229
dasſelbe Reſultat, ſo iſt der Zeitpunkt zum Schneiden gekommen. Dieſe Probe iſt anwendbar bei Weizen, Roggen und Gerſte.(Sie paßt auch für den Hafer, jedoch mit der Abänderung, daß wir das Probekorn von der Spitze der Riſpe zu nehmen haben). Bei dem Roggen können wir ſtatt der„Schnittprobe“ auch die„Nagelprobe“ benutzen; ſobald das Korn leicht und beſtimmt über den Nagel bricht, iſt es ebenfalls gelbreif. Der Mehlkörper des gelbreifen Kornes iſt weder wäſſerig, noch hart, ſondern knetbar wie Wachs. Die Verfärbung des Strohes aus dem Grünen ins Gelbe kann nur zur vorläufigen Orientierung dienen; denn Schwerz ſagt mit Recht:„Man muß ſich nicht durch das Anſehen des Strohes, ſondern durch eine genaue Unterſuchung der Körner leiten laſſen.“
In dem Zeitpunkt, welchen ich als den zweckmäßigſten zum Beginn der Ernte empfehle, hat die Ernährung der Körner in den kräftigeren Ähren— vereinzelte Vorläufer kommen hierbei nicht in betracht— ſicher bereits aufgehört. Die Körner an der Spitze der Ähre ſind ſchon vollreif, wenn die an dem mittleren Teil der Ähre befindlichen, nach welchen man ſich zu richten, das Stadium der Gelbreife erreichen. Es können mithin ſämtliche Körner dieſer Ähren eine größere Voll— kommenheit nicht mehr erlangen, ſie ſind unbedingt mähereif.
Zu derſelben Zeit befinden ſich der Regel nach die Körner der Mittelähren ebenfalls ſchon in dem Stadium der Gelbreife oder doch in dem Übergangsſtadium aus der Milchreife in die Gelbreife. Wie die Unterſuchungen dargethan haben, iſt dies Übergangsſtadium höchſt⸗ wahrſcheinlich der Reifegrad, in welchem die Stoffeinfuhr in die Körner zum Stillſtand gelangt. Wird alſo die angegebene Mähezeit wahrge⸗ nommen, ſo hat man die größte Wahrſcheinlichkeit für ſich, auch bei den Körnern der Mittelähren keinerlei Einbuße hinſichtlich der Quantität und Qualität zu erleiden.— Was ſchließlich den Reſt der Körner an⸗ langt, ſo kann der Reifezuſtand derſelben den Zeitpunkt der Ernte nicht beſtimmen, denn wenn man mit dem Mähen ſo lange warten wollte, bis auch die Körner in den kleinen und kleinſten Ähren vollreif oder auch nur gelbreif geworden ſind, dann würde man im günſtigſten Falle vielleicht beſſeres Hinterkorn gewinnen, einen großen Teil des koſtbaren Vorderkorns aber auf dem Felde zurücklaſſen.
Wegen des Mangels ausreichender Arbeitskräfte oder wegen der Ungunſt der Witterung wird es nicht immer möglich ſein, ſämtliches Getreide in dem angegebenen Zeitpunkt abzubringen. Tritt anhaltendes Regenwetter ein, ſo verbietet ſich das Ernten von ſelbſt. Verläuft bei ſehr heißem und trockenem Wetter der Reifungsprozeß ſehr ſchnell, ſo iſt in wenigen Tagen der geeignetſte Moment zum Mähen vorüber, und


