anfang eine Reihe der Spezial-Kliniken in starkem Maße mit'für Verwundete ver­wendet worden sind, während allmählich im Ablauf des Krieges die Zahlen der einer Spezialbehandlung bedürf­tigen Soldaten in diesen Kliniken immer mehr stieg. Dem­entsprechend ist in einer Reihe der Kliniken die Zahl der von anderen, besonders auch ausnmrtigeir Vereins- und Reservelazaretten zugewiesenen Soldaten, stark gewachsen, so daß die Kliniken entsprechend ihren Aufgaben in Frie­denszeiten zum Teil zur Aufnahmestation für ein größeres Territorium geworden sind. Beachtet man die Tatsache, daß die Belegzifser der Kliniken, infolge d^ starken Zu­wachses an Soldaten und des starken Zudrangs von seiten der Zivilbevölkerung, die zum Teil mit der Einziehung vieler praktischer Aerzte zusammenhangt, stark gestiegen ist, so läßt sich ohne weiteres erkennen, daß diese Arbeit ohne eine sehr starke Betätigung aller Beteiligten nicht hätte bewäl­tigt werden können. Jedenfalls haben die Kliniken der Uni­versität ihre Aufaben im Rahmen der freiwilligen Liebes­tätigkeit in weitgehender Weise erfüllt.

Die Ausbildung von Studierenden und anderen An­gehörigen der Universität in der gleichen Mchtung ist durch das Rektorat der Universität in mehrfacher Weise in die Wege geleitet worden. Schon im August 1914 fand auf Ver­anlassung des bei der medizinischen Fakultät vorhandenen Ausschusses für ärztliche Fortbildung ein Kurs über K r i e g s - S a n i t ä t s w e s e n statt, an tan außer vielen Aerzten «eine größere Anzahl von Mitgliedern der organi­sierten und freiwilligen Krankenpflege, sowie von Angehö­rigen der Universität teilnahmen. Es wurden dabei folgende Vorträge gehalten: Leutnant Vossins: Beschaffenheit und Wirkungsbereich der modernen Geschosse. Oberstabsarzt Dr. Sie gert: Organisation des Militär-Sanitätswesens. Prof. Dr. Poppert: Wirkungsweise der modernen Geschosse. Prof. Dr. Schmidt: Seuchenbekämpftmg speziell im Kriege. Prof. Dr. Sommer: Die Psychiatrie in Kriegszeiten. Land­gerichtsrat K. Wiener: Aufgaben und Organisation des Roten Kreuzes. Der Ertrag dieses Kurses wurde für Kriegs- lvohltätigkeit verwendet. Im Anschluß daran wurde "im Wintersemester 1914/15 von dem Rektorat der Universität besonders für Studierende und andere Angehörige derselben ein zweiter Kurs über Kriegs-Sanitätswesen veranstal­tet, in dem sollende Vorträge gehalten wurden: Prof. Dr. Sommer: Die Folgen des Krieges und ihre Heilung. Prof. Dr. Poppert: Wirkungsweise der modernen Geschosse. Oberstabsarzt Dr. Siegert: Organisation des Militär- Sanitätswefens. Pros. Dr. Schmidt: .Seuchenbekämpfung