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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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eshalb erſcheint, ſo ſehr man im allgemeinen auch dem Freihandel

Vort reden wird, ein mäßiger Schutzzoll auf Getreide(und Fleiſch), insbeſondere für Deutſchland und Frankreich als ein Gebot der Selbſterhaltung. Der Freihandel wäre nur dann praktiſch durch⸗ führbar, wenn alle Staaten der Welt ſämtliche Zölle, wenigſtens ſämt⸗ liche Schutzzölle aufheben würden, was vorausſichtlich ſo bald nicht ein⸗ treten wird. So lange Amerika unſeren Induſtrieprodukten durch hohe Schutzzölle die Einfuhr erſchwert, haben wir das Recht und die Pflicht, die landwirtſchaftlichen Produkte, für welche es Abſatz bei uns ſucht, gleichfalls mit Schutzzöllen zu belegen. Wenn wir damit die Intereſſen der Amerikaner an der empfindlichſten Stelle treffen, ſo dürfen wir hoffen, daß unſere Repreſſalien um ſo wirkſamer ſein werden.

Die Rückſichtsloſigkeit der Vereinigten Staaten gegenüber Europa ſtützt ſich lediglich auf die Meinung, ſie ſeien von letzterem vollkommen unabhängig und die Herren der Situation. Die Amerikaner glauben, die Möglichkeit der Erhaltung ihrer materiellen Wohlfahrt liege in möglichſt hermetiſchem Abſchluß ihres Landes gegen Europa, und jeder Zollbeamte meint, er begehe eine patriotiſche Handlung, wenn er durch ſeine Chikanen dem europäiſchen Induſtriellen den Import möglichſt erſchwert. Dieſer Glaube an die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten war bis zum Jahre 1877 richtig; durch die ſeitherige enorme Ausdehnung der Landwirtſchaft haben ſich aber die Verhältniſſe in den letzten Jahren gänzlich verändert.

Im Jahre 1884 wird die amerikaniſche Weizenernte auf ca. 590 Millionen Buſhels geſchätzt, während der eigene Konſum blos ca. 300 Millionen Buſhels verlangt. Amerika hat für ſeine landwirtſchaftlichen Produkte keinen anderen Abſatzplatz, als die gleichen übervölkerten Induſtrie⸗ länder in Europa, deren Induſtrieerzeugniſſen es den Eingang wehren will.

Die Landwirtſchaft iſt in Amerika der Zentralpunkt, welchen die ſämtlichen übrigen Intereſſen des Landes umkreiſen. Das geſamte Eiſenbahnweſen, die geſamte Induſtrie des Oſtens, der geſamte Binnen⸗ verkehr auf Flüſſen und Kanälen ſtützen ſich ausſchließlich auf die Land⸗ wirtſchaft, und ihr Pulsſchlag wird ſtärker oder ſchwächer mit der Quantität der Ernten und der Größe des Exportes nach Europa.

Die Landwirtſchaft iſt mithin der verwundbare Punkt der Vereinigten Staaten. Wer die Kraft beſitzt, auf dieſen zu drücken, dem iſt die Macht gegeben, die amerikaniſche Regierung zu zwingen, die bisherige Poſition des ertremſten Egoismus aufzugeben und vernünftigen Vorſtellungen Gehör zu leihen.

Bis zum Jahre 1877 hatte die induſtrielle Intereſſengruppe des Oſtens unbedingte Oberhand. Heute dürfte die Landwirtſchaft die Macht

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