— 10
Gewalt(Wind ꝛc.) umgelegt worden iſt. Es bewirkt dies der Blatt⸗ knoten, indem derſelbe an der dem Erdboden zugewandten Seite ſtärker wächſt, als auf der entgegengeſetzten.(Fig. 7.) Die Kraft, welche der Blattknoten hierbei auszuüben vermag, iſt enorm. Denn nicht ſelten wird ein 1 m langes Halmſtück ſamt Ähre aus der wagerechten Lage am Boden durch die Krümmung des Blattknotens nach und nach in die ſenkrechte Stellung emporgehoben,„wobei die Laſt an einem ſehr langen, die Kraft an einem überaus kurzen Hebelarm wirkt“.*)
Der zweite Hauptteil des Blattes iſt die Blattſpreite. Darunter verſteht man den oberen Teil des Blattes, welcher ſich im rechten oder
Fig. 8. Ein Stuͤck Oberhaut von der Oberſeite des Hafer blattes(Avena orientalis) mit Spaltöffnungen aa, die zwiſchen den Blattnerven in parallelen Reihen angeordnet ſind. Vergrößerung 90 fach.
ſpitzen Winkel von dem Halme abbiegt und bei den meiſten Gräſern flach, im Verhältnis zur Länge ſchmal und am Ende ſpitz iſt. Wenn der Land⸗ wirt von dem Blatt' einer Getreide⸗ oder Grasart redet, ſo meint er damit gewöhnlich die Blattſpreite’. Fig. 6 zeigt bei sp die Blattſpreite des Fahnenhafers, aber freilich nicht in natürlicher Stellung, denn bei älteren und längeren Blättern bildet die Blattſpreite einen Bogen, deſſen Spitze abwärts hängt.
Während die Blattſcheide, wie wir geſehen haben, der Gras⸗ pflanze in erſter Linie mechaniſche und phyſikaliſche Dienſte leiſtet, hat die Blattſpreite hauptſächlich chemiſche Funktionen zu erfüllen.
*) J. Sachs, Experimental⸗Phyſiologie, 1865, S. 98.


