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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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Ohne Vertrauen im Samenhandel kann man ſich zu vergleichenden Verſuchen mit neuen Sorten nicht entſchließen. Daß aber, wenn dieſe Vorbedingung erfüllt iſt, auch bei dem verpönten Pröbeln etwas heraus⸗ kommt, lehrt ein Blick auf die S. 179 mitgeteilten Verſuche in Rothamſted. Wir finden dort 22 Weizenſorten nebeneinander unter gleichen Verhält⸗ niſſen angebaut. Der höchſte Ertrag, dem Maße nach, hat Nr. 2, den niedrigſten hat Nr. 17 geliefert; die betreffenden Zahlen ſind:

51,8 hl pro ha- 31,4 ifferenz: 20,4 hl pro ha.

Berückſichtigen wir das Hektolitergewicht, ſo ſtellt ſich der Ertrag bei Nr. 2 am höchſten, bei Nr. 16 am niedrigſten; die betreffenden Zahlen ſind:

D

3729,6 kg pro ha 23360,0 e

Differenz: 1368,7 kg pro ha.

Bei dieſen beiden Sorten war aber das Hektolitergewicht ſehr niedrig; es betrug bei Nr. 2 nur 72,0 kg, bei Nr. 16 nur 72,2 kg, während es bei anderen Sorten über 77, bei einer Sorte ſogar über 79 kg erreichte. Tragen wir dem Umſtande Rechnung, daß in dem Hektolitergewicht die Qualität des Kornes zum Ausdruck gelangt, ſo werden wir, unter gleichzeitiger Berückſichtigung der Quantität des Ertrages, von den angebauten Sorten, Nr. 13 am höchſten und Nr. 16 am niedrigſten tarieren, denn es ſtehen ſich folgende Zahlen gegenüber:

hl pro ha. Gewicht pro hl. kg pro ha.

Nr. 13. 41,4 77,2 3196,1 Nr. 16. 32,7 72,2 2360,9 Differenz: 8,7 5,0 835,2.

Dieſe Verſchiedenheiten in der Quantität und Qualität des Ertrages wurden in mehrjährigem Durchſchnitt erzielt bei gleichem Boden, gleichem Klima, gleicher Düngung, gleicher Vorfrucht, gleicher Arbeit. Hiernach

wird wohl jeder, der es nicht ſchon war, davon überzeugt ſein, daß der Erfolg des Getreidebaues ganz weſentlich abhängt von der Auswahl der richtigen Sorte.

Wir gehen jetzt über zu einer kurzen Beſprechung der anderweitigen Anbauverhältniſſe.

Klima. Der Weizen verlangt im Winter und im Sommer mehr Wärme, als der Roggen. Doch iſt er in Deutſchland überall als Winterfrucht zu kultivieren, mit Ausnahme der höheren Gebirgslagen, wo er nur als Sommergetreide angebaut werden kann.