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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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man heutzutage wegen des Maſchinendruſches mehr Saatgetreide be⸗ dürfe, als vor 30 Jahren.

Was das aber zu bedeuten hat, mehr Saatgetreide, und zwar ganz umſonſt auszuwerfen, zeigt folgende kleine Rechnung.

Anno 1865 aufgemeſſen 948 Schffl. Roggen, Dreſcherlohn(ℳ46) 59 Schffl. Anno 1864 ausgeſaei 174 Sahjit⸗ hiervon*½, macht rund 43

Das heißt: Wenn der Maſchinendruſch Mehrausſaat bedingt, ſo ſpart man bei dem Flegeldruſchdes Dreſcherlohns für die ganze Ernte an der Saat.

Ich bitte zu berückſichtigen, daß die vorſtehenden Zahlen in keiner Weiſe geſucht oder gemacht, ſondern einfach dem praktiſchen Leben ent⸗ nommen ſind. Mag nun der Mehrbedarf an Saatkorn bei vorſichtiger Stellung und Handhabung der Dreſchmaſchine((auf Koſten des Rein⸗ druſches!) auch weniger betragen als 1, ſo laſſen uns doch die Keimungs⸗ verſuche mit eingebeiztem Weizen, der zum Vergleich teils mit der Hand, teils mit der Maſchine gedroſchen war, nicht in Zweifel darüber, daß zum Ausdreſchen des Saatgetreides der Flegel vor den jetzt gebräuch lichen Dreſchmühlen entſchieden den Vorzug verdient. Nicht blos der grobe Bruch, ſondern auch jeder feine Riß beeinträchtigt die Güte des Saatkorns.

Nach dem Dreſchen folgt das Reinigen des Getreides. Die Dampfdreſchmaſchine beſorgt dies gleich mit, indem ſie mit einer Putz mühle in Verbindung ſteht, we lche die Spreu von dem Weizen und das Vorderkorn von dem Hinterkorn ſondert. Dieſe Kombination läßt ſich auch anbringen, wenn die Dreſchmaſchine von einem Waſſerrad oder von einer Turbine getrieben wird, und es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Gelegenheit zur Benutzung der billigen Waſſerkraft noch keineswegs überall wahrgenommen und ausgebeutet worden iſt. In mancher ſchweizeriſchen Gutswirtſchaft treibt ein kleines Bächlein die Dreſch⸗ und Putzmühle, die Mahl⸗ und Schrotmühle, die Häckſelmaſchine, die Holz⸗ und Bretterſäge, die Knochenſtampfe ꝛc. Mit Hilfe eines Draht⸗ ſeiles läßt ſich die Waſſerkraft ſehr bequem auf eine Entfernung von 100 m, auch aus dem Thale auf den Berg übertragen. Wird die Gefällskraft eines Baches oder Fluſſes in Elektrizität umgeſetzt, ſo läßt ſie ſich mittelſt eines einfachen Telegraphendrahtes ſtundenweit leiten, ohne an Wirkung zu verlieren.

Doch das ſind Träume der Zukunft. Bleiben wir in der Wirklich⸗ keit, ſo müſſen wir, wenn uns weder Dampf⸗- noch Waſſerkraft zur Ver⸗ fügung ſteht, die Putzmühle mit der Hand drehen.

Zur gewöhnlichen Reinigung des Getreides kann, außer dem mehr und mehr aus der Übung kommenden Wurfen, eine einfache Windfege