noch weiter, indem ſie ſämtliche Ackerbaupflanzen, welche Körner tragen, unter der Rubrik: Getreide zuſammenfaſſen.
Wollen wir planmäßig und zielbewußt zu Werke gehen, ſo werden wir uns dieſer Verſchiedenheit der Anſichten gegenüber nicht mit der Redensart behelfen:„Die Wahrheit liegt in der Mitte“, noch weniger werden wir uns beliebig oder willkürlich für dieſe oder jene Anſicht ent— ſcheiden, ſondern wir werden es uns angelegen ſein laſſen, darüber ins Klare zu kommen, welche Anſicht die richtige oder wenigſtens die am meiſten berechtigte iſt, und dieſer Anſicht werden wir folgen.
Wir berufen uns auch hier wieder auf unſere Lehrmeiſter. Schon Thaer hat ſich die Frage geſtellt, was unter Getreide zu verſtehen ſei, und er beantwortet dieſelbe in ſeinen„Grundſätzen der rationellen Land⸗ wirtſchaft“ klar und beſtimmt, wie folgt:„Im engeren Sinne des Worts werden unter Getreide nur die halmtragenden oder grasartigen Früchte verſtanden, die wir ihrer größeren und nahrhafteren Samenkörner wegen bauen. Andere begreifen zwar die ſämtlichen Früchte darunter, welche der nahrhaften Körner wegen hauptſächlich angebaut werden; da indeſſen jene eine ausgezeichnete Natur haben, worin ſie untereinander mehr als mit den übrigen übereinſtimmen, ſo eignen wir das Wort Getreide beſtimmter den grasartigen Kornfrüchten an, und begreifen die ſämt⸗ lichen Kornfrüchte beſſer unter dem Namen Korn oder Körner“. In völliger Übereinſtimmung hiermit ſagt Schwerz in ſeiner„Anleitung zum praktiſchen Ackerbau“:„Die Pflanzen, welche wir unter dem Namen Getreide bauen, gehören zu dem Geſchlechte der Gräſer“, und in der Überſicht der Kulturpflanzen ſtellt er die beiden Ausdrücke:„Halm⸗ früchte oder Getreide“ als gleichbedeutend neben einander. Ebenſo beſchränkt Koppe in ſeinem„Unterricht im Ackerbau und in der Viehzucht“ den Begriff des Getreides auf die Halmfrüchte oder Cerealien.
Thaer, Schwerz und Koppe haben ſich hierbei dem herrſchenden Sprachgebrauch angeſchloſſen, und das ſcheint uns das Richtige zu ſein, denn in der Sprache offenbart uns ein Volk ſein Denken und ſeine Geſchichte.
Hiernach verſtehen wir unter Getreide nichts anderes, als die Halmfrüchte. Wir haben es demgemäß ausſchließlich mit der erſten Gruppe der eingangs gegebenen Überſicht der Kulturpflanzen zu thun, und die Gewächſe der übrigen Gruppen fallen nicht in den Bereich unſerer Aufgabe.


