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5.1.1916 Erstes Blatt
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Unser Gesandte in Athen hat mitgeteilt, daß unser General­konsul in Salcwikr, ebenso wie der österreichisch-ungarische, der deutsche und der bulgarische Konsul aus Befehl des Generals Sarrail unter ^der Anschuldigung verhaftet worden ist. den Fliegern, die Saloniki überflogen. Zeichen gegeben zu haben. Die Kaiserliche Regierung hat durch Vermittlung des Bot­schafters der Vereinigten Staaten in Konstantinopel gegen diesen !Mt, der eine flagrante Verletzung des Völkerrechts dar­stellt, Einspruch erhoben. Für den daß diese

rechtswidrige Handlung nicht sofort gutgemacht wird, ist die Regierung entschlossen, Vergeltungsmaßnahmen an- Mweichen, ohne, so lech es ihr tut. vor der Rücksicht auf das; Völkerrecht Halt $u machen. Wir hoffen, daß diese Handlung gut- gemacht^ werden wird. Die Rechte der griechischen Regie­rung sind durch dieses willkürliche Vorgehen ebenso verletzt worden. Die Regierung in Athen ist dadurch in lebhafte Erregung versetzt. Die griechische Presse geißelt einmütig die Handlung; der griechische Ministerpräsident hat gegen das Vorgehen Sarrails Verwahrung eingelegt. Die Vergeltungsmaßnahmen, zu denen wir greifen werden, werden aus'keinen Fall geringer sein, als die der anderen verbündeten Mächte. Sie kön­nen davon überzeugt stin, daß die Regierung mit Entschiedenheit ihre Psliclch erfüllen wird.

Nach den Erklärungen des Ministers griffen einige Abgeord­nete das Wort tmd erklärten, daß die Verhaftung der Konsuln ein Verbrechen und bte Handlungsweise von Briganten sei, und daß daher die Regierung unverzüglich mit Vergeltungsmaß­nahmen Vorgehen müsse, damit sie nachträglich gutgemacht würde.

Verhaftung des bulgarischen Gefandtschafts- kanzlers in Paris.

Paris, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DieAgenoe Havas" meldet amtlich: Als Antwort auf die willkürliche völkerrechtswidrige Maßnahme der bulgarischen Regierung gegen den französischen Vizekonsul in Sofia, der mit der Obhut der Archive der französischen Gesandtschaft beauf­tragt war, hat.die französische Regierung heute vormittag unter denselben Bedingungen den bulgari­schen Kanzler verhaften lassen, der die Archive der bulgarischen Gesandtschaft in Paris überwacht. Da dieser Beamte leidend ist, wurde ihm gestattet, unter ständiger Bewachung in seiner Wohnung bleiben.

Aus Saloniki.

Berlin, 4. Jan. (Priv.-Tel.) DieB. Z. a. M." meldet aus Budapest: WieAz ©ft" ans Sofia meldet, hat das Kommando der Ententetruppen infolge des großen Erfolges des Fliegerangriffes aus Saloniki ungeordnet, daß von nun an nuchts kein Licht an gezündet wer­den darf, nicht einmal im Hafen. Me Nachtlandnngen müssen infolgedessen eingestellt werden. Die Entente hat die Befestigungsarbeiten von Saloniki und Umgebung beendigt.

Berlin, 4. Jan..(Priv.-Tel.) DieB. Z. a. M." meldet aus Lugano; Einer Meldung desCorriere della Sera" aus Saloniki zufolge traten in^ein Variete-Theater, während die Vorstellung zu Ende ging, französische Gen­darmen plötzlich ein und verhafteten eine Geigen­spielerin des Orchesters, eine Rumänin österreichischer Abkunft, weil man in ihr eine Ueberbrmgerin von französi­schen und englischen Militärgeheinrnissen an das öster­reichische Konsulat vermutete.

Der Protest Griechenlands.

