Ausgabe 
6.1.1916 Erstes Blatt
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abermals das Wovt. In einer Polemik gegen die Generäle Peniregurn nno Archinard wiederholt er seine Bchäup Lun­gen, daß die Eingeborenentruppen ungeeignet und nicht in genügeiMr Zahl aiiszubringeir seien. Die Ereignisse würden Sergen, ob ine indochinesiscl)e Armee, die, wie crngekündiqL, mchvere 100000 Mann stark sein soll, zukünftig etwas anderes fern könne, als eine Truppe von ein paar Tausend ^.cann ohne all die physischen Eigenschaften, welche zur seien'^^^^ einem europäischen Kriegsschauplatz nötig

Schlechte wirtschaftliche Lage in Italien.

/ . ^$3238. Nichtamtlich.) DerAvanti" wider-

}}}. 22 er - Korrespondenz aus Bani die günstigen Schilderungen der wirtschaftlichen Lage in Apulien, welche die ,Zdea 9Äi- Kwnale und dasGioriiale d'Jtalia" verbreiten. Bisher hätteri oie vereinigten Hasenarbeiter 60 000 Lire an Unterstühungs-- geloern arl die Mitglieder ausbczahlt. 'Nicht besser sehe es aus denr ^cnwe aus. Die Felder könnten nicht bebaut werden, loeil Ci V fchle. Tausende und Abertausende von Land­

arbeitern befaiiden sich daher in sehr bedrängter Lage. In einem a ori5 re i / /y ^ <3 en f us : Hark gestrichenen Artikel spricht der ,^uvann von der traurigen Lage der italienischen Landwirt-' Ichaft und weist^darauf hiii, daß die Landwirtschaft den größten -oroAentsatz der Soldaten an die Front liefere und daher auch die größten Verluste aufweise.

. d^rn, 4 Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DasGiornale o.^lalra werrdet sich in einem Leitartikel gegen die eng­lischen Reeder und gegen die hohen K o h l e n p r e i s e. Der Verfasser gibt seinem Unwillen Ausdruck iiber die englischen - Reeder, welche jüngst bei einem Londoner italienischen Woh-l- tatigkeitsfest den italienischeri Schnorrern 30000 Franken spendeten. Dergleichen schmutzige Mauover müßten jeden ehrlichen Menschen anekeln. Alsdann weist der Verfasser auf die Rede Marconis hin und beklagt die hohen Kohlenpreise in Italien, die durch die allzu hohen englischen Frachtkosten verursacht würden.

Bern, 5. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel­dung aus Mailand ist in Rom der Anschlag und Vertrieb von v a z i f i ft i) ch e it, aus klerikalen Kreisen stammen- ^ verboten worden. Diese enthielten eine sym­

bolische p-riedensfigur und einige Zitate ans der letzten Konffstorurm-Mokution des Papstes.

Brotmangel in Toulon.

V, Zürich, 5. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Wie dieNeue Zürcher Zeitung" aus Toulon meldet, löschten sämtliche -öncter infolge Preisdifferenzen ihre Ocfen. Tic Bevölke­rung wird zur Zeit mit Brot aus den Militärbäckereien versorgt.

(^raf Tisza und die mitteleuropäische Annäherung.

Budapest, 4. Jan. (Zeus. Frkft.) In der heutigen Sitzung Oc* Magnatenhauses interpellierte. Graf Hadik, ein Mitglied der Versal,ungspartei, den Ministerpräsidenten in der Angelegen Heck der wir 1 schaf11ichen Annäherung an Dcsttsch- land Graf Trsza führte in Beantwortung der Interpellation 5PJ* ct J5 bbenjolcher Fehler anzunehmen, daß die Regierung Gewicht aus ein möglichst inniges Verhältnis mit Deutschland legen wurde, wie es verfehlt wäre, bezüglich der Mög­lichkeiten emer wirtschastlichen Annäherung solche Hoffnungen zu erwecken, lpelche irch entweder hier oder dort als nicht zu verwirk- lrchen erweisen imdknicht eine Annäherung sondern eine Entsrem- dung bewirken wurden. Seit er sich mit öffentlichen Angclcgerr- beiten befasse, ,ei er immer unerschütterlicher ein Anhänger der ckuffasiung, daß Deutschland und die Monarchie sich aus jedem Ge mew ergänzen und ihre Kräfte gegenseitig vermehren. Eben des- ha.o gbDibe er erklären zu dürfen, daß es keinen größeren Feind dieser schonen Sache gebe, als denjenigen, der diese wirtschaftliche Annäherung werter treiben wollte, als dies ohne Schädigung, 'sei cs der deutschen, östevrcichischeu oder ungarischen wirtschastlichen Jn- sei. Dadurch würde man nur erreichen, daß das Gefühl der Enttauschimg erwache. Es» würde nicht eine Annäherung mcht eme mnrgere Gestaltung des Verhältnisses, sondern das GeENtnl emtreten. Eben deshalb dürfe diese Frage nicht von Doktrinären, dre die Schwierigkeiten außer acht lassen, auch nicht v-cm Politikern, Me Schlagworten nachgehen, verhandelt werden sondern von praktychen Volkswirten nnd dazu kompetenten Fak­toren, Me sehr wichtige und wesentliche Punkte finden werden wo wrr uns gegenseitig nützliche Dienste leisten können

