— 265— Die engliſchen Sorten ſind durchweg weniger widerſtandsfähig gegen den Winter, als die deutſchen, polniſchen und ruſſiſchen Sorten. Doch laſſen ſich die engliſchen Sorten mit der Zeit akklimatiſieren und namentlich auch dadurch erhalten, daß man die Ausſaat früh, etwa 14 Tage vor Michaeli, vornimmt, denn es hat ſich herausgeſtellt, daß diejenigen Pflanzen auswintern, welche bei Eintritt des Froſtes nur Keimwurzeln, während diejenigen Pflanzen durchkommen, welche bereits Kronenwurzeln entwickelt haben. Der Teil der Pflanze, welcher der Zerſtörung durch den Froſt anheimfällt, iſt das rhizomartige Glied zwiſchen dem Samenkorn und dem Beſtockungsknoten(Vergl. Fig. 59. und 63).
Gegen Näſſe des Klimas und des Bodens iſt der Weizen weniger empfindlich, als der Roggen. Dürre ſchadet ihm auf bündigem Boden nicht erheblich; auf leichterem Boden leidet er aber ſehr durch trockenes Wetter.
Boden.— Bündig, thon⸗, kalk⸗ und talkhaltig. Höchſte Erträge auf reichem, tiefgründigem Thon⸗ und Thonmergelboden. Feinſte Qualitäten auf kräftigem, mildem Lehm und Lehmmergel. Er gedeiht in friſcher Lage auch auf ſandigem Lehm und Lehmmergel, wenn man eine paſſende Sorte auswählt. Auf lehmigem Sande iſt der Roggen, auf magerem Thon iſt der Hafer dem Weizen vorzuziehen. Die loſen Sand⸗, Grand⸗ und Kiesböden, ſowie die Humusböden(Riet- Moos⸗ und Heidehumus) ſind für den Weizen ausgeſchloſſen.*)
Stellung in der Fruchtfolge.— Beſte Stellung nach reiner Brache. Je ſtrenger der Boden, deſto notwendiger die Brache.
Gute Vorfrüchte: Raps, Rübſen, Kohl, Tabak, Hanf und Bohnen, zu denen ſtark gedüngt worden.
Zu den guten Vorfrüchten gehört auch der Klee, beſonders der ein— jährige.
Weniger gute Vorfrüchte: Grünwicken und Lein, noch ſchlechtere: Samenwicken und Erbſen.
Schlechte Vorfrüchte ſind ferner: Grünmais und Hackfrüchte, es ſei denn, daß letztere früh abgeerntet werden. Dagegen kann Sommerweizen nach Hackfrüchten folgen.
Weizen nach Halmfrüchten empfiehlt ſich nicht, am wenigſten Weizen nach Weizen.
Düngung.— Der Weizen beanſprucht einen großen Vorrat an Nahrung. Doch iſt al
te Kraft beſſer, als friſche Stallmiſtdüngung.
*) Eine Einteilung und Beſchreibung der Bodenarten findet man in: A. Nowacki, Kurze Anleitung zur einfachen Bodenunterſuchung 1885.


