Wie innig der Getreidebau mit dem Betriebe unſerer Landwirtſchaft verwachſen iſt, lehrt ein Blick auf die Schweiz. Dort ſind die natür⸗ lichen Bedingungen für den Futterbau in dem Grade gegeben, wie in keinem anderen Lande Europas, und doch kommt man jetzt, nachdem in den letzten Jahrzehnden der Getreidebau mehr und mehr dem Futterbau das Feld geräumt hat, zu der Einſicht, daß auch die Viehzucht(und ſelbſt der Rebbau) ohne Getreidebau nicht mit Vorteil betrieben werden kann, weil das Stroh für die Haltung der Tiere und für die Dünger⸗ produktion ꝛc. nicht zu entbehren und nicht zu erſetzen iſt. Dabei ge⸗ winnt die Schweiz auf ihren zahlreichen Riet⸗ und Moosflächen zwei Streuſurrogate, welche den benachbarten Ländern gänzlich fehlen oder wenigſtens nicht in gleichem Verhältnis zur Verfügung ſtehen; und über⸗ dies geſtattet die flüſſige Düngung, die ſchon aus Mangel an fließen⸗ dem Waſſer nicht überall durchführbar iſt, eine erhebliche Erſparung an Streumaterial.
Überall, wo die Stallfütterung die eigentliche Stallmiſtbereitung bedingt, iſt das Stroh in der Wirtſchaft ebenſo unentbehrlich, wie im Hauſe das Brot. Die Wahrheit dieſes Satzes erkennt man erſt recht, wenn das Stroh fehlt. Ein anderer alter Erfahrungsſatz lautet: Um den Strohbedarf in der Wirtſchaft zu decken, iſt im allgemeinen auf Mittelboden die Beſtellung der halben Gutsfläche mit Halmgewächſen erforderlich. Wie ſollte aber dieſer Bedarf an Stroh gedeckt werden, wenn wir kein Getreide mehr anbauen wollten? Angenommen alſo auch, wir könnten all' unſer Brot⸗ korn von auswärts beziehen, ſo müßten wir doch der Strohgewinnung wegen den Getreidebau beibehalten, und zwar, da wir im ganzen ge⸗ nommen eher Mangel als Überfluß an Stroh haben, etwa in derſelben Ausdehnung wie bisher. Natürlich würde der Getreidebau bei Bevor⸗ zugung der Strohproduktion noch viel weniger rentieren, als wenn, wie bisher, das Korn das Hauptprodukt, das Stroh dagegen nur das Neben⸗ produkt iſt.
Am allerwenigſten können Deutſchland und Frankreich daran denken, den Getreidebau aufzugeben. Sie ſind durch Boden und Klima ſchlechterdings auf dieſe Kultur angewieſen, womit nicht geſagt ſein ſoll, daß andere Kulturen ausgeſchloſſen wären. Vielmehr iſt dieſen Ländern durch die natürlichen Bedingungen ein angemeſſenes, nach der Ortlichkeit wechſelndes Verhältnis zwiſchen Getreidebau, Futterbau, Hackfruchtbau, Handelsgewächsbau, Rebbau, Wieſenbau und Waldbau vorgeſchrieben; aber der Getreidebau bildet hier ein notwendiges Glied in der Kette, er muß, ſchon um die Vorteile des Fruchtwechſels nicht preiszugeben, nach wie vor ein Hauptzweig des Wirtſchaftsbetriebes bleiben.
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