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Da wir ſpäter noch einmal auf die Entwicklung und Bedeutung der Wurzel zurückzukommen haben, ſo gehen wir jetzt hierauf nicht näher ein. Dagegen iſt es am Platze, ſchon hier auf eine Verwechslung auf⸗ merkſam zu machen, die notwendigerweiſe vermieden werden muß.
Es kommen nämlich im Boden außer den echten Wurzeln bei vielen Gräſern auch Scheinwurzeln vor. Wir meinen damit die dickeren, ſchnur- oder peitſchenförmigen Stränge, wie wir ſie z. B. bei der Quecke,
Fig. 5. Gemeine oder kriechende Quecke, Triticum repens.— das Rhizom, an den
Knoten mit Niederblättern b beſetzt, welche bei 1, wo der Queckenſtrang an das Licht
tritt, in vollkommene Laubblätter übergehen. a Seitenäſte des Rhizoms; ww Wurzeln. der natüͤrlichen Größe.
Triticum repens, beobachten. Dies ſind alſo keine Wurzeln, ſondern unterirdiſch hinkriechende Stengel oder Stämme, ſogenannte Rhizome. Den Beweis für die Richtigkeit dieſer Auffaſſung liefern die weißlichen, gelblichen oder bräunlichen ſchuppen⸗ oder ſcheidenförmigen Niederblätter, welche wir regelmäßig an jungen Rhizomen*), niemals aber an den
**) An älteren Rhizomen vergehen die Niederblätter oft ganz; daß ſie aber auch hier urſprünglich vorhanden waren, beweiſen die Narben, die ſie zurücklaſſen.


