Regierung fff Tcbet^ert forrect, ihr Versprechen 55 W erfüllen. Statt bcn Transport dieser Lebensmittel zu erleichtern, schaffen die Engländer und Franzosen Schwierigkeiten, deren letzte die Ver- Haftung der Konsuln in Saloniki ist, die angeblich durch das Erscheinen deutscher Flugzeuge über denr englischen und französischen Lager begründet ist. Wir haben wegen des Gewaltaktes Einspruch erhoben und verlangt, daß Griechenland seine Hoheits- rechte gebrauche, denn unsere Konsuln sind nicht bei den Engländern und Franzosen, sondern bei der Regierrmg von Griechenland beglaubigt. Die Engländer und Franzosen werden jetzt erst gewahr, daß sie sich iml Kriege mit uns befinden.
Aus der rumänischen Kammer.
Bukarest, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der Kammer führte Carp aus: Auch heute dürfen wir nicht einmal daran denken, über die Karpathen zu gehen. Für den Fall eines Sieges des Vierverbandes wissen wir aus dem Munde des russischen Ministerpräsidenten, was uns bevorsteht. Rußland will die Meerengen, die Donaumündungen und Galizien. Bulgarien verstand, daß dann Rußland den Ueber- landweg nach Konstantinopel braucht. Deshalb ist es in den Krieg gegen Rußland eingetreten. Deshalb sehe ich es als unsere Pflicht an, gegen Rußland zu sein. Die rumänische Politik konnte und kann sich nicht von einer Vorliebe leiten lassen. Sie kann nicht in der Politik einer Großmacht völlig aufgehen. Sie wird immer jenem folgen, der in Europa die Fahne des Widerstandes gegen eine Invasion vom Norden entfaltet. Diese glorreiche Fahne ist in den .fänden der Mittelmächte. Den Bestand des rumänischen Staates dem nur vorübergehenden Interesse Rumäniens in anderer: Ländern unterzuordnen, wäre eine ganz irrige Politik. Die Karpathen frage wird nicht jenseits der Karpathen, sondern jenseits des Prntb gelöst.
Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede Carps sprach der Berichterstatter Marsescu, der die bisherigen Reden dahin zusammenfaßte, daß man der Regierung nicht vorwerfen könne, daß sie die Interessen des Landes preisgegeben hat.
Sodann sprachen als Vertreter der Konservativen Arion und Take Joneseu. Arion führte a'us, daß die konservative Partei eine Politik der Wirklichkeit machen wolle und wenn in Zukrmft die Lage ebenso wie heute sei, werde diese Zukunft an der Seite der Mittelmächte sein. Take Joneseu erwiderte zunächst auf die Rede Carps und seines Vorredners und «erklärte, er, wünsche festzustellen, daß der Führer der Opposition dem König und dem Mirttsterpräsideuten eine Denkschrift über den Eintritt Rumäniens in den Krieg iiberreicht haben. Was den Vertrag mit Serbien anbelange, so bestehe er. Der Redner erklärte, was seine Schrift von 1891 betreffe, so bestehe zwar scheinbar ein Gegensatz zu seinen heutigen Ansichten. Damals waren wir, sagte der Redner, auf den Krieg mit Rußland gefaßt und rechneten mit der Ueberschreitung des Pruth durch die Russen. Der Zweck der Schrift war also begreiflich.
Ministerpräsident Bratianu wies darauf hin, daß die Regierung über internationale Polittk nicht sprechen könne, das bedeute aber nicht, daß sie alles hier Gesagte billige. Sodann wurde die Adresse mit 82 gegen 2 Stimmen angenommen.
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lich des Jahreswechsels nachfolgendes Telegramm an Karser Wilhelm gerichtet:
Nach einem Jahre harter, aber auf allen Linien siegreicher Kampse treten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns Heere und Flotten rn ein neues Kriegsjahr. Bewundernd und dankbar ge- bcnft Oesterreich-Ungarns Wehrmacht beim Jahreswechsels Euerer Maiestat des erhabenen Kriegsherrn und ruhmgekrönten Führers verbündeten deutschen Kameraden und tteuen Bundesgenossen meiner Majestät nuferes allergnädigsten Kaisers und Königs. Namens der von mir befehligten k. und k. Streitkräfte bitte ich ^J^vtertänigst, daß Eure Majestät geruhen, unsere ehrfurchtsvollsten Neusahrswüns'che allergnädigst entgegenzunehmen. Möge das neue ^zahr uns alle der beseelenden Zuversicht Erfüllung brin- gen, m:t Gottes Hilfe unsere übermächtigen gemeinsamen Feinde gänzlich zu besiegen. Feldmarschall Erzherzog Fttcdrich.
