zu thun, als dieſe von außen kommenden Stoffe und Kräfte in ſich auf— zunehmen, auszunutzen und umzuſetzen, mit einem Worte, zu verarbeiten; vermehren kann ſie dieſelben nicht um das Geringſte, im Gegenteil, bei der Verarbeitung geht immer ein Teil derſelben ungenutzt verloren. Da nun Kraft und Stoff für einen beſtimmten Standort(Klima, Boden, Düngung) eine gegebene, begrenzte Größe ſind, ſo kann jede Pflanze in dem Zeitraum eines Jahres nur eine begrenzte Arbeit leiſten, und wenn ſie die Arbeit teilt, indem ſie einerſeits Stocktriebe andererſeits Früchte entwickelt, ſo kann zwar der Zweck der Fortexiſtenz möglicherweiſe mehr geſichert werden, aber es iſt klar, daß dieſe Arbeitsteilung notwendig eine Teilung oder Zerſplitterung von Kraft und Stoff in ſich ſchließt, während bei einer Konzentrierung der Arbeit— ſei es auf die Be⸗ ſtockung, ſei es auf die Fruchtbildung— durch die Zuſammenhaltung von Stoff und Kraft— in einer beſtimmten Richtung ſelbſtverſtändlich mehr geleiſtet wird.
Hiernach können wir uns theoretiſch drei Fälle denken:
1. Bevorzugung der Beſtockung.
2. Gleichſtellung der Beſtockung und Fruchtbildung.
3. Bevorzugung der Fruchtbildung.
Es läßt ſich leicht nachweiſen, daß dieſe drei Fälle in der That bei den Gräſern vorkommen. Wir halten ſie der Überſichtlichkeit wegen ſcharf auseinander, müſſen aber auch hier wieder daran erinnern, daß die Natur die Gegenſätze mildert und vermittelt.
1. Bei den ausläufertreibenden Gräſern wird die Beſtockung bevorzugt, allerdings mit größerer oder geringerer Entſchiedenheit. Bei einigen der hierher gehörenden Arten geht die Bevorzugung der Be⸗ ſtockung ſo weit, daß die Fruchtbildung ganz vernachläſſigt oder nur gelegentlich mit zur Fortpflanzung benutzt wird. Ein bekanntes Bei⸗ ſpiel hierfür iſt die Quecke, die ſich auf geeignetem Boden(auf humoſem Sande), ohne Samen hervorzubringen, Jahr aus Jahr ein erhält und lediglich durch die Erzeugung von unterirdiſchen Stocktrieben und ober⸗ irdiſchen Blättern ſo vorzüglich für ihre Fortexiſtenz ſorgt, daß alle Anſtrengungen des Landwirts, das läſtige Unkraut auszurotten, vergeblich ſind. So viel man auch herausſchaffen mag, es bleibt immer noch Samen genug im Boden. Das Wort„Samen“ kommt uns hier unwillkürlich in den Sinn. Warum? Weil die unterirdiſchen Ausläufer der Quecke in der That nichts anderes ſind, als ein Erſatz oder ein Aquivalent des Samens.
2. Bei einer zweiten Gruppe von Gräſern wird die Beſtockung und die Fruchtbildung ungefähr in gleichem Maße für die Fortpflanzung in