noch nicht im Salon befanden, hatten Aussicht, zu entkommen. Viele andere, wie gelähmt, bliebeii sitzen, wie an den Stühlen fest­genagelt. Einige, Me das Deck erreichten, konnten sich nicht aufrecht­erhalten' sie glitten in die See, andere wurden durch die Miellen wegge,pült. Es herrschte keine Panik. Ter gerettete Amerikaner ^ r a n t erzählt, er sei in die Tiefe gezogen worden und mit den Schuhen rn das Tauwerk geraten. Er kam jedoch los imd gelangte Pr Me Oberfläche. Das letzte, was er sah, war, daß der Bug des L>chistes aus dem Wasser hochragte, schon fünf Minuten nach der Exploswn. Als diePersia" sank, sah man. wie Grant erzählt, em schreckliches Schauspiel, das Wasser war schwarz wie Tinte.

London, 5. Jan. /WTB. 9ttchiamtlich.) DieTimes meldet aus Washington, die amerikanische Regierung wünsche an Ichernend eine friedliche Beilegung desPersia- F a l l e s in der Art, wie der Untergang derArabic" und der Hesf^rran" beige legt wurde. Der Washingtoner Korrespondent derNew Pork Sun" meint, daß cs vielleicht unmöglich sein werde, zu beweisen, daß diePersia" durch ein Torpedo und nicht durch' eine Mine zum Sinken gebracht worden sei. Der Kvrrespon- dent derNew Dort Times" weist darauf hin, daß diePersia" Geschütze an Bord führte. DerTimes"-Korrespvndent fährt fort, daß im Westen wenig Interesse für maritime Fragen herrsche und daß das deutsche Argument, daß amerikanische Reisende auf eigene Gefahr handeln, wenn sie auf englischen Schiffen fahren, aus die JJcüijen Eindruck mache. Der Korrespondent zollt sodann dem )eutichen Botschafter Bernstorff widerwillig seine Anerkennung . föne ausgezeichnete Leistung, wie er seit demLusitania"- ZNnscheu fall t ätig gewesen sei. Graf Bernstorff habe es nicht war verstanden, sich in einem großen Teil der Presse sympathisches Gehör zu verschaffen, soirdern seine persönlichen Beziehungen zu den amtlichen Kreisen, in Washington seien überraschend gut; seine Stellung würde auch durch die Abberufung der beiden Attaches keineswegs beeinträchtigt. Bernstorff gebe sich die größte Mühe den Frieden zu erhalten.

*

&ü&ter waren bis jetzt tätig die Herren: Mitter* macer. Prost Dr., Erle, Univ.-Sekretär, Müller, Kriminal- kommisiar, Wenzel, Fritz, Dreher, Erb, Schuhmachermeister, Zchafer Dr Lehramtsassessor, Noll, Ferdinand. Architekt. Lchmall, Schlosser, Pairan, Stadt. Bauführer. Kern, Ofsi- zlerstettvertreter, Braubach, Stadtbaumeister, Weeg. Schuh- machermeister. Will, lIniversitäLs-Tanälehrer, Horst, Feld- webelleutnant, Ranft, Feldwebelleutnant, Hergctt, Feldwebel- leutnant, Wachsen, Ofsizierstellvertreter, Horeyseck, Schneider­meister, Müller, Kreistechniker. Löbermann, Bankbeamter, Krausmutter, Pros. Dr., Noll, Ad., Tapeziermeister, Mayer, Offizierstellvertreter, Wenzel, K., Prokurist.