Hierauf erwiderte der deutsche Kaiser:
Für Deine und der Dir unterstellen österreichisch-ungarischen Streitkräfte Neujahrswünsche danke ich herzlichst. Mit Dank für des Allmächtigen Beistand, aber auch mit berechtigtem Stolz können unsere verbündeten Heere aus das verflossene Jahr zurück- blrcken. Feste Waffenkameradschaft und edler Wettstreit in der Betätigung des Willens zum Siege waren die Losung, unter Melcher so schöne Siege erfochten wurden. Sie wird uns auch ferner die feste Zuversicht erhalten, mit Gottes Hilfe zu einem glücklichen E n d e r f 0 l g zu kommen. Dir und Deinen braven Truppen sage ich meine wärmsten Segenswünsche für die Arbeit des beginnenden Jahres. Möchte der Soldaten Tapferkeit und Beharrlichkeit unter Deiner Leitung den verdienten Lohn finden. Wilhelm.
Ein zentrales Geldinstitut in Ungarn.
Budapest, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Zwischen der Regierung und den 0 pposittonellen Patteien ist ein Uebereinkom men für eine Gesetzesvorlage über einzentralesGeld- i n st i t u t zustande gekommen. Die Regierung hat die Vorschläge der oppositionellen Parteien angenommen, deren Hauptpunkte ind, daß die Finanzzentrale nur für die Dauer von 5 Jahren geschaffen wird, und ohne besondere Verfügung nach diesen fünf Jahren liquidiert werden muß. Die Mitglieder der Finanzzentrale unterliegen nicht der Revision, wenn sie keinen Kredit in Anspruch nehmen, oder nicht die Revision selbst wünschen.
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Wilson unterbricht seine Hochzeitsreise.
V?^^? 7 ^k^ 0 iuia), 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wilson wird seine Hoch-
und heute nach Washington zurücklehren, um nch mit der neuen Lage, die infolge der Versenkung der " V f t a " eniitanden ist, befassen.
h , pa 3 Jan. (WTB. Nichtamtlick).) Meldung
des Reuterfchen Bureaus. Staatssekretär La n sing erklärte, er N^^^o^lter Penfield in Wien beauftragt, von Oesterreich- Aufschlüsse einzuholen, die dazu dienen können, ^ U-Bootes festzustellen, welches die „Per- 1 ra versenkt hat.
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q)rm^T ^ Nichtamtlich.) Der britische
® amvser ,,S t. Oswald rst versenkt worden.
^ Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des cmnn Bureaus. „Glengy le" war ein Dam p fer von Das Scküll England nach Wladiwostok fuhr.
5 derwnen, Paffagiere und Besatzung, an
^uk zwischen Port Smd und Malta. Alle Personen M 'auf drei Europäer und neben Chinesen sind gelandet.
London, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter,chen Bureaus. Der b r i t is ch e D amp f er „Glen - g Y l e ist v e r 1 e n k t worden; ungefähr 100 Personen wur-
Dampfer „Kenkvku ^ r 7 Erttoregistertonnen), gebaut im Jahre 1914, ftm r be versenkt. Dre Besatzung ist gerettet.
Au§ dem Reiche.
. ^^lin, 3. Jan. (WTB. Amtlich.) Ant 4. Jauuar 1916 tritt erne zweite Nachtrags V erord nung zu der Bekanntmachung betreffend Kautschuk (Gummis Gutta- percha, Balata und Asbest sowie von Halb- und u " ter J® etlueni>lm 0 dieser Rohstoffe v. 1.
Oesterreich-Ungarn und der Beginn des neuen Jahres.
