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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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Die Konkurrenz, an welcher außer Amerika auch Auſtralien und Rußland und neuerdings namentlich auch Indien beteiligt iſt,(und welche ſich nicht allein auf den Getreidebau, ſondern auch auf andere

Betriebszweige, insbeſondere auch auf den Futterbau, beziehungsweiſe

auf die Viehzucht erſtreckt) hat ja immerhin das Gute, daß ſie den Preis der notwendigſten Nahrungsmittel auf mäßiger Höhe hält und daß ſie der Hungersnot vorbeugt, indem der Handelsverkehr den irgend⸗ wo vorhandenen Überfluß an Ackerbau⸗ und Viehzuchtprodukten ſofort dahin ſchafft, wo durch Mißwachs oder durch Zunahme der Bevölkerung ein Mangel eintritt.

Die Induſtrieländer des weſtlichen Europas ſind zum Teil garnicht mehr im ſtande, auf dem eigenen Grund und Boden ſo viel Getreide zu produzieren, wie zur Ernährung der Bevölkerung notwendig iſt. Voraus gilt das für die Schweiz und für Belgien. Selbſt Italien, das kaum noch zu den Induſtrieländern gerechnet werden kann, produ⸗ ziert nicht ſo viel Getreide, wie es konſumiert. Deutſchland führte vor zehn Jahren noch Getreide aus, jetzt muß es jährlich ſchon 20 bis 30 Millionen Zentner einführen. Oſterreich⸗Ungarn führt in guten Jahren Getreide aus, in ſchlechten ein. In Frankreich genügt in ge⸗ wöhnlichen Jahren die eigene Produktion für den Bedarf des Landes. In guten Jahren kann es Getreide abgeben. Treten aber ſchlechte Ernten ein, ſo muß es den Ausfall durch Einfuhr decken; letztere betrug z. B. im Jahre 1879 gegen 20 Millionen Hektoliter, welche ihm von den Vereinigten Staaten geliefert wurden. England produziert nur noch die Hälfte ſeines Bedarfs; der Geldwert der jährlichen Einfuhr beträgt 32,100,000 Pfd. Sterling oder mehr als 600 Millionen Mark.*)

Hieraus ergibt ſich erſtens, daß ein hoher Schutzzoll auf Getreide für die Länder des weſtlichen Europas bedenklich, und zweitens, daß der Getreidebau in dieſen Ländern keineswegs überflüſſig iſt.

Andererſeits iſt es ſelbſtverſtändlich, daß die inländiſche Landwirt⸗ ſchaft zugrunde gehen muß, wenn die Preiſe für Brotkorn(und Fleiſch) durch die ausländiſche Konkurrenz unter die Poduktionskoſten herab⸗ gedrückt werden.)

*) Doz, die landw. Kriſis, überſ. v. J. Dreifuß, 1884.

**) Der Generalſekretär des landwirtſchaftlichen Vereins für Bayern, Prof. May, hat auf Grund von Berechnungen in verſchiedenen Gegenden des Königreichs ermittelt, daß die Getreideproduktionskoſten ſich durchſchnittlich ſtellen wie folgt: für 1 Ztr. Weizen auf M. 7.82, für 1 Ztr. Roggen auf M. 7.80, für 1 Ztr. Gerſte auf M. 5.46, für 1 Ztr. Hafer auf M. 6.09. Hiermit werde, bemerkt Prof. May in der Zeitſchrift des landwirtſchaftlichen Vereins, die Thatſache konſtatiert, daß die gegenwärtigen niedrigen Preiſe für Weizen und Roggen zum Mindeſten auf das Niveau der Produktionskoſten geſunken ſind, und daß in Ermangelung erhöhter Getreidezölle namentlich die Weizen⸗ und Roggenproduktion, ſtatt entſprechenden Gewinn, erheblichen Verluſt zur folge haben muß.