— 33— großenteils die Bedeutung, die ſie im mittleren und nördlichen Europa haben. Schon in Oberitalien ißt das gemeine Volk vorherrſchend Po⸗ lenta.*) Und was jene Winterkulturen betrifft, ſo ſehen wir, daß ſchon in Griechenland der Weizen und die Gerſte im Spätherbſt ge— ſäet und mit Anfang Sommers geerntet werden. In AÄgypten und Pa⸗ läſtina iſt im März oder Anfang April die Ernte, und ebenſo verhält es ſich in Oberindien, wo im Sommer auf dem gleichen Boden die Ge— wächſe der Tropen gebaut werden.(Hiernach erklärt ſich die Gewöhnung gewiſſer Getreidearten an die Überwinterung auf ſehr einfache Weiſe.)
In Afrika finden wir an den Nordküſten und auch in AÄgypten vor— herrſchend Mais und Mohrenhirſen(Durra und Dochen), dann aber auch Weizenarten angebaut; in Abeſſinien neben dieſen die Da⸗ guſcha und den Tef; im heißen Afrika ſind Mais und Reis nebſt der Mohrenhirſe die Hauptkulturen, während an der Südſpitze wieder unſere Cerealien folgen, die auch in Neuholland und Neuſeeland nach der Anſiedlung der Europäer eine neue Heimat gefunden haben.
In Amerika ſind die ihm urſprünglich angehörenden Pflanzen, auch ſeit neue Menſchenraſſen dieſen Weltteil bewohnen, von höchſter Bedeu⸗ tung geblieben. Der Mais iſt, ſeiner ungeheuren Verbreitungsfähigkeit wegen, noch wichtiger als die Kartoffel, indem er hier von Kanada weg bis nach Patagonien hinunter kultiviert werden kann, unter den Tropen von dem Tiefland bis gegen 12,000 Fuß über's Meer hinauf.— Die eingewanderten Getreidearten folgen faſt genau denſelben Verbreitungs⸗ geſetzen, wie in Europa: in Kanada viel Gerſte, Hafer und Roggen, in den Vereinigten Staaten dieſe Gewächſe nebſt den Weizenarten, und im Süden, und zwar ſchon von Louiſiana an, der Reis, welcher gegenwärtig namentlich in Braſilien immer mehr ſich ausbreitet. Weiter im Süden verſchwindet dann der Reis wieder, und es treten ſucceſſive, nur in umgekehrter Ordnung, die europäiſchen Getreidearten auf.
Bisher haben wir nur die horizontale Verbreitung im Auge gehabt. Verfolgen wir das Auftreten der Getreidearten vom Tieflande nach der Höhe, ſo finden wir aber dieſelbe Geſetzmäßigkeit wieder. In heißen Ländern zu unterſt die Tropengewächſe(Reis, Mais ꝛc.), dann weiter nach oben unſere Cerealien, erſt Weizenarten, dann Roggen, dann Hafer und Gerſte, als die Reihe derſelben beſchließend. Auch in den europäiſchen Gebirgsländern finden wir dieſe Reihenfolge. Gehen wir z. B. nach Graubünden, ſo begegnen uns dort in den tieferen Thal⸗ geländen der Mais und der Weizen, in höheren, ſo im Oberland und Unterengadin kommt der Roggen als vorherrſchendes Getreide, und
*) Polenta iſt ein ſteifer Brei, bereitet aus Maismehl. Getreidebau.
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