Wien, 2 Jan. Aus dem Kriegspresseqnartier wird gemeldet: ^erue k und k. .Hoheit Armeeoberkommandant Feldmarschall Erz- lass^- bat nachstehenden Armeeoberkonrmandobefahl er-
„Jch habe im Namen der von mir befehligten österreichisch- ungarischen Stteitkräste Seiner k. und k. apostolischen Majestät unserem Mlergnädigsten Obersten Kriegsherrn alleruntettänigst folgenden Nemahrswunsch unterbreitet : Zum zweitennral ist es mir gegönnt, Euerer Majestät die tiefgefühlten Neujahrswünsche der im 0 -elde stehenden gesamten bewaffneten Macht alleruntertänigst Oarbrm^n zu dürfen. In- unerschütterlicher Zuversicht, deren Dolmetsch ich vor Jahresfrist in schwerer und drangvoller Zeit war, haben Armee und Flotte treu ihrem Gelöbnis und brüderlich ve^int mit dem tapferen Bundesgenossen im verflossenen Jahre nutzt nur alle Angriffe einer Well von Feinden bluttg abgeschlagen, sondern in unwiderstehlichem Angriffe weite Strecken des feindlichen Gebietes erobert und besetzt. Im Nordosten flattern Oesterrevch-Ungarns alte ruhmgekrönte Fahnen ttef im Herzen des übermächtigen Zarenreiches! Am Balkan fristen nur mehr die Trümmer des serbischen Heeres ihr Dasein! Serbien ist, so Gott A?'bndgüllig gestraft für sein ruchloses Vorgehen! Fest und unerschütterlich hält Oesterreich-Ungarns eherne Wacht im Südwesten alle verzweifelten Versuche eines schmählichen Verräters, uns in den Rucken zu fallen, blutig nieder! Mit raschen kühnen Schlägen tragt unsere brave Flotte Schrecken und Verwirrung in die Reihen ihrer übermächtigen Gegner und an deren Küsten. Eingedenk un- fa*? Soldateneides, in begeisterter Liebe und Verehrung' für Euere Majestät unseren allergnädigsten Kriegsherrn, wollen nur auch rm neuen ^ahre tapfer und unerschütterlich ausharren im Kampfe
Nicht bloß das Erreichte zu behaupten und zu befestigen sondern mit Gottes Hilfe neue Ehren und Siege zu erringen,'bis unsere übermächtigen Feinde zu Lande und zur See ganz nieder- genmgen sind, bis unserem geliebten Vaterlande ein ehrenvoller und dauerhafter Friede sicher ist. Mit diesem Gelöbnis bitte ich Euerer Majestät, die aus Millionen treuer Soldatenherzen kommenden Neujährswünsche allerimtertänigst unterbreiten zu dürfen Gott segne und erhalte unseren heißgeliebten Allerhöchsten Kriegsherrn auch un neuen Jahre zum Wohle des Vaterlandes, zur Freude und zum Heue der dankbaren tteuen Wehrmacht.
. ine Majestät geruhten. Allergnädigst folgende Antwort- depesche an mich zu richten: Die tiefgefühlten Neujährswünsche der rm Felde stehenden gesamten bewaffneten Macht, die Sie Mir soeben m beredten Worten ausgesprochen haben, Haber: Mich tief bewegt. Der Rückblick, den Sie auf das abgelaufene Kriegsjahr . lasst Mich mit stolzer Freude die Zuversicht ermessen die Merne Wehrmacht im Bewußtsein all der Erfolge erfüllt welche unsere und unserer kreuzen Verbündeten gegenwärtige .^Kriegslage kennzeichnen. Ist uns auch im Frühjahre mit Italien em . neuer Feind tückisch entgegen getreten, so haben doch die tapferen Landesverteidiger von Tirol und Kärnten und Meine heldenhafte Jsonzoarmee all feinen Anstürmen Trotz geboten Mit der Eroberung von Belgrad nach der glänzend ruhmvollen Ueversetzung der Donau und der Save, haben unsere und die deut- E^^ben ihre Fahnen weithin auf den Balkan getragen. Wohin blicke, sehe <zch zu Lande wie zur See imerschütterlich und vom orange nach vorwärts beseelt. Meine Wehrmacht im Norden wie im Süden kämpfen. Indem Ich für alle Gefühle rmd Gelöbnisse die ^:e M:r ausdrückten, wärmstens danke, erflehe Ich den Him- mclsfegen für Meine Wehrmacht, des Vaterlandes eherner Schild rn& scharws Schwert Franz Joseph m. p."
