2. Die Getreidearten gehören in die Familie der Gräſer oder Gramineen.
Wenn der praktiſche Landwirt von Gras oder Gräſern redet, ſo denkt er dabei zunächſt an die Wieſen⸗ und Weidegräſer oder an die grasartigen Unkräuter, die auf den Feldern wachſen; es kommt ihm da⸗ gegen für gewöhnlich nicht in den Sinn, den Weizen, den Roggen und die ſonſtigen Getreidearten mit zu den Gräſern zu rechnen.
Dieſe Anſchauung hat ihre Berechtigung; denn in der That iſt Getreide etwas anderes als Gras, und vom landwirtſchaftlichen Standpunkte aus betrachtet, iſt es ganz in der Ordnung, die Getreide⸗ arten den übrigen Gräſern als etwas Beſonderes gegenüberzuſtellen.
Andererſeits iſt es für jeden, der ſein Gewerbe mit Einſicht und mit Verſtändnis betreiben will, unerläßlich, ſich auf einen allgemeineren Standpunkt zu erheben und ſich bewußt zu werden, daß die Getreide— arten mit den übrigen Gräſern zuſammen in eine und dieſelbe Pflanzen⸗ familie gehören.
Wir haben daher kurz auseinanderzuſetzen, auf welchen Merkmalen, Eigenſchaften und Verhältniſſen a) die Zuſammengehörigkeit und b) die Gegenüberſtellung von Getreide und Gras beruht.
a. Worauf beruht die Zuſammengehörigkeit von Getreide
und Gras?
1. Wurzel.— Die Getreidearten ſtimmen hinſichtlich der Wurzel— bildung mit den übrigen Gräſern im weſentlichen überein. Eine Haupt⸗ oder Pfahlwurzel, wie wir ſie bei dem Raps, der Lupine, der Luzerne und anderen Gewächſen finden, kommt bei den Gräſern nicht vor. Die junge Graspflanze zeigt zwar häufig ein der Hauptwurzel entſprechendes Organ; dasſelbe iſt aber von untergeordneter Bedeutung, denn es wird ſehr bald von den aus dem Keimling und aus den unteren Knoten der Halme hervortretenden Seitenwurzeln im Wachstum überholt.
Wir können daher kurz ſagen: Die Wurzel der Gräſer iſt eine Faſerwurzel.
Letztere beſteht aus einer größeren oder geringeren Anzahl meiſt feiner und ſehr feiner fadenförmiger Gebilde, Faſern oder Zaſern ge— nannt, welche ſowohl in ſenkrechter, wie in wagerechter und ſchiefer Richtung, mannigfach verzweigt und gekrümmt, überwiegend in der oberen Schicht des Bodens ſich verbreiten. Jede Faſer iſt an der Spitze mit der Wurzelhaube bekleidet, welche ihr bei der Durchbohrung des B
Bodens zum Schutze dient.