Wien, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der Note der griechischen Regierung an die Vertreter Englands und Frank­reichs wegen der Verhaftungen der Konsuln in Sa­loniki heißt es nach derNeuen Freien Presse" noch: Die königliche Regierung, gestützt auf ihre Souveränität, ist berech­tigt, trotz der stärkeren Macht, der sie gegenübersteht, zu verlangen, daß sofort die nötigen Befehle erteilt werden zur Vorsorge für die SicherheitdercrwähntenPersonen bis zu deren UebergabeandieköniglichgriechischenBehörden. Außerdem ist die königliche Regierung ermächtigt, zu verlangen, daß Befehle erteilt werden, daß die von den Alliierten sestgenom- rnenen Personen an die griechischen Behörden ausgeliesert iverden, welch letztere sie in Obhut und Schutz nehmen werden und zu ver­langen, daß Vorsorge getroffen wird, daß die Konsulats­wap p e n geachtet werden.

Griechenland und Bulgarien.

Sofia> 4. Fan. (WTB. Nichtamtlich.) Der griechische Gesandte Naum erklärte dem Ministerpräsidenten Ra - doslawow, Griechenland habe energisch gegen die Fest­nahme des bulgarischen Konsuls protestiert und werde keine Verletzung seiner Neutralität und Sou­veränität mehr dulden. Radoslawow nahm die Er­klärungen mit Genugtuung entgegen und sprach die Hoff­nung aus, daß Griechenlund und Bulgarien weiterhin ein freundnachbarlrches Verhältnis bewahren werden

König Peter.

Athen, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Nach Blättermeldnngen dürfte sich der Auf­enthalt von König Peter in Saloniki einige Zeit hin­ziehen. Es sei der Auftrag gegeben worden, für die serbischen Beamten Wohnungen zu mieten Ein Besuch des Königs Peter bei König Konstantin werde vom Gang der politischen und militärischen Ereignisse abhängen. Auch von einer baldigen Ankunft des KönigsvonMontenegro wird in Saloniki gesprochen, doch liegt eiüe amtliche Be­stätigung dieser Nachricht nicht vor.

Paris, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DieAgence Havas" meldet aus Saloniki vom 2. Januar: König Ater, der im serbischen Konsulat abgestiegen ist, hütet wegen körperlicher Abspannung das Zimmer. Er soll nach Saloniki .gekommen sein, um die Reorganisation der serbischen Armee zu überwachen, die in Gruppen von 200 bis 400 Mann aus Albanien eintrisft. Der König wird einen Aufruf zugunsten des Heiliaen Bundes zur Befreiung. des vom Feinde besetzten Landes an die Serben richten.

Die Militärbehörden fahren mit der Verhaftung verdächtiger bloßgestellter Personen fort.

Die Alliierten beginnen mit der Anlage einer befestig­ten Zone an der Front der strategischen Linie, die sich über eine Gesamtlänge von hundert Kilometern erstreckt.

Der Balkanzug.

Berlin-, 4. Jan. (Priv.-Tel.) DieB. Z a. M." meldet: Der Balkanzug verkehrt voraussichtlich am 15. Januar zum ersten Male.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit:

An der Jrakfront wurden alle Versuche der bei Ali Eharki aufgestellten feindlichen Abteilungen, den Truppen bei Kut el Amara zu Hilfe zu kommen, zurückgewiesen.

An der Ka uka sussro nt am linken Flügel aussetzendes Infanterie- und Artillerieseuer. Sonst nichts von Bedeutung.

An der Dardanellenfront schlnrderte in der Nacht zum 3. Januar ein Torpedoboot einige Geschosse in der Richtung "ur Ar- Burnu und zog sich dann zurück. Bei Sedd-ül-Bahr be- ichvr. unsere Artillerie bis zum Morgen die Stellungen des Fein­des yfnb ein Lager zwischen Sedd-ül-Bahr und Tekke Burnu. In dieser Nacht beschossen ein Kreuzer und am 3. Januar zwei"