Ich bin beglückt, Miseren tapferen mb siegreichen Streit-, rräften zu Land und zur See diese Worte Allerhöchster Gnade und AnerkenTNMg verkünden zu dürfen. Sie werden uns bei allen impfen begleiten, die uns noch zur Vollendung des großen Weckes bevorstel)en, bis zur endgültigen Bezwingung unserer -seinde. Gott erhalle unseren Kaiser m:d König.
Erzherhog Friedrich m. p., Feldmarschall."
Ein Telegrammwechfel zwischen Erzherzog Friedrich und Kaiser Wilhelm.
Wien, 2 Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- preifeguartier wird gemeldet: Der Armeevberkommandant eldmarschall Erzherzog Friedrich hat anläß.
Die Kämpfe an den Dardanellen.
Konstantinopel, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich., Das Hauptaunrtier teilt mit: An der Dardanellenfront heftige Kämpfe und Bombenwürfe auf dem linken und rechten Flügel, sowie zeitweise aussetzendes Artilleriefeuer auf der ganzen Linie. Ein feindlicher Kreuzer und ein Monitor zogen sich nach zeitweiser Beschießung unserer Stellungen wieder zurück. Unsere Flieger überflogen die feindlichen Stellungen und machten gelungene Erkundungen. Bei Ari Burnu sind vierhundert Kisten mit Jnsanterie- geschossen, die vom Feinde verborgen waren, aufgefunden worden. Sonst keine weiteren Ereignisse. Der den Engländern an der Jrakfront abgenommene Monitor „Solmanpak" ist vollständig wieder hergestellt und nach Kut el Amara ab gegangen.
Aus dem Ministerium Asquith.
London, 3. Jmi. (WTB. Nichtamtlich.) „Daily Chro- nicle" meldet den Rücktritt des Staatssekretärs für innere Angeleghenheiten Sir John Simon.
Wie das Reutersche Bnvean meldet, hat sich die poli tische Lage infolge der Dienstpslichtvorlage verschlechtert; erstens demissionierte Ämon, ferner berichte eine Nachrichtenagentur, daß die Dienstpflicht auch aus Irland ausgedehnt werden solle, was wahrscheinlich zu Schwierigkeiten mit den Nationalisten führen werde, und schließlich würden die Arbeiter befürchten^ daß die Dienstpflicht für immer gelte. Das sei aber bereits wiederholt in Mrede gestellt worden und man erwarte nunmehr, daß Mc Kenna und Runciman im Kabinett verbleiben würden.
London, 2. Jl^n. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Auswärtige Amt hat eine neue Abteilung erhalten mit dem Namen Foreign Trade Department. Ihre Aufgabe wird sein, das neue Gesetz durchzuführen, tvodurch verhindert werdei: soll, daß britische Privatpersonen oder Gesellschaften mit feindlichen Untertanen oder Firmen im neutralen Anslande Handel zu treiben.
Englands Trnppenansstettungen.
London, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) „Sunday Times" berichtet, daß am 1. Februar vier weitere Gruppen Derby-Rekruten einberufen werden sollen. Sie bestehen aus Männern von 23 bis 27 Jahren.
Ottawa, 1. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Premierminister Robert Borde erklärt in seiner Neujahrsbotschaft an das kanadische Volk, daß 1915 250000 Mann bewilligt worden seien. Die Anmeldungen hätten diese Zahl fast schon erreicht. Vom Neujahrstage 1916 an betrage die Zahl der bewilligten Truppen 500 000 Mann.
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montiert und unmonttert), mit Garantte, Fahrradschlänche (montiert und unmontiert), mit Garcntte, die bisher mir Edepflrchtig waren, ebenfalls beschlagnahmt. Diese Geqen- starwe dürfen vom 4. Januar 1916 ab in Bayern nur noch an d:e ^raindepvts des 1. und 2. bayerischen Armeekorps m Sachser: nur noch an die Königliche Mnnittonssabrik in Dresden :n Württemberg nur noch an die .MnilcMche wurttembergi)che Arttllerie- und Traindepotdirektion und in sämtlichen übrigen Bundesstaaten nur noch an die Wnia- ichen Gewehrfabriken in Spandau, oder an deren durch schriftlichen Auftrag ausgewiesenen Beauftragte verkauft oder geliefert werden. Es wird besonders darauf hingewie- seu, daß die Meldepflicht für Feihrradschläuche und Fahrrad- decken nicht geändert wird. Der Wortlaut dieses Nachtrags- beschlusses ijt bei den Polizeibehörden einzusehen.
Oldenburg, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Großherzog bestätigte das Abschiedsgesuch des Finanzministers Ru Hst rat I und verlieh ihm den Titel Staatsminister. Sein Nachfolger als Fnanz- und Eisenbahnminister wird der bisherige Estenbahndirekttonspräsident Graepel. -Vorsitzender des Miui- fteriums ist jetzt Minister Ruhstrat II, Minister für Justiz. Kirchen und' Schulen.
^ 3. Jan. (WTB. Amtlich.) Au die Festsetzung der
Hochstpreisgrenzen für Gemüse hat sich in den Kreisen der Gemüsezüchter und Landwirte die Befürchtung geknüpft, der Anbau von Gemüse, insbesondere von Frühgemüse, möchte de: den inzwischen weiter gesteigerten Erzeugungskosten und Schwierigkeiten nicht mehr lohnend sein. Demgegenüber sei betont, daß die Höchstpreisfestsetzung vom 4. Dezember 1915 nur die Erzeugnisse der Ernte 1915 umfaßt.
Berlin, 2. Jan. Ter Gesanttverein des Allg-cuteineu Teutschen Sprachvereins hielt am 2. d. Mts. unter dem Vorsitz des Wirkt. Geheimen Oberbaurats Dr. O. Sarrazin seine Jahresversammlung ab, die aus allen Gauen des Deutschen Reiches und aus Teutschösterreich (Wien, Graz, Reichenberg usw ) zahlreich besucht war. Die Beratungsgegenstände betrafen meist innere Vereinsangelegenheiten. An den Reickfskanzler richtete der Vorftand eine Eingabe, bei allen deutschen Behördeu dahin wirken zu wollen, daß bei dem sicher zu erwartenden Bedarf an deutschen Lehrkräften aller Art — Lehrern und Lehrerinnen, Lehroffiziereu, Lehrbeamten —, an deutschen Kaufleuten usw. für den nahen Osten, besonders für die Türkei nur solche Personen amtlich berücksichtigt und empfohlen werden, die es als vaterländische Ehrenpflicht betrachten, ihre Aufgaben in echt deutschem^ Geiste zu erfüllen und die gewillt sind, in Leben und Lehre die Reinheit der deutschen Sprache zu wahren und zu pflegen. Dem Ersuchen des Sprachvereins an den preußischen Eisenbahnmiirister, dem früheren „Orient-Expreßzug" bei seiner- Wiederttnführimg eine deutsche Benennung zu geben, ist durch den Nomen „Balkanzug" entsprochen worden. In den Vorstand neugewählt wurden die Herren Oberlandesgettchtsrat Teinhardr in Jena und Baumeister Tipl.-Jng. Wundram in Hamburg. Trotz der schweren, durch den Krieg erlittenen Verluste ist die Mitglieder- zahl des deutschen Sprachvereins auf niehir als 37 000 angewachsen, die Zahl seiner Zweigvereine auf 322, darunter drei in den Vereinmten Staaten von Amerika kürzlich neugegründete Zweige in Chicago, Los Angeles (Kalifornien) und ©-an Fran- zisco.
Der 5eekrieg.
Zum Untergang der „Perfia".
London, 3. Jan. (WTB>. Nichtamtlich.) Wie Lloyds Agenttrr meldet, befinden sich unter den U e b e r l eb'e nden der „Persia" 59 Passagiere, darunter 17 Frauen, 35 Mann der weißen Besatzung und 59 Lasbaren. Eine andere Meldung besagt, daß der amerikanische Konsul in Aden! vermißt wird.
London, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reifterschen Bureaus. Ein FahrgastdesDampfers „Per s i a" hat folgenden Bericht über den Untergang des Schiffe^ hierher telegraphiert: Der Dampfer wurde 40 Seenreilen südlich von Kreta von c in emTorpe dogetroffen. EinUnter- s e e b o o t v e r s n ch t e H i l f c z u l e i st e n , aber es war unmöglich. Die Steuerbordboote konnten wegen Ueberholens des Schiffes nicht zu Wasser gebracht werden. Im ganzen kamen 'fünf bis sechs Boote zu Wasser. Die Haltung der Fahrgäste und der Besatzung war vorzüglich. Es entstand keine Panik und keine Verwirrung. Vier Rettungsboote wurden, nachdem sie 30 Stunden gettieben hatten, von einem Kriegsschiff aufgenominen. Nack) anderen Nachrichten wird in der Umgebung der Stelle, wo der Danrpser gesunken ist, gesucht.