*5* ben Reihen der Jungmannschasten ist eine statt­liche Anzahl un Laufe des Jahres zum Militär ein- g e t re Len. Dankbar gedenken sie in Zuschriften der g°"erung die sie durch die Hebungen erfahren haben. Viele jugendliche stehen aber noch abseits. Der Hang zur l ei * verwiegt noch das Pflichtgefühl, das sie in 5 te Ä* der Jungmannschaffen führen sollte. An die im Handwerk, rn den Reihen der Bureaubeamten, der Kaufleute tätigen junglinge, an die Studenten geht daher der Ruf, euizutreten in unsere Jungwehr mit derselben Begeisterung, *<i tm ^^tmer 1914 unsere Jugend zu den Fahnen geeilt ist, um Gesundheit, Gut und Blut dem Vaterland zum Opfer zu bringen.

Eine Flottenkundgebung vor Saloniki.

Berlin, 5. Jan. DieB. Z. a. M." meldet aus Athen: Dre englisch-franzostiche D a r d anellenflo tte erhielt nach Saloniki zurückzukehren. Die vor Saloniki benndlichen Flotteneinheiten bezwecken sichtlich nur, Grie­chenland ern^uschüchtern und ein eventuelles aggressives Auftreten Grrechenlands zu verhindern.

Die Verhaftung von griechischen Untertanen in Saloniki.

m 3 an Nichtamtlich.) Meldung des

Reuterschen Bureaus. Gestern morgen wurde den Gesandten de- Vrerverbandes em schriftlicher Protest gegen die griechischen lln t e r t a ne n tiber- Änttvort der Entente ans den Protest wegen der Verhaftung der Konsuln ist noch nicht eingetroffen

Der Protest der Türkei.

i WTB. Nichtamtlich.) Bis Mlern abend war bei der chengen a meri k a ni > ch en Bo t- schaft noch kerne Antwort auf den Schritt der H Bl^er beton« zwar, daß di- Türk^ beichlvssen habe, einige Tafle zu warten und nicht sofort Wer- geltungsmaßregeln zu ergreifen, sie erklären aber, daß die Rcaie- rnng wenn die Antwort nicht in einem oder zwei Tagen eifitreffe ne sofort g^eu die Untertanen der Verbandsmächte die bereits bc' lchlosstnen Maßnahmen durchführen werde. DerTanrn" bespricht den Vorfall von Saloniki sowie die daraus zu ziehenden ^ebren und erklärt, dn: schmähliche Zwischenfall müsse insbesondere Grie- chenlanü K^^Oehre dienen. Die Truppenzusammenziehungen und Bes-skm^swastnahm-n wwm di- Ankunst d« serbischen Königs in Salonrki dosten an. daß die BcrbandSmächtc s i ch c n d g ü l t i a l n l"n-cderla, sen wollen. das sie an Stelle Athens als Sautchtadt des twn ihnen regrertcn Griech-nlandü setzen noch ^^band^wstl Gnechmland zeigen, daß heust die <m£ ttlchen und sranzo st scheu Gesetze «t Griechenland herrschen Wir wrsien nutz, von welchen poliüichen Erwägungen sich Grstchenlm d noch lerten laßt, nur glauben aber, daß sich die griechisstn Sa EM'E m emer wirklichen Gefahr befindet. Das Blatt gibt Mießlich der Svffmmg Ausdruck, daß der Saloniki-Vorfall dazu dienen >u"de, die legt« Naiven davon zu überzeugen, wie falsch dre BehauMmg der Engländer und Franzosen ist, die diese i

Bet Seekrieg.

Zur Versenkung derPersia".

