Die Blattſpreite hat nämlich den Zweck, die Nahrung aus der Luft aufzunehmen und zu verarbeiten. Zu dieſem Zweck iſt ſie mit zweierlei Organen ausgerüſtet: 1. mit chlorophyllführenden Zellen und 2. mit Spaltöffnungen.
Die chlorophyllführenden Zellen befinden ſich vorzugsweiſe an den Blattſpreiten. Es gibt ihrer aber auch an den anderen oberirdiſchen Teilen der Graspflanze: an den Blattſcheiden, an den Halmgliedern, an den Spelzen, welche die Früchte umhüllen, und an den Früchten ſelbſt, kurz, an allen grüngefärbten Teilen. Denn Chlorophyll iſt nichts anderes, als die griechiſche Üüberſetzung des deutſchen Wortes Blattgrün. An den grüngefärbten Teilen finden wir auch die Spaltöffnungen, jedoch nicht überall. Die Spaltöffnungen(Fig. 8) ſind mehr lokaliſiert, als die chlorophyllführenden Zellen. Als den Hauptſitz der erſteren haben wir bei den Gräſern die Ober⸗ und Unterſeite der Blattſpreiten zu bezeichnen. Die Mehrzahl der Spaltöffnungen und der chlorophyll⸗ führenden Zellen trifft alſo in den Blattſpreiten zuſammen. Hieraus erhellt, daß letzteren bei der Aufnahme und Verarbeitung der Luft⸗ nahrung die Hauptrolle zufällt.
Mit der äußeren Luft dringt nun namentlich die Kohlenſäure in die Spaltöffnungen ein. Sie dringt von hier weiter ins Innere durch die engen, aber offenen Räume, welche ſich zwiſchen den Zellen befinden, und gelangt ſchließlich durch die allſeitig geſchloſſenen Zellwände in die chlorophyllführenden Zellen.
Hier iſt die geheimnisvolle Werkſtätte, wo die Kohlenſäure zerlegt wird, indem der von der Sonne kommende Lichtſtrahl ſich in der Zelle fängt und die Elemente der Kohlenſäure aus ihrer Verbindung entfeſſelt. Der freigewordene Sauerſtoff entweicht als überflüſſig durch die Zell wände nach außen in die Luft. Der zurückbleibende Kohlenſtoff dagegen verbindet ſich auf rätſelhafte Weiſe mit dem in der Zelle vor⸗ handenen Waſſer direkt oder indirekt zu Stärke, Zucker, Fett oder ähn⸗ lichen Stoffen, welche von dem Orte ihrer Entſtehung in die übrigen Teile der Pflanze(Wurzeln, Früchte ꝛc.) transportiert werden, wo ſie teils als Verbrauchs⸗, teils als Reſervematerial dienen. Es ſteht feſt, daß das Stärkemehl, welches wir in reicher Menge in den Früchten der Gräſer angehäuft finden, aus den chlorophyllführenden Zellen, vorzugs⸗ weiſe der Blätter, ſtammt. Aus den chlorophyllführenden Zellen ſtammt auch der Kohlenſtoff, der zur Bildung der Proteinſtoffe(Eiweiß, Kleber ꝛc.) gehört; doch wiſſen wir noch nicht, wie und wo die durch die Wurzel aufgenommene Stickſtoffnahrung in organiſche Sub⸗ ſtanz umgewandelt wird, um mit dem Kohlenſtoff oder einer Kohlenſtoff⸗ verbindung zuſammenzutreten und die Proteinſtoffe zu bilden. Wir


