halte ich die Abänderung für ſpontan. Körnicke wird und kann nun aus dieſen Zwiſchenformen eine neue Stütze für ſeine Theorie herleiten; man kann die Erſcheinung der Vier⸗ oder Sechszeiligkeit an der Spitze der zweizeiligen Ähren aber auch als einen Rückſchlag auffaſſen.
Kurz, es iſt noch nicht ausgemacht, ob die erſte Kulturgerſte eine ſechszeilige oder eine zweizeilige Form war, und es bleibt zweifelhaft, ob die Kulturgerſten in der Weiſe, wie es Körnicke annimmt, aus dem wildwachſenden H. spontaneum entſtanden ſind. Die von K. ſo ſehr betonte Zerbrechlichkeit der Ährenſpindel ſpricht mehr gegen als für dieſe Annahme. War oder iſt die Spindel ſo zerbrechlich, daß,„wenn man die Gerſte auch einige Zeit vor der völligen Reife ſchneidet, es doch nicht möglich iſt, ſie aufzuheben, indem die Ähren in einzelne Stücke zerfallen liegen bleiben“, ſo muß vom landwirtſchaftlichen Geſichtspunkte aus be— trachtet eine ſolche Pflanze für die Kultur im höchſten Grade ungeeignet erſcheinen. Dagegen läßt ſich mit der ſechszeiligen Gerſte der Pfahl— bauern, die ich im Jahre 1871 in faſt unveränderter Form mit nur 3 cem langen Ähren im Berner Oberlande auf einem kleinen Feldchen gefunden habe, eher anfangen und wirtſchaften. Wenn wir dahin neigen, dieſe kleine ſechszeilige Pfahlbauergerſte als die älteſte und erſte Kultur⸗ form zu betrachten, ſo möchten wir damit doch nicht die Möglichkeit aus⸗ ſchließen, daß der Menſch auch eine zweizeilige Gerſte mit nicht zerbrech— licher Spindel, vielleicht die Pfauen- oder Fächergerſte(2), aus den Händen der Natur empfing.
Trotz den nachgewieſenen Übergangsformen halten wir aus dem weiter oben S. 257 dargelegten Gründen die Trennung der Arten auf— recht; und die praktiſchen Landwirte, die hier doch auch ein Wort mit⸗ zureden haben, werden ſich wohl nie dazu verſtehen, die zweizeilige und die vierzeilige Gerſte zu einer Art zu vereinigen. Zu dieſen beiden Arten gehören alle Sorten, welche für die Kultur in Deutſchland Be⸗ deutung haben. Alle übrigen Arten, Varietäten und Sorten laſſen wir bei ſeite; ebenſo diejenigen mit ſchwarzen und mit nackten Früchten, bezw. Scheinfrüchten, wenn ſie auch zu den beiden erſtgenannten Arten gehören.
herleiten, daß die beiden Klappen an dem Ahrchen der Gerſte nicht, wie Körnicke will, als die beiden Teile einer und derſelben Klappe aufzufaſſen ſind, ſondern daß ſie viel⸗ mehr der unteren und oberen Klappe bei den anderen Gräſern, z. B. bei Elymus arenarius und bei Secale cereale, entſprechen, wie denn auch E. Hackel(Bot. Cen⸗ tralblatt 16(1883) S. 172) nachgewieſen hat, daß die beiden Klappen der Gerſte bei ihrer Anlage ſich gegenüberſtehen und erſt bei ihrer weiteren Ausbildung mehr oder weniger nahe nebeneinander zu ſtehen kommen.