Alexandrcen, 5. Jan MTB. Nichtamtlich.) Areldung d-5 b^mchen Bureau^ Dre Gerettete derPersia" könnm mchk mel erzählen, oa sich der Vorgang des Sinkens so rasch ab^ imüt-- dan üe kaum etwas von den, Hergang wissen. Mw! hatte ^ 'N^stuck begonn^7 als eme heffige Explosion statt fand wurde stark erschüttert und neigte sich sogleich irach Backbord. Aac vvn den Stühlen aufgestanden waren und sich

Berlin, 6. Jan. (WTB. Nichtamtlich'.)Stockholms Tcenttrgan" lassen sich aus Malmö meldeir, daß der Norr opinger DampferMagdctt^ innerhalb der schwedi- chen Hoh eits gew ässer am 3. Januar 1916 9 Uhr vormittags von einek.n deutschen bewaffneten Fischdampfer )urch eiiren scharfen Schuß zum Stoppen gezwungen worden ei und nach Angabe seines Bestimmungsortes frei gelassen wurde.

Wie wir von zuständiger Stelle hierzu erfahren, hat jrch der Vorfall außerhalb der schwedischen Hoheits- aewässer abgespielt. Ferner wurde der Dampfer nicht sofort durch einer: scharfen Schuß zum Stoppen veranlaßt, sondern er wurde zunächst durch ein Signal znm Stoppen aufaefor- dert. Ter scharfe Schuß vor den Bug erfolgte erst, als der Dampfer dem Befehl nicht nachkam.

Aus Stcrdt und £<m&<

Gießen. 6. Januar 1916.

AriegsarbeiL in Gießen.

II.

Die militärische Ausbildung der Jugend in der Stadt Gießen.

, .Durch Erlaß vom 16. August 1914 ordnete das Kriegs muusteriumdie militärische Ausbildung der Jugend wäh­rend des mobilen Zustandes" an. Einleitend weist der Erlaß zur Begründung dieser Neueinrichtung auf den Ernst der Zeit hin, der es der Heranwachsenden Jugend zur Pflicht mache, an diesen Unterweisungen teilzunehmen. Es wird die Erwartung ausgesprochen, daßauch diejenigen jungen Männer, die bis jetzt den Veranstaltungen für die sitt­liche und körperliche Kräftigung ferngeblieben sind, es nun­mehr als eine Ehrenpflicht gegenüber dem Vaterland ansehen, sich freiwillig zu den angesetzten Uebungen usw. ernzusinden".

Mit der Durchführung der militärischen Ausbildung der äugend in Hessen wurde der I u n g d e u t s ch l a n d bund beauftragt. In einem Aufruf wandten sich der Ober vurgermerster und der Vertrauensmann des Jungdeutsch- landbundes für Gießen-Stadt an unsere Jugend. Zur ersten Zusammenkunft am Mittwoch, 11. November 1914, fanden ich in der Turnhalle der Oberrealschule eine größere Anzahl Herren und nahezu 200 Jugendliche ein. Nach einem Ge- angsvortrag der hiesigen Knabenschule unter Leitung des Herrn Lehrer G ö r l a ch wies Oberbürgermeister Keller in einer zündenden Ansprache auf die Bedeutung der Jugend- ausbildung hin, der Vertrauensmann für Gießen, Dr. Krausmüller, erläuterte Ziele und Durchführung der jugendarbeit, Pros. Völzing sprach in einem packenden Schlußwort auf unser Vaterland.

Zu den Exerzier- und Geländeübungen an den Sonn­tagen und den Turnübungen und Instruktionen an den Mittwoch ab eiiden kamen etwa 250 Jugendliche. Die gesamte Teilnehmerschar wurde in zwei Kompagnien eing^teilt, die bei )er Durchnumerierung durch das Reich alsJugend- kompagnicn 620 und 621" bezeichnet wurden. Für )ie Militäroche Unterweisung wurde als Grundsatz festgelegt ) nur infanteristisch ausgebildete Herren als Lehrer tätig em [outen. Neben der Ausbildung im Exerzieren wurde lesonders Wert gelegt auf die Unterweisung im Ausnntzen des Geländes, tm Kartenlesen, Entfernungschätzen, int Vor wsten- und Patrouillendienst und in Pionierarbeiten Be­sondere Bajonettierkürse wurden eingeführt, ebenso Ziel- und Schießübungen. Der Schützenverein stellte in dankenswerter Weise seinen Schießstand, der Verein ehemaliger 116 er seine Militärgewehre zur Verfügung. Die Resullate waren durch- veg jehr gut. Der Wunsch, alle Jugendliche, o h n e R ü ck -

