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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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Alpen wird er nicht mehr auf Körner gebaut, ſondern nur noch auf Stroh, indem die feinen italieniſchen Strohhüte daraus gefertigt werden.*)

Den Roggen löſt der Weizen ab. Zwar ſchon im mittleren Schweden(bei 62⁰ n. Br.) und Norwegen(bei 64 n. Br.), wie bei St. Petersburg(60 ¼° n. Br.) auftretend und ſelbſt noch bei Jakuzk in Sibirien(62° n. Br.) in Kultur, wo der Boden nur etwa drei Fuß tief auftaut, tief unten aber immer gefroren bleibt, nimmt ſeine Kultur doch erſt weiter ſüdlich überhand, und liefert, mit dem Spelz, im ſüdlichen Deutſchland, in der Schweiz und ebenſo auch im ſüdlichen Europa das tägliche Brot. Ebenſo an den nordafrikaniſchen Küſten und in dem wärmeren, doch außertropiſchen Aſien. Der Spelz iſt in Schwaben und in der Oſtſchweiz vorzüglich in Kultur, der Weizen dagegen in den übrigen Ländern.

Zwiſchen dem 46.50.0 n. Br., je nach den Lagen verſchieden, iſt die nördliche Grenze des Maiſes in Europa, die er mit dem Weinbau teilt; doch erſt jenſeits der Alpen iſt dieſe Kultur dominierend, die für das ganze ſüdliche Europa, dann aber auch für einen großen Teil Aſiens von unermeßlicher Wichtigkeit geworden iſt.

Noch wichtiger iſt indeſſen für das tropiſche Aſien der Reis. Er wird ſchon in Italien, in Piemont und im Römiſchen gebaut, doch im Verhältnis zu den übrigen Kulturen in geringem Umfang. In Indien dagegen und in China,**) wie auf den Sundainſeln iſt der Reis die vorherrſchende Kulturpflanze, welche der dortigen ſo dichten Bevölkerung vorzüglich zur Nahrung dient.

Wir haben hier voraus die nördlichen Grenzen dieſer Mehlpflanzen im Auge gehabt, die ſüdlichen ſind weniger ſcharf. Die Gerſte geht von ihrer Nordgrenze bis zu den Tropen, und ſo auch die übrigen Ge⸗ treidearten; allein nach den ſüdlichen Ländern zu verlieren ſie immer mehr von ihrer Bedeutung, und werden ferner zu Winterkulturen. Während die Gerſte im hohen Norden eine Brotpflanze iſt, wird ſie ſchon in der Roggenzone zur Bierpflanze, und im Süden, wo der Wein das Bier verdrängt, faſt nur als Pferdefutter gebraucht; ſo ergeht es auch dem Hafer, der nur im Norden(in Schottland und Norwegen ſehr ausgedehnt) zur Brotbereitung benutzt wird. Die Weizenarten be⸗ haupten zwar ihren Rang, allein ſchon jenſeits der Alpen verlieren ſie

*) Auch eine Spielart des gemeinen Weizens wird in Italien zur Flechtſtroh⸗ gewinnung angebaut.

**) Zu den 5 Samenarten, welche in China bei der vom Kaiſer Schin⸗nong (2822 v. Chr.) angeordneten, alljährlich wiederkehrenden Feierlichkeit ausgeſäet werden, gehören Reis, Weizen, Hirſe und Fennich. Die fünfte iſt die Sojabohne. A. de Candolle, der Urſprung der Kulturpflanzen, überſetzt von E. Goeze, 1884, S. 449.