echten oder wahren Wurzeln bemerken. Auch fehlen an den Schein— wurzeln regelmäßig die Wurzelhaare. Ebenſo fehlt ihnen die Wurzel⸗ haube. Um im Boden vordringen zu können, ſind ſie mit einer harten Spitze ausgerüſtet, die z. B. bei der Quecke ſcharf iſt wie ein Dorn.
In Fig. 5 iſt ein Stück einer Scheinwurzel der allbekannten Quecke dargeſtellt. Man ſieht die ſchuppenförmigen Niederblätter b, welche bei l!, wo der Queckenſtrang aus dem Boden heraus an das Licht tritt, zu vollkommenen Blättern werden. Man ſieht auch die echten Wurzeln w, welche viel dünner ſind als die Scheinwurzel. Die echten Wurzeln ent⸗ ſpringen nicht überall, ſondern nur an denjenigen Stellen, wo auch die Blätter ſitzen. Dieſe Stellen ſind die Knoten, welche an den unter⸗ irdiſchen Stengeln ebenſowohl vorkommen, wie an den oberirdiſchen Halmen, nur mit dem Unterſchied, daß an erſteren die Verdickung der Knoten fehlt.
2. Stengel.— Der Stengel wird bei dem Getreide, wie bei den übrigen Gräſern, gewöhnlich Halm genannt, wie ſchon die Ausdrücke: Grashalm, Strohhalm, Halmfrucht beſagen. Der Halm zeigt, äußerlich betrachtet, bei allen echten Gräſern eine Anzahl Knoten, an welchen die Blätter entſpringen. Im Innern iſt der Halm an den Knoten mit einer Querwand geſchloſſen. Die Halmſtücke zwiſchen den Knoten ſind bei den meiſten Gräſern hohl oder röhrenförmig, bei einigen dagegen, wie z. B. bei dem Mais, mit Mark gefüllt.
Der knotige Halm iſt ein wichtiges Kennzeichen, denn wir können mittelſt desſelben die echten Gräſer, Süßgräſer oder Gramineen leicht und ſicher unterſcheiden von den Scheingräſern, Sauergräſern oder Cyperaceen(Binſen, Simſen, Seggen ꝛc.), deren Halm keine Knoten trägt.
Der Name Süßgräſer, der alſo auch für die Getreidearten gilt, iſt inſofern bezeichnend und zutreffend, als der Halm derſelben, be— ſonders kurze Zeit vor und nach der Blüte, ſüß ſchmeckt. Namentlich zuckerreich ſind die Maisſtengel. Am meiſten ausgezeichnet aber iſt in dieſer Beziehung das Zuckerrohr, das ebenfalls zu den Gräſern und
auch zu den Kulturgewächſen, aber nicht zu den Getreidearten gehört. Im allgemeinen hat der Halm der Gräſer den Zweck, die Blätter,
Blüten und Früchte zu tragen; doch zeigen ſich in Bezug auf die Ver⸗ richtung, ſowie in Bezug auf die Zahl und Anordnung der Halme bei den verſchiedenen Grasarten erhebliche Verſchiedenheiten, die wir indeſſen erſt weiter unten näher betrachten werden, wenn wir auf die Gegen— überſtellung von Gras und Getreide zu ſprechen kommen.
3. Blatt.— Das Blatt der Gräſer beſteht aus zwei Hauptteilen, nämlich aus der Blattſcheide und der Blattſpreite.