'ich t auf ihre Vermögensverhältnisse, kosten-

o s unter Leitung erfahrener Lehrer schießenzulafsen eine für die Wehrhaftmachung unseres Volkes sicher nicht zu unterschätzende Einrichtung, konnte vorerst aus Mangel an Mitteln nicht verwirklicht iverden. Hoffentlich wird es aber recht bald möglich. Nach den meisten Instruktionsstunden fanden Vortrage von Kriegsteilnehmern über ihre Erlebnisse un Felde statt. Auch Uebungsmärsche, die einerseits unsere Jugend an größere Strapazen gewöhnen, andererseits beim Lagern und Abkochen gewisse Fertigkeiten lehren sollten, er­wiesen sich als wünschenswert und für die Ausbildung der Jugend förderlich.

Am 18. April konnte gelegentlich eines Oberhessischeu Fuhrertags die hiesige Jungmannschaft mit mehreren an­deren des Kreises Gießen vor dem Vorsitzenden des Hessischen Iungdeutschlandbundes, General v. H e y l und seinem Stell Vertreter, Generalleutnant Erz. Bernhardt, sowie zahl­reichen Führern aus Oberhessen auf dem Trieb zeigen, was sre rm Laufe des Winters gelernt hatte. Außerdem beteiligte sich die hiesige Jungwehr tm Laufe des Jahres an verschie­denen größeren Uebungen mit benachbarten Jungmann- schaflen. Gelegentlich einer solchen fand im Juni auf dem Hohberg bet Großcn-Buseck etn Feldgottesdienst statt, bei dem Dürrer Barth die eindrucksvolle Festpredigt hielt. Am o Oktober übte dre hiesige Jung- und Jugendwehr gegen Wormser Jungmailnschaften, die an diesem Tage von Bür­gern der Stadt gastlich ausgenommen wurden. Am 17 Okt ^^//^Orötzerer Marsch durch das Ohmtal mit Uebung und Abkochen oberhalb Hombergs ausgesührt.

~ T J$ le?sSverb rauch in unserer Stadt,

c i?? T1 f e ^ r J tn ^ 2 ^ 0 er Monate seit Einführung der fleisch- und frürflr age verflossen und es ist ganz gewiß interessant, festznstellen, welchen Einfluß diese Maßnahme des Bündes- rats innerhalb unseres Gemeinwesens auf den Verbrauch von fletsch gehabt hat. Maii lann hierzu atterdinas die Zahlen. unseres Schlachthofes nicht heranziehen, well das Ergebnis der Schlachtunaeir in detr öffentlichen Sch,lacht- ho,en rnnerhalb des Großherztogtiims seit Mitte des vvri- gen Jahres nicht mehr veröffentlicht wird. Mer abgesehen davon würde man rnit diesen Zahlen an sich überhaupt nichts beweisen können, da die Sckstachtunqen in den Monaten November, Dezenrber in den in Frage kommenden 3 Jahren 19131915 vvn Ümständen beein- slußt sind, dre ganz außerhalb jeder Regel, die mehr oder weniger zahlreichen Schlachtungen der verschiedenen Vieh?- ^attungeii verschieden beeinflussen nmßten. Der Fleisch- edarf der Bevölkerung in den beiden betreffenden Mo­naten im Jahre 1913 war auf den Frieden eingestellt. In den gleichen Monatetr des Jahres 1914 war zweisettos unsere eigentliche Bevölkerung um diejerrigen Fleischesser vermindert, die draußen im Felde standen oder sonst des! Kaisers Rock trugen und abwesend waren. Dagegen war unsere Garnison wesentlich stärker als in Friedenszeiten und es kamen als Konsumenten für Fleischnahrung noch die Gefangenen hinzu, so daß sich ein Vergleich zwischen den m Frage kommenden Monaten in den Jahren 1913/14 aus den Schlachtungsii nicht ziehen läßt. Fest steht nun aber auch, daß die Zahl der Schweineschlachtungen im November-Tezemver 1914, veranlaßt durch die damals in Aussicht stehende Maßregel einer vom Bundesrat herbei- geführten Massenabschlachtung dieser Tiere rapid in die Hohe geschnellt ist, weil alle darauf eingerichteten Metzger­eien mit tzwchdruck Dauerware herstellten, wofür die Städte damals als gute Abnehmer in Aussicht standen. Im Jahre 19 Io gingen die Schweine schlachtungen, wre überall in Deutschland, auch bei uns

m Gießen nicht nur an Zahl, sondern auch

rm Gewicht hinter das normale Maß zurück, dagegen aber hoben sich die Schlachtungen in Großvieh. Es wurde dies schon bedingt durch die immer höher steigen­den Preise von Schlachtschweinen, mit denen Hand in Hand auch die Ladenpreise für Schweinefleisch und Wurstwaren zu euter früher nie gekannten Höhe sich entwickelten, so daß die Verbraucher sich mehr und mehr vom Genuß alles dessen, was vom Borstenvieh herrührte, enthalten mußten. Während also der Konsum in Schweinefleisch und den davon herrühren­den Fleischsabrikaten stark abnahm, hob sich entsprechend der Bedarf an Ochsen-, Rind- und Kuhfleisch bis zu der Zeit, wo man endlich dazu griff, für Schweine Höchstpreise einzuführen und beinahe gleichzeitig eine Beschränkung des Fleisch- und Fettgenusses durch die sogenannten fleisch­losen Tage einzuführen. Um nun den Einfluß der be­schränkenden Maßnahmen auf den Fleischverbrauch, soweit unsere Bevölkerung in Frage kommt, beurteilen zu können, hat einer unserer Mitarbeiter, da die Zahlen unseres Schlachthofs über die Schlachtungen kein ver­wertbares Bild ergeben, eine Umfrage gehalten: Es steht danach fest, daß in unseren Gastwirtschaften in den beiden letzten Monaten der Verbrauch von Fleisch­nahrung erheblich zurückgegangen ist. Auch unsere Ksiniken, die Lazarette, die Provinzial-Siechenanstalt und die Großh. Heil- und Pflegeanstalt befolgen die BundesrcNsverordnung betreffend Einschränkung des Fleischgenusses auf das pein­lichste. Nur in den seltenen Fällen, wo die Aerzte die Ver­abreichung von Fleischnahrung an Kranke für geboten er­achten und dies anordnen, werden die beschränkenden Maß­nahmen «ilsgehvben. Eine Einschränkung in Bezug! auf den Genuß vvn Fleis chinp'rivQtenHQushaltungen wol­len unsere Metzger bei der großen Mehrheit unserer Bevölke­rung schon vor dein Erlaß der Bundesratsverordnung wahr­genommen haben. Diese Einschränkung verstand sich bis tief in die Kreise des Mittelstandes hinein ganz von selbst und war geboten durch die Höhe der Preise für alle Nahrungs­mittel, ganz besonders aber durch die ungewöhnliche Höhe der Fleischpreise. Es läßt sich nicht behaupten, daß die Einführung der fleffchlosen Tage im allgemeinen bei den Privaten eine weitere wesentliche Einschränkung in der Fleischnahrung herbeigeführt hat, denn wenn auch der Verkauf von Fleisch in den beiden letzten Mo­naten an die private Kundschaft bei den Metzgern nachgelassen hat, so ist doch dagegen ein verstärk­ter Umsatz an Fleisch waren, als Wurst, Schinken usw. bemerkbar, die als Beilage zu Gemüse vielfach gekauft werden. Aus Metzgerkreisen erfährt unser Gewährsmann, daß, seitdem Höchstpreise für Schweinefleisch ein Sinken des Ladenpreises möglich gemacht haben, der Verbrauch von Schweinefleisch also für die Mortate November-Dezember durch die Garnison zugenommen hat, während vvrt«m für die Mannsck)asten Ochsen- und Rindfleisch bevorzugt wurde. Im Schlachthof war zu erfahren, daß in den Mv- iraten stöovember-Tlezembrr v. I., -also trotz der Anführung der fleischlosen Tage, die Schweiiteschlächtungen gegenüber dem Stande in den Monaten vorher, nicht ab- sondern zu­genommen haben nnd daß. auch die Qualität uud das^ Ge- loicht dieses Schlachtviehs sich weseiitlich gehoben habe. Da­gegen sei der Verbrauch von Ochsen-, Rind- utid Kuhfleisch nack) der Zahl des geschlachteten Großviehs, seit Einführung der fleischlosen Tage merklich in Gießen zurückgegangen.

** Vom städtischen Elektrizitätswerk- Die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke hat über das Er­gebnis des Betriebs mxd der: finanAietteu WschluH im Rieche