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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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Aus dieſer Üüberſicht ergeben ſich in bezug auf das Verhältnis der Getreidearten zu den übrigen Gräſern folgende wichtige Thatſachen.

1. Bei den Getreidegräſern kommen weder unterirdiſche noch ober⸗

irdiſche Seitenausläufer vor.

2. Unter den Getreidearten ſind keine ausdauernden Gräſer vertreten. . Vielmehr gehören die Getreidearten zu den horſt

bildenden einjährigen Gräſern.)

Als ſolche ſind ſie am weiteſten getrennt von den Gräſern mit unter⸗ irdiſchen Ausläufern; etwas weniger weit, aber immer noch weit ſind ſie geſchieden von den Gräſern mit oberirdiſchen Ausläufern oder mit kriechenden, wurzelnden und aufſteigenden Halmen. Erheblich näher kommt ihnen die Geſamtheit der horſtbildenden Gräſer; unter dieſen ſtehen ihnen die ausdauernden ferner, als die einjährigen, mit welchen ſie, von dem angedeuteten Geſichtspunkt aus betrachtet, in einen engeren Kreis zuſammengehören.

Wodurch dieſe eigentümliche Gruppierung zu ſtande kommt, wird uns ſofort klar, wenn wir uns die Pflanzen für einen Augenblick, ohne alle Beziehung zum Menſchen, als Lebeweſen denken, die zunächſt um ihrer ſelbſt willen da ſind.

Wie alle Lebeweſen, ſo ſind auch die Pflanzen vergänglich, aber ſie erhalten ſich durch Wiedererzeugung oder Reproduktion ihrer ſelbſt, welche, im grunde genommen, in nichts anderem beſteht, als in einer fort und fort wiederholten Teilung des Körpers oder Organismus.

Die äußere Erſcheinung dieſer Teilung oder, wie man gewöhnlich ſagt, der Fortpflanzung iſt bei der Unzahl von Gewächſen, welche die Erde hervorbringt, eine ſehr verſchiedene. Bleiben wir bei den Gräſern ſtehen, ſo haben wir hauptſächlich zwei Arten der Fortpflanzung aus⸗ einanderzuhalten:

1. Fortpflanzung durch Beſtockung.

2. Fortpflanzung durch Fruchtbildung.

Beſtockung und Fruchtbildung ſind alſo die beiden Wege, auf welchen die Graspflanzen den Zweck der Fortexiſtenz erreichen.

Nun muß die Pflanze, um Stocktriebe oder Früchte zu bilden, eine Arbeit leiſten, welche Stoff und Kraft erfordert. Die Kraft liefert die Sonne, indem ſie der Pflanze Licht und Wärme ſpendet; den Stoff liefern Erde, Luft und Waſſer; und die Pflanze vermag nichts anderes

*) Auch das Wintergetreide iſt einjäͤhrig, denn ſeine Vegetationszeit, von der Ausſaat bis zur Ernte gerechnet, beträͤgt nur ausnahmsweiſe z. B. beim Johannisroggen uͤber 1 Jahr. Es mag hier erwähnt ſein, daß man die Getreidearten künſtlich, durch ſorg⸗ fältige Verhinderung des Schoſſens, mehrere Jahre am Leben erhalten kann. Daß dies aber der Natur des Getreides zuwider und ohne praktiſchen Wert iſt, liegt auf der Hand.