Ausgabe 
7.1.1916 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Der italienische Bericht«

N o nt. 6. Jan. (WDD. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 6 Uhr abends. Unsere tapferer: Patrouillen erstiegen die steilen Hänge, welche vom Mstico gegen Luser na ansteigen und beschcidigten die Verschanzungen und Unterstände des Feindes. Im Fellatale zerstörten unsere schweren Geschütze Arbeiten des Feindes bei Malborghet zur Wiederherstellung von Berschan- zungen und Artilleriestellungen. Im Tot meiner ,.B e ck e n wurden wiederholte Versuche des Feindes, gegen unsere Linien vorzugehen, sofort vereitelt. Heftiger Geschützkamps von Plava bis zum Meere. Feindliche Flug-zeu-ge fuhren zahlreich fort, das Lagarinatal, das Suganatal, das Doganotal und den oberen Jsonzo zu besuchen: sie warfen hier und da Bomben. Es wird kein Schaden gemeldet. gez. General C a d o r n a.

Vandervelde über Friedendfragen.

Amsterdam, 6. Jan. (Zens. Frkft.) Der Vorsitzende des Ausführenden Ausschusses des Internationalen soziali- stischen BUreaus, Staats minist er Emile Bänder v e l d e, ist im Haag angekommen, wo eine Versammlung zur Be­ratung der internationalen Lage stattfinden soll. Vander- velde ist von einem Redakteur der sozialistischen Zeitirng .Het Volk" interviewt worden. Er sagte, die Stimmung der französischen Partei sei in ihrer großen Melftheit folgende:

Frankreich' und Belgien ljaber: vor allen Dingen die Pflicht, ihr La:rd zu verteidigen. Die deutschen .Heere stehen noch immer in Nohon, in 60 Klm. Wftand von Paris. UMer diesen Verhält­nissen sind es die Franzosen und nicht die Belgier, die Pvopa-, gairda fitr einen guten Frieden beginnen müssen. Nehmen Sie ein­mal an, daß wir die Deutschien über den Rhein zurückgeworfen hätten, dann wäre es unsere Aufgabe, uns der Partei in unserem Lande, die eine Angriffs- oder Annexionspolitik durchführen wollte, zu Widerschen. Bandervelde sagte, er begreife nicht, warum sich Deutschl<nw der Erklärung widersetze, daß es die Absicht des Vier­verbandes sei, den preußischen Militarismus zu vernichten.Nie­mals ist der Gedanke bei mir entstanden, den Deutschen verbieten zu wollen, ihr Land zu verteidigen. Gebrachten soll nur dos Uebergewülit eurer Kaste werden, die von unsere:: deutschen Partei­genossen selbst bis zum letzten Wg-enblick vor dem Kriege mit aller Energie bekäurpft worden ist." Die Zugehörigkeit sozialisti­scher Minister zur Regierung in.Frankreich und in Belgien sei eine genügende Garantie dafür, daß eine Annexionspolitik der Regie­rung nicht gutgeheißen würde. Die elsaß- lothringische Frage werde wohl die größten Schwierigkeiten beim Abschluß des Friedens machen, meinte Vandervelde. Die französische Par­tei beabsichtigt die Wiedererohernng 'des Elsaß, um daun den wie- dererobcrten Provinzen Gelegenheit bu geben, zu erklären, daß es ihr Wunsch sei, zu Frankreich zu gehören.

Ist das nicht etwas naiv," fragte der Redakteicr,uno wäre es nrcht klüger, rund heraus anzuerkenuen, daß die Elsässer bei der Verfügung über ihr Schicksal auch ein Wort mitzu reden' habe::." Bandervclde gab Au, daß die 'Frage von größter Wichtig­keit für die gesamte Internationale sei. Die deutschen Sozialisten hätten sich über diese Frage ausgesprochen und die französischen hätten sie in ihrer Resolution beantwortet.Das (sin zig e, was ich noch hinzuzufügen habe," sagte Vandervelde,ist, daß man von den FvcuM>sen nicht ein halsstarriges Festhalten an. Formeln erwartet."

Der Seekrieg.

Ein englisches N-Boot gesunken.

