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Wie man ſieht, läßt ſich die Anſicht, daß die Formen des Weizens (vielleicht mit Ausnahme des Einkorns) zu einer Art gehören, durch theoretiſche Gründe ſtützen und rechtfertigen. Trotzdem kann ich mich mit dieſer Anſicht nicht befreunden. Ich betrachte die Weizenformen als ein lehrreiches Beiſpiel für die Entwicklung und Verwandtſchaft der Arten, halte es aber aus praktiſch⸗wiſſenſchaftlichen Gründen für zweck⸗ mäßig, dieſe Formen artlich zu trennen, anſtatt ſie zu einer oder zu zwei, drei oder fünf Arten— alle dieſe Anſichten haben ihre Vertreter— zu vereinigen.
Gruppiert man die ſchärfer ausgeprägten Formen des Weizens in der Weiſe, wie wir es S. 255 gethan haben, ſo laſſen ſich die„Arten“ — die Sprache hat keinen treffenderen Ausdruck— mit einem Blick überſchauen. Das iſt keineswegs gleichgültig. Faßt man zu viele Formen unter einer Art zuſammen, ſo geht ſchließlich alle Überſichtlichkeit und der ganze Nutzen der Einteilung verloren. Und andererſeits, was macht es denn bei dem heutigen Stande der Naturwiſſenſchaft für einen großen Unterſchied, ob man die oben aufgezählten Formen als„Arten“ einer Gattung oder als„Unterarten“ einer Art bezeichnet?
Wo fängt ſie an, wo hört ſie auf— die Art? Das iſt doch nur ein Streit um Kaiſers Bart.
Körnicke ſtellte früher Triticum monococcum als Unterart zu T. vulgare; jetzt„hält er es entſchieden für eine eigene Art“.— „T. polonicum hält er zwar noch getrennt, glaubt aber, daß ſie mit den übrigen eine Art bildet.“— So ſchwankend ſind die„Anſichten“. Glück⸗ licherweiſe ſind die„Arten“ doch etwas beſtändiger.
Nach meiner Meinung hat es nicht den geringſten Nachteil, wenn man die S. 255 gegebene Einteilung annimmt bezw. beibehält. Sagt man kurz und bündig: Jene ſieben Formen ſind ſieben Arten, ſo weiß jeder, der Gelehrte und der Ungelehrte, woran er iſt; das Sprachgefühl, welches ſich gegen das Wort„Unterart“ unwillkürlich ſträubt, wird be⸗ friedigt, und auch den Anforderungen der ſtrengen Wiſſenſchaft wird damit genügt, denn es ſteht nichts im Wege, den Begriff der„Art“ enger oder weiter zu faſſen.
Die Tendenz der neueren Naturforſchung geht darauf hin, die Arten durch Zuſammenfaſſung zu vermindern. Mir ſcheint dies bedenk⸗ lich. Die Zuſammenfaſſung führt hier nicht zur Vereinfachung, ſondern zur Verwirrung. Man ſtudiere die Verwandtſchaft und die Entwicklung der Arten und rekonſtruiere, wo möglich, den Stammbaum des ganzen Pflanzenreichs, aber in der ſyſtematiſchen Einteilung der Pflanzen halte man feſt am Alten.
Getreidebau. 17