I.Kreuzer wirkungslos eine Zeitlang unsere Stellungen. Untere j Artillerie traf zweimal einen Kreuzer. Nachmit­tags eröfsnete die feindliche Artillerie plötzlich das Feuer gegen unser Zerrtrum und den linken Flügel. Unsere Artillerie erwiderte kräftig, brachte die feindliche Artillerie zum Schwei- g eit, zerstörte einen bedeutenden Teil der feindlichen Schützen­gräben und verhinderte einen Transport. Am Vormittag beschossen unsere Küstenbatterien zeitweilig die Landungsstellen bei Sedd-ül- Bahr und^ Tekke Burnu, zwangen zwei Transportschiffe von der Landungsstelle zu entfliehen mid verursachten in der Nähe der Landungsstelle einen Brand, der den ganzeir Tag cmdauerte.

Die türkische Anleihe bei Deutschland.

Konstantinopel, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer nahm in dringlichem Wege den Gesetzentwurf an, durch den die Regierung ermächtigt wird, in Deutsch­land einen Vorschuß bis zu 20 Millionen Pfund in deutschen Schatzscheinen aufzunehmen, ge^en deren Hinter­legung die Verwaltung der osmanischen öffentlichen Schul­den Kassenscheine mit Zwan^skurs wird ansgeben können, die ein Jahr nach der Beendigung des Krieges in Konstan­tinopel rückzahlbar sein sollen.

Die Kämpfe in Kamerun.

Berlin, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel­dung des Reuterschen Bureaus ist Jaunde, das Zentrum der Verteidigung Kameruns, am 1. Januar in die Hände des Feindes gefallen. Mit diesem Fall mußte schon seit län­gerer Zeit in Anbetracht der ungeheuren englisch-französisch­belgischen Uebermacht, die mit allen: nrodernen Rüstzeug der Kriegführung versehen, von allen Seiten die kleine Schar der tapferen Verteidiger des großen Schutzgebietes bedrängte, gerechnet werden. Doch auch jetzt hat die Schutztruppe die Äaffen noch nicht gestreckt, sondern zieht sich kämpfend zurück. Daß sie mtt einem Unvergleichlichen Opfermut und einem uner­schütterlichen Vertrauen auf den schließlichen Sieg der deutschen Sache in Europa nun schon fast anderthalb Jahre lang das Schutze gebiet gehalten hat, trotz ihrer Abgeschlossenheit von aller Zufuhr aus der Hemmt urck» trotz, der groß-en Ueber- legenheit des Feindes an Zahl und Kriegsmstteln, dafür gebührt der tapferen Truppe und ihrem umsichtigen Führer, Oberstleutnant Zimmermann, der heiße Dank des Vater­landes. Und wenn auch die Schutztruppe trotz heldenmütigster Gegenwehr schließlich völlig unterliegen sollte, so ist Kamerun für uns iwch nicht verloren. Ueber das endgültige Schicksal auch dieser Kolonie wird auf anderen Kriegsschauplätzen ent- chieden werden.

England und die Dienstpflicht.

