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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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5. Die vierzeilige Gerſte iſt heutzutage viel gemeiner und anerkannter⸗ maßen nutzbarer und wertvoller, als die ſechszeilige Gerſte. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß die vierzeilige Gerſte jünger iſt, als die ſechs⸗ zeilige, da nach dem Grundſatz der Zuchtwahl die beſten Kulturformen die letzten ſind.

6. Die edelſte, vollkommenſte, gegenwärtig in Mitteleuropa am meiſten kultivierte, in England vorzugsweiſe oder ausſchließlich ge⸗ baute Form iſt die zweizeilige Gerſte. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß ſie die jüngſte Kulturform iſt.

7. Der Anbau der echten ſechszeiligen Gerſte hat faſt gänzlich auf⸗ gehört. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß ſie die älteſte Kulturform iſt.

Wie man ſieht, kommen die Sätze 3 bis 7 gerade auf das Gegen⸗ teil von dem hinaus, was Körnicke annimmt.

Daß die Formen der kultivierten zweizeiligen, vierzeiligen und ſechs⸗ zeiligen Gerſte auseinander hervorgegangen ſein können, muß zugegeben werden. Die Zwiſchenformen, die Körnicke und andere gefunden, bezw. gezüchtet haben, ſtellen die Möglichkeit einer ſolchen Entwicklung außer Zweifel. Ich ſelbſt kann beſtätigend hinzufügen, daß ich im Auguſt 1885 in der Gegend zwiſchen der Stadt Berleburg und dem hohen Aſtenberg auf einem Felde, das mit zweizeiliger Gerſte, gemengt mit etwas vier⸗ zeiliger, beſtellt war, in Zeit von einer halben Stunde eine ganze Hand voll Ähren geſammelt habe, welche im unteren Teil(etwa zu der Länge) regelmäßig zweizeilig, in dem oberen Teile dagegen vierzeilig oder ſechszeilig waren. Bei keiner Ähre zeigte ſich eine derartige Ab⸗ änderung an dem mittleren oder unteren Teil-). Aus dieſem Grunde

*) Auf demſelben Felde fand ich auch eine Anzahl zweizeiliger Ahren mit je einem Zwillingskorn, d. h. es befanden ſich je zwei vollkommen entwickelte, mit Keimling und Laͤngsfurche verſehene, nackte Körner unter einer gemeinſchaftlichen Deckſpelze, deren Granne zuweilen einfach, zuweilen aber merkwürdigerweiſe bis zum Grunde geſpalten war. Fig. 158 zeigt das normale Ährchen der zweizeiligen Gerſte mit einem Korn. einer Deckſpelze, einer Granne und zwei Klappen; Fig. 159 zeigt das abnorme AÄhrchen mit einem Zwillingskorn, einer Deckſpelze, zwei Grannen und zwei Klappen; bei beiden Figuren in zweifacher Vergrößerung. Um die Stellung der Zwil⸗ lingskörner, von außen und oben geſehen, ſichtbar zu machen, iſt die darüber liegende Deckſpelze zum größten Teil fortgenommen worden, und die beiden Klappen ſind rechts und links daneben gezeichnet.

Da derartige Zwillingskörner nicht blos einmal, ſondern auf dem betreffenden Felde ziemlich haͤufig und zwar immer nur an dem mittleren Teil der Ähre vorkamen, ſo möchte ich die Erſcheinung nicht für ein zufälliges Naturſpiel, ſondern für einen Ruͤck⸗ ſchlag erklären. Iſt dieſe Annahme richtig, ſo ſcheint das Vorkommen der Zwillings⸗ körner in Verbindung mit der Teilung der Granne dafür zu ſprechen, daß das Ahrchen der Gerſte urſprünglich zweibluͤtig war und durch Verwachſung der beiden Bluͤtchen nach und nach einblütig geworden iſt. Hieraus ließe ſich ferner eine Stütze fuͤr die Anſicht