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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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Zweiter Abſchnilt. Die Entwicklung der Gekreidepflanze.

Um für den Anbau des Getreides die naturwiſſenſchaftliche Grund⸗ lage zu gewinnen, müſſen wir uns vor allem mit der Entwicklung der betreffenden Pflanzen bekannt machen. Da die vorliegende Schrift jedoch für eine beſtimmte Gegend, nämlich für das mittlere Europa, insbeſon⸗ dere für das Gebiet des deutſchen Reiches berechnet iſt, ſo ſchließen wir diejenigen Getreidearten, welche für dieſe Gegend keine Bedeutung haben, von der Betrachtung aus: Reis, Durra, Dochen, Korakan(Daguſcha), Tef. Das Kanariengras laſſen wir als untergeordnet hier ebenfalls bei ſeite; und Mais, Hirſe und Fennich berückſichtigen wir auch nur nebenbei, um unſeren Hauptgetreidearten: Weizen, Roggen, Gerſte und Hafer um ſo mehr Raum widmen zu können. Übrigens hat die Entwicklung der Getreidegräſer wegen der nahen Verwandtſchaft der Arten ſo viel übereinſtimmendes, daß bei der angedeuteten Beſchränkung und Auswahl des Stoffes doch alles weſentliche zur Sprache kommen kann.

Die verſchiedenen Phaſen der Entwicklung: Keimen, Wachſen, Blühen, Reifen gehen allmählich und unmerklich in einander über, ſo daß man nirgends einen beſtimmten Anfang oder ein beſtimmtes Ende zu erkennen vermag. Selbſt mit der Fruchtreife gelangt die Entwicklung nicht zu einem definitiven Abſchluß, ſondern nur zu einem vorübergehenden Still⸗ ſtand; denn die gezeitigte Frucht enthält den Keim, welcher ebenſowohl ein Teil der alten wie der neuen Pflanze, ebenſowohl Anfang wie Ende und Mitte der Entwicklung iſt. Es iſt demnach ziemlich gleichgültig, ob wir mit dieſem oder mit jenem Entwicklungsſtadium beginnen. Wie wir bei einer Rundreiſe alle Stafionen berühren und immer wieder zu dem Ausgangspunkt zurückkehren, gleichviel ob wir in B oder in U oder in M einſteigen, ähnlich iſt es auch hier. Immerhin bietet das Erwachen