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Was die Abſtammung des Weizens anlangt, ſo bin ich überzeugt, daß die genannten ſieben Arten auf eine gemeinſchaftliche Stammform zurückzuführen ſind, aber ich glaube nicht, daß eine dieſer Arten die Stammform aller übrigen war. Hiergegen ſprechen naturwiſſenſchaftliche und hiſtoriſche Gründe. In naturwiſſenſchaftlicher Beziehung iſt auf die Gattung Aegilops hinzuweiſen, in welcher ſich Formen finden, welche dem Spelz näher zu ſtehen ſcheinen, als der Spelz dem Gommer oder dem Glasweizen. Will man alſo behaupten: Die Stammform der übrigen Weizenarten war z. B. Triticum monococcum, ſo kann man mit demſelben Recht behaupten: Die Stammform der ſieben Weizenarten war Aegilops ovata. Nach meiner Anſicht liegt die gemeinſchaftliche Stamm⸗ form aller dieſer Formen weiter zurück, und die Hauptformen waren ſchon getrennt, als der Menſch ſie in Kultur nahm. Die Chineſen kennen und kultivieren den Weizen mindeſtens ſeit 4708 Jahren. Die alten Ägypter kannten ihn ebenfalls, wie der deutlich erkennbare, aber nicht mehr keimfähige Mumienweizen beweiſt. Die keltiſchen Be⸗ wohner der ſchweizeriſchen Pfahlbauten beſaßen ſchon Triticum vulgare in den beiden Formen T. v. antiquorum und T. v. compactum muticum, die ſich, ein wenig abgeändert, in dem Igel- und Binkelweizen bis auf den heutigen Tag erhalten haben; ſie beſaßen ferner T. turgidum, T. Spelta, T. dicoccum und T. monococcum. Überdies ſind mehrere Weizenſorten im wildwachſenden Zuſtande gefunden worden. So nament⸗ lich mehreremale das Einkorn. Zuerſt fand es Balanſa in Armenien und hielt es für Spelz, J. Gay beſtimmte die Pflanze aber als Einkorn. Ferner fand Michaux in Perſien den Spelz, und Olivier am Euphrat und in Meſopotamien Weizen und Spelz zuſammen mit Gerſte. Warum will man nicht zugeben, daß die Pflanzen wirklich wildwachſend waren, da Olivier ausdrücklich bemerkt, daß er ſie in einem für die Kultur ungeeigneten Lande d. h. in der Wildnis fand?*) Am 15. Auguſt 1879 fand ich auf dem Randenplateau nordwärts von Schaffhauſen ein Feld, auf welchem Weizen, Spelz und Einkorn friedlich untereinander wuchſen. Da ſchoß mir der Gedanke durch den Kopf: So mag der Pflanzenbeſtand ausgeſehen haben, von welchem der Menſch die erſten Ähren ſammelte, und derartige Beſtände hat Olivier in der Wildnis wirklich gefunden. Damit genug hiervon.—
Für den deutſchen Landwirt, dem unſere Anleitung zum Getreidebau in erſter Linie gewidmet iſt, kommt es nun vor allem darauf an, zu
*) Hat ja doch Mac Douall Stuart ſogar in Auſtralien eine wildwachſende Getreideart entdeckt,„die dem Weizen völlig glich, nur daß die Körner kleiner, das Stroh um vieles zäher war.“ A. Nowacki, Jagd oder Ackerbau? 1885, S. 100.


