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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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Mais. Sie hat ſich ſeit alten Zeiten bei uns eingebürgert, und wir werden ſie wohl niemals ganz fallen laſſen, wenn ſie ſich auch mit unſeren Hauptgetreidearten: Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer in bezug auf allgemeine wirtſchaftliche Bedeutung nicht meſſen kann. Ihre Frucht⸗ barkeit und der liebliche Geſchmack ihrer nahrhaften Körner mögen die Urſache ſein, daß ſie in gewiſſen Gegenden zu einer Art Nationalgericht geworden iſt, denn bekanntlich darf der Hirſebrei in den ehemals ſlaviſchen Provinzen des deutſchen Reiches bei keiner Hochzeit oder Kindtaufe auf dem Tiſche fehlen. Mit der Entwicklung des Verkehrs iſt freilich die Hirſe in neuerer Zeit mehr und mehr durch den Reis aus ihren alten Rechten verdrängt worden; doch halten die konſervativen Bauersfrauen bei den genannten Feſtlichkeiten auch heute noch an dem Hirſebrei feſt.

Boden. In landwirtſchaftlicher Beziehung hat die Hirſe das für ſich, daß ſie ſich zur Ausnutzung gewiſſer Bodenverhältniſſe vorzüglich eignet. So gibt ſie namentlich ſehr hohe Erträge auf humoſem Neubruch und auf dem humusreichen Schlamm trocken gelegter Teiche. Sonſt liebt ſie den kräftigen, warmen, humoſen Sandboden, während ihr kalter, feuchter und ſchwerer Boden nicht zuſagt. Sie gedeiht indeſſen auch auf ziemlich bündigem Boden, wenn derſelbe nur eine warme und trockene Lage hat. Denn WärmeV iſt bei dieſer Pflanze die erſte Bedingung.

Nächſtdem iſt es wichtig, daß ihr reines Land zugewieſen wird, da ſie bei ihrem anfänglich ſehr langſamen Wachstum ungemein vom Unkraut leidet. Deshalb folgt ſie am beſten nach gedüngten Hackfrüchten, während friſche Stallmiſtdüngung wegen der Begünſtigung des Unkrauts möglichſt zu vermeiden iſt. Höchſtens iſt eine Düngung mit Rindvieh⸗ miſt im Herbſt zuläſſig.

Saatzeit. Wegen der Froſtgefahr darf die Hirſe erſt ſpät, Mitte und Ende Mai geſäet werden. Selbſt noch Ende Juni kann die Aus⸗ ſaat ſtattfinden, weil die Vegetationszeit der Pflanze nur eine kurze iſt. Immerhin iſt jene frühere Saat vorzuziehen, weil ſie ſchönere und reichlichere Früchte liefert.

Sorten. Was die Sorten betrifft, die man zum Anbau zu wählen hat, ſo iſt zu bemerken, daß die Hirſe in drei Varietäten vorkommt, welche als Flatterhirſe, Klumphirſe und Dickhirſe bezeichnet werden.

Die Dickhirſe mit zuſammengezogener und aufrechter Riſpe iſt für den Anbau ohne Bedeutung.

Die beiden übrigen Varietäten unterſcheiden ſich dadurch, daß bei der Flatterhirſe die Riſpe ausgebreitet, nach allen Seiten über⸗ hängend iſt, während die Klumphirſe eine zuſammengezogene, nach einer Seite überhängende Riſpe beſitzt.