knoten iſt die Querwand, welche je zwei Glieder des Halmes von einander trennt. Der Blattknoten dagegen, den man gewöhnlich für den Halmknoten anſieht, iſt die ringförmige Verdickung an dem unterſten Teil der Blatt⸗ ſcheide. Daß ſich die Sache wirklich ſo verhält, davon kann man ſich leicht überzeugen. Wenn man nämlich den Halm unmittelbar unter dem Blattknoten durchſchneidet, ſo trifft man die Querwand, welche wir Halmknoten nennen. Macht man nun noch einen oder zwei dünne Querſchnitte, welche den unteren Rand des Blattknotens treffen, ſo kann man das ganze Blatt ſamt Scheide und Knoten von dem Halme ab⸗ ſtreifen. Fig. 6 zeigt ein Halmſtück a des Riſpenhafers, Avena sativa, welches aus der Scheide s herausgezogen iſt. b iſt das vollſtändige Blatt mit allen ſeinen Teilen. Man ſieht deutlich, daß der Blatt⸗ knoten k einen Teil des Blattes ausmacht.
Der obere Teil des Halmknotens, der ſich im Innern des Blatt⸗ knotens befindet, iſt der wichtige Punkt, welcher die jungen Halmglieder, Blätter und Blüten emporſchiebt. Dieſer Punkt beſitzt zugleich die Fähigkeit, Seitenzweige zu treiben. Und da unmittelbar über dieſem Punkt, d. h. am Fuße des Halmgliedes, auch die Wurzeln hervortreten, welche bei aufrechtſtehenden Halmen jedoch nur an den unteren Gliedern zur Entwicklung gelangen, ſo können wir ſagen: Alle Neubildung von Organen ſtützt ſich auf den Halmknoten.
Dementſprechend iſt gerade an dieſem Punkte des Grashalmes für eine ausgiebige Zufuhr von Verbrauchsmaterial geſorgt, indem die Ge— fäßbündelſtränge, welche zum Transport des Materials dienen, in dem Halmknoten ſich in ähnlicher Weiſe kreuzen, wie die Schienenſtränge auf einem Knotenpunkt verſchiedener Bahnlinien.
Wegen der Kreuzung der vielen Gefäßbündelſtränge iſt der Halm an dem Knoten hart, feſt und ſolid. Aber unmittelbar über dem Knoten iſt er weich und ſchwach; hier bricht er am leichteſten ab. Deshalb trägt die Blattſcheide und namentlich der Blattknoten, welcher die ſchwache Stelle gleichſam wie ein übergeſchobener und am unteren Rande ange— löteter Ring umſchließt, ſehr weſentlich zur Feſtigkeit des Halmes bei. Die Natur hat hier ein Werk von wunderbarer Zweckmäßigkeit zu ſtande gebracht. Kein Künſtler vermag eine Säule herzuſtellen, welche ebenſo tragfähig und zugleich ebenſo biegſam und elaſtiſch wäre, wie ein Gras⸗ halm. Iſt ſchon der röhrige Halm ein Kunſtwerk von höchſter Voll⸗ kommenheit, ſo erregt namentlich die Art und Weiſe, wie die einzelnen Glieder des Halmes aufeinandergeſetzt und durch den Halm- und Blatt— knoten miteinander verbunden ſind, unſere Bewunderung.
Die Natur hat auch dafür geſorgt, daß der Halm ſich aufrichten kann, wenn er in eine ſchiefe Stellung gezwängt oder durch übermäßige


