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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
251
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die Erhitzung bis zur Verkohlung, unter Umſtänden ſogar bis zur Ent⸗ flammung ſteigern.

Infolge der Erwärmung werden Stroh und Körner feucht, oben auf, unter der zweiten oder dritten Garbenſchicht, zuweilen ſogar förm⸗ lich naß, offenbar, weil durch die Hitze die in den Zellgeweben ein geſchloſſene oder äußerlich anhaftende Feuchtigkeit ausgetrieben wird.

Indem das Waſſer, zugleich mit Kohlenſäure und anderen, zum Teil deutlich riechbaren Stoffen in flüchtiger Form nach außen entweicht, kühlt ſich die Maſſe allmählich ab, und mit dem Erkalten hat der Prozeß anſcheinend ſein Ende erreicht.

Die eigentliche Urſache der Erhitzung ſcheint die Wucherung irgend eines Pilzes zu ſein, ſo daß wir das Schwitzen des Getreides als einen Gährungsprozeß aufzufaſſen hätten.)

So lange die Temperatur eine gewiſſe Grenze nicht überſchreitet, iſt die Selbſterhitzung nicht ſchädlich, ſondern vorteilhaft, denn ſie be⸗ wirkt auf die einfachſte und billigſte Weiſe ein Austrocknen des Ge⸗ treides, wodurch dem Verderben deſſelben vorgebeugt wird.

Sobald aber die Temperatur jene zuläſſige Grenze, die bei 70° C. liegen mag, überſteigt, werden die Körner, ſofern ſie ſamt dem Stroh nicht ganz verkohlen, gelb oder braun und verlieren die Keim⸗ fähigkeit.**)

Um dieſe Nachteile zu vermeiden, muß das Getreide, ſofern wir nicht ein künſtliches Dörren in einem geheizten Raume vornehmen wollen, durchaus in trockenem Zuſtande eingefahren werden. Wir haben dies ſchon bei dem Nachreifen betont und bemerken nur noch, daß auch der Tau und etwaige Regenfeuchtigkeit abgetrocknet ſein muß.

Ferner weiß man aus der landwirtſchaftlichen Praxis, daß das Getreide ſich um ſo beſſer hält, je feſter und dichter die Garben zuſammen gepackt werden. Es iſt dies leicht erklärlich. Bei gleichmäßig dichter Lagerung wird der Waſſerdampf überall gleichmäßig ausgetrieben,

*) Herr Dr. Grete, Vorſtand der Verſuchsſtation am Polytechnikum in Zurich, teilt mir nämlich mit, daß friſches Wieſengras, mit Schwefelkohlenſtoff in einem großen Blechgefäß eingeſchloſſen, ſich nicht erhitzte und vollkommen geſund blieb, während eine andere Probe von demſelben Gras in einem zweiten Gefäß ohne Schwefel⸗ kohlenſtoff verſchimmelte und unter bedeutender Erhitzung gänzlich verdarb. Damit iſt der Beweis geliefert, daß die Urſache der Erhitzung und des Verderbens des Graſes irgend ein Pilz iſt; wird der Pilz durch Schwefelkohlenſtoff getödtet, ſo tritt weder eine Er⸗ hitzung noch ein Verderben ein. Ahnlich dürfte es ſich bei dem Getreide verhalten.

**) Daß die Keimfähigkeit der Körner bei 700 zerſtört wird, läßt ſich daraus ſchließen, daß das zum Keimen notwendige Ferment(Diaſtaſe), nach Wöhler, ſeine Wirkſamkeit bei einer uber 700 ſteigenden Temperatur einbüßt. Und nach Verſuchen von Edwards und Colin vernichtet eine feuchte Wärme(Waſſerdampf) von 750 die Keimfähigkeit aller Samen, und mit einer feuchten Wärme haben wir es in einem ſchwitzenden Getreidehaufen zu thun.