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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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Irſter Abſchnitl. Einleitende Betrachtungen.

1. Was verſteht man unter Getreide?

Nach dem Vorgange von Thaer, Koppe und Schwerz, den Kory⸗ phäen der deutſchen Landwirtſchaft, bringen wir die Geſamtheit der landwirtſchaftlichen Kulturpflanzen in folgende fünf Abteilungen:

1. Halmfrüchte. 2. Hülſenfrüchte. . Futtergewächſe. .Knollen⸗ und Wurzelgewächſe. Handelsgewächſe.

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Dieſe Einteilung entſpricht zwar den Anforderungen, welche man an ein wiſſenſchaftliches Syſtem ſtellt, inſofern nicht vollſtändig, als ſie nicht auf einheitlichen und gleichartigen Prinzipien beruht; dennoch iſt es die beſte, die es gibt, und es wird ſchwerlich gelingen, ſie durch eine andere zu erſetzen, welche ebenſo einfach, überſichtlich und umfaſſend iſt, wie die obige. überdies hat letztere den großen Vorzug, daß ſie einge⸗ bürgert und geſchichtlich begründet iſt. Man kann vom hiſtoriſchen Ge ſichtspunkte aus mit Recht behaupten, daß ſich in der vorliegenden Ein⸗ teilung der Kulturpflanzen die ganze Entwicklung der mitteleuropäiſchen Landwirtſchaft wiederſpiegelt.

Wenn uns nun die Aufgabe geſtellt iſt, eine Anleitung zum Ge⸗ kreideban zu ſchreiben, ſo müſſen wir zunächſt feſtſtellen, was unter Getreide zu verſtehen ſei. Dies iſt um ſo notwendiger, als der Begriff des Getreides bald enger, bald weiter gefaßt wird. Einige ver⸗ ſtehen nämlich unter Getreide ausſchließlich die Halmfrüchte. Andere rechnen die Hülſenfrüchte mit hinzu. Noch andere dehnen den Begriff des Getreides auch auf gewiſſe Handelsgewächſe aus. Manche gehen

Getreidebau. 1