214 Sechſter Abſchnitt. Geflügel⸗Pflege⸗ und Züchtungsregeln.
Gänſe brüten bereits oder werden erſt brütig, je nachdem ſie früher oder ſpäter mit dem Eierlegen begonnen haben; daher giebt es denn auch wohl Gänſekücken im April, nachdem die Gans 28 bis 30 Tage gebrütet hat. Dieſelben müſſen je nach dem Ausſchlüpfen weggenommen werden, damit die Gans nicht mit wenigen Kücken das Neſt und den Reſt der Eier verläßt. Die Kücken ſind an warmem Orte in einem Korbe auf Heu zu betten und loſe zu bedecken, bis alle Eier aus— gelaufen ſind und erſtere der Gans zurückgegeben werden können. Erſtes Kückenfutter: gehacktes Ei mit Brotkrumen und fein zerſchnittene Salatblätter oder Kerbel. Die jungen Gänschen ſind gegen kalte und naſſe Witterung emfindlich; man laſſe ſie nur an warmen Tagen ins Freie auf eine trockene Wieſe, hüte ſie aber vor Regen. Bald kann man in Milch gekochte Hafergrütze verfüttern, ſpäter Weizenkleie mit Kartoffeln, dann geſchroteten Hafer, Gerſte oder Mais. Weißer Klee iſt beſonders dienlich.
Enten. Einzelne Enten werden brütig. Es iſt für die Aufzucht vorteilhaft, die Jungen von Enten führen zu laſſen. Über die Er⸗ nährung derſelben ſiehe März.
Mai.
Schwerlich wird die Mehrzahl der Geflügelfreunde im April viele
Freude an der Kückenaufzucht erlebt haben, denn es giebt nur ſehr wenige Geflügelbeſitzer, welche ihre Liebhaberei ſo weit treiben, daß ſie ſchon im März oder gar im Februar brüten laſſen und ſich von Mitte März an mit ſchwieriger Kückenaufzucht plagen möchten; und ob die Frühbruten zur Erzeugung von Junggeflügel zu kulinariſchen Zwecken bereits irgendwo bei uns in größerem Maßſtabe angewendet und aus⸗ gebeutet werden, erſcheint fraglich; neue Einführungen wollen Zeit haben. Und ſo nehmen wir unſere Zuflucht zur Hoffnung, die, wie überall, ſo auch im Leben des Züchters eine große Rolle ſpielt; hoffen auf herr⸗ liches Aufzuchtswetter im wunderſchönen Monat Mai und wünſchen, daß er wenigſtens nicht ganz nach der Bauernregel ausfalle, die da behauptet:
Mai kühl und naß,
Füllt Scheun' und Faß, ſondern daß er recht ſchön trocken und warm werden und ſo die Kücken— aufzucht in hohem Grade fördern möge. Wem noch nicht die erwünſchte Anzahl Kücken Züchterfreude bereitet, ſetze immerzu noch Brüterinnen. Selbſt erſt Mitte Juni auslaufende Kücken können noch zu kräftigen Zuchtvögeln fürs nächſte Jahr emporwachſen.
Haushühner pflege man, wie gewohnt. Verfütterung von Regenwürmern und Grünem, beſonders Salat, wo freier Auslauf nicht geſtattet werden kann. Bei vorſchreitender Lufttemperatur öftere Trink⸗ waſſererneuerung und Lüftung des Stalles auch während der Nächte.
In betreff der Truthühner gilt das im April Geſagte.
Perlhuhn. Von Mitte Mai an ſind Kücken zu erwarten. Die ſehr weichlichen, kleinen Vögelchen bedürfen viel Wärme und Schutz vor


