4. Die Künſtliche Verbreitung und die wirtſchaftliche Bedeutung der Getreidearten.
Wie aus der vorliegenden Überſicht zu entnehmen, hat der Menſch von den zahlloſen Grasarten, welche dem Schoße der Erde entſpringen, nur einige wenige in die Reihe der Getreidearten aufgenommen. Laſſen wir diejenigen bei ſeite, welche nur eine untergeordnete Rolle ſpielen, ſo beſchränkt ſich ihre Zahl etwa auf ein Dutzend. Und welch' unermeßliche Bedeutung haben dieſe zehn oder zwölf Pflanzenſpezies für den menſchlichen Haushalt, da ſie vielen Millionen Menſchen die Mittel zur Exiſtenz liefern und das Wohl und Wehe der ziviliſierten Be⸗ völkerung in allen Teilen der Erde, wenn auch nicht ausſchließlich, ſo doch ſehr weſentlich mit beſtimmen! überall ſind ſie dem Menſchen ge— folgt, wohin er ſich wandte; nur das Klima ſetzte eine Grenze, ſo zwar, daß am Nordpol wie am Südpol ein Bezirk gänzlich ausgeſchloſſen blieb, während innerhalb der niederen Breiten eine geſetzmäßige Verteilung der Arten in der Richtung vom Aequator beiderſeits nach den Polen hin erfolgte. Dieſe Verhältniſſe hat Oswald Heer in einem Vortrage, den er„über Vaterland und Verbreitung der wichtigſten Nahrungspflanzen“ im Jahre 1847 in Zürich hielt, ſo vortrefflich geſchildert, daß wir nichts beſſeres thun können, als ſeine Worte mit einigen unerheblichen Ab⸗ änderungen hier wiederzugeben.
„Im hohen Norden erſtirbt alles Leben in Eis und Schnee und ebenſo auch am ſüdlichen Pole. Zuerſt beginnt es mit unanſehnlichen, an der Erde hinkriechenden Gewächſen. Dort treiben ſich kleine Jäger⸗ und Nomadenhorden umher, faſt nur von den Tieren des Waſſers, zum Teil aber auch von den armſeligſten Pflanzen(Flechten) ſich nährend. So die Eskimos und die nordaſiatiſchen Nomaden.
Dann kommt(in Lappland beim 70° n. Br., am weißen Meer zwiſchen 67°0 und 68⁰) ein Streifen Landes, auf welchem als erſte Kulturpflanzen die Kartoffel und die Gerſte erſcheinen, welch' letztere durch ihre kärglichen Ernten den Bewohnern jenes Landes das Mehl zur Brotbereitung liefert.
Etwa drei Grad ſüdlicher beginnen der Roggen und der Hafer, welche eine breite Zone der Kultur eingenommen haben. Im nördlichen Teile von Rußland, in Schweden, Norwegen, Dänemark und auch im nördlichen Deutſchland iſt der Roggen das vorherrſchende Getreide und Roggenbrot die gewöhnliche Nahrung. Im ſüdlichen Deutſchland und in der Schweiz tritt er ſchon mehr in den Hintergrund; jenſeits der


