Juli. 217
ziemlich erwachſenen Junggeflügels in Erwartung der Futterſpende ſeiner freigebigen Hand vor und um ſich zu ſehen. Vergeſſen iſt alle aufgewendete Mühe, verſchmerzt ſo mancher herbe Verluſt, begraben ſo mancher Arger. Und er überzählt ſeine Lieben und ſiehe, es fehlt kein teures Haupt. Und im Geiſte erträumt er ſchon den höchſten Lohn für ſeine Züchtermühen, den I. Preis auf der erſten Junggeflügelausſtellung und noch manchen anderen, der ihm ſpäter für hochfeine Ausſtellungs⸗ vögel winken und zufliegen könnte. Aber noch ſind wir nicht über alle Berge: ein naſſer kalter Juli könnte noch viel verderben, ein recht heißer erſt recht durch Hervorbrechen gefürchtetſter Infektionskrankheiten. Vorſicht iſt in beiden Fällen geboten durch Schaffung ausreichender Schutzräume gegen Regen oder Sonnenſchein, ſoweit die vorhandenen für die vergrößerten Beſtände nicht ausreichen und Desinfizierung der Ställe und Laufräume durch Anſtrich des Innern der erſteren mit Kalkbrühe oder roher Karbolſäure beziehentlich durch Umgraben der Laufräume mit dem Spaten ſo, daß die oberſte Bodenſchicht völlig untergegraben wird. Bei Regenwetter bringt man eine Sandſchicht auf die Erde. Das Desinfizieren der Ställe tritt zugleich dem läſtigen Ungeziefer wirkſam entgegen. Freß⸗ und Trinkgefäße ſind täglich ſorg⸗ ſamſt zu reinigen und von Zeit zu Zeit durch Karbolwaſſer zu desinfizieren. Dieſe Maßregeln allein ſchaffen aber noch lange nicht kräftige und tadelloſe Zuchtſtämme, Ausſtellungsvögel. Kräftige, aber nicht Fett bildende Nahrung bei tüchtiger Bewegung und richtige Auswahl ſind die erſprießlichen Mittel. Auch für den Züchter von Schlachtgeflügel gilt letzteres, denn je kräftiger die Muskelentwickelung geworden iſt, deſto ſchwerer und größer iſt der Körper und deſto beſſer und ſchneller vollzieht ſich bei allmählicher Entziehung größerer Freiheit die Mäſtung.
Nach Aufſtellung dieſer allgemein für alles Geflügel gültigen Züchtungsregeln könnte es ſcheinen, als ob damit beſondere Vorſchriften für die einzelnen Geflügelarten nicht mehr erforderlich ſeien. Das Folgende wird von dem Gegenteile überzeugen.
Haushuhn. Man laſſe nicht mehr brüten, es ſei denn zur Erzüchtung von Ende November ſchlachtreif werdenden Junghühnern. Einſtellung von 4 bis 5 Monate alten Hennen frühreifer fruchtbarer Raſſen in den zur Eierproduktion beſtimmten Hennenbeſtand behufs Erlangung von Eiern von Mitte Auguſt an. Abſchaffung der älteſten Hennen behufs Futtererſparnis, da ſie kaum noch Eier legen.
Truthuhn. Im Alter von 2 Monaten(Ende Juni oder Anfang Juli) pflegen ſich bei den Kücken die roten Fleiſchknötchen an Kopf und Hals zu entwickeln. Gutes reichliches Füttern, Schutz vor Näſſe und direkter heißer Sonnenbeſtrablung und wärmender Stallaufenthalt helfen in der Regel die Kriſis ohne Schaden überwinden. Nach derſelben iſt Weidegang das beſte und ſparſamſte Erzüchtungsmittel.
Pfauen und Perlhühner ſiehe Juni.
Gänſe. Die Jungen ſind befiedert und es beginnt ihre Verwend⸗ barkeit als Schlachtgeflügel. Von 9 bis 10 Wochen alten Gänſekücken