London, 3. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Times" er- ährt aus Kairo vom 2. Januar: Dst Ueberlebenden der „Per- ia" erzählen, der Dampfer wurde V/ 2 Uhr nachmittags getroffen. Es war nicht möglich, die Boote nieder zu lassen. Die „Persia" sank binnen fünf Minuten. Zwei 'Voote voll Menschen wurden mit ihr mitgerissen, da keine Zeit war, die Seile zu kappen. Vier Boote vermochten wegzukommen und wurden nach 30 Stunden von einem Dampfer ausgenommen. Verschiedene Schiffe fuhren vorbei, wagten aber nicht, Hilfe zu bringen, da sie offenbar einen Hinterhalt befürchteten. Die Ueberlebenden, die gestern abend in ^Mexandria angekommen sind, waren der erste ^Dteuermann, der zweite Steuermann, sieben Ma- nisten und 27 Matrosen, 63 Laskaren und 59 Passagiere. Unter den Opfern befindet sich Oberst B i g h a m und der Amerikaner Grant, der Vertreter der Vakuum Oil Co. Der amerikanische 5? o n s u l in Aden, Max N e e l y, ist ertrunken. Ein anderer Amerikaner namens Rose wurde in Gibraltar ans Land gebracht.
A«» Stadt «nd Land.
Gießen, 4. Januar 1916.
Weihnachtsfeier einer Landwehrkompagnie im Osten.
Ein Gieße ne r, der einem schlesischen Lcrndweyt- bataillon zugeteilt ist, gäbt uns folgende Weihnachtssckftl- derung ans dem Osten:
Heiliger Abend!! Ringsum große Schneefelder, ein scharfer Nordwind fegt über die wefte Ebene dahin, heult durch die jungen Tannen. Auch unsere Kompagnie soll eine lleme Feier haben, darauf bereitet sich nun alles- vor. Schon am Vormittage ruht alle alltägliche Arbeit im Lager. Weihnachtsbäume werden geschmückt, schlicht und einfach. Das Fest soll auf echt deutsche Art gefeiert werden. Große Kisten mit Liebesgaben sind angekommen. Tie Korporale haben alle 5)ände voll zu tun, um die Weihnachtstische für ihre Leute herzurichten, jeder soll eine lleine Freude haben. Nachmittags tritt die Kompagnie an zur Weihnachts- andacht unter freiem Himmel, auf dichtverschneiter Erde. Mit Begleitung der Regimentskapelle braust ernst und feierlich das schöne Lied „O du fröhliche, o du selige" aus vieler: rauhen Kehlen zum Himmel empor. Ernst und mahnend llingen die schlichten Worte des Pastors jedem einzelnen ans Ohr. Ueber manches harte, durchfurchte Gesicht, das Spuren all der Entbehrungen und Härten dieses Ktteges ttägt, rollt eine heiße Träne in den Bart. Tie Worte des Pfarrers gehen auch iWen ans Herz und machen sie weich gestimmt. Ihre Gedanken fliegen dahin über die weite, verschneitt-Ebene, hin zu den Lieben in d^r Heimat. Die Predigt ist vorüber: es folgen einige Gebete und die Lieder „Sülle Nacht, heilige- Nacht" und „Großer Gott wir loben dich." Eine kleine Ansprache unseres Regiinentskomman- deurs, der mich jedem einzelnen Grüße an die Angehöttgen der Heinrat anfträgt, beschließt die würdige Andacht. Kurz vor 5 Uhr tritt die Kompagnie nochmals zusammen. Unser Kompagnie- sührer erscheint zu einer kleinen Ansprache. Ern von einigen guten Sängern eingeübter Choral Ningt durch die abendliche Stille dahin. Zum Schlüsse heftet der Hauptmanu einigen Mn:eraden das Eiserne Kreuz an die Brust. Tann geht es zurück in die Unterstände, jede Abteilung für sich, zur eigentlichen Weihnachtsfeier und ^Bescherung. Ter Weihiiachtsbaum wird angezündct, und im Scheine der Kerzen iverden von den Korporalen die Gaben aus^ der Heimat verteilt. Don den Kompagnien werden Zigarren, Zigarettcr: und Würste verteilt. So ist jeder reich be-