Rotterdam, 4. .Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DerRoller- dänische Courant" meldet aus London: DieTimes" warnt davor, daß man vielleicht versuche, den droheirden Rücktritt Mac Kennas nnd Runcimans durch ein Abkommen über die H e e r e s st ä r k e abzuwenden. Es sei allgemein bekannt, daß seit einiger Zeit eine begrenzte Ziffer für die Stärke des Heeres aus Grund von Gutachten hervorragender militärischer Sachverständiger aufgestellt worden sei. Tie Alliierten wüßten davon. Das Kabinett habe an dieser Ziffer bisher nicht festge^ halten. Mgenblicklich komme es darauf an, dafür z!u sorgen, daß die festgesetzte Zahl von Divisionen in voller Stärke erhalten bleibe. DieTimes" setzt sich in dem Leitartikel dafür ein, daß die bisherige Stärke von allen Zugeständnissen an Mac Kenna und Runciman bewahrt bleiben solle. dluch dieDaily Mail" wendet sch gegen die Einschränkung der Heeresstärke. Der Manchester Guardian" schreibt, daß Runciman und Mac Kenna drei Dinge fordern: 1. Begrenzung der militärischen Vorberei­tungen: 2. Uebergangs maßregeln, die es ermöglchen würden, das Freiwilligensystem vielleicht doch ivoch zu retten; 3. Die allgemeine Dienstpflicht mit gewissen Einschränkungen, im Falle ein Zwang nötig sein sollte. Am Schlüsse der Beratungen des Kabinetts vom Freitag hätten die Reden!der beiden Minister für die Begrenzung der militärischen Vorbereitungen auf die gemäßigten LlnHänger der Dienstpflicht, namentlich Balfour und Asguith, tiefen Eindruck gemacht. Es seien Anzeichen dafür vorhanden, daß in der nächsten Kabinettssitzung die Entscheidung gegen die Anhänger der Wehrpflicht fallen werde. Das einzige, was man Voraussagen könne, sei, daß die Unionisten es nicht auf Neuwahlen ankommen lassen würden, wenn Lloyd George nicht mit ihnen gehe. TerManchester Guardian" glaubt, daß die Drohung mit Neuwahlen auf beiden Seiten ein Bluff sei, daß sicht aber die besten Karten in den Händen der Gegner der Wehrpflicht befänden.

London, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet: Heute tritt das Parlament wieder zusammen. Der Bericht Lord Derbys über die Ergebnisse seiner Kampagne wird heute veröffentlicht werden, also gerade gelegen für die morgige Erklärung Asquiths, in der dieser die Pläne der Re­gierung auseinandersetzen ipird. Wahrscheinlich werden die Ver­handlungen über das Dien st Pflichtgesetz eine Woche dauern. Man erwartet allgemein, daß man Abänderungsanträge annehmen loird, die, soweit möglich, den Wünschen aller Fraktionen entgegen- kommen werden. Es ist so gut wie sicher, daß die beschränkte Dienstpflicht, wenn nicht einstimmig, so doch überwältigender Mehrheit angenommen werden wird. Ebenso 'ist es fast sicher, daß Irland nicht unter das neue Gesetz kommen wttd. In einer Arbeiterkonferenz am Donnerstag wird dann über As­quiths Erklärung beraten werden. Es werden daran 1000 Vertreter aller Arbeiterorganisationen des Landes teilnehmen. Die Hal­tung der Arbeiter wird ganz von dem Beschluß dieser Versamm­lung abhängen. Man glaubt aber, daß die Gemäßigten, die für eine beschränkte Dienstpflicht für die Dauer des Krieges sind, die Oberhand über die Dienstpflichtgegner haben werden, die befürchten, daß ein provisorisches Tienstpflichtgesetz später in ein dauerndes umgewandelt werden könnte. H a r c o u r t und Samuel werden als Nachfolger Simons genannt.

London, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Aus den Berichten über die Ergebnisse des Derbyschen Werbefeldzuges geht hervor, daß von den u n v e r h e i r a t e t e n M ä n n e r n , die sich hätten anwerben lassen sollen, 651 160 sich nicht gemeldet haben.

Die Sitzung des Unterhauses.

London, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu­terschen Bureaus. Asguith teilte im Unter Hause mit, daß Sir John Simon zurückgetretcn sei. Die Anwesen­heit Mac Kennas auf der Regierungsbank scheint darauf hinzu­weisen, daß sein Rücktritt nicht bevorsteht.

Die amerikanischen Waffen- und MunitionS- lieferungeu.

Amsterdam, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Hier erngetroffe- nen amerikanischen Blättern zufolge ist in den Prttsburgekr Eisengießereien ein Streik ausgebrochen, durch den die Munitionslieserungen der Miierten verzögert werden. Die Fabrik­besitzer versuchen, den Streik beizulegen. Ferner berichten diese Blätter, daß der Senator Kenpon eine Vorlage für Besteue­rung der Gewinne eingebracht hat. die durch Lieferungen ffür Kriegszwecke in Europa erzielt loorden sind. Die Einnah­men aus dieser Steuer sollen für die nationale Verteidigung ver­wendet >oerden. Durch einen loeiteren Gesetzentwurf, den der Se­nator Kenyon eingebracht hat, soll den Schiffen, die Muni­tion befördern, verboten werdei:, Passagiere auf­zunehmen. Kenyon erklärte, die Rüstungspläne in Amerika seien erst dadurch notwendig geworden, daß fremde Nationen durch die amerikanischen Mnnitionsverkäufe gereizt wurden.

Der Seekrieg.

DiePerfia".

Washington, 4. Jan. (WTB'. Nichtaintlich.) Mel­dung 'des Reuterschen Bureaus. Der Konsul der Ber­einigten Staaten in Alexandria berichtet, daß die P e r | i a" eine 4 7zöllige Ka no n e an Bord hatte. Die amtlichen Kreise erklären jedoch, daß diese Tatsache an der eigentlichen Sachlage nichts ändern werde.

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Saloniki, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Englische Behörden haben eine Anzeige erlassen, in welcher 50 000 Franken jedem angeboten werden, welcher Angaben über die Anwesenheit deutscher Unter­seeboote im Aegäischen Meer machen kann.

London, 4. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der Dampfer der P.- und O.-LinieGeelong" ist im Mittelmeer ver­senkt worden. Alle Passagiere, die sich an Bord befanden, wurden gerettet. Der Dampfer war 7045 Tonnen groß.

Aus dem Reiche.

Der wirtschaftliche Beirat der Reichsregierung.

B e r l i n, 4. Jan. Der aus Mitgliedern des Reichstags bestehende wirtschaftliche Beirat im Reichsamt des Innern tritt am 8. Januar zum erstenmal zusammen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. Januar 1916.

Wir beginnen heute mit der zwanglosen Ver­öffentlichung einer Aussatzreihe über die bisher in Gießen geleisteteK r i e g s a r b e i t". Die unter diesem Titel zusammengefaßten Beiträge aus be­rufener Zeder können selbstverständlich ein voll­ständiges und abschließendes Bild des weiten und vielseitigen Gebietes noch nicht geben, da die Zeit selber die Dauer derKriegsarbeit" ins völlig Ungewisse dehnt. Ueber ihre Art und ihren Um- s a n g aber an Hand von sachkundigen Ausfüh­rungen einen ermunternden und zur rechten Wür­digung des Geleisteten aufsordernden Ueberblick zu eben, schien uns der Beginn des Kriegsjahres 916 die geeignete Gelegenheit.

Schriftleitung.

Das Rote Kreuz.

Das Rot e Kreuz, in Gießen der Zweigveretn Gießen, mit welchem der Alice-Frauenverein zusammen arbeitet, hatte von den ersten Tagen des Krieges an eine außer­ordentlich umfangreiche und vielseitige Aufgabe zu lösen.

Seine erste und eigentlichste Aufgabe bildet bekanntlich die Unterstützung und Ergänzung des militärischen Sani­tätsdienstes. Planmäßig sollte zu diesem Zweck vom Gießener Verein für 200 Verwundete Verpflegungsmöglich­keit geschaffen werden. Es wurde jedoch möglich, unter Ver­wendung erheblicher Geldmittel für die NeUbeschaffüng von Betten, Krankenanzügen, SpeiseeinrichLungen usw. über diese Zahl beträchtlich hinauszugehen und in den Ver­einslazaretten, den UnwÄttitätskliniken rund 600 Verwundete unterzubringen. Außerdem wurden auch die von der Heeresverwaltung eingerichteten Reservelazarette (im Garnisonlazarett, Siechenhaus, Kaufmännischen Vereins­haus, in der Turnhalle, in Steins Garten, im Evangelischen Schwesternhaus, Katholischen SchwestevnLaus und Katholi­schen Vereinshaus und in der Alten Klinik), mit deren Betrieb das Rote Kreuz nichts zu tun hat, durch freiwillige Lieferung von Bett- und Leibwäsche, Verb and smitteln und Kleidung, Krücken und Stöcken, auch von Lebensmitteln aus unseren Vorräten an Liebesgaben unterstützt.

Das Pflegepersonal der Vereinslazarette und der Reservelazarette erfuhr eine wesentliche Vermehrung durch eine größere Zahl von Damen und Heroen, welche in den Kursen des Roten Kreuzes aus gebildet wurden. Solche Kurse, ebenso die Kurse zur Ausbildung von Krankenträgern fanden in der Zeit von August 1914 bis August 1915 statt.

In allen Lazaretten erstreckte sich die Fürsorbe für die Verwundeten aber nicht allein auf die notwendigste Ver­pflegung; soweit es die Mittel erlaubten, wurde versucht, ihnen durch Bereitstellung von Wein, Obst, Zigarren be­scheidene Genüsse zu gewähren. Um den am Gehen ver­hinderten wenigstens zeitweilig den Genuß der frischen Luft zu ermöglichen, wurden mehrere Krankenfahrstühle <rn- geschasft. Durch Bücher und Zeitungen wurde für geisttge Unterhaltung Und Anregung gesorgt. Zu verschiedenen Tageszeitungen kommt seit kurzem eine Lazarett^ zertung. Sie wird vom Oberkommando des 18. Armee­korps alle vierzehn Tage heraus gegeben. Für die örtlichen Bedürfnisse ist ihr eine Beilage beigegeben. Die Zeitung bringt außer unterhaltendem und belehrendem Lesestoff namentlich Beiträge, die sich mit den Interessen der Ver­wundeten, ihrer weiteren Bildung und ihrer zuküuftiaen Lebensstellung beschäftigen, insbesondere auch mtt den Berufs- :md Arbeitsmöglichkeiten jener Kriebsbeschädiaten, welche durch die Art ihrer Verletzung in der Ausübung ihres früheren Berufes mehr oder weniger behindert er- scheinen.

Einen wichtigen Zweig der Berwundetensürsorge blldet ferner der Verwund eten-Unterricht. Er wird ir einem besonderen Aufsatze besprochen werden.

Außer den in Gießen selbst verbleibenden Verwundeten kommt auch die große Zahl der d urchtranspo rtierten Verwundeten und Kranken für die Verpflegung durch das Rote Kreuz in Betracht. Bestimmte, mtt der Heeresverwal­tung vereinbarte Vorschriften regeln die je nach der Art der Züge wechselnden Verpflichtungen des Roten Kreuzes. Um dieser Aufgabe nachzukommen, mußte auf dem Bahnhof eine Verba nds-undErfrischungs st elle geschaffen wer­den. Als Verbandsraum wurde in den ersten Tagen des Krieges der Wartesaal 3. und 4. Klasse eingerichtet. Hierher wurden durch die Mitglieder der freiwilligen Santtäts- kolonne, die sich durch eine größere Zahl neu ausgebildeter juuger Kräfte verstärkt?., die Verwundeten aus den Zügen verbracht. Ein leitender.Arzt und zwei Assistenzärzte über­nahmen die Behandlung, ihnen ging eine Anzahl der vom Alice-Frauenverein ausgebildeten Damen als Helferinnen zur Hand. Der Transport der hier verbleibenden Verwun­deten nach den Kliniken wurde ebenfalls von den Mitgliedern der Sanitätskolonne besorgt. Außer einigen Kraftwagen aus hiesigem Privatbesitz stand dafür ein von.Herrn Geh. Kom­merzienrat Heichelheim geschenktes, für vier Verwundete Raum bietendes Krankenauto zur Verfügung. Hier durch­reisende Leichtverwundete, welche nicht in die Lazarette ge­bracht werden mußten, fanden hx der ersten Zeit Nacht­unterkunst in der Anatomie, dem Liebig-Museum, der Festhalle und Dewerkshalle der Gewerbeausftellung. An Stelle dieser notdürftigen pxovisorÄchen Unterkunstsräume ist nun eine durch die Milttärbehöude in der Kriegsverpfle- gunasanstalt getroffene Einrichtung, getreten.