Die Fläche des jungfräulichen Bodens nimmt ebenſo rapide ab, wie die Zahl der Bevölkerung zunimmt. Es iſt ein Vorgang, wie auf dem Schild des Achilles, wo die Schnitter, in zwei Haufen geteilt, das Erntefeld von den entgegengeſetzten Seiten in Angriff nehmen; je eifriger ſie arbeiten, deſto ſchneller treffen ſie in der Mitte zuſammen. Die Zeit iſt abzuſehen, wo Amerika alle ſeine Ackerbau- und Viehzucht⸗ produkte ſelbſt braucht, wo es folglich an Europa nichts mehr ab— geben kann. Geht es ebenſo ſtürmiſch fort, wie in den letzten zehn Jahren, dann kann dieſer Zuſtand ſchon in einigen Jahrhunderten erreicht werden.
Inzwiſchen könnte aber die weſteuropäiſche Landwirtſchaft ſamt der ganzen Kultur, welche ſich auf dieſelbe ſtützt, zugrunde gerichtet ſein; denn wenn der amerikaniſche Raubbau und Export auch nur 300 Jahre lang in gleicher Weiſe fortbetrieben werden könnte, wie es gegenwärtig geſchieht, ſo würde das genügen, um zugleich mit unſerer Landwirt— ſchaft auch unſere Induſtrie, unſeren Handel, unſere Kunſt und unſere Wiſſenſchaft, kurz, unſer ganzes Staats⸗ und Wirtſchaftsleben zu unter⸗ graben.
Iſt es deshalb an der Zeit— ſo ſchrieben wir im Dezember 1884 — durch mäßige Schutzzölle dem Niedergang der weſteuropäiſchen Landwirtſchaft vorzubeugen, ſo dürfen wir uns doch nicht der Hoff⸗ nung hingeben, daß durch dieſe Maßregel die Kriſis, in der wir uns befinden, vollſtändig beſeitigt werden kann. Auch nach Erhöhung der Einfuhrzölle wird die Lage eine ſchwierige bleiben, weil die enorme Entwicklung des Verkehrs es unſeren Konkurrenten auch dann noch ermöglicht, die Produkte ihres fruchtbaren, billigen und, ſo zu ſagen, unbeſteuerten Bodens zu einem Preiſe auf unſere Märkte zu liefern, welchen die weniger gut ſituierten Grundbeſitzer und Pächter nicht auszuhalten im ſtande ſind. Dagegen kann die Erhöhung der Getreidezölle die Wirkung haben, daß diejenigen Landwirte, welche Arbeit und Kapital auf den preiswürdig erworbenen und mäßig belaſteten Grund und Boden in rationeller Weiſe verwenden, den Kampf der Konkurrenz beſtehen und nach wie vor Befriedigung und Freude in ihrem Berufe finden, ſofern ſie eingedenk des alten Spruches ſind: Im Schweiße deines Angeſichts ſollſt du dein Brot eſſen.


