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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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Anſpruch genommen. Dies gilt für die ausdauernden horſt⸗ bildenden Gräſer, zu denen die Mehrzahl unſerer guten Wieſen⸗ und Weidegräſer gehört. Sie eignen ſich für die Zwecke der Futtergewinnung hauptſächlich deshalb, weil die Beſtockung, durch das Abſchneiden oder Abweiden noch mehr angeregt und befördert, bei ihnen eine große Menge von Halmen und Blättern hervorbringt. Sie ſind in der Produktion von Stocktrieben den einjährigen horſtbildenden Grüſern entſchieden überlegen, ſtehen ihnen aber in der Produktion von Früchten ebenſo ent⸗ ſchieden nach. Bei dem Knaulgras, einem ausdauernden horſt⸗ bildenden Graſe, habe ich z. B. am 24. September 1884 an einem ein⸗ zigen Stocke, der einige Zeit vorher dicht am Boden abgemäht worden war, ohne die Stoppeln, 152 größere und kleinere Triebe gezählt, die im folgenden Jahre ſämtlich zur Entwickelung und zur Nutzung gelangt und durch eine entſprechende Anzahl neuer Triebe erſetzt worden wären. Die höchſte Zahl von Trieben, die ich bei der Wintergerſte, einem ein⸗ jährigen horſtbildenden Graſe, bei einer am Rande des Feldes ſtehenden kräftigen Pflanze(am 6. Mai 1875) gefunden habe, betrug dagegen nur 41. Dabei war von letzteren die Mehrzahl ſo ſchwach, daß ſie bei der Ernte ſicherlich nicht von der Senſe gefaßt, wahrſcheinlich ſchon vorher ganz unterdrückt worden wäre. Die Zahlen 152 und 41 beziehen ſich auf zwei Pflanzen, die zwar beide günſtig ſituiert, aber unter natürlichen Verhältniſſen, ohne alle künſtlichen Vorkehrungen in demſelben Klima und auf ähnlichem Boden gewachſen waren. Das aus den Zahlen ſich ergebende Verhältnis 3:1 bis 4:1 iſt daher geeignet, die Überlegenheit der Wieſengräſer über die Getreidearten im Punkte der Beſtockung einigermaßen zu veranſchaulichen.) Im geſchloſſenen Beſtande ſind bei kräftigen Wieſengräſern(Knaulgras, engliſchem, italieniſchem und franzöſiſchem Raygras ꝛc.) 30 und 40 Triebe an einer Pflanze etwas gewöhnliches. In unſeren Getreidefeldern findet man dagegen oft nur einen Halm am Stock, ſehr ſelten mehr als 15, und der Durchſchnitt wird die Zahl 5 wahrſcheinlich nicht erreichen.

*) Die oben angefuͤhrten Zahlen 152 und 41 ſind keine Ertreme. Unter außer⸗ gewohnlichen Verhältniſſen beſtocken ſich ſowohl die Getreide⸗ wie die Wieſengräſer weit ſtärker, als dieſe Zahlen beſagen. Hierfür mögen folgende Beiſpiele zum Belege dienen. Am 1. April 1885 fand ich eine Pflanze von Winterweizen, an welcher ich 121 Stock⸗ triebe zäͤhlte. Das iſt eine enorme Zahl. Aber am 3. April desſelben Jahres fand ich eine Pflanze von franzöſiſchem Raygras(Avena elatior), welche 1215 Stocktriebe, alſo zehnmal ſo viel, als jene Weizenpflanze, beſaß. Das Zerlegen und Zäaͤhlen erforderte bei dieſem Stock gegen drei Stunden Arbeitszeit. Die beiden Zahlen 1215 und 121 können als vergleichbar angeſehen werden, denn ſie beziehen ſich auf zwei Pflanzen, welche ganz iſoliert auf gartenmäßig kultivierten Feldſtucken ſtanden, ohne abſichtlich an⸗ gebaut zu ſein. Wir fuͤgen ſie bei, um die Überlegenheit der Wieſengräſer gegenüber den Getreidegräſern im Punkte der Beſtockung darzuthun.