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Roggen ſchon eine zähe Spindel beſaß und bereits einjährig war, als er zuerſt in Kultur genommen wurde,— wer will das Gegenteil beweiſen?
Nach A. Regel gibt es in Zentralaſien auch eine großfrüchtige Form; da haben wir alſo ſchon eine Abänderung. Sucht man weiter nach, ſo wird man vielleicht die eigentliche Stammform des Kultur⸗ roggens noch finden. Vorläufig haben wir in jener angeblichen Stamm⸗ form weiter nichts als ein Futtergras, welches mit unſerem Roggen in eine Gattung gehört. Es genügt uns nicht, irgend eine indirekte Stamm⸗ form zu kennen; wir wollen wiſſen, welches der direkte Vorgänger war. Wie ſah die Pflanze aus, von welcher der Menſch die Körner zur erſten Ausſaat ſammelte? Wo wuchs ſie wild, wo war das erſte Kulturfeld,
Fig. 156. Keimling des Roggens, Secale cereale, mit vier deutlichen und einem fünften undeutlichen Würzelchen. k das Keimpflaͤnzchen, s das Schildchen. 1 Vergrößerung 12 fach.
und wer war der erſte Anbauer? Das ſind die Fragen, die uns intereſſieren, und auf dieſe Fragen iſt uns die Wiſſenſchaft bis jetzt die Antwort ſchuldig geblieben.
Die Hauptſache iſt und bleibt indeſſen, daß wir die Kulturpflanze haben. Wir freuen uns im Beſitz. Und wir wollen ſie immer mit Liebe hegen und pflegen, denn ſie liefert uns unſer tägliches Brot und nebenbei ein vortreffliches Stroh.
Der Roggen wechſelt nicht ſo viel die Farbe und die Form, wie die übrigen Getreidearten, er iſt von allen am meiſten konſervativ. Er ſchmiegt ſich dem Klima und paßt ſich dem Boden an, aber bei alle⸗ dem gilt für ihn das Wort: Immer derſelbe!


