Druckschrift 
Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
224
Einzelbild herunterladen

— 224—

Derſelbe Vorgang wiederholt ſich mit den nötigen Abänderungen, wenn wir radige Körner mit dem Weizen zuſammen ausſäen. Nachdem die harte und dicke Schale der Galle verfault iſt, gelangen die zum Leben erwachten und aus ihrem Gefängnis befreiten Würmchen in die feuchte Erde und kriechen in dieſer taſtend umher, bis ſie ein Weizenpflänzchen erreichen. Es iſt kein Wunder, daß ſie den Weg ins Innere finden, da dies ja auch dem Steinbrand gelingt, der doch nur ein pflanzliches Weſen iſt. Ihr Ziel iſt das Herz der Pflanze und die junge Ähre, die, wie wir wiſſen, ſchon ſehr früh, unmittelbar über der Wurzel angelegt wird. Fig. 66 zeigt die Ähre in dem Entwickelungszuſtande, in welchem das zarte Zellgewebe den Weizenälchen das Eindringen geſtattet. Die Alchen ſiedeln ſich dann in dem Fruchtknoten an und veranlaſſen durch ihr Saugen eine abnorme Entwicklung desſelben, ähnlich wie die Larven der Gallweſpe in dem Zellgewebe des Eichenblattes. Mitten in der Galle des radigen Kornes werden die Alchen geſchlechtsreif. Das be— fruchtete Weibchen legt Eier und ſtirbt ſamt dem Männchen. Die Eier aber kriechen aus, während die Galle weiter wächſt, und die Larven, welche zugleich mit dem reifenden Getreide austrocknen, bilden den oben erwähnten faſerigſtaubigen Inhalt des Gichtkorns.

An dieſe Schilderung der Lebensweiſe des Weizenälchens knüpfen wir eine lehrreiche Mitteilung von J. Kühn, betreffend die Bekämpfung der in Rede ſtehenden Krankheit.

Auf einem Gute im Dorfe Köttlitz(unweit Mühlberg) zeigte ſich keine Spur der Krankheit, ſo lange man den gewöhnlichen braunen Weizen baute, trat aber nach Einführung des ſog. weißen Weizens ſchon bei deſſen erſter Ernte auf, bei der zweiten desgleichen, während der noch angebaute braune Weizen verſchont blieb. Nach gänzlicher Abſchaffung dieſes letzteren zeigte ſich ſämtlicher Weizen krank. Im vierten Jahre wurde wieder etwas brauner geſunder Samenweizen angekauft, derſelbe auf einen Acker gebracht, auf dem noch kein kranker geſtanden hatte. Die Ernte fiel geſund aus und darum wurde für die Zukunft von der Aus⸗ ſaat des kranken weißen Weizens ganz abgeſehen. Im fünften Jahre wurden nun mit geſundem, braunem Weizen drei Ackerſtücke beſäet, auf welchen kranker Weizen geſtanden hatte, und zwar in folgenden Fruchtfolgen:

1. Raps.

2. Weißer Weizen(radenkrank). Klee.

Brauner Weizen(geſunder Samen).

9⸗