Haa g, 6. Fun. (WTB. Nichtamtlich.) Wie das Marine­departement mitteilt, traf das niederländische Kriegsschiff Noord Brabant" heute in der Höhe von Texel außerhalb der territorialen Gewässer ein britisches Untersee­boot, das Notsignale gab. Die Besatzung von 32 Mann wurde durch den niederländischen Kreuzer gerettet. Das Unterseeboot ist gesunken.

Zum Untergang derPersia".

Rotterdam, 6. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DerRotter- damsche Eourant" meldet aus New dark:

Ein bemerken^oerter Vorfall wurde anläßlich der Versenkung derPersia" von deutsch-freundlicher Seite viel besprochen: Die von derAssociated Preß" veröffentlichte amtliche Mitteilung aus Washirrgton, in der der Bericht des amerikanischen Konsuls Garrels in Alexandrien zitiert worden ist, hat die von Garrels mitgeteilte Tatsache, daß diePersia" eine Kanone an Bord führte, verschwiegen. Als dies in Privatberichten der New Porter Blätter gemeldet wurde, ersuchte die Associated Preß das Staats­departement um ein Dementi, erfuhr jedoch, daß die Erwähnung der Kanone in dem der Associates Preß zur Verbreitung über­gebenen amtlichen Berichte weggelassen worden ist. Die Associated Preß hat diese Information veröffentlicht. Tie deutsch-freund­lichen Blätter machen nun dem Staatssekretär L a n s i n g erbitterte Borwürfe, daß er versucht habe, durch Unterdrückung einer Tatsache, die die in der U-Bootkrise entstandene Span- ! mmg hätte vermindern können, die Voreingenommenheit gegen che Zentralmächte zu verstärken. Die Blätter erinnern daran, daß Professor v. Mach vor einiger Zeit das Staatsdepartement be­schuldigt habe, Berichte des amerikanischen Botschafters in London zurückgehalten zu haben, in denen erklärt worden ist, daß keine amtlichen Beweise für die Berichte von Bryce über angebliche deut­sche Greueltaten in Belgien gesuiwen worden seien.

Aus dem Reiche.

* Bundesratsbeschlüsse.

Berlin, 6. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Ent­wurf einer Bekanntmachung betr. Saatkartoffeln, der Ent­wurf einer Bekanntmachung wegen Ergäirzung der Verordnung über die Preise usw. für Kraftfuttermittel vom 19. August 1915, der Entwurf einer Bekanntmachung über das Verbot der Verwendung von tierischen und pflanzlichen O e l e n und Fettes zu technischen Zwecken, der Entwurf einer Bekanntmachung über vorübergehende Zollerleichterungen, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Geltendmachung von Ansprüchen von 'Personen, die im Ausland ihren Wohnsitz haben und der Entwurf einer Bekanntmachung betr. der Fristen von Wechselforde­rungen und des Scheckrechts für Elsaß-Lothringen.

Vom katholischen Frauenbund Deutschlands.

Berlin, 6. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Tie sechste Haupt­versammlung des katholischen FrauenbundesTeutsch^- lands ist in dem Plenarsitzungssaale des Reichs tags gebäudes in Anwesenheit der Kronprinzessin eröffnet worden. Tie erste Vor­sitzende, Frl. Dransfeld (Werl), eröffnete die Kriegstagung des Bundes. Nach einer Einsprache der ersten Vorsitzenden des Zweig­vereins Berlin, Fran Geheimrat Heßberger, nahm der Ge­sandte Gras Lerchenfeld das Wort. Er überbrachte von der Königin von Bayern die wärmsten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit. Ter F ü r st b i s ch o f von Breslau hieß den Frauen­bund willkommen. Staatssekretär Laß überbrachte den Tank des Reichskanzlers und des Staatssekretärs Delbrück für die Ein­ladung und ihre besten Wünsche für den Verlauf der Tagung. Es sprachen noch Vertreter des Kultusministeriums, des Lcrnd- wirtschastsrTrinisteriums und des Kardinals Hartmann (Köln). Hieraus nahm Frau Dransfeld das Wort zu dem Vortrage: Die Frau als Mitge st alterin am neuen Deutschland. Es wurden Huldigungsdepeschen an den Kaiser, die Kaiserin, den Kronprinzen und den Papst abgesandt.

Die Entwicklung der Neichshauptstadt.

Berlin, 7. Jan. In der gestrigen ersten Sitzung der Ber­liner Stadtverordnetenversammlung im neuen Jahre führte Ober­

bürgermeister Mermuth ans: Die Einigkeit, diese heiße Sonne der Gegenwart, hat im letzten Jahre Früchte von außergewöhn­licher Schwere reifen lassen. Wer das ist nicht diesem Jahre allein zu danken. Generationen kluger Männer haben die Berliner '<^e1bstVerwaltung tief und fest begründet. Jetzt zeigt sich, daß das Gebäude auch den stärksten Anprall erträgt. Die Werke des Friedens sind durch den Krieg nicht zu unterbinden vermocht worden. Fast lautlos vollzog sich am 1. Oktober 1915 die größte Umwandlung, die die Chronik der Stadt zu verzeichnen hat, der Uebergang der Elekt r i z it ät s w e r ke in die Verwaltung Ber­lins, ein Wandel, der der Bürgerschaft Nutzen verspricht. Unsere Bauten steigen ohne große Hindernisse weiter in die Höhe und in die Tiefe. Der neue Hafen hat den schwersten Bauabschnitt überraschend schnell überwunden, der Linden-Tunnel nähert sich seinem Eiche, die Nord-Süd-Bahn schreitet munter vorwärts. An großen Schulbauten sind während der Zeit des Krieges 12 entstanden. Die Krankenpflege hat eine höchst umfassende Friedenstätigkeit entfaltet. Die Kriegspslicht hat ganz Groß-Berlin mit dem Geist völliger Einmütigkeit durch­drungen. Ohne jeden Zwang haben sich bei jeder Kriegsfrage die Gemeinden des weiteren städtischen Wirtschaftsbereiches zusam­mengefunden und Aufgaben gelöst, deren jede einzelne für sich allein gewiß nicht hätte Herr werden können. In der Freiheit liegt nicht nur die sicherste Gewähr für die Leistungsfreudigkeit, sondern auch die Einordnung in das Gesamtwohl. Der Stattv er ordneten - Vorsteher Michelet erteilte dann eine sehr entschiedene Absage an den Zweckverband Groß-Berlin. Das unglückselige Gesetz habe nicht erfüllt, was die Gesetzgeber erwarteten. Es sei eine Mißgeburt, für Berlin ein Leiden geworden.

DerVorwärts" über den Armeebefehl Joffres.

Auch derVorwärts" beschäftigt sich mit dem Armeebefehl Joffres und meint, es wäre klüger gewesen, sich nicht in U eb e r sch w e n g l i ch k e i ten zu ergehen, deren Hohlheit den französischen Truppen selbst peinlich znm Bewußtsein kommen müsse. Wenn der Krieg von der Entente solange geführt werden solle, bis die Armeen der Zentralmächte zu­sammengeschmolzen seien, so könne Joffre getrost mit einer Kriegsdauer von einigen Jahrzehnten rechnen nnd Frank­reich in einer: Amazonenstaat verwandeln, denn von Frank­reichs männlicher Bevölkerung werde außer den Krüppeln dann nicht mehr viel übrig geblieben sein. Es möge sein, daß Frankreichs oberster Feldherr zurzeit nur an Krieg und Sieg denke, aber die harten Tatsachen würden auch Frank­reich bald genug zwingen, an den Frieden zu denken.

Aus Sicrdt und Land.

Gießen, 7. Januar 1916.

