Mehl zum Schlichten der Baumwollengewebe benutzt wird. Hat man, was ſelten der Fall ſein wird, Veranlaſſung, die Pflanze anzubauen, ſo behandelt man ſie wie die Hirſe. Die übrigen drei Getreidearten: Mais, Hirſe und Fennich wollen wir, gemäß der Bedeutung, die ſie für unſere Verhältniſſe haben, mehr oder weniger ausführlich beſprechen.
Der Mais, Zea Mays.
Es gibt eine odſchibwäiſche Sage von einem himmliſchen Jüngling
h. als„Geiſteskorn“ wieder aus dem Grabe ſprang.* Der Mais war die heilige Pflanze zur Zeit der Inkas in Peru, von welcher alljährlich in dem berühmten Tempel am Titicacaſee dem Sonnengotte Körner zum Opfer dargebracht wurden, und ebenſo wurden
₰
Fig. 160. Spelzmais, Zea Mays tunicata.
bei den Mexikanern die Erſtlinge der Maisernten der Göttin des Land⸗ baus dargebracht, welche vom Getreide den Namen(Centeotl) trug, wie bei den Römern die Ceres und bei den Griechen die Demeter.**)
Wir führen dies an, um zu zeigen, daß die Rothäute Menſchen ſind, ſo gut wie wir. Zugleich aber auch, um zu betonen, daß der Mais aus Amerika ſtammt. Dort iſt ſeine eigentliche und einzige Heimat. Die Europäer haben ihn an den Weſtküſten Südamerikas, wie in Virginien, überall in Kultur gefunden, wo ſie das Land betraten. Dadurch iſt es erſchwert, mit Sicherheit auszumitteln, in welcher Gegend dieſes großen Weltteils er ſich urſprünglich vorfand. Doch verdient
*) E. B. Tylor, Die Anfänge der Kultur, deutſch von Spengel und Poske, 1873, I, S. 400.
**) O. Heer, Über Vaterland und Verbreitung der nützlichſten Nahrungspflanzen. Vortrag, 1847, S. 10. Dort ſind zugleich die Gründe dargelegt, weshalb der Mais amerikaniſchen, und nicht zugleich auch aſiatiſchen Urſprungs iſt. Wir fügen hinzu, daß die Chineſen ihn erſt in der Mitte des 16. Jahrhunderts von den weſtländiſchen Völkern, d. h. Portugieſen, erhielten. E. Bretſchneider bei Körnicke a. a. O. S. 355, wo ausfüͤhrlicher uͤber dieſe Frage gehandelt wird.