lleferungerr, deren Anzahl es ermöglichte, den Kreis der Heimarbeiterinnen ständig zu vergrößern, so daß in den Sommermonaten über 200 Frauen Näh- und Strickarbeit erhalten konnten. Als Arbeiterinnen wurden in erster Linie die Kriegswitwen angenommen: die Frauen von Kriegern; danri Mutter, deren Sühne im Felde stehen, falls der Ehe­mann die Famllie nicht allein ernähren kann, und ferner Witwen von Nichtkriegsangehörigen. Gezahlt wird an Lohn: Hemd 50 Pfg., Hose 5080 Pfg., Halsbinde 20 Pfg., Bettuch 7 Pfg., Kopfkissen 15 Pfg., DecÜiezug 30 Pfg., Strohsack 30 Pfg., Handtuch 4 Pfg., Kofffpolstersack 7 Pfg., Strümpfe (Socken) 70 Pfg. Leider können seit der Fertigstellung der Lieferungen von Bettwäsche nur noch geübte Näherinnen beschäftigt werden und infolgedessen mußte bedauerlicherweise die Zahl der Arbeitsuchenden sehr eingeschränkt werden. Es zeigt sich auch hier wieder, wie notwendig in der Stadt und auf dem Land eine wirklich gute Ausbildung der Mäd­chen in den Handarbeitsschulen gefordert werden muß, damit sie in Notfällen, wie in der jetzigen Kriegszeit, einen Verdienst als Näherinnen erhalten können. Mit Aus­nahme der Halsbinden und 495 Hosen find sämtliche» Wäsche­stücke von freiwilligen Helferinnen, deren Zahl zwischen 20 bis 30 schwankt, in der Arbeitsstube zugeschnitten worden. Im ganzen wurden genäht: Kinder-Hemdchen 170, Männer- Hemden 1004, Hosen 632, Frauen-Hemden 6, Schürzen 112, Halsbinden 1995, Handtücher 10 786, Deckbezüge 11200, Kopfkissenbezüge 11728, Strohsäcke 10 309, Polstersäcke 10 000, Bettücher10143, zusammen 68 085 achtundsech- Zigtausendnndfünfundachtzig Stück! Es wurden gestrickt von August 1914 bis November 1915: 2751 Paar Strümpfe ä 70 Pfg. Lohn, 14 Paar Stauchen a 35 Pfg. Lohn, 64 Paar Handschuhe ä 50 Pfg. Lohn, 66 Paar Kniewärmer ä 40 Pfg. Lohn. M. Naumann..

*

Hessische Kriegsverluste im Jahre 1870/71.

lieber die Ges am t V erluste des deutschen Heeres rm Kriege 1870/71 gehen die Angaben ausfallend stark aus­einander. Nach den Feststellungen, die den größten Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben, betragen sie an Toten 38278 Mann; davon sind 17 255 im Kampfe gefallen, 21023 in Ambillanzen und Lazaretten gestorben.

Sehr genaue Angaben haben wir dagegen über die Verluste der hessischen Division. Folgende Zusammenstel­lung ist dem 1871 bei Jonghaus erschienenen Büche von F. Dieffenbach,Der Krieg mit Frankreich", entnommen.

Rriegsarbeit in Gießen.

HL

Die Ortsgruppe Gießen des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins.

Getreu der Weisung feiner Vorsitzenden, Fräulein Helene Lgnge in Berlin, da keine selbständigen Kriegs­arbeiten -einzurichten, wo bereits Kriegsorganisationen in der betreffenden Stadt vorhanden seien, hatten sich sämt­liche Vorstandsmitglieder der Ortsgruppe Gießen oes A l l g. Deutschen Frauenvereins und die größere Zahl der Vereinsmitglieder dem hiesigenAlice-Frauenverein vom Roten Kreuz" sofort bei Kriegsausbruch zur Verfügung gestellt. Das war um so leichter und selbstverständlicher, als die Vorsitzende des Roten Kreuzes Mitglied des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins ist, auch verschiedene Vereinsmit­glieder dem Vorstand des Roten Kreuzes schon angehörten. Andere sind bald nach Beginn des Krieges in den Vorstand gewählt worden. Auch sind sofort mit Beginn des Krieges Mitglieder der Ortsgruppe der städtischen Kriegsfürsorge zugeteilt gewesen, andere als Leiterinnen des Kriegskinder- gartens imd der städtischen Arbeitsstube für Heimarbeite­rinnen berufen worden. Verschiedene Mitglieder gehören dem Vorstand desAllg. Vereins für Armen- und Kranken­pflege" an, der bald nach Ausbruch des Krieges dieVolks­küche" eingerichtet hat. Auch im Vorstand des Soldaten­heims sind Mitglieder tätig. Die Stadt hatte die Woll- 'ammlung veranlaßt, und in verschiedenen Nähstuben haben Mitglieder der Ortsgruppe gemeinschaftlich mit Mitgliedern anderer Frauenvereine Wolldecken genäht. Bei der Samm­lung fürKüchenab fälle" Hut die Stadt Mitglieder des Vereins in den Ausschuß ausgenommen. Dem Ausschuß der Arbeit fürKriegsgefangene" gehört ein Mitglied der Ortsgruppe an, ebenso dem Ausschuß fürKriegs­gefangene".

DerNationale Frauen dienst", unter welchem Sam­melnamen sich in anderen Städten sämtliche Frauen­vereine zum Kriegsdienst zusammengeschlossen haben, ist (aus eingangs erwähnten Gründen) hier nicht ins Leben gerufen worden. Um aber wenigstens das Wort der Be­völkerung nahe zu bringen, erscheint Unter dieser Ueberschrift in den Lokalblattes die Anzeige, daß Mitglieder des Vereins bereit sind, Briese an Heeresangehörige zu schrei­ben, Pakete an sie zu packen, Auskunft über Kriegsfürsorgo und Kriegsversorgung usw'. zu geben. Ferner sind sämtliche Flugblätter des Nationalen Frauendienstes zu Tausenden verteilt worden: Krieg nnd Küche; was verlangt das Vater­land von der deutschen Hausfrau; an die jungen Mädchen: an die deutschen Köchinnen; an die Schulkinder, Usf. Bei Vorträgen über Obstverwertung, Kriegsfischkost u. dergl. Themen ist eifrig Propaganda getrieben worden; Kriegs- Kochbücher wurden in reicher Zahl den Hausfrauen zu- gesührt. Auch bei der 3. Kriegsanleihe hat die Ortsgruppe Propagandadienste geleistet. Seit August d. I. ist ein Mit­glied in den städtischen Lebensmittelausschuß berufen wor­den und jetzt auch der Preisprüstlngsstelle zugeteilt. Im Dezember vorigen Jahres war von der Presse die aus­führliche Besprechung eines Mitgliedes überDie ver- nrögensrechtliche Lage der Frau im Kriege" gebracht worden, ein Thema, das jetzt im zweiten Kriegsjahr in noch weit größerem Maße zu trauriger Geltung gelangt ist und immer erneuter Aufmerksamkeit und Aufklärung bedürfte. Die Rechts schütz stelle für Frauen 'und Mädchen, von Mit­gliedern der Ortsgruppe geleitet, wird naturgemäß viel in der Kriegsz-eit in Anspruch genommen; ebenso die Be­rufsberatungsstelle. Leider scheint sich eine Erweiterung der letzteren durch Angliederung einer Stellenvermittlung, wäh­rend der Kriegszeit nicht ermöglichen zu lassen.

Am 27. Oktober d. I. leitete ein Vortrag des Herrn Professor G. Roloff überDie orientalische Frage und Deutschland" die Wintervorträge des Vereins ein. Es sei noch erwähnt, daß auf Veranlassung der Ortsgruppe hier einHausfrauenverein" gegründet wurde.

Die Jugendgruppe des Vereins ist fast vollzählig bei den verschiedenen Kriegs arbeiten tätig: als Pflegerinnen und Helferinnen in den Lazaretten, im Säuglingsheim, im Kriegskindergarten, in der Gemeindepflege, in den Näh­stuben usf.

Zum Schluß noch ein Wort über die Näh- und Strickst ube für Heimarbeiterinnen. Zunächst wurden für das Rote Kreuz gearbeitet und Aufträge von Privatpersoneir ausg-eführt. Später kamen große Heeres-

Tot

Verwundet

Zus ammen

Truppenteil Offiziere

Mann­

schaften

Offiziere

Mann»

schäften

Offiziere

Mann­

schaften

1. Imanter:e-Regunent

8

143

15

304

23

447

(Greben) 7

116

12

305

19

421

3. Infanterie-Regiment

5

92

14

254

19

346

4. Infanterie-Regiment

2

91

3

101

5

1.92

1. Reiter-Regiment

2

21

1

26

3

47

2.

» ir

2

17

1

18

3

35

1. Zager-Bataillon

7

78

4

226

11

304

0

X* , » _ n

5

65

4

120

9

185

Feld-Artillerie

4

44

8

106

12

150

Pionier-Kompagnie

1

2

4

2

5

Sanitäts-Detachement

9

1

10

Ausfallen müssen die geringen Verluste der Pioniere^ die offenbar noch nicht als Kampstruppe verwendet wurden. Das Gießener Regiment hat von 2000 Mann mit 48 Offi­zieren an Toten 116 bezw. 7 eingebüßt, von Mannschaften- also Vi 7 , von Offizieren V 7 seines Bestandes. Die Namen der gefallenen Offiziere sind: Major Gräff, Haupttnann Weber, Oberleutnant Kißner, Leutn. Müller, Steinberger, Leutn. d. R. Gustav Kullmann, Georg Gail.

Ueber die Verluste im gegenwärtigen Krieg läßt sich natürlich noch kein sicheres Urteil fällen. Die Listen des Gießener Anzeigers" vom 5., 6., 7. und 12. Oktober 1914, die bis Mitte September reichen, weisen an Toten 241 Mann nnd 15 Offiziere auf. Aller Wahrscheiulichkeit nach hat das eine Gefecht von Anloy (22. August) Unserm Regiment mehr Opfer gekostet als der ganze 70er Krieg.

*

Wozu braucht unser Vaterland das Gold?

Die Waffen haben für uns entschieden. Wer noch wollen die 'Feinde das nicht zugeben. .

An uns Nichtkämpfern liegt es, die wirtschaftliche Kraft daheim in ihrer ungebrochenen Stärke also weiter zu er­halten.

Dazu gehört auch die Geldwirtschaft, mit der sich unsere Reichsleitung die Bewunderung der Welt verdient hat.

Es genügt aber nicht, daß wir unseren Banknoten, wie vom Frieden her gewohnt, über bas Erfordernis iveit hinaus durch Goldvorrat die feste Stühe erhalten. Die Reichsleitung braucht auch Gold, damit Lebensmittel und andere notwendige Dinge, die sonst überhaupt nicht oder doch nur übermäßig verteuert vom Ausland zu erlangen sind, zu unser aller Nutzen eingeführt werden können.

Wer also Gold abliefert, hilft den wirtschaftlichen Kampf erleichtern, die Lebensmittel vermehren und ver­billigen, der hilft mit, dem Feinde die Augen zu öffnen über die unversiegbare wirtschaftliche Kraft in deutschen Landen.

Wir brauchen weiter Gold, um bei unseren Bundes­genossen die Wirtschaftsführung erleichtern zu können. Sie helfen uns den Krieg führen und abkürzen.

Wer sein Gold der Reichsleitung zuführt, der hilft also dazu, unsere eigenen Opfer an teueren Menschenleben zu mindern. Wer so glücklich ist und das kann, der Halle nicht länger zurück; der erspare sich den Vorwurf, dem Feinde genützt zu haben, indem er seinem Vaterland eine starke Waffe vorenthielt.

Daheim ist das Gold ein rrutz- und freudloser Besitz'. Späterhin wird man Gold nicht ausgeben könnet, ohne auf Blicke des Unwillens zu stoßen darüber, daß man das Gold sinnlos zurückhielt.

Mle Volksgenossen sind gebeten, in ihrem Kreise für diese Aufklärung zu sorgen und die zurückgehaltenen Gold­schätze dahin zu leiten, wohin sie gehören: zur Post oder zu anderen Kassen und damit

zurReichsbank!

** Beförderung. Die Vizefeldtvebel Knepting, Koch und der Offizier-Stellvertreter Niederhausen vom L.-J.-R. 116 wurden dom 1. Januar 1916 zu Offiziers-Aspirmrtm ernannt.

** Amtliche Personaln ach richten. Der Groß­herzog hat dem Großh. Sattlermeister Robett Müller zum' 1. Januar 1916 das .Hofdienstehrenzeichen ftrr 25 Dienstjahre ver­liehen. Der G r o ß h e r z o g hat am 18. Dezember 1915 den Oberlelwer an dem Neuen Gynnrasium zu Mainz, Prof. Johannes Bogt, auf sein Nachsuchen unter Anerkenmmg seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Januar 1916 amin den Ruhe­stand versetzt. Der Großherzog hat am 18. Dezember 1915 dem Oberlehrer <m dem Neuen Gymnasium zu Mainz, Prof. Io* Harmes Vogt, auläